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Jung dominiert Alt. Oder: „Wie Ü50 den Anschluss verliert …“

Wir sehen uns mit einer völlig neue Situation in der Arbeitswelt konfrontiert: Erstmals in der Evolution beherrschen junge Mitarbeiter überlebensnotwendige Dinge (insbesondere im Bereich Social Media) besser als die älteren, die sie ja eigentlich ausbilden sollen.

Eine Herausforderung für beide Seiten!

Weder haben die altgedienten Mitarbeiter Spaß daran, wenn sie immer wieder merken, dass sie bei den jungen Mitarbeitern nicht den gewohnten Respekt genießen. Noch ist es für die jungen Mitarbeiter eine wahre Freude, von Leuten ausgebildet zu werden, die im Grunde gar nicht wissen, wie wesentliche Teile des täglichen Lebens heutzutage ablaufen (könnten).

Aber was passiert konkret?

Die jungen Leute müssen bei vielem das sie im Verlauf ihrer Ausbildung lernen permanent eine Art Übersetzungsprogramm mitlaufen lassen, mit dem sie die antiquierten Vorstellungen ihrer Ausbildner in eine moderne Version umsetzen – insbesondere was Organisation und Kommunikation betrifft .

Die Ausbildner-Generation muss entweder (endlich) anfangen, moderne Arbeitsmethoden erst einmal selbst zu lernen – und zwar auf einem Niveau, um es auch vermitteln zu können – oder sie muss sich aus der Ausbildung in vielen Bereichen zurückziehen.

Die Glaubwürdigkeit als fachliche Autorität ist in vielen Bereichen schon heute eigentlich nicht mehr gegeben – insbesondere was Methodenkompetenzen angeht – also ausgerechnet dort, worauf es in der Ausbildung in vielen Berufen am allermeisten ankommt.

Was kann man tun?

Zunächst einmal gilt es, das Risiko eines massiven Verfalls von Leistungsfähigkeit zu vermeiden, der mit dem völligen Unverständnis zwischen den Generationen einher geht. Denn es ist ja nicht so, dass die Ausbildner-Generation nichts mehr kann. Denen fehlt einfach nur die Erfahrung im Umgang mit den künftig entscheidend wichtigen Werkzeugen, aber die Aufgaben, die mit diesen modernen Werkzeugen oft viel besser erledigt werden könnten, beherrschen sie immer noch besser als die Berufseinsteiger.

Das Internet bringt ohnehin einen gewaltigen Kulturwandel mit sich, und genau betrachtet birgt das mehr Chancen als Probleme. Die Alten können ja auch mal den Jungen zuhören und von denen lernen. Und die Jungen können viel früher viel mehr Verantwortung übernehmen – zum Beispiel für Teilbereiche, bei denen es auf die Neuen Medien in der Organisation entscheidend ankommt.

Wenn die Jungen zu Mentoren ihrer Ausbilder werden, dann müssen die Alten mal so zuhören und „gehorchen“, wie sie es von den Jungen erwarten. Und die Jungen erfahren, wie anstrengend es ist, jemandem etwas beizubringen.

In meiner völlig naiven Sicht der Dinge entsteht da etwas Schönes … vorausgesetzt, dass die Chancen die in diesem Wandel liegen auch auf allen Seiten wahrgenommen werden. Denn im Prinzip war es ja schon immer eine Fehlhaltung, wenn Ältere ihre Autorität allein aus ihrem Ältersein beziehen wollten. Respekt muss man sich jeden Tag neu verdienen – auch „Ü50“.

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2 Kommentrare

  1. Oldie am

    in ihrer naiven art, wie sie selbst schreiben, dachte ich zuerst, da schreibt ein native nerd mit seinen 15 jahren.
    aber ich habe mich getäuscht, ein paar jahre älter sind sie wohl. aber der inhalt ihres artikels scheint trotzdem die sicht eines berufsschülers wiederzugeben, weniger die sicht eines personal- und organisationsentwicklers.

    es war doch schon immer so, dass neues ein privileg der jungen war, aber auch die ältere generation hat ihre vorteile.
    sie geben da wirklich eine sehr naive und simplifizierte sicht der situation wieder.

    hoffentlich lag es nur an der beschränkten anzahl der zeichen für den artikel.

  2. Klaus Marwede am

    Hallo,

    ich denke, dass der Effekt, dass „Neues ein Privileg der Jungen“ ist, selbstverständlich schon immer ein Effekt war, der es den HR-Leuten in den Organisationen schwer gemacht hat. Bis dahin bin ich ganz bei Ihnen.

    In der aktuellen Innovationsgeschwindigkeit wirkt das allerdings völlig anders, weil innerhalb eines einzigen Berufslebens drei bis vier Technologie-Sprünge über die Gesellschaft hinweg gehen – und wenn wir Ü50 diese Technologiesprünge nicht mehr vollständig mit nachvollziehen, dann koppeln wir uns ab.

    Und da gibt es IMHO nun einen Effekt, den es früher so nicht gab – weil sich da ein Technologiesprung oft über 3 Generationen nach und nach ausgewirkt hat, während heute eine einzige Generation diverse Technologiesprünge einen nach dem anderen verdauen muss – und das halt irgendwann nicht mehr schafft.

    Und dann bildet einer die Jungen aus ohne die Technologie ernsthaft zu kennen, mit der diese Generation völlig selbstverständlich vertraut ist. Das ist der Effekt, den ich meine.

    Was ich schreibe deckt sich im Übrigen mit 51 Jahren Erfahrung und „tonnenweise“ think tanks in Unternehmen, die vor genau diesem Problem stehen. Die EU fördert mittlerweile sogar (zB Cross-Mentoring – ) Projekte, wenn es dem generationsübergreifenden Zusammenwirken (u.a. in Technologiethemen) dient. Insofern bin ich – naiv oder nicht – zumindest in guter Gesellschaft 🙂

    Viele Grüße
    Klaus Marwede

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