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Nicht einer Meinung? Wenn Covid Regelungen in Werteverletzungen enden

Streit, Konflikt, Meinung

Versuch einer Erklärung samt Lösungsansätzen

Die Wogen gehen hoch! Die aktuellen Lockdown- und Impfregelungen, die zur Bekämpfung der Covid Pandemie gültig sind, spalten alle Gesellschaftsschichten und Arbeitswelten und machen selbst vor den Familien nicht halt. Kaum jemand, der nicht in seinem Work oder Life Umfeld mit Überzeugungen konfrontiert wird, die nicht mit den eigenen übereinstimmen.

Nicht schlimm könnte man meinen, es wäre doch utopisch, wenn wir immer alle einer Meinung wären! Stimmt – jedoch gestaltet es sich zunehmend schwieriger mit Überzeugten der jeweils anderen Welt dauerhaft in gutem Kontakt zu sein und zu bleiben. Üblicherweise trennen sich die Wege, wenn sich „die Geister scheiden“. Was aber, wenn man als Kollege oder Familienmitglied durch das gemeinsame Arbeiten oder Leben eng verbunden ist? Wie entkommt man den vielen Streitfallen? Wie hält man seine Emotionen im Zaum? Gibt es erprobte Strategien?

Die eine perfekte Lösung dafür gibt es leider nicht. Aber die nachfolgenden zwei Basisphänomene können im ersten Schritt helfen, eine emotionale Ausgangssituation auf Basis von Werteverletzungen zu erkennen und besser zu verstehen. Dies kann in Folge helfen besser mit der Situation umzugehen.

Was stellt die Basis unserer Grundwerte dar und wie reagieren wir auf deren Verletzung?

Phänomen 1: Gemeinsamkeiten ziehen sich an

Wir leben in gesellschaftlichen Bubbles – denn „gleich und gleich gesellt sich gerne“! Wir haben Freunde, die ähnlich denken und ticken, sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden, ein ähnliches Welt- und Menschenbild besitzen. Freunde sucht man sich aktiv aus bzw. findet man sie in der Arbeitswelt, in Vereinen oder in Sportklubs. Also genau dort wo man sich aufgrund der gemeinsamen beruflichen und privaten Vorlieben aufhält.

Gemeinsame Wertewelten verbinden uns. Auf Basis unserer Grundwerte bilden wir persönliche Überzeugungen dafür aus, was richtig und falsch oder gut und schlecht ist. Unsere Grundwerte stellen unseren persönlichen Maßstab für Entscheidungen in beruflichen und privaten Lebenslagen dar. Gleichgesinnte – all jene mit ähnlichen Grundwerten – schätzen Situationen ähnlich ein, reagieren und handeln ähnlich und erkennen sich in den Äußerungen und Handlungen der anderen wieder.
Wir sind als Erwachsene frei in der Entscheidung, unsere persönlichen Grundwerte weiterzuentwickeln oder anzupassen. Basis für diese Entwicklung oder Anpassung sind:

    • Lustgewinn (Beispiel: neues Urlaubsland ausprobieren und staunend andere Lebensformen kennenlernen) oder
    • Leidensdruck (Beispiel: Jobantritt in einer anderen Branche in einem neuen Job, weil ein ähnlicher Job derzeit nicht zu haben ist)

Phänomen 2: Emotionen kochen hoch bei Werteverletzungen

Werden unsere Grundwerte verletzt, reagieren wir sehr emotional. Wir stehen für diese ein und verteidigen sie impulsiv und intensiv. Kurzgesagt, wir gehen für sie auf die Barrikaden! Denn wir laufen Gefahr, gegen unserer Grundüberzeugungen zu verstoßen und das empfinden wir als Identitätsbedrohung. Scheinbar inadäquate, emotionale Reaktionen sind Hinweise auf Grundwertverletzungen.  Wir reagieren mit zwei Emotionen, deren Intensität wir je nach Art der Verletzung, Persönlichkeit oder Reife, besser oder schlechter im Griff haben:

    • Wut – weil wir Gefahr laufen „in Geiselhaft genommen zu werden“, Freiheitsgrade einbüßen und gegen unsere Überzeugungen Handeln oder Aussagen zu müssen (Beispiel: Regelwerke und Gesetze aller Art) oder
    • Angst – weil wir unser bekanntes, Werteterrain verlassen sollen, das uns so vertraut ist, aber auf einmal nicht mehr funktioniert (Beispiel: kulturelle oder gesellschaftliche Lebensformen)

…und manchmal sogar mit beiden!

