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Burnout-Prävention durch gesundes Führen und Resilienz

Mit der Beschleunigung der Arbeitsprozesse steigt für Mitarbeiter die Belastung am Arbeitsplatz. Viele Unternehmen fordern immer mehr Leistung in immer weniger Zeit. Hält dieser Zustand länger an, kann sich bei Mitarbeitern ein Gefühl der Resignation einstellen bis hin zum Burnout. Als Folge davon beginnt bei Mitarbeitern eine negative Spirale und ein Prozess der Desidentifikation. Burnout betrifft oder gefährdet zahlreiche Mitarbeiter. Unternehmen sollten daher einen gesundheitsorientierten Führungsstil in der Organisation umsetzen.

Autorin: Claudine Pirkner, MAS (Geschäftsführerin der Impulse Beratung)

Immer öfter kommt die Burnout-Gefahr aus jenen Unternehmen, in denen die Arbeitsplatzsicherheit aufgrund von Fusionen und Kostendruck gefährdet ist und zugleich das Vertrauen unter den Mitarbeitern wegen Konkurrenz oder Mobbing nicht mehr vorhanden ist. Das Burnout-Phänomen ist ein kritischer Punkt für die Zukunft einer Organisation und stellt die HR-Verantwortlichen vor eine große Herausforderung.

Gesunde Arbeit in Organisationen

Viele Mitarbeiter haben bereits innerlich gekündigt und ihr Engagement für das Unternehmen heruntergefahren. Auch wenn die Dauerbelastung individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen wird, haben Anforderungsdruck und Effizienzsteigerungen in vielen Firmen ihre Grenze bald erreicht. Aus diesem Grund ist ein Umdenken bei vielen Organisation erforderlich.

Damit sich daran etwas ändern kann, ist die Einführung einer gesunden Arbeit auf Organisationsebene wichtig. Dabei können HR-Verantwortliche, Führungskräfte und Mitarbeiter bei der Verbesserung der Kommunikation und beim Steigern der Resilienz unterstützen, um die Burnout-Gefahr im Unternehmen zu reduzieren.

Resilienz einführen und umsetzen

Die Gesundheit der Mitarbeiter ist relevant für die gute Funktionsfähigkeit jeder Organisation. Die Einführung von Resilienz auf individueller und organisatorischer Ebene zur Burnout-Prävention im Unternehmen hat daher eine große Bedeutung gewonnen.

Die Aktivierung der Ressourcen dank der Resilienz verbessert die Toleranz für und die Anpassung an die Veränderungen und erhöht die Widerstandsfähigkeit der Mitarbeiter. Resilienz unterstützt die Mitarbeiter dabei konstruktiv und positiv zu sein, fokussiert und zielorientiert zu bleiben und mit Veränderungen besser umzugehen, ohne sich aus der Bahn werfen zu lassen.

Durch Resilienz-Training können Mitarbeiter ihre Fähigkeit im Umgang mit Belastungssituationen stärken. Das hilft ihnen dabei, vor Herausforderungen nicht zurückzuschrecken. Sie werden wieder proaktiv, entdecken Sinn und Handlungsmöglichkeiten neu, unterbrechen Stress aktiv, halten Beziehungen auch in schwierigen Phasen aufrecht und erleben Motivation in der Arbeit.

Handlungsspielräume schaffen und fördern

Schon vor langer Zeit hat die Arbeitspsychologie herausgefunden, dass eingeschränkte Handlungsspielräume sich nachteilig auf die Mitarbeitergesundheit auswirken können.

Bei einer gesunden Arbeit in einer Organisation ist die positive Einstellung und die Entwicklung einer inneren Resilienzhaltung der Mitarbeiter ein zentraler Punkt.

Mit der Praxis des lösungsfokussierten und positiven Denkens und der Erhöhung des Selbstbewusstseins verinnerlicht das Personal die Mechanismen einer Resilienzhaltung. Die Mitarbeiter werden damit bewusster in ihrem Handlungsspielraum, befreien sich aus der Opferhaltung, können besser agieren und Initiative ergreifen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, Handlungsspielräume progressiv für Mitarbeiter einzuführen, sie gezielt zu entwickeln und zu fördern. Die Rolle die Führungskräfte ist es, Orientierung zu geben und Eigenverantwortung zu entwickeln sowie die Aufgaben für die Mitarbeiter weniger stark vorzugeben.

Da sowohl Überforderung als auch Unterforderung krankmachen können, sollten Führungskräfte auf die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeiter achten und die Übereinstimmung der fachlichen Qualifikation mit der Tätigkeit überprüfen.

