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Glücksfaktor FLOW (Csikszentmihalyi) | Berufliches Glück ganz konkret

F_45146940hoch_flow-csikszentmihalyiWas würde Ihnen denn jetzt so einfallen um Ihre Befriedigung bei der Arbeit zu erhöhen? Aha. Schon mal alternativ an „Flow“ gedacht? Flow (Csikszentmihalyi) ist bildlich gesprochen wie eine (Ihre!) prickelnde Quelle, die alles rundherum zum Aufblühen bringt (Ihre Fähigkeiten) und über die glitzernde Sonnenstrahlen tanzen (Glücksgefühle). So viel Kitsch halten Sie nicht aus? Okay, dann mal wissenschaftlich.

Wir beginnen mit einem Zungenbrecher. Sagen Sie mal „Csikszentmihalyi“ (Tipp: Es spricht sich „Tschikßentmiha:i“). Das ist der renommierte Psychologe, ein gebürtiger Ungar, der in Italien in der Nachkriegszeit aufgewachsen ist, der schließlich von den USA aus zu forschen begann, was den Menschen selbstbestimmte Glücksgefühle beschert. Er prägte die Bezeichnung „Flow“ für das Phänomen, ganz in einer Tätigkeit aufzugehen, sich im übertragenen Sinne mühelos in einem Strom von Energie zu bewegen. Diese euphorische, selbstvergessene Stimmung erreicht man meistens nicht beim Nichtstun oder im Urlaub, sondern wenn man sich intensiv einer herausfordernden Aufgabe widmet.

Flow (Csikszentmihalyi) greifbar gemacht

Hätten Sie gern ein Beispiel? Ein Chirurg, der hochkonzentriert und effizient eine Bewegung nach der anderen setzt; ein Musiker, der das Gefühl hat, etwas in ihm komponiert gerade von ganz alleine; ein Vater, der im gemeinsamen Lesen eines Buches mit seinem Kind alles ringsherum vergisst; ich als Trainerin, die mit den Teilnehmern gemeinsam Erkenntnisse herleitet und erst nach dem Seminarende bemerkt, wie hungrig und müde ich bin ;-).

In fast  10.000 Interviews mit Menschen unterschiedlichster kultureller Herkunft, Bildung & Berufen hat Mihaly Csikszentmihalyi jene Aspekte identifiziert, die einen Flowzustand ausmachen. Es ist allerdings nicht nötig, dass alle Faktoren gleichzeitig auftreten. Lesen Sie und spüren Sie mal nach, bei welchen Tätigkeiten am Arbeitsplatz Sie alles ringsherum vergessen:

  • Sie sind völlig konzentriert auf die Aufgabe, allerdings auf eine unangestrengte, fast spielerische Art und Weise.
  • Sie haben ein Gefühl von Freude, von „ außerhalb von Alltagsroutine und Realität“ zu sein. Die Freude oder Euphorie setzt  oft manchmal auch erst nach Beendigung der Tätigkeit ein.
  • Sie empfinden Klarheit, weil Sie genau wissen, was zu tun ist und auch gleich merken, ob es gelingt oder was es noch braucht.
  • Sie wissen, dass Sie diese Herausforderung schaffen können, weil Ihre aktuellen Fähigkeiten für die Aufgabe (gerade) ausreichen.
  • Sie empfinden Ruhe und Gelassenheit und vergessen völlig auf die sonst typischen Alltagssorgen oder –gedanken Ihres Egos (Selbstvergessenheit) als auch auf ihre körperlichen Bedürfnisse wie z.B. Hunger oder Müdigkeit.
  • Sie haben das Gefühl von Zeitlosigkeit. Stunden verstreichen wie Minuten oder eine kurze Zeit dehnt sich unendlich intensiv aus.
  • Sie sind durch die Aufgabe selbst motiviert, ihr Gelingen ist Ihnen Belohnung genug (intrinsische Motivation).

Warum Flow (Csikszentmihalyi) in Unternehmen misslingt

Für das Erleben von Flow braucht es bestimmte Rahmenbedingungen. Wenn diese fehlen, dann wird Arbeit als wenig befriedigend empfunden, was wieder eine direkte Beziehung zur Leistung hat. Dabei ist es sowieso nicht realistisch, dass Flow acht Stunden am Tag auftritt, sondern bestenfalls immer wieder mal für Minuten oder vielleicht sogar mal für eine/einige Stunden.

Flow-hinderliche Rahmenbedingungen sind:

  • Unklare Zielsetzungen
  • Kein unmittelbares und angemessenes Feedback
  • Handlungsanforderungen und Qualifikationen sind nicht gut abgestimmt
  • Zeitliche Zwänge
  • Laufende, äußere Unterbrechungen bei Tätigkeiten
  • Fehlende Handlungsspielräume
  • Fehlen von Sinnhaftigkeit der Tätigkeit bzw. Sinnkonflikte zwischen Unternehmensgegenstand und persönlichen Werten

Erschließen Sie sich Ihre „sprudelnde Quelle“!

Eine andere Quelle für Glücksgefühle ist der Genuss bzw. das Vergnügen. Der Genuss befriedigt Bedürfnisse und bringt Wohlbefinden und Entspannung – im Gegensatz zum Flow führt er allerdings nicht zu Veränderung oder Wachstum. In dem Einlassen auf Herausforderungen wachsen wir in unseren Fähigkeiten, was eine tiefe Befriedigung verleiht.  Eine aktive und bewusste Lebensgestaltung mit vielen Flowerfahrungen (beruflich und privat) lässt also Ihre innere Quelle sprudeln und Sie als Mensch aufblühen (womit wir wieder beim Anfangsbild wären).

Für Unternehmen bedeutet Förderung von Flow nicht Selbstzweck für die Mitarbeiter sondern ist im Gegenteil essentiell für den Erfolg des Unternehmens! Masaru Ibuka, Mitbegründer von Sony, definierte das erste Unternehmensleitbild wie folgt:

„ … einen Arbeitsplatz zu schaffen, wo Ingenieure die Freude technischer Innovation fühlen können, sich ihrer Mission für die Gesellschaft bewusst sind und die Arbeit eine Herzensanlegenheit ist.“

Wie fühlt sich das denn für Sie an?


Video-Tipp: Flow Csikszentmihalyi

Mihaly Csikszentmihalyi: Flow, the secret to happiness (2004)

Literatur-Tipp: Flow Csikszentmihalyi

Mihaly Csikszentmihalyi (2003), „Flow im Beruf – Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz“, Klett-Cotta Verlag.

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