Was können wir in Nairobi über Talente, Führung und Innovation lernen? Karin Krobath über die Learnings und die Studienreise im Interview.
Foto oben: Eva Selan & Karin Krobath bei der Studienreise nach Rwanda 2023: Besuch bei der Firma Ampersand (E-Motorräder)
Karin Krobath war für mich immer schon eine Vordenkerin. Im Employer Branding ebenso wie bei ihrer Überzeugung, dass wir unseren Blick über die vertrauten Wirtschaftsräume hinaus richten sollten.
2023 durfte ich selbst bei einer ihrer Studienreisen nach Ruanda dabei sein. Wir besuchten die unterschiedlichsten Unternehmen: die Produktion und Distribution von Solaranlagen für kleine Ortschaften, riesige Kleidungs-Produktionen, Innovation Hubs, ein Unternehmen das Government-Aufgaben für das Volk digitalisiert (ein Pass für jeden innerhalb von 4 Tagen, ohne in ein Office fahren zu müssen?!), und vieles mehr.
Ich war schwer beeindruckt und frage mich seither: Weshalb suchen wir Inspiration für Führung, Innovation und Unternehmertum so selbstverständlich und hartnäckig in Europa und den USA? Es gibt so viel mehr zu entdecken, wenn wir unsere gewohnten Denkmuster bewusst verlassen.
Im März 2027 führt die nächste Studienreise nach Nairobi. Ein guter Anlass, Karin Krobath zum Interview zu bitten.
Interview-Partnerin
Dr. Karin Krobath zählt zu Österreichs Pionierinnen im Employer Branding. Seit über 20 Jahren begleitet sie Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Arbeitgebermarke und Unternehmenskultur.
Mit Studienreisen nach Afrika eröffnet sie Führungskräften, HR Verantwortlichen und Unternehmer neue Perspektiven auf Innovation, Talente und wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Die nächste Reise führt im März 2027 nach Nairobi.
Weshalb Kenia?
Karin, du bist Österreichs Pionierin im Employer Branding und organisierst seit 2018 Studienreisen nach Afrika. Was können Personalverantwortliche, Führungskräfte, Unternehmerinnen und Unternehmer gerade von Kenia lernen (Stichwort Fachkräfte finden und Führungskräfte entwickeln)?
Mehr als man glaubt. Als ich mit Employer Branding begonnen habe, gab es in Österreich nicht einmal das Wort dafür, und alle haben gefragt, wozu ein Arbeitgeber eine Marke braucht.
Heute fragen sie, was People & Culture in Nairobi verloren hat. Die Antwort ist dieselbe: Wer zu spät kommt, rekrutiert, was übrig bleibt.
Internationales Recruiting | Fachkräfte aus Kenia für Österreich
Fangen wir bei den Fachkräften an. Was finden Personalisten in Kenia?
Ruth zum Beispiel. Sie ist Diplomierte Pflegekraft aus Kenia, arbeitet seit einem Jahr in Österreich und wird im Februar kommenden Jahres ihre Nostrifizierung zur Diplompflegekraft abgeschlossen haben.
Österreich braucht bis 2030 rund 31.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte. Kenia bildet mehr Pflegekräfte aus, als es im eigenen Land Jobs gibt. Die kenianische Regierung will jedes Jahr eine Million Arbeitsplätze über alle Branchen im Ausland vermitteln. Arbeitsmigration ist Strategie! So wie es für unsere Kinder erstrebenswert ist, im Ausland zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln, so ist es auch für afrikanische High Potentials.
Betrifft es ausschließlich die Pflege?
Nein. Kenia ist selbst ein Tourismusland mit guter Ausbildung und ausgeprägter Servicekultur. Und Nairobi hat eine der stärksten IT-Szenen Afrikas.
2025 ist dort knapp 1 Milliarde Dollar in Startups geflossen, in Österreich waren es gerade mal 253 Millionen Euro. Arbeitssprache ist Englisch und wir leben in der selben Zeitzone, das macht Zusammenarbeit um vieles leichter.
Holen wir damit nicht genau die Leute weg, die Kenia selbst braucht?
Kenia bildet aufgrund der Demographie über dem eigenen Arbeitsmarkt aus. Das Geld, das Kenianerinnen und Kenianer aus dem Ausland nach Hause schicken, gehört zu den wichtigsten Devisenquellen des Landes. Im Ausland lernen und neue Perspektiven nach Hause bringen, hilft jeder Volkswirtschaft.