Gegenwärtige, fatale generelle Auswirkungen

Aufgrund unserer komplexen, globalen Welt sind unsere Begegnungsräume groß geworden. Dank moderner Technik schrumpfen die Entfernungen, sodass wir nahezu in jeden Winkel der Erde dienstlich oder privat reisen können. Dabei stoßen wir aber erst dann auf Vielfalt, wenn wir unsere gesellschaftliche und kulturelle Blase auch wirklich verlassen. Tun wir aber meistens nicht! Wir umgeben uns mit den vertrauten Dingen, Gerüchen, Geschmäckern, Farben. Weltweite Konzerne machen dies durch Ihre Normungen und Standardisierungen möglich. Die Folge ist, dass wir trotz hoher Mobilität noch immer sehr unbedarft und ungeschult im Umgang mit Fremdem und Neuem sind. Kein Wunder also, dass wir mit so massiven Auswirkungen, die jeden von uns im persönlichen Berufs- und Lebensalltag empfindlich treffen (bspw. Covid Lockdowns und Regelungen), völlig überfordert sind. Ein kleiner Hinweis in Form einer wiederholten oder neuen Regel genügt, um den Funken überspringen zu lassen, mit dem wir mittlerweile rasend schnell zu emotionaler Höchstform auflaufen. Und das mit allen uns zur Verfügung stehenden Angriffs- oder Fluchtmuster. Dank unserer gesellschaftlichen Blasen – die informationstechnisch mittlerweile sehr isoliert und maßgeschneidert bedient werden – kommt jede einzelne Gruppierung zur nachhaltigen Überzeugung, dass sie (und nur sie) recht hat!

5 Lösungsansätze – die auf der Werteebene ansetzen – bewirken Veränderungen:

Persönliche Individualität in vorgegebenen Strukturen leben!

Darauf zu warten, dass jemand anderer uns sagt, was wir im individuellen, konkreten Fall tun sollen, ist vergebens. Die Übersetzung dessen, was grobe Vorgaben für den eigenen Bereich bedeuten, ist unser Gestaltungsfreiraum. Die agilen Arbeitsmethoden haben uns diesbezüglich im beruflichen Alltag bereits gefordert. Die Pandemieregelwerke verlangen uns dies nun auch im privaten Umfeld ab. Es gibt nicht die einzige richtige Lösung, die für alle passt. Aber jeder Einzelne weiß, was zu tun ist, um den groben Vorgaben zu entsprechen. So können komplexe, strategische Zielsetzungen, die unterschiedliche, konträre Aspekte haben, in Richtung Lösung gesteuert werden: abstrakt vorgeben (Rahmen und Eckpfeiler) und konkret handeln. Die erfolgreiche Erreichung der kurzfristigen und mittelfristigen Planungsziele verlangen uns diese Fertigkeiten bereits mit stiller Regelmäßigkeit ab.

Echte Toleranz für Vielfalt aufbringen!

Vielfalt bereichert aber fordert uns auch, weil sie uns immer wieder aufs Neue abverlangt neugierig zu bleiben, unkonventionell zu agieren und Unberechenbares nicht kontrollieren zu wollen. Neues ausprobieren, sich einlassen, scheitern in Kauf nehmen und wieder ausprobieren bringt unerwartete Wendungen mit sich und ist letztendlich eine vielversprechende Strategie um für schier Unmögliches Lösungen zu finden. Dass dabei der eigenen Zweifel und die ständig vorhandene Skepsis nicht Oberhand gewinnen darf, für den Realitätscheck aber auch nicht ausgeschaltet werden darf, macht es so richtig herausfordernd!

Raus aus der Opferrolle!

Wer sich sagen hört, dass die Anderen schuld sind – weiß, die Opferhaltung hat gerade Oberhand. Wer das eigene Glück von den Aktionen anderer abhängig macht, begibt sich in totale Abhängigkeit. Das schadet nicht den anderen – damit schränkt man vor allem sich selbst ein. Sein eigenes Tun und Handeln innerhalb der Möglichkeiten auszuloten und dementsprechend zu agieren, ermöglicht individuelle Freiheit auch dort, wo sie scheinbar stark eingeschränkt ist.

Pro-Aktivität bevorzugen – Passivität meiden!

Unbedingt agil, wendig, in Bewegung bleiben. Geistig und körperlich! Denn in der Proaktivität liegt der Gestaltungsraum, den man maximal für sich ausloten und ausnutzen kann. Die Passivität scheint auf den ersten Blick bequemer, birgt aber die Gefahr, dass andere für einen selbst denken und entscheiden. Das beschränkt in jedem Fall den eigenen Handlungsspielraum.

Zuversicht hochhalten, Optimismus verbreiten!

Gute Stimmung vertreibt schlechte Laune! Das Glas halb voll zu sehen, ermöglicht den beständigen Blick auf neue Lösungsmöglichkeiten! Das mag naiv erscheinen, wenn der Mainstream in den Widerstand geht oder resigniert hat. Aber es hilft aufmerksam zu bleiben und kleine persönliche Vorteile zu erzielen, die so wichtige kleine Lichtmomente mit sich bringen! Und es stärkt die Resilienz – ein besonderer Vorteil in Zeiten von physischen und psychischen Belastungen!

Fazit

Was all diese Lösungsansätze brauchen, ist die Bereitschaft, die eigene Haltung zu verändern, indem man andere Meinungen und Entscheidungen akzeptiert, respektiert und lernt selbst damit zu leben. Die Selbstüberprüfung ist einfach: Man hört sich selbst gut zu und beobachtet das eigene Tun. Am Abend Resümee gezogen, erhält man eindeutige Hinweise ob man Opfer oder Gestalter ist. Emotionale Zufriedenheit ist die Belohnung!

Veronika Aumaier, MAS, MSc

Veronika Aumaier, MAS, MSc ist Eigentümerin und Geschäftsführerin der AUMAIER COACHING I CONSULTING GmbH. Sie ist Coach und Beraterin für Top-Führungskräfte und HR Teams und unterstützt sie bei der Entwicklung von Führungsstrukturen und -strategien. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt gilt Management & Leadershipthemen sowie der HR Transformation.

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