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Teamimpuls

Zwischen Gipfeln: Mutige Führung als Gratwanderung bei der FOW West

27Jul2026
5 min
Silvia Sprügl, FOW West

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Bei der FOW West wird Silvia Sprügl einen Workshop zum Thema „Zwischen Gipfel und Grat: Mutige Führung in steilem Gelände“ halten. Das macht mich neugierig und ich lade sie gleich zum Interview.

Tickets sind noch verfügbar, hier gleich das Interview einer spannenden Person zu einem spannenden Thema:

Interview-Partnerin

Silvia Sprügl: Zwischen Berggipfeln und Meetingräumen bewege ich mich gleichermaßen gerne: Als Bergwanderführerin erlebe ich Führung unmittelbar, als People-Experience-Expertin gestalte ich sie im Unternehmenskontext. Mich fasziniert, warum Menschen Vertrauen schenken, wem sie folgen und welche unbewussten Denkmuster dabei wirken.

FOW West

Wer mehr von Silvia Sprügl hören will, kann sie bei ihrem Workshop live erleben:

Silvia Sprügl

Was Bergführung über Leadership verrät

Der Titel Ihres Vortrags spricht von „Gipfel und Grat“. Welche Parallelen sehen Sie zwischen einer anspruchsvollen Bergtour und dem Führungsalltag?

Am Berg sieht man oft schon den Gipfel, man weiß aber nicht genau, was einen hinter dem nächsten Hügel erwartet. Genau das erleben wir auch im Führungsalltag. Das Ziel scheint klar zu sein, jedoch können sich die Gegebenheiten laufend verändern. Was am Berg ein Wetterumschwung, körperliche und mentale Schwierigkeiten oder die Gruppendynamik ist, spiegelt sich im Büro mit Marktveränderungen, Preisdruck oder unterschiedlichen Charakteren wider.

Ob am Berg oder im Office, es gilt die Orientierung zu behalten und einen Rahmen zu schaffen, sodass die Teilnehmenden gemeinsam als Gruppe gut und sicher voran kommen können. Eine gute Führungskraft weiß es, mit Unsicherheiten umzugehen und Entscheidungen zu treffen, wenn es darauf ankommt.

Welche Eigenschaften zeichnen Menschen aus, die auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben?

Handlungsfähig bleiben Menschen dann, wenn sie sich den Unsicherheiten stellen, anstatt dagegen anzukämpfen. Es ist wichtig, in Krisensituationen einen Überblick zu verschaffen, Ruhe zu bewahren und den Fokus auf das zu lenken, das man beeinflussen kann. Eine gute Führungskraft muss nicht alles wissen, sondern bereit sein, Hilfe anzunehmen, durch die Gruppe zu lernen und die Route anzupassen, wenn sich die Bedingungen ändern. Daher ist ein gutes Maß an Selbstreflexion und Flexibilität für Änderungen das Um und Auf, um weiterhin Wertegetreu handeln zu können.

Am Berg kann eine falsche Entscheidung schwerwiegende Folgen haben. Welche Denkweisen aus der Bergführung helfen dabei, unter Druck gute Entscheidungen zu treffen?

Eine wichtige Lektion aus den Bergen ist, dass man nicht am Ziel festhalten muss. Viel wichtiger ist es, agil zu bleiben und die Situation laufend neu zu bewerten. Es gilt nicht nur den Gipfel schnell zu erreichen, sondern die Gruppe auch sicher zurückzubringen.

Wenn ich mein Projektziel erreicht habe, aber 50% meiner Mitarbeitenden im Burnout gelandet sind, dann sehe ich die Erklimmung des Gipfels nicht als nachhaltigen Erfolg an. Außerdem habe ich gelernt, dass Umkehren kein Scheitern ist. Oft ist es die mutigste und verantwortungsvollste Entscheidung, die man treffen kann.

Gibt es eine Erfahrung aus den Bergen, die Ihren Blick auf Leadership nachhaltig verändert hat?

Ich hatte mal bei einer anspruchsvollen Tour eine Teilnehmerin, die der Route körperlich nicht gewachsen war. Sie hat ihrem gesamten Freundeskreis schon im Vorhinein stolz erzählt, welch großartige Tour sie machen wird. Schon im ersten Anstieg kämpfte sie körperlich deutlich, war mental aber sehr motiviert.

