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Konflikte lösen | Kämpfen oder schweigen???

F_629791_konflikte-loesenSchwierig und destruktiv werden Meinungsverschiedenheiten erst durch die Art und Weise, wie die handelnden Personen damit umgehen. Die einen gehen sofort zum  Angriff über und versuchen, die Gegenpartei von der Richtigkeit der eigenen Meinung zu überzeugen. Dieser Konflikt wird schnell heiß und damit sichtbar.

Die meisten Menschen weichen einem offenen Konflikt so lange wie möglich aus. Unbewußt, weil sie die Harmonie suchen, oder bewußt, weil sie im Konflikt verdeckt agieren möchten.

Eines jedoch haben heiße und kalte Konflikte gemeinsam: Gesprächsverweigerung führt immer zur Eskalation.

Konfliktstrategie Sieg oder Niederlage

Zugegeben – Personen, die sich sehr schnell in einem Konflikt offen positionieren, sind in Österreich in der Minderheit. Aber dafür machen diese das mit voller Energie und mit aller Kraft. Angetrieben vom subjektiven Empfinden im Recht zu sein oder aus Sorge Macht und Einfluss zu verlieren, wird sofort versucht die Gegenpartei von der Richtigkeit der eigenen Meinung zu überzeugen. 

Da sich aber auch die Gegenpartei im Recht fühlt, ändert das nichts an den Widersprüchen. Daher wird nun der Druck erhöht. Es kommt zu einem Schwarz-Weiß-Denken und die Sichtweise des Gegenübers wird vollkommen ausgeblendet. In letzter Konsequenz ist man sogar bereit, den Gesprächsabbruch als letztes Druckmittel einzusetzen. Wenn das passiert, wird die einzige Möglichkeit gekappt, gemeinsam zu einer Konfliktlösung zu kommen.

Personen, die in einem Konfliktfall davon getrieben sind, es „dem Anderen zu zeigen“ oder die als Konfliktstrategie nur Sieg oder Niederlage kennen, nehmen keine Rücksicht auf das Gegenüber. Deses Konfliktverhalten führt in der Regel sehr schnell zum Abbruch der Kommunikation und damit zu einer weiteren Konflikteskalation.

Wie nette Menschen Konflikte lösen

Die meisten Menschen sind von Natur aus eher konfliktscheu. In unserer Kultur führt das interessanter Weise dazu, dass diese Personen sehr oft mit charakteristischen Eigenschaften beschriebenen werden, die auf den ersten Blick sehr positiv klingen. Wir alle kennen „ausgesprochen nette Kollegen oder Chefs“.

Dass sich der Betreffende aber viel Gefallen lässt und vielleicht öfter als für ihn gut ist, gute Mine zum bösen Spiel macht – dieser Gedanke liegt uns fern. „Ich habe ihn noch nie wütend gesehen“ – in unserer Konfliktkultur ist das fast so etwas wie ein Ritterschlag. Hier wird jemand, der offensichtlich bis zur Selbstverleugnung nach Harmonie strebt, zum leuchtenden Vorbild im Konfliktfall hochstilisiert. Und genau damit liegen wir falsch.

Nicht selten ist zu beobachten, dass einige dieser „netten“ Menschen ihre eigenen Strategien im Konflikte-Lösen verfolgen. Nur weil jemand einen Konflikt nicht offen anspricht, heißt das noch lange nicht, dass er diesen nicht (verdeckt) ausficht. Passivität und Absenz, abfällige Bemerkungen nach Besprechungen oder gezielt „das Haar in der Suppe suchen“ – das sind nur einige Beispiele, wie man sich in einem Konflikt positionieren kann, ohne „offen“ Flagge zu zeigen.

Bei diesen Verhaltensweisen spricht man von einem „kalten“ Konflikt, der in der Regel erst sehr spät sichtbar wird. Und zwar dann, wenn bereits erste Schäden entstanden sind. Die Gesprächsverweigerung gibt es hier bereits von Anfang an – weil der Konflikt erst gar nicht thematisiert wird.

Konflikte lösen – ein Fazit

Wie jemand in einem Konflikt reagiert, ist abhängig von seiner Konfliktkompetenz. Die einen geraten sehr schnell in Rage und treiben den Konflikt sofort auf die Spitze. Und wenn es sein muss, auch auf eigene Kosten. Die anderen verleugnen so lange es geht – oder versuchen subtil ihre Interessen durchzusetzen. Beide Verhaltensmuster sind destruktiv und führen unweigerlich in eine Sackgasse.

„Mit dem Reden kommen die Leute zusammen“ – dieses alte Sprichwort zeigt, dass man im Konfliktfall den Lösungsweg nicht neu erfinden muss. Eine gute Konfliktkompetenz zeigt sich vor allem dadurch, dass man im Konfliktfall nicht die andere Person als Problem betrachtet, sondern deren unterschiedliche Sichtweisen und Handlungen.

Wenn das gelingt, ist es auch möglich, ein konstruktives Gesprächsklima aufrecht zu erhalten. Und das ist unverzichtbar, um Konflkte gemeinsam lösen zu können.

„Konflikte entstehen oft im gegenseitigem Verschweigen“
(Otto Baumgartner-Amstad, Schweizer Autor)

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