HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Fließt es eigentlich wirklich in unserem Leben?

Wir sind alle im Flow – denken wir, wenn wir einen Termin nach dem anderen haben, lückenlos beschäftigt sind, ständig unterwegs und kaum zum Nachdenken kommen. Wir sind im Fluss des Lebens, getrieben in einem Strom der Generalisierung und der Gleichheit. Gleich im Sinne, wir möchten alle das machen, was schnell und viel Geld bringt, was Ansehen bringt und den Status hebt. Dann denken wir dazuzugehören und anders und besser zu sein als andere.

Ist es nicht jedoch genau das Gegenteil?

Viele machen einen Job, der anstrengend ist, der ihrem Naturell und Potenzial gar nicht entspricht und wundern sich, warum er mehr Distress als Eustress erzeugt und trotzdem nicht, wie bei anderen, zum erhofften Erfolg führt. Sie quälen sich täglich in ihrem Job und benötigen viele ausgleichende Ressourcen, die dies wieder wettmachen.

Wir sind gehetzt und lustlos, unser Körper versteift sich, wird ungelenkig und hart; so auch unser Charakter und unser Umgang mit anderen Menschen. Unsere gesamte Harmonie des Körpers und der Psyche ist alles andere als im Fluss.

Was bedeutet es nun „im Flow sein“?

Unter Flow versteht man die völlige Hingabe und das Aufgehen in einer Tätigkeit. Der Fokus liegt in der Gegenwart und ist nicht auf das Endziel gerichtet, sondern im Augenblick des Tuns und des Erlebens. Die Belohnung liegt in der Tätigkeit selbst ohne das Streben und der Erwartung danach. Das Raum- und Zeitgefühl verändert sich und die Konzentration steigt in natürlicher Form an. Die Person im Flow wächst über sich hinaus und geht voll und ganz in ihrer Aufgabe und im Augenblick auf. In vollkommener Präsenz der Tätigkeit zugetan, bewirkt es Höhenflüge und ekstatisch ähnliche Zustände, fern von jeglicher Befriedigung von Egobedürfnissen (M. Csikszentomihalyi, Flow im Beruf). Negative Empfindungen und Gefühle wie Neid, Eifersucht, Unsicherheit und Zweifel usw. finden hier keinen fruchtbaren Boden.

Jede Tätigkeit und Handlung, die mit der vollkommenen bewussten Aufmerksamkeit, mit dem persönlichen Potenzial aus sich heraus getätigt wird, kann zu einem Flow Zustand führen und in dauerhafte Befriedigung führen.

Der Körper als „Spiegel“ des Möglichen

Durch Selbstbeobachtung der Reaktionen des Körpers in den verschiedensten Situationen, erhält man Aufschluss darüber, was Anspannung, Krämpfe oder Unbeweglichkeit beschert. Das kann z.B. im Arbeitsalltag eine beliebige Situation, eine Reaktion oder auch eine Handlung uvm. sein, in der sich ein Körperteil verspannt, verkrampft oder in Starrheit verfällt. Um solche Regungen des Körpers sich bewusst machen zu können bedarf es einer hohen positiven Selbstaufmerksamkeit und ein gutes Körpergefühl, um sich dessen bewusst zu sein und in weiterer Folge in Bezug zu setzen. Vor allem unsere Gelenke, die unseren Körper beweglich halten und uns ausbalancieren sind ein wichtiger Teil davon, wahrzunehmen, was uns in unserer persönlichen Freiheit zu sehr einschränkt und letztendlich in eine Starrheit und persönliche Unfreiheit führt.

Wie komme ich in den „Flow“?

Der erste Schritt zum Flow ist das Erlernen eigener Körperreaktionen in Verbindung mit Situationen und Handlungen wahrzunehmen. Dies erfordert bewusste Selbstaufmerksamkeit im Hier und Jetzt  und den entsprechenden damit verbundenen Situationen. Zu Beginn ist es empfehlenswert, sich vorerst bei einfachen Tätigkeiten (wie z.B. In Smalltalks, am Computer oder beim Mittagessen mit Kollegen) zu beobachten und in späterer Folge erst in komplexen und hochgradig verantwortungsvollen Situationen (Verhandlungen, Diskussionen, Strategiesitzungen o.ä.). Gelingt es, die körperliche Anspannung wahrzunehmen und den Kontext mit einer Situation herzustellen, kann im nächsten Schritt entweder die Anspannung fallen gelassen oder die Situation verändert werden. Damit ist gemeint, dass man sich eventuell statt wie gewohnt zu seinem Gegenüber nach vorn zu lehnen, sich zurücklehnt, die Schultern entspannt und damit aufmerksam zuhört und den anderen in Ruhe aussprechen lässt, bevor man seine eigenen Argumente einbringt.

Ziel ist es, zu erkennen welche Tätigkeiten, Aufgaben, Gespräche oder im größeren Sinne berufliche Situation für persönliches Wachstum und vollem Einsatz für mich letztendlich geeignet sind. So kann die Anzahl der Flow Erlebnisse gesteigert werden und den Großteil meines Alltags einnehmen. Letztendlich führt dies zu mehr Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und zu einer harmonischen Umgebung.

Gastautorin: Ursula Theresia Fuhrmann, Bodyreflections, www.bodyreflections.at:
Nach meinem dritten Bandscheibenvorfall wurde mir Pilates als unterstützende Aktivität empfohlen, um meine Rückenmuskulatur besser aufzubauen und zu stärken. Ich entschloss mich dann, nachdem ich es ein Jahr lang praktizierte, eine Pilates Ausbildung nach P.M.A. (Pilates Method Alliance) zu absolvieren. Im Jahr 2007 begann ich dann im eigenen Studio Pilates Matte und Geräte zu unterrichten. Ich merkte bald, dass meine Arbeit sich nicht nur auf Körpertraining im engeren Sinne beschränkt, sondern, dass es vielmehr vermag als eine mechanische Abfolge von Übungssequenzen auszuführen. Das Unterrichten von vielen verschiedenen Menschen, persönlichen Erfahrungen mit der Alexander-Technik und der Auseinandersetzung mit Embodiment aus der wissenschaftlichen Psychologie brachten mich dazu, mit „Bodyreflections“ ein neues Körperprogramm zu entwickeln.

teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.