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Council – Rückkehr zum Zuhören

Kennen Sie das? Meetings, in denen jeder nur darauf achtet, seine eigene Position am besten „zu verkaufen“.  Glauben Sie, dass man bei solcher Kommunikation HÖREN kann, was dem Gesprächspartner wirklich ein Anliegen ist und gemeinsam tragfähige Lösungen effizient gefunden werden? Glauben Sie,  dass solche Kommunikation innerlich befriedigt?

Szenenwechsel mit Zeitreise: Es ist abends, die Grillen zirpen, der Wind streicht über das trockene Grasland. Sie sitzen um ein Lagerfeuer. Ein Mensch nach dem andern ergreift im Kreis herum das Wort. Nur diese Person allein spricht. Alle anderen hören still und aufmerksam der Geschichte zu. Und wenn alle gesprochen haben, wird nach dem „common ground“, der besten Lösung für das gemeinsame Anliegen oder das Problem gesucht. Auf dieselbe Art und Weise. Spüren Sie die Ruhe und Kraft, die diese Form der Kommunikation ausstrahlt?

„The Way of Council“

Der Ursprung der der Kommunikationsform „The Way of Council“ liegt in den uralten Traditionen der Menschen, wie z.B. der amerikanischen Ureinwohner, die sich noch um das Feuer versammelten. Es geht um das Teilen von Erfahrungswissen, wo die Kunst des tieferen Zuhörens und Gehörtwerdens praktiziert wird, um Neues entstehen zu lassen.  Jack Zimmermann und Virgina Coyle (USA) haben diese Methode wiederentdeckt und zu einem modernen Werkzeug für die Gestaltung von Prozessen und Konflikten, sowie zur Würdigung von Erreichtem, in den letzten 30 Jahren weltweit weiterentwickelt.

Im Grunde sind es ein paar wenige einfache – und zugleich schwierige – Leitlinien, die das Council ausmachen:

  • Das Zusammenkommen in einer Kreisform, in der Mitte kann ein gemeinsames Symbol stehen, das dem Anliegen oder der Frage entspricht oder zum Beispiel eine Kerze (wenn Sie gerade kein Lagerfeuer parat haben).
  • Aus dem Herzen zu hören, mit dem Herzen zu sprechen und nicht mehr zu sagen als nötig.
  • Das Wort wird in der Basisform im Kreis weitergegeben, der eigene Beitrag kann auch ein Schweigen bzw. Stille sein. Das Gesagte ist genauso wichtig wie das Ungesagte. Die Person die an der Reihe ist, hält einen „Sprechgegenstand“ als Symbol in den Händen und gibt ihn dann weiter.
  • Niemand unterbricht. Es gibt keine „klassische Diskussion“. Nicht unterbrechen heißt auch: keine innere Beschäftigung mit wertenden Gedanken oder mit Vorbereitungen auf den eigenen Beitrag: „Nur“ HÖREN.
  • Spontanität, d.h. unvorbereitet sprechen.  Das funktioniert ausgezeichnet, wenn man beginnt, sich und dem Augenblick zu vertrauen.
  • Vertraulichkeit: Alles was in dem Kreis gesagt wird, bleibt auch in dem Kreis.

 

Drei Fragen an die Expertin

Es war eine Bereicherung für mich, diese Methode unter der Leitung von Mag. Patrizia Elfriede Nessmann, die die Ausbildung dazu bei Virginia Coyle und Marlow Hotchkiss (Council in Business) gemacht hat, einen Vormittag lang zu ERLEBEN. Patrizia Nessmann ist Unternehmensberaterin,  Umweltauditorin, Trainerin und Performerin.

Frau Nessmann, welches Erlebnis oder Bedürfnis hat Sie zu dieser Methode geführt?

Patrizia Nessmann: „Diese Unzufriedenheit in Sitzungen, wo viel gesprochen aber das Wesentliche nicht ausgedrückt wird am Tisch. Das Wesentliche oder Unbequeme wird dann z.B. in der Kantine angesprochen. Und dadurch geht unglaublich viel Zeit, Energie und Freude verloren.

Auch wird in den Sitzungen  auf das Wissen und die unterschiedlichen Meinungen nicht wirklich eingegangen, aber gerade die machen die Vielfalt und Problemlösungskraft  aus. Der Leiter gibt meist vor das Richtige zu wissen, weiß aber nicht alles. Dadurch entstehen Wissens- und Bedürfnislücken.“

Erzählen Sie mir bitte ein konkretes Beispiel aus der Wirtschaft, wo diese Methode hilfreich war.

„Das war in einem Unternehmen für nachhaltige Entwicklung mit 25 Mitarbeitern, vorwiegend Akademikern.  Zum 10. Jubiläum des Unternehmens, das sehr rasch gewachsen ist,  wollte man einerseits die Ergebnisse würdigen und andererseits aufgrund der Größe neue Entscheidungsstrukturen entwickeln. Da bin ich dazu geholt worden.

Wir haben, nach einigen Einzelvorgesprächen,  einen sechsstündigen Council-Workshop mit allen Beteiligten gemacht.  Wo ist der Grundgedanke unseres Unternehmens noch? Wie schaut unsere Vision im Abgleich mit unseren persönlichen Werten aus? Wie können wir selbst noch nachhaltiger sein mit unserem Tun – auch mit unserer Arbeitskraft? Hören wir uns bei all der Hektik überhaupt noch zu? Was brauchen wir in Zukunft? Das waren die Fragen, die hier besprochen wurden.

Es war eine Würdigung und ein Startpunkt für Neues, das alle bereit sind persönlich mitzutragen oder auch nicht. Und dass mal ausgesprochen wird, was sonst nur hinter den Kulissen gesagt wird. Das braucht auch eine hohe Bereitschaft von der Führung sich auf die unterschiedlichen Meinungen einzulassen und Macht auch zu teilen.

Die Führungsperson muss bereit sein zu delegieren, den Menschen im Unternehmen zu vertrauen und ihnen auch mehr zuzutrauen als bisher. Viele können am Arbeitsplatz nur einen Teil ihrer Fertigkeiten zeigen, im Council wird der ganze Mensch und sein Wissen gewürdigt und eingebunden.“

Was hat sich für Sie persönlich verändert, seit Sie diese Methode kennen und einsetzen?

„Ich erkenne, dass mein Wissen nur ein Teil des gesamten Wissens ist. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Es entsteht so eine Kraft aus dem Gemeinsamen der Teile. Auch ich bin kraftvoller, wenn ich meine Perspektive durch den Blickwinkel anderer erweitere. Das gelingt mit authentischem Zuhören: Was hat der andere mitzuteilen? Zuhören, ohne dass ich damit einverstanden sein muss.

Ich bin jetzt auch mutiger meine Wahrheit auch den anderen zuzumuten und dazuzulernen die Wahrhaftigkeit der anderen anzunehmen.“

Herzlichen Dank für das Gespräch und die wunderbare Erfahrung!

Literatur-Tipp

Zimmermann,  Jack & Coyle, Virgina, „Der große Rat. Das Council – mit dem Herzen hören und sprechen, den Kreis erweitern“,  448 Seiten,  Arbor-Verlag.

Internet-Tipps

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