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Veränderungen gestalten: Nicht reden – tun!

Das neue Jahr ist eine Woche alt – Hand aufs Herz: Sind Sie bei Ihren Vorsätzen für 2014 noch auf Kurs? Oder hat sich die  Routine im Alltag schon wieder durchgesetzt?

Wenn ja, ist es vielleicht ein Trost zu wissen, dass Sie damit nicht alleine sind. Neue Wege gehen – das wollen viele. Aber nicht alle kommen auch ans Ziel. Das gilt im Kleinen genauso wie im Großen.

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Auch in der Wirtschaft bringen viele Veränderungsprozesse nicht den gewünschten Erfolg. Entweder werden sie vorzeitig beendet oder nur mit einem geringen Umsetzungsgrad implementiert.

Veränderungen erfolgreich gestalten – das scheint eine der großen Herausforderungen für uns Menschen zu sein. Meistens scheitert es aber schon daran, dass ein Wandel gar nicht erwünscht ist. Gesagt wird das so aber nicht……

Der inszenierte Wandel

Wenn viel über notwendige Veränderungen gesprochen wird, große Reformen angekündigt werden, viel Papier mit Überschriften produziert wird und eine Menge von Arbeitsgruppen installiert werden – dann wissen wir als gelernte Österreicher: Viel Lärm um nichts.

Wir leben in einem Zeitalter der Inszenierung. Das zeigt sich auch dann, wenn es um notwendige Veränderungen geht. Organisationen, die einen Wandel inszenieren, ist die mediale Wirkung besonders wichtig. Viele endlos lange Meetings werden zelebriert, Aktivität zu zeigen ist oberstes Gebot. Fragen nach konkreten Daten und Fakten werden mit der Bemerkung „streng vertraulich“ hartnäckig ignoriert.

Diese Organisationen haben in Wirklichkeit gar kein Interesse an einer Veränderung des Status Quo. Ein substanzieller Wandel bringt auch immer Verschiebungen im Machtgefüge. Und nichts kann einen Veränderungsprozess stärker bremsen, als die Angst vor Machtverlust. Dann doch lieber Stillstand.

Change Management by Panic

So zu tun, als ob – damit können Entscheidungsträger Zeit gewinnen. Und zwar solange, bis sie mit den Rücken zur Wand stehen und radikale Veränderungen unvermeidlich sind. Mangels besseren Wissens oder aus purem Machterhalt hat man es verabsäumt, rechtzeitig die notwendigen Anpassungsschritte vorzunehmen. Nun 5 Minuten nach 12 regiert die Panik – und genauso sehen die nun folgenden Veränderungsschritte aus.

„Alles dreht sich, alles bewegt sich“ heißt ab sofort die Devise. Alles was bis jetzt richtig war, ist nun falsch. Ohne Plan, ohne Analyse, ohne Wissen und vor allem ohne Skrupel zählt jetzt für die gleichen handelnden Personen nur eines: Veränderung um der Veränderung willen. Es ist, wie wenn jemand ein Kartenspiel in die Hände bekommt, das er nicht kennt. Er nimmt das Kartenpaket und schmeißt es in die Luft. Und aus dem, wie sich dann die Karten am Boden verteilen, versucht er das Spielergebnis abzuleiten.

Spätestens nun kommt der Zeitpunkt, an dem die Verantwortlichen aus dem Spiel genommen werden. Leider ist bis dahin auch jene Zeit verstrichen, die man für einen systematischen und kontinuierlichen Wandel gut nutzen hätte können.

Konsequenz und Disziplin als Erfolgsgaranten

Wenn wir über Reformen in der Wirtschaft oder Gesellschaft reden, meinen wir damit meistens große und einmalige Anstrengungen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Und unter „Change Management“ wird in der Regel eine großstrukturierte Projektorganisation verstanden, die für die Ausarbeitung und Umsetzung der Änderungsnotwendigkeiten sorgen soll.

Das muss so nicht sein. Es gibt viele Unternehmen, die mit einer „Strategie der kleinen Schritte“ den notwendigen Wandel kontinuierlich und erfolgreich gestalten. Wer rechtzeitig auf die „schwachen Signale“ in der Wirtschaft und in der Gesellschaft reagiert, wird notwendige Anpassungen auch zeitgerecht umsetzen. Wer z.b. seine Kostenstruktur permanent im Auge hat, der wird auch in Krisenzeiten einen langen Atem haben.

Diese Unternehmen reden nicht groß über Veränderungen, der Wandel gehört für sie zum „daily business“. In kleinen Schritten, aber dafür konsequent, diszipliniert und kontinuierlich.

Fazit

„Ich bin nicht gegen den Fortschritt, aber am liebsten wäre es mir, es bleibt alles so wie es ist“. So oder so ähnlich könnte man unsere Einstellung zum Thema Veränderung wohl beschreiben. Wir sind alle dafür, aber bequemer wäre es, wenn alles beim Alten bleibt.

Und auch das gilt im Großen wie im Kleinen. Für die Change Prozesse in den Organisationen genauso wie für unsere Vorsätze zum Jahresanfang. Vielleicht sollten auch wir weniger darüber reden, sondern einfach tun – nicht nur am 1. Jänner, sondern jeden Tag aufs Neue.

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“.
(Franz Kafka, österreichischer Schriftsteller)

 

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2 Kommentrare

  1. Andreas Madjari am

    Das Project Management Institute hat vo einigen Wochen zu diesem Thema passend ‚Managing Change in Organizations, A Practice Guide‘ veröffentlicht. Dieser beschreibt, wie Unternehmen ihr Portfolio-, Programm- und Projektmanagement nutzen und ausrichten können, um das Unternehmen flexibler und offener für Veränderungen zu machen. Die elektronische Ausgabe ist für Mitglieder kostenfrei: http://www.pmi.org/PMBOK-Guide-and-Standards/Standards-Library-of-PMI-Global-Standards.aspx

  2. Mag. Martina Dienstl am

    Vielen Dank, wieder einmal für die klaren Worte. Ich wünschte mehr Verantwortliche würden sie lesen und ins Bewußtsein vordringen lassen, um dann zu TUN (wie es deren Verantwortung wäre).
    Weiter so und mit lieben Grüßen!

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