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Teamimpuls

Employer Branding, bevor das Hotel stand | Wie ein Team auf der Baustelle zusammenwächst.

28Jul2026
7 min
Hotel Chotek, Employer Branding

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Als das EST Hotel Palais Chotek im Mai 2026 eröffnete, lag bereits eine ungewöhnliche Phase hinter dem Team: Viele Mitarbeitende waren schon Monate vor der Fertigstellung an Bord und übernahmen Aufgaben weit jenseits ihres Berufsbilds.

Im Interview erzählen Geschäftsführer Lukas Koller und General Manager Thomas Duxler, warum sie bewusst früh eingestellt haben, was das mit dem Teamzusammenhalt macht und worauf sie beim Employer Branding setzen.

Interview-Partner

Lukas Koller (Bild oben: rechts) ist geschäftsführender Gesellschafter von EST Hotels & Residences (eine Marke der VANTAP-Gruppe) und verantwortet den Aufbau des Hotelportfolios in Wien und Budapest.

Thomas Duxler, MBA (Bild oben: links) ist General Manager des EST Hotel Palais Chotek in Wien. Mehr Informationen: www.est-hotels.com

EST Hotel Palais Chotek
EST Hotel Palais Chotek
EST Hotel Palais Chotek

Employer Branding, bevor es überhaupt ein Hotel gab

Ein besonderes Detail eurer Geschichte ist, dass Mitarbeitende bereits vor der Eröffnung aktiv bei der Fertigstellung des Hotels mitgewirkt haben. Wie kam es dazu und welche Aufgaben wurden übernommen, die eigentlich nichts mit dem späteren Jobprofil zu tun hatten?

Das Palais Chotek war ein außergewöhnlich komplexes Sanierungsprojekt, das sich über die Jahre mehrfach verzögert hat. Allein die historische Stuckatur und die Vertäfelungen waren in der Fertigstellung extrem aufwendig.

Zur selben Zeit wurden zwei Wiener Hotels, die wir früher besessen und betrieben haben geschlossen, sodass viele erfahrene Fachkräfte verfügbar wurden, die teilweise über 20 Jahre für unsere Familie gearbeitet haben. Wir haben uns bewusst entschieden, diese Mitarbeiter früh einzustellen. Auch wenn wir ihre Leistung in der Bauphase noch nicht zu hundert Prozent benötigten.

Das war wirtschaftlich sicherlich nicht der einfachste Weg, langfristig aber der richtige. Denn ein gutes Hotel entsteht nicht erst mit der Eröffnung, sondern vor allem durch die Menschen, die es von Anfang an prägen. Für uns als familiengeführtes Unternehmen war es wichtiger, langfristig Qualität zu halten. Das konnten wir mitunter damit sicherstellen.

Wie lange vor Eröffnung hattet ihr bereits Hotel-Mitarbeitende?

Unser Hoteldirektor war rund eineinhalb Jahre vor der Eröffnung an Bord und hat die Bau- und Pre-Opening-Phase eng begleitet. Die wichtigsten Abteilungsleiter kamen etwa sechs bis sieben Monate vor der Eröffnung dazu, die ersten operativen Positionen samt Supervisor-Funktionen rund drei bis vier Monate davor.

Geplant war ein gestaffelter Recruiting-Fahrplan. Die mehrfachen Verzögerungen haben diesen Zeitplan dann allerdings durcheinandergebracht und es fanden immer wieder Anpassungen statt.

Wie seid ihr bei der Suche vorgegangen?

Die Suche begann nicht bei Stellenanzeigen, sondern bei Menschen. Ein großer Vorteil war das langjährige Netzwerk der Eigentümerfamilie.

Rund 30 Prozent unserer heutigen Belegschaft arbeitet teilweise seit Jahrzehnten mit ihr zusammen und wollte diesen neuen Weg bewusst mitgehen. Gleichzeitig gilt bei uns ein Leitsatz, der sich immer wieder bestätigt: „Menschen gehen mit Menschen.“

Über unsere Hoteldirektion und die Abteilungsleitungen entstand dadurch ein echter Schneeballeffekt, weil viele Führungskräfte ehemalige Kolleginnen und Kollegen für das Projekt begeistern konnten.

