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Teambuilding: lieber harmlos oder Action pur? — part 4

Viel wurde gesprochen über Teambuilding, über extrem harmlose Events und auch über das Kreieren von Survival-Strategien. Im Zuge der Interviews fielen noch so einige Ideen & Fragen an, die ich hier für Sie zusammenfasse:

 

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Wer eine spannende Frage in den Wald hineinruft, bekommt eine Vielzahl an Antworten entegegengeschallt. So passierte es mir auch bei diesem Interview: ich fragte Teambuilding-Anbieter nach ihrem action-reichsten Teambuilding-Format und auch nach ihrem harmlosesten (jeweils hinsichtlichInhalt, Dauer, Ziel, Zielgruppe, Gruppengröße, etc). Die Antworten waren so zahlreich, dass ich nun 2 Möglichkeiten habe
  • entweder ich kürze die Interview-Antworten, sodass ein lesbares (weil nicht ellenlanges) Gesamt-Interview entsteht
  • oder ich teile die Antworten in mehrere Interviews – mit der Konsequenz dass mehrere Interviews zum selben Thema entstehen.
Ich entscheide mich für die 2. Möglichkeit, denn mir selbst läuft bei all den Teambuilding-Maßnahmen schon das Wasser im Mund zusammen (eher bei den Action-reichen), diese möchte ich Ihnen nicht vorenthalten & lade Sie daher ein, mit mir auf Teambuilding-Reise zu gehen:
Interview 1,  6juli2016: teamazing | careercenter | Trainingsteam Gansinger Hufnagl | Beratrekreis | Transformation Unternehmensentwicklung
Interview 2, 11juli2016: Team|Manufakturnext level consulting Österreich | Wildniszone | USP-D
Interview 3, 14juli2016: Top Train | Montée Events & Teambuilding | GfP Gesellschaft für Personalentwicklung | Beratergruppe Neuwaldegg
Interview 4, 19juli2016: einige Fragen, die im Laufe der Interviews aufgepoppt sind

 

Wie weit sind ACTIONREICH oder HARMLOS hilfreiche (Unterscheidungs-)Kriterien zur Auswahl passender Teambuildingveranstaltungen?

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur): Nun, wenn die Veranstaltung vor allem Incentive-Charakter für die Teammitglieder haben soll, ist der Wunsch nach Action absolut berechtigt. Hier stehen Spaß, Spannung und gute Unterhaltung im Vordergrund. Genau besehen, darf man in dem Fall allerdings nicht von (gezieltem) Teambuilding sprechen. Teamentwicklung wäre in so einem Fall ein zwar möglicherweise gewünschtes, sicherlich aber eher zufälliges Nebenprodukt.
Sprechen wir von Team-Entwicklung im eigentlichen Sinn, ist die Unterscheidung ACTIONREICH versus HARMLOS wenig hilfreich. Wir begreifen ein Team als eine Gruppe von Menschen, die nur deshalb ebendiese Gruppe bilden, weil sie gemeinsam eine bestimmte (Arbeits-)Aufgabe zu erfüllen haben. Ein Arbeitsteam ist keine Interessensgemeinschaft, die sich zusammenfindet, weil sich die Mitglieder sympathisch finden und auch wieder auseinander geht, wenn die Sympathie nachlässt.
Aus dieser Perspektive bedeutet Teambuilding für uns, zuallererst einmal die gemeinsamen Ziele und Aufgaben in den Blick zu nehmen und zu klären, wie diese gut bearbeitet werden können – unabhängig von Sympathie oder Antipathie einzelner Teammitglieder. Und wo bspw. mangelndes Vertrauen in ein Teammitglied ein produktives gemeinsames Arbeiten verhindert, versuchen wir, dieses Vertrauen zu stärken. Das kann im Rahmen eines höchst actionreichen Formats gelingen, wie auch im Rahmen eines harmlosen Settings.

Was verstehen Sie unter Teambuilding?

