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Participate! Eine innovative Art, eine HR-Konferenz zu gestalten.

Veranstaltungs-Bericht

Participate! DGFP//lab: Mehr Demokratie wagen! 26+27sep2014, Berlin

Neue Führung muss sich in kulturprägenden Momenten und Methoden wiederfinden. Konferenzen und Workshops mit Frontbeschallung gibt es schon genug und darauf hat kaum mehr einer wirklich Lust, dachten die Agentur Klubhaus, nextpractice, die dgfp und ich  Stephan Grabmeier – als wir das Format für das dgfp//lab entwickelt haben. Wie soll man neue Führung erleben und über vernetztes Arbeiten nachdenken, wie soll man Visionen entwickeln und innovative Lösungen finden, wenn sich das im Format nicht widerspiegelt?

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Wie verändert sich in Zukunft unser Arbeiten und unsere Personalführung? Dieser Frage sind wir im sept2014 mit 250 Teilnehmern – digilog (digital und analog) – im dgfp//lab nachgegangen. Wir, das sind die Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. (dgpf) und ich (Stephan Grabmeier, Chief Evangelist bei den Innovation Evangelists). Das Schlagwort Participate! spiegelt sich sowohl im Format als auch in den Ergebnissen wider.

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf permanenter Interaktion, ständigem Wechselspiel zwischen digitaler Bewertung und analoger Kreativphase und sofort umsetzbarer Ergebnisse gesetzt. Zwei Tage lang haben wir mit 250 Personen zusammen digital und analog 116 Thesen erarbeitet, die wir zu 49 Thesen verdichtet haben.

Das Lab

Acht Wochen vor der Veranstaltung haben wir die Themen für die Programmgestaltung in zwei Online-Sessions erarbeitet. Teilgenommen haben jeweils 70 bis 90 Personen. Natürlich haben wir dafür getreu unseren Motto Participate! digitale Enterprise 2.0-Anwendungen genutzt und zwar ausschließlich.

Die dort erarbeiteten Themen waren dann die Basis für das dgfp//lab, das Ende September 2014 in Berlin stattfand. Im Radial System kann man mit 300 Personen effizient arbeiten, für uns auch dank Berliner Innovations-Spirit ein idealer Arbeitsort.

Wir sind über die Persona-Methode in das Thema eingestiegen, um am Individuum zu gestalten. In vielen Marktplatzsituationen haben wir mit hochrangigen Experten unsere Inhalte permanent angereichert. So bekamen wir Input von Impulsgebern aus Politik, Wissenschaft und Unternehmen. Natürlich haben wir das dgfp//lab durch digitale Abstimmungstools und Austauschformate – getreu dem Motto „Participate!“ – für alle Interessierten zum Mithören, Mitdiskutieren und Mitentscheiden geöffnet. Garniert wurde das Feuerwerk an Experten und digitalem Arbeiten mit zwei Impulsvorträgen vom Trendforscher Prof. Peter Wippermann und dem digitalen Aufklärer Tim Cole.

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Die Thesen

Demokratie und Partizipation sind die eine Sache. Effizienz ist die andere. Aber wir können von uns sagen, dass es uns mit dem dgfp//lab gelungen ist, beide Anforderungen zu erfüllen. Wir haben für Beteiligung gesorgt, für Demokratie, für Diskussionen und für Abstimmungen. Und wir können konkrete Ergebnisse vorweisen. Die Thesen, die wir erarbeitet haben, decken die Themen Personalführung, Entscheidungen, Informations- und Wissensmanagement und Unternehmenskultur ab. Hier eine Zusammenfassung:

1. In der Personal- und Unternehmensführung verlieren Hierarchien an Bedeutung. Bei den Führungsqualitäten liegt die Betonung nicht mehr so sehr auf der Durchsetzungsfähigkeit, sondern viel stärker auf der Schaffung von Spielräumen. HR Manager sind immer mehr dafür zuständig, die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter zu fördern, sie in ihrer Arbeit zu unterstützen und es ihnen zu ermöglichen, hierarchieunabhängig und vernetzt zu arbeiten. Führungskräfte nehmen künftig eher eine Moderatorenrolle ein, als dass sie dafür zuständig sind, ein Machtwort zu sprechen.

participate_32. Entscheidungen zu fast allen Themen werden partizipativ getroffen. Das heißt konkret: Mitarbeiter werden in Unternehmens- und Projektentscheidungen eingebunden. Für die Unternehmensleitung bedeutet das, dass sie ihren Mitarbeitern vertrauen müssen. Denn wer Kontrolle über Entscheidungen und über Kommunikation abgibt, der verliert auch die Deutungshoheit über seine Themen. Spielregeln bleiben deshalb natürlich wichtig. Aber auch sie werden partizipativ erarbeitet. Mit dem dgfp//lab sind wir hier schon mit gutem Beispiel vorangegangen.

3. Wissen und Informationen sind nicht mehr das Privileg der kleinen Führungsriege. Digital vernetzte Unternehmen, die auf sich schnell wandelnde Märkte reagieren müssen, die schnell innovieren und sich wandeln wollen, müssen Informationen teilen. Wissen zu horten ist out. Heute teilt man sein Wissen – dabei ist die Fähigkeit des einzelnen, sich Wissen und Informationen anzueignen (Informationskompetenz) zentral.

4. Aus Fehlern lernen – das ist nur möglich, wenn sich die Fehlerkultur in den Unternehmen endlich ändert. Fehler machen gehört dazu, im Leben wie im Beruf. Den Beigeschmack des Scheiterns muss man Fehlern endlich nehmen, nur so ist es möglich aus ihnen zu lernen. Wenn man immer versucht, seine Fehler zu vertuschen, dann machen andere sie nochmal. Solche Ansichten sind von gestern: Flache Hierarchien und eine partizipative und transparente Unternehmenskultur müssen es ermöglichen, mit Fehlern offen umzugehen.

Mein Fazit

Ich bin froh, daß die DGFP mit uns und digilog ein neues, frisches und mutiges Format umgesetzt hat. Ich bin stolz, bei einer so innovativen Veranstaltung mit vielen Experten und Neulingen dabei gewesen zu sein. Ich habe viel gelernt – vor allem das:

1. In der HR macht sich Aufbruchstimmung breit: Moderne HR-Verantwortliche wollen in neue, flexible und partizipative Arbeitsformen aufbrechen. Der Beweis: 250 von ihnen waren in Berlin dabei! Echte Gestalter – keine reaktiven Jammerer.

2. Wer echte Teilnahme und Partizipation will, der muss digilog also analog und digital vorgehen. Nur so ist effizientes, ergebnisorientiertes und gleichzeitig partizipatives Arbeiten möglich.

3. Learning by doing! Nur was man sich selbst erarbeitet, bleibt im Kopf. Und woran man selbst beteiligt war, das trägt man auch weiter. Frontbeschallung ist langweilig und eintönig und bringt in den seltensten Fällen irgendeinen Nutzen.

Leider sind die tradierten Konferenzformate noch immer viel zu sehr in den Köpfen von HR’lern, Organisationsentwicklern, Führungskräften und Change Managern verwurzelt. Diese Muster aufzubrechen, ist eine langwierige Aufgabe – die sich aber lohnt! Denn nur so ist ergebnisoffenes Arbeiten ohne Scheuklappen möglich.


stephan_grabmeierGastautor: Stephan Grabmeier, Geschäftsführer Innovation Evangelists GmbH. Stephan berät Unternehmen und Vorstände zur Digitalen Transformation und hilft Ihnen schneller zu innovieren. Er ist Vor- und Querdenker zur Zukunft des neuen Wirtschaftens. www.stephangrabmeier.de oder www.innovation-evangelists.com

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