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Hochkarätige Bewerber ohne plausible Unterlagen – würden SIE ihn anstellen?

Herr Marwede ist beruflich erfolgreich, hat einen breiten Erfahrungsschatz und … kann seine Fähigkeiten aber nicht (wirklich) belegen. Jedenfalls zu wenig, um in einem Bewerbungsgespräch zu glänzen. Das zeigen zumindest seine Erfahrungen in Bewerbungsverfahren für freiberufliche Projekte oder als Interimsmanager. Was meinen Sie: ist ein unkonventioneller Erfahrungsschatz für Projektarbeit eher positiv oder negativ? Und wie sehr fehlt ein Hochschulabschluß dennoch?

Ich bin gespannt, ober er bei IHNEN eine Chance hätte, eine Projektleitung angeboten zu bekommen. Ich stelle seine Gedanken in den Raum und freue mich über Feedback von Personalisten & Führungskräften, die selbst für Recruiting zuständig sind:


Ein Kein-Werbe-Blogg

Nein – das hier ist kein Werbetext!

Eigenwerbung würde allerdings auch nichts nutzen, denn ich habe keinen Hochschulabschluss und meine Erfahrung ist zwar komplex aber weder sauber dokumentiert noch besonders kontinuierlich. Ich habe noch nicht mal Zeugnisse, die all das was ich erzählen werde überhaupt belegen – mal abgesehen von einem IHK-Zertifikat als Rating-Advisor und einer Bestätigung über meine Fachkunde im Datenschutzbereich.

Und wenn mir jemand eine Referenz ausstellen würde, dann würde da stehen, dass ich für den gearbeitet habe – und dort z.B. in der Systemanalyse oder in der Prozessberatung mitgewirkt habe, – aber Details könnte man nicht weitergeben, weil solche Projekte ja oft sehr diskret ablaufen. Und dann unterstütze ich noch meine Frau bei der Leitung eines Handwerker-Netzwerks (Haustechnik und Innenausbau) und leite einen Unternehmensberaterverband.

Der kann nix …

Wenn ich mich auf Jobs bewerbe – meistens Interimsprojekte und Projektleitungsthemen im Bereich IT/Organisation/Prozesse, dann sind meine Bewerbungen in der Regel sehr kurz: „Ich kann das was Sie suchen, habe exzellente Referenzen und entspreche Ihren Anforderungen ansonsten aber leider nicht. Soll ich mich trotzdem bewerben?“.

Was ist da los?

Ich bin dank einer ausgeprägten Pubertät am Abitur gescheitert – habe dann so la la Industriekaufmann gelernt und nach der Bundeswehr einige Jahre im Vertrieb gearbeitet. Meine letzten Anstellungen waren als Verkaufsleiter in einem der ersten privatisierten Netze (Kabelfernsehen) sowie bei einem Betrieb der professionelle Sprachaufzeichnungssysteme herstellt und vermarktet.

Seit 1989 bin ich selbständig – zunächst im Telekommunikationsmarkt und später immer stärker im IT-Bereich sowie „rund um M&R“. Daneben habe ich viele kleinere und größere Lehrgänge besucht: Führungskräftetrainings, Mentaltrainings, AEVO, Prüfungen als Rating Advisor und als Datenschutzbeauftragter u.s.w.

Im Bereich Organisations- und Prozessberatung bin ich sicherlich ein ordentlicher Projektleiter und durch die umfangreichen operativen Erfahrungen brauche ich z.B. bei den meisten Softwareprojekten keinen „Dolmetscher“, der den Entwicklern erklärt, was die Anwendung später mal tun soll. Ich kann an Lastenheften für Softwarelösungen genauso mitwirken wie an Pflichtenheften und kann das aber nicht wirklich belegen.

Gibt es noch mehr von der Sorte?

Ich glaube, ich bin da in guter Gesellschaft! Meine ganze Generation hat die Einführung aller EDV miterlebt oder sogar mitgestaltet, die es gibt oder je gab … Und wir haben zwar alle einen Beruf gelernt, aber anschließend hat die EDV alles was wir über Organisation und Prozesse zuvor gelernt hatten immer wieder über den Haufen geworfen – manchmal mehrfach in einem Jahr.

Dabei enstand ein enormes Wissen, das auf sehr konkreten Erfahrungen beruht. Aber ein Hochschulstudium ersetzt das natürlich nicht.

Wie gesagt: Auf dem Papier kann ich eigentlich nix!

All diese Erfahrung habe ich nicht in Schulungen oder Kursen gemacht, und geeignete Studiengänge gab es zu meiner Zeit noch gar nicht. Das Wissen war ja zumeist neu und noch gar nicht in Studien- und Ausbildungsplänen dargestellt. Alle Herausforderungen passierten nicht an einer Schule oder Universität sondern live im ganz normalen Arbeitsalltag – einschließlich aller Systemausfälle und Kompatibilitätsprobleme, – oder weil „der Niemeyer mal wieder im Internet war“.

Wir haben alle diese Probleme und in den meisten Fällen auch deren Lösung miterlebt und können deshalb die allermeisten Themen in diesem Bereich vollständig einschätzen – aber wir haben keinen einzigen Beleg dafür …

Und deshalb sind wir – die „Generation Null“ in Sachen IT für viele Jobs genau die richtigen – und trotzdem aus HR-Sicht offenbar meistens völlig ungeeignet.

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 .

Autor: Klaus Marwede unterstützt im Umgang mit EDV, den Neuen Medien sowie bei der Bewältigung der damit verbundenen Gefahren. Mit einer Mischung aus „Erklär-Talent“ und Motivationskraft unterstützt er Fach- und Führungskräfte in Unternehmen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben. km@klaus-marwede.de,www.klaus-marwede.de

Ihr Fazit

Wie sehen Sie es:

  • Ist er einstellbar?
  • Sind belegbare Daten so viel wichtiger als Erfahrung, Auftreten & die Beschreibung des Lebensweges?
  • Wie schätzen Sie seine Vorgehensweise am Arbeitsmarkt ein?

Mag. Eva Selan, MSc

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA. Nach langjähriger Tätigkeit beim Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin wechselte sie das Medium und gründete Ende 2010 das HRweb.

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