Mag. Fritz Wottawa-Posch,BSc (GfP Gesellschaft für Personalentwicklung): Unser Verständnis von Teams orientiert sich am Stand der aktuellen Forschung und sieht das Team als soziales System, welches unter den richtigen Bedingungen besser funktioniert als die Summe der einzelnen Mitglieder (Sie wissen schon: Aristoteles). Dazu bedarf es für die einzelnen Teammitglieder Vertrauen in die Gruppe, Sicherheit hinsichtlich der Zugehörigkeit, Verlässlichkeit untereinander, klarer individueller und kollektiver Rollen und Ziele und das Gefühl von Bedeutung und Wirkung innerhalb des Teams.
Teambuilding ist für uns der Aufbau bzw. die Stärkung eben dieser Faktoren. Sowohl auf Gruppenebene als auch für jedes Individuum.

Gibt es überhaupt so etwas wie „Teamdenken“ bei Menschen oder sorgt ohnehin jeder nur für sich?

Thomas Dodner (Top Train): Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, uns selbst zum Überleben zu verhelfen. Einfach ausgedrückt – es interessiert unser autonomes Gehirn kaum wie sich Menschen fühlen die uns nicht wirklich nahestehen. Umso wichtiger ist es in Teamtrainings Erfahrungen zu machen die deutlich werden lassen, wie wichtig die Leistung anderer Kollegen für unseren eigenen Erfolg sind und mit welchen Nutzen ich zu rechnen habe, wenn ich es ihnen ermögliche, ihren Job leichter zu machen. Dabei spielen auch die Regeln der Gruppendynamik eine wichtige Rolle. Denn sobald mehr als 4 Personen ein funktionierendes Team bilden sollen benötigt die Gruppe klare Regeln und Zuständigkeiten sowie einen regelmäßigen Austausch über Bedürfnisse und Verstimmungen. Wenn das gewährleistet wird, sind größere Erfolge in Teams sicher zu erreichen.

Würden Sie Ihren Arbeitsstil eher dem Lager ACTIONREICH oder eher dem Lager HARMLOS zuordnen?

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur): Auch wenn das jetzt wahrscheinlich etwas langweilig klingt: wir haben die Erfahrung gemacht, dass hohe Actionorientierung den Blick für das Wesentliche eher verstellt als umgekehrt. Fragen wie „Warum gibt es uns als Team?“, „Wo liegen unsere Ziele?“, „Wie bekommen wir unsere internen und externen Prozesse gebacken?“, „Wie schaffen wir es, respektvoll miteinander umzugehen, auch wenn wir uns nicht lieben?“ kann ich letztendlich eher im Seminarraum als in der Kletterwand klären. Aber wir legen genauso viel Wert darauf, zwischendurch, um das Hirn zu „lüften“ und neue Gedankengänge anzuregen oder um einfach nur gemeinsam zu lachen beispielsweise eine Flying Fox-Runde zu absolvieren oder ein Wettpaddeln einzuschieben.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Teambuilding durchzuführen?

Reinhard Krechler, MSc (Beraterkreis): Natürlich immer dann, wenn sich etwas ändert oder sich ein Team neu formiert. Es muss aber nicht immer „akute“ Probleme geben, um sich als Führungskraft mit dem eigenen Team eine Auszeit zu gönnen. Es klingt unglaublich, aber in einigen Fällen können innerhalb nur eines Tag eine Verbesserung der Zusammenarbeit und der Zufriedenheit innerhalb des Teams um bis zu 50% erreicht werden. Wie nachhaltig dieser Effekt ist hängt davon ab, wie dieser Tag gestaltet ist, welche Transferkonzepte eingesetzt werden und wie regelmäßig das Team ein Teambuilding durchführt.

Erlebnis ist nicht gleich Erlebnis. Worin liegt der Unterschied und was bringt den Gewinn für das Unternehmen?