Ergänzt wurde das durch Kooperationen mit Tourismusschulen und Hochschulen, an denen wir teilweise selbst unterrichten. Daraus entstanden mehrere Praktika und Festanstellungen.

Klassische Stellenanzeigen – teilweise sogar als Chiffre-Anzeigen – rundeten den Recruiting-Mix ab. Dass eine Hoteleröffnung grundsätzlich viel Aufmerksamkeit erzeugt, hat uns zusätzlich geholfen.

Welche Aufgaben übernahmen sie noch vor Fertigstellung?

Die Aufgaben hatten zunächst nur wenig mit klassischer Hotellerie zu tun.

Im Mittelpunkt standen Baulogistik, Zutrittskontrollen und Sicherheitsdienste, das Koordinieren von Anlieferungen, Reinigung der Baustelle, im Winter auch Schneeräumung, dazu teilweise und sehr vereinzelt auch kleinere Arbeiten wie das Aufbauen von Möbeln etc.. Konkret hat etwa das Front-Office-Team zeitweise die Baustellen-Security übernommen und das Housekeeping-Team die Baustellenreinigung. Also Tätigkeiten weit außerhalb des eigentlichen Berufsbilds.

Uns war wichtig, diese Phase klar als befristet zu kommunizieren und den Mitarbeitenden zu ermöglichen, ihren künftigen Arbeitsplatz aktiv mitzugestalten.

Wie wirkt sich diese gemeinsame Aufbauphase heute auf den Teamzusammenhalt aus?

Sehr positiv. Wir beobachten eine spürbar geringere Fluktuation, vor allem im Kernteam.

In der Bauphase haben wir einzelne Personen verloren. Das ist ehrlich gesagt normal.

Wer diese durchaus harte Zeit mit Aufgaben, für die man sich nie beworben hatte, gemeinsam durchgestanden hat, ist umso enger zusammengewachsen. Viele identifizieren sich heute auf einer ganz anderen Weise mit dem Haus und mit ihrem Team, weil sie es im wortwörtlich mit aufgebaut haben.

Würdet ihr einen solchen Ansatz bei einer zukünftigen Hoteleröffnung wieder wählen?

Grundsätzlich ja. Allerdings mit den Erfahrungen, die wir heute gesammelt haben würden wir wieder eher früher als zu spät einstellen, den Vorlauf aber etwas kürzer planen, weil wir heute besser einschätzen können, welcher Zeitrahmen funktioniert.

Den Gedanken „Erlebt die Baustelle mit uns und macht das Hotel gemeinsam fertig“ würden wir beibehalten: als Teambuilding und als Möglichkeit für die Mitarbeitenden, dem Produkt eine eigene Handschrift zu geben. Das gilt besonders für die Prozesse: Unsere Standard Operating Procedures sind gemeinsam mit den Abteilungsleitungen entstanden. Wer die Spielregeln mitschreibt, trägt sie später anders mit. Diese lange Vorbereitungs- und Trainingszeit zahlt heute messbar auf die Gästezufriedenheit ein.

Employer Branding: der USP als Arbeitgeber

Worauf setzt ihr heute mit fertigem Hotel bzgl. Employer Branding?

Employer Branding ist für uns nie abgeschlossen. Bei uns soll jede Persönlichkeit ihren Platz finden und sich entwickeln können. Als eigentümergeführtes Haus setzen wir bewusst auf kurze Entscheidungswege und darauf, dass jede Person ein Gesicht und einen Namen hat und nicht bloß eine Nummer ist. Mitarbeitende werden aktiv in Entscheidungen eingebunden. Und uns ist bewusst, dass wir alle einen großen Teil unserer wachen Zeit am Arbeitsplatz verbringen. Entsprechend wichtig ist uns, dass sich die Menschen hier kurz- wie langfristig wohlfühlen.

Was unterscheidet euch als Arbeitgeber von anderen Hotels in Wien?

Wir sind ein familien- und eigentümergeführtes Einzelhaus ohne große Head-Office-Struktur. Das heißt: Alle, die hier vor Ort sind, arbeiten unmittelbar am Unternehmenserfolg mit und jede einzelne Person wird gesehen und wertgeschätzt.

Außerdem nehmen wir uns im Auswahlprozess bewusst Zeit. Uns ist wichtig, dass neue Mitarbeitende ins bestehende Team passen und unsere Werte teilen. Dahinter steht der Leitsatz „Hire for attitude, train for skill“. Das Hotelhandwerk lässt sich vermitteln, entscheidend ist aber die gemeinsame Leidenschaft.