Das war für mich eine enorme Herausforderung, weil ich ihr zum einen ermöglichen wollte, dass sie das Ziel erreicht. Zum anderen begann sich jedoch auch die Gruppendynamik und der Zeitplan zu verändern. Schlussendlich musste ich ihr mitteilen, dass die Tour für sie an einer Stelle endet.

Für mich haben sich an diesem Tag sehr viele Learnings ergeben: Ich kann es nicht allen recht machen. Ich muss auch schwierige und unangenehme Entscheidungen treffen. Und ich muss den Sachverhalt klar kommunizieren. Ich kann empathisch sein, aber dennoch Grenzen setzen. Ich habe die Verantwortung für die gesamte Gruppe, nicht nur für Einzelne.

Führung, wenn der Druck steigt

Sie sprechen bzgl. Ihres Workshops von wertebasiertem Handeln. Warum gewinnen Werte gerade dann an Bedeutung, wenn der Druck steigt?

Wenn alles gut läuft, dann ist es leicht nach seinen Werten zu handeln. Spannend wird es jedoch, wenn die Zeit drängt, der Kostendruck steigt und unterschiedliche Bedürfnisse ins Spiel kommen.

Wenn ich meine Werte kenne, dann kann ich authentisch danach handeln und muss nicht überlegen, was der nächste Schritt ist. Authentizität gibt den Menschen Sicherheit. Hier weiß jemand, was sie tut und warum sie es tut. Also vertrauen wir ihr. Werte schaffen Stabilität in instabilen Umgebungen.

Wie gelingt es Führungskräften, auch dann Zuversicht auszustrahlen, wenn sie selbst nicht wissen, wie sich die Situation entwickeln wird?

Auch hier gilt wieder: steh dazu, was du kannst und weißt und nutze gleichzeitig auch das Know-How des Teams. Gemeinsam ist eine Gruppe immer stärker. Menschen spüren schnell, wenn Zuversicht nur vorgetäuscht ist. Eine gute Führungskraft vermittelt Vertrauen in die Fähigkeiten der Teams und zeigt, dass sie auch in unsicheren Umgebungen eine Lösung finden werden.

Wenn Sie auf erfolgreiche Führungsteams blicken: Welche Gemeinsamkeiten erkennen Sie immer wieder?

Gute Führungsteams sprechen schwierige Themen schneller an. Sie investieren bewusst in klare Kommunikation und Transparenz und können dadurch potenziell aufkeimende Konflikte im Keim ersticken. Vertrauen in sich und die Teams, Klarheit, Verantwortungsübernahme und gemeinsamer Respekt sind das A und O von erfolgreichen Führungsteams.

Impulse für moderne Führung

Welche kleine Veränderung im Führungsverhalten hätte Ihrer Erfahrung nach oft eine überraschend große Wirkung?

Eine klare Kommunikation! Es ist wichtig, Erwartungen schneller und klarer auszusprechen. Es wird immer ein Thema sein, was Sender und Empfänger vermitteln. Viele Enttäuschungen entstehen nicht durch schlechte Absichten, sondern durch schlechte Kommunikation und Transparenz.

Diese kleine Veränderung bringt viel mehr Sicherheit, Orientierung und Vertrauen, als so manch komplexe Führungsinstrumente.

Wenn Sie HR-Verantwortlichen und Führungskräften nur einen Gedanken mit auf den Weg geben könnten: Welcher wäre das?

Menschen folgen Führungskräften, die glaubwürdig sind und ihnen den Rücken stärken. Wer mutig ist, Entscheidungen treffen kann, menschlich und werteorientiert handelt, der ist für mich eine gute Führungskraft. Ob am Berg oder im Büro, die Aufgabe von Führungskräften ist es, Orientierung zu geben, Vertrauen zu schaffen und Menschen zu befähigen, gemeinsam voranzugehen. Das ist für mich moderne Führungsarbeit.

Zwischen Gipfeln: Mutige Führung als Gratwanderung bei der FOW West

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