Paul Stanzenberger (teamazing): Will man, dass sich die Teilnehmer eines Teambuilding-Events noch für lange Zeit daran erinnern, müssen bleibende Erlebnisse und Emotionen geschaffen werden. Wenn diese dann auch noch positiv in Zusammenhang mit dem Unternehmen und den Mitarbeitern stehen, überträgt man diese dauerhaft in das Unterbewusstsein der Teilnehmer. Diese Erlebnisse zu schaffen ist unsere große Leidenschaft und unser Ziel als Unternehmen.
Da wir im Zeitalter der grenzenlosen Möglichkeiten leben genügt es nicht mehr, dass sich die Teilnehmer gegenseitig durch Seile heben und sich durch das fiktive Überqueren von Säureflüssen motivieren lassen. Um besagte Erlebnisse tatsächlich zu erfahren, müssen sie echte Emotionen und Begeisterung verspüren.

Wie entscheiden Sie, welches Teambuilding das richtige ist für die jeweilige Gruppe?

Günther Mathè, MBA (careercenter): Wir unterscheiden ob es ein Seminar, Seminar Side Event oder Teamevent ist. Dementsprechend suchen wir die Übungen aus. Mittlerweile ist es eine Herausforderung eine spannende Herausforderung für alle Teilnehmer zu finden. Die Menschen machen mittlerweile privat sehr viele Outdooraktivitäten: Reiten, Raften, Hochseilgarten, Canyoning, Waldorientierungsläufe, … – man kann die Mitarbeiter mit einem Ausflug in den Hochseilgarten nicht mehr so begeistern wie vor 20 Jahren, weil es viele bereits privat durchgeführt haben.
Damit die Aktivitäten auch eine Auswirkung aufs Team haben, müssen sie im Anschluss gut aufgearbeitet und reflektiert werden. Ansonsten war es just for fun und hat keine nachhaltige Wirkung.
Die Auswahl der Aktivität hängt vom Teamzusammenhalt, dem Alter der Teilnehmer, Sportlichkeit der Teilnehmer, Erfahrungen aus vorangegangenen Teamseminaren und Budget ab. Ein genaues Briefing mit der Führungskräfte über Ziele und Beweggründe des Teambuilding-Seminars lassen den Trainer entscheiden, welches Programm in Frage kommt.

Muss man Teambuildings wiederholen?

Petra Schulte (USP-D Consulting): Ganz generell erfordert jede neue Teamkonstellation, die durch Personenwechsel zustande kommt, auch einen Teamentwicklungsprozess. Am naheliegendsten ist eine Wiederholung, wenn der Vorgesetzte wechselt. Doch auch Zu- und Abgänge aus dem Team gelingen effektiver, wenn Abschlüsse und Abschiede gewürdigt werden und wenn die Verankerung der gemeinsamen Werte, Ziele und Leistungsparameter mit neuen Mitgliedern wiederholt wird. Die scheinbare Wiederholung kann auch zu neuen Formaten führen, so dass Teams auf regelmäßiger Basis deutlich kürzere Teamentwicklungseinheiten von halben Tagen an ihre Projektmeetings anhängen, die mit gemeinsam definierten Vorgehensweisen und Themenstellungen die Wirkung des Workshops reaktivieren. Besonders erfolgreich sind halbtägige Review-Workshops nach einem Team-Event, der 3-6 Monate später auf Halbtages- bis Tageslänge ausgedehnt die wichtigsten Erfahrungen und Errungenschaften ins Zentrum stellt und die Verträge und Kräfte im Team auffrischt. So wirkt ein 1-2-tägiges Teambuilding für 12-18 Monate intensiv nach.

Worauf ist aus Kundensicht bei Teambuilding-Angeboten besonders zu achten?