Welchen Slogan habt ihr sowohl für Hotelgäste als auch für eure Mitarbeitenden? Und wie lebt ihr das in der Praxis?

Für unsere Gäste lautet unser Markenversprechen „Ankommen, ausschlafen, aufblühen.“

Intern haben wir daraus augenzwinkernd „Ankommen, anpacken, aufblühen“ gemacht.

Dahinter steckt mehr als ein Wortspiel: So wie unsere Gäste bei uns zur Ruhe kommen und neue Energie schöpfen sollen, möchten wir auch unseren Mitarbeitenden Raum geben, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. „Aufblühen“ verstehen wir deshalb nicht nur als Versprechen an unsere Gäste, sondern als Haltung, die den Umgang miteinander prägt: vom ersten Arbeitstag bis zur langfristigen Karriereentwicklung.

Gab es Employer-Branding-Maßnahmen, die besonders erfolgreich waren und euch selbst überraschten?

Rückblickend hat uns überrascht, wie stark gerade die schwierige Bauphase verbunden hat. Also der Umstand, dass Mitarbeitende über Wochen Aufgaben übernahmen, für die sie weder ausgebildet waren noch sich beworben hatten. Diese besondere Phase war enorm verbindend.

Positiv überrascht hat uns außerdem die Hochschulkooperation: Wir haben die Partnerklasse aktiv nach Ideen zum Employer Branding gefragt, und daraus sind nicht nur Impulse, sondern auch zwei Festanstellungen und mehrere Praktika entstanden. Das hat deutlich besser funktioniert als erwartet.

Was ist euch bzgl. Employer Branding besonders wichtig und weshalb?

Glaubwürdigkeit. Wir möchten als EST Hotels & Residences eine Arbeitgebermarke aufbauen, wie sie die Eigentümerfamilie früher schon einmal etabliert hat: eine Marke, bei der sich Menschen gerne bewerben, lange bleiben und im eigenen Umfeld positiv über ihren Arbeitsplatz sprechen. Aus unserer Sicht ist diese Weiterempfehlung durch die eigenen Mitarbeitenden die stärkste Form des Employer Brandings. Sie lässt sich nicht verordnen oder inszenieren, sondern entsteht nur dann, wenn das Versprechen als Arbeitgeber im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt wird.

Welche nächsten Schritte sind geplant?

Wir sehen uns aktuell in einer Stabilisierungsphase: Das Fundament steht, jetzt geht es darum, jede Abteilung so aufzustellen, dass sie langfristig erfolgreich läuft – und dabei zu prüfen, wo noch Personal und/oder Training gebraucht wird.

Parallel vertiefen wir den guten Teamgeist, etwa über Kooperationen mit anderen Häusern, bei denen unsere Mitarbeitenden zu vergünstigten Raten mit ihrer Familie verreisen können.

Und wir arbeiten kontinuierlich an Marke und Prozessen weiter. Employer Branding verstehen wir nicht als Kampagne, sondern als Teil unserer Unternehmenskultur. Deshalb endet diese Aufgabe nie, sie entwickelt sich mit dem Unternehmen kontinuierlich weiter.

EST Hotel Palais Chotek
EST Hotel Palais Chotek
EST Hotel Palais Chotek

Hotel Palais Chotek

Hotel eröffnet im: Mai 2026

Zahl der Zimmer / Betten: 164 Zimmer und Suiten, rund 330 Betten.

Konferenz-Räumlichkeiten: Sieben flexibel gestaltbare Veranstaltungsbereiche, klimatisiert, immer mit Tageslicht und mit moderner Tagungstechnik (u. a. interaktive Displays, Highspeed-WLAN).
Bestuhlung je nach Format variabel: von kleinen Besprechungen bis zu größeren Veranstaltungen in der Bel Étage.

Sonstiges für Firmenkunden: Corporate-Raten für Firmenkunden, eigene Tiefgarage, gute öffentliche Anbindung (U2 Schottentor) sowie Fitnessbereich mit Sauna.

Fotos © EST Hotel Palais Chotek

Employer Branding, bevor das Hotel stand | Wie ein Team auf der Baustelle zusammenwächst.

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