Wo kommt die Unternehmenskultur ins Spiel?
Genau hier. Rekrutieren ist das eine, doch der eigentliche Job ist die Integrationsbegleitung.
Ruth, zum Beispiel, wurde lange bevor sie nach Österreich gekommen ist auf das Leben und Arbeiten in Österreich professionell durch das Team von Pendl Piswanger vorbereitet und bei der Einreise und in den Monaten danach im Onboarding und beim Einleben begleitet. Darin liegt die Professionalität und die Basis für den gemeinsamen Erfolg.
Führungskräfteentwicklung | Was Unternehmen von Nairobi lernen können
Was haben Führungskräfte von einer Studienreise nach Nairobi?
Führungskräfte pilgern nach St. Gallen, Harvard oder ins Valley und kommen bestätigt zurück.
Aus Nairobi kommen sie irritiert zurück, und genau das ist der Lerneffekt: Sie sehen, wie Innovation ohne Altlasten funktioniert. In Kenia hat man das Festnetz übersprungen und ist mit M-Pesa direkt beim Bezahlen per Handy gelandet, Jahre bevor wir das kannten.
Was ist aus den bisherigen Reisen entstanden?
- Barbara Stöttinger, damals Dean der WU Executive Academy, war 2018 dabei. Danach gab es an der WU einen Kurs „Doing Business in Africa“.
- Aus den Begegnungen mit der Strathmore Business School ist eine Partnerschaft mit der WU entstanden, heute machen Wiener Studierende ihr Auslandssemester in Nairobi.
- Mehrere Teilnehmende haben in Start-ups investiert, eine Gruppe plant einen Investmentfond, eine andere will Avocado Öl importieren.
- Angelika Kiessling-Kranzelmayer hat gemeinsam mit Wolfgang Berger für Pendl Piswanger den Geschäftsbereich „International Recruiting & Integration“ aufgebaut, der neue Standards im Recruiting und der Integration von Fachkräften aus Drittstaaten wie Kenia setzt. Beide waren mit uns in Ruanda und Kenia, Ruth ist eine der Kandidatinnen.
So schließt sich der Kreis: Wer mitfährt, kommt mit einer neuen Geschäftsidee zurück.
Dein Satz an Manager & HR-Chefs?
Was möchtest du Menschen mitgeben, die Unternehmen führen, gestalten oder beraten?
Am besten vom 1. bis 5. März 2027 nach Nairobi mitkommen. Vorurteile darf man gerne mitbringen, AHA-Erlebnisse sind garantiert.
Learning Journey: Nairobi
- 1-5märz2027
- € 2.300 (Early Bird bis 16dez2026) netto exkl. Flug & Hotel
- www.identifire.at/…/lernreise-silicon-savannah
- Persönliche Erfahrungen: Studienreise nach Rwanda 2023
Fazit: Mut zur anderen Blickrichtung
Wir investieren viel Zeit darin, bestehende Prozesse zu verbessern, Strategien zu optimieren und vertraute Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Deutlich seltener fragen wir uns, ob wir überhaupt an den richtigen Stellen nach neuen Lösungen suchen.
Der Blick nach Nairobi erinnert daran, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht nur einem europäischen oder amerikanischen Muster folgt. Wer bereit ist, andere Wege als gleichwertige Inspirationsquellen zu betrachten, entdeckt möglicherweise Chancen, die auf den gewohnten Konferenzbühnen kaum zur Sprache kommen.
Für Führungskräfte, Personalverantwortliche und unternehmerisch denkende Menschen ist das eine wesentliche Kompetenz: nicht nur das eigene Wissen zu vertiefen, sondern auch die eigenen Annahmen zu hinterfragen. Nairobi bietet dafür einen spannenden Ausgangspunkt.
Was mich an solchen Reisen besonders interessiert, sind nicht allein die Unternehmen, Projekte oder Geschäftsmodelle, die man kennenlernt. Es sind die Fragen, die man anschließend an die eigene Arbeit stellt. Fragen, die im vertrauten beruflichen Umfeld vielleicht nie entstanden wären.
Nairobi als Lernort | Eine Studienreise über Talente, Führung und Innovation