Klemens Gansinger (Trainingsteam Gansinger Hufnagl): Die Qualität von Teambuilding-Angeboten steigt nicht mit dem Grad der Action oder der Ausgefallenheit, aber natürlich spielen Spaß und Herausforderungen eine große Rolle und diese Aktivitäten schaffen Reflexionsräume die genutzt werden können. Wesentlich erscheinen mir aber zwei Aspekte. Einerseits die Arbeit im Vorfeld, das Briefing durch den Auftraggeber und die Festsetzung der Ziele für ein Teambuilding. Andererseits die Arbeit im Prozess, sozusagen ohne Seminarprogramm von der Stange, sondern mit permanentem Abgleich welche Übungen und Interventionen das Team bei seiner Entwicklung unterstützen können.
Angebote wie Hochseilgärten, Segeln oder sonstige Übungen müssen von kompetenten Trainern in ein Gesamtkonzept eingebettet werden, das sich vom Auftragsgespräch über ggf. Vorgespräche mit Teammitgliedern bis zur Nacharbeit durch Protokolle und Follow up-Maßnahmen spannt. Aus unserer Sicht reicht es nicht zwei Stunden gemeinsam in einem Schlauchboot zu sitzen und danach Essen zu gehen.

Was macht ein wirkungsvolles Teambuilding aus?

Paul Stanzenberger (teamazing): Action hin oder her — das Teambuilding muss Spaß machen. Teambuilding hat bei den meisten Mitarbeitern schon einen negativen Beigeschmack. Sie stehen unter Druck einen gewissen Output – ein perfektes Team –   erzeugen zu müssen und haben daher keinen Spaß daran. Teambuilding sollte in einer lockeren Atmosphäre, bestmöglich spielend geschehen. Im Idealfall ist den Teilnehmern gar nicht bewusst, dass sie ein Teambuilding absolvieren. Genau das ist unser Ansatz — wir geben den Teams eine Aufgabe, die Spaß macht und ein Ziel, das wirklich motiviert. Erst wenn die Teilnehmer gerne beim Teambuilding sind, ist es auch wirkungsvoll.

 


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Die Interview-Partner


mathe_guenther_careercenter100

Günther Mathè, MBA
Geschäftsführer

careercenter e.U.

www.careercenter.at

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gansinger-clemens-trainingsteamKlemens Gansinger
Geschäftsführender Gesellschafter

Trainingsteam Gansinger Hufnagl OG

www.trainingsteam.at

Unternehmens-Profil


bischofberger_paul_100Mag. Paul Bischofberger
Geschäftsführender Partner 

Team|Manufaktur GmbH

www.teammanufaktur.at

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dodner_thomas_toptrainThomas Dodner
Geschäftsführer

Top Train Unternehmensberatung und Training GmbH

www.top-train.at

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krechler_reinhard_beraterkreis_100Reinhard Krechler, MSc
Eigentümer & Geschäftsführer

Beraterkreis

www.beraterkreis.at

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Mag. Fritz Wottawa-Posch,BSc
Trainer/Berater

GfP Gesellschaft für Personalentwicklung GmbH

www.gfp.at

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stanzenberger_paul_teamazing-100

Paul Stanzenberger
Geschäftsführer

teamazing OG

www.teamazing.at


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Petra Schulte
Geschäftsführende Gesellschafterin

USP-D Consulting GmbH

www.usp-d.com

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Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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Ein Kommentar

  1. Lukas am

    Sehr interessante Interviews zum Thema Teambuilding und ich habe die Serie gerne gelesen. Da sind schon einige beeindruckende Aktionen und gute Ideen dabei, wie zum Beispiel das Survival Seminar. Das actionreichste Format, an dem ich bisher teilgenommen habe, war ein Hochseilgarten und mit Höhenangst war es auch alles andere als harmlos für mich, aber es schweißt tatsächlich zusammen und schafft viele positive Erfahrungen mit Kollegen. Teambuilding Aktionen halte ich jedenfalls für sehr sinnvoll in Unternehmen, um das Wir-Gefühl auf allen Ebenen zu stärken und so auch die Mitarbeitermotivation zu steigern. Voraussetzung ist aber wohl, dass es nicht forciert wirkt, um zum Beispiel bestehende Konflikte zu lösen, sondern eher langfristig durchgeführt wird, um möglichen Konflikten vorbeugen zu können.

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