Gesunde Mitarbeiterführung am Arbeitsplatz

Führungskräfte sollten aktiv Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Arbeitsklima verbessern

Einer der wichtigsten Gesundheitsfaktoren im Unternehmen ist das Arbeitsklima. Laut Befragungen stärken eine angenehme und kollegiale Arbeitsatmosphäre sowie flexible Arbeitszeiten die Arbeitsmotivation am effektivsten.

Es empfiehlt sich daher ein gesundheitsorientierter Führungsstil am Arbeitsplatz, damit die Führungskräfte das Arbeitsklima positiv beeinflussen können.

Maßnahmen für ein besseres Arbeitsklima

  • Teamgeist entwickeln durch die Schaffung von „Wir“-Gefühl.
  • Bessere Beziehungen zwischen Mitarbeitern sowie gegenseitige Unterstützung.
  • Anerkennung von Fähigkeiten und Erfolgen von Mitarbeitern.
  • Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Mitarbeiter und Einführung von Regenerationspausen.
  • Unterstützung der Eigenverantwortung und Autonomie durch Vertrauen.
  • Etablierung einer Fehlerkultur und dadurch für alle das Lernen aus Fehlern ermöglichen.
  • Aktive Auseinandersetzung mit Konflikten im Team mit Lösungskompetenz und proaktivem Verhalten.
  • Zuversicht fördern und positiv nach vorn blicken.

Zusätzlich fördert ein positives Arbeitsklima die nachhaltige Widerstandsfähigkeit von Teams, Schwierigkeiten werden gemeinsam besser bewältigt und Belastungen werden eher als Herausforderungen wahrgenommen. Das Team wird leistungsfähiger, motivierter, innovativer, flexibler und Druck wird nicht mehr als negativ empfunden.

Gesunde Kommunikation

Die Kommunikation spielt eine zentrale Rolle im Unternehmen. Mitarbeiter brauchen Feedback zu ihrer Leistung, aber auch das Gefühl, als Menschen gesehen zu werden. Leider leidet die Kommunikation im Büro vielfach an mangelnder Verständigung und Aufrichtigkeit. Viele Führungskräfte konzentrieren ihre Kommunikation auf der Sachebene und verleugnen die persönliche Ebene, die Gefühle und die Bedürfnisse der Mitarbeiter, weil sie nicht mit Emotionen konfrontiert werden wollen. Diese Kommunikation ist selten zielführend und führt zu Demotivation. Das Engagement und die Zufriedenheit im Unternehmen können dadurch sinken.

Ein kooperatives Miteinander bringt weit mehr als ein unproduktives Gegeneinander. In Unternehmen kommt es sehr häufig zu ungeklärten Differenzen und verbalen Verletzungen. Zunehmende Krankenstände sind oft die Konsequenz dieses Verhaltens ebenso wie die „Junktalk“-Kommunikation untereinander.

Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, eine bewusstere und gesündere Kommunikation mit Mitarbeitern zu führen. Eine Kommunikation im Team, bei der Führungskräfte und Mitarbeiter sich Zeit nehmen, um miteinander zu reden und einander zuzuhören. Dadurch können Sie gemeinsam eine neue Dynamik im Team entwickeln und Vertrauen aufbauen.

Positive Auswirkungen einer gesunden Kommunikation

  • Förderung von Wohlbefinden und Verbesserung des Arbeitsklimas
  • Erhöhung des Selbstbewusstseins und der Motivation
  • Steigerung der Effizienz und der Bewältigungskraft
  • Erweckung von Kreativität und Initiative
  • Entwicklung von Ideen für neue Lösungen und Innovationen
  • Verbesserung des Miteinanders und besseres Verständnis füreinander
  • Vorbeugung von Stress und Verringerung von Krankenständen

Mit einer gesunden Kommunikation kann Vertrauen aufgebaut, Ängste reduziert, Konflikte besser verstanden und ein besseres Arbeitsklima geschaffen werden. Führungskräfte haben durch eine wertschätzende und offene Kommunikation viel zu gewinnen. Diese Art zu kommunizieren hat großen Einfluss auf die Arbeitsqualität, intensiviert die Beziehungen und sichert nachhaltige Erfolge.

Mit Unterstützung von gesunder Kommunikation im Rahmen von Seminaren für Führungskräfte und Mitarbeiter können HR-Verantwortliche neue Denk-, Sprach-, Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster im Unternehmen verankern.

Kommunikationsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit als Schlüssel für ein gesundes Arbeitsumfeld

Die Einführung eines gesundheitsorientierten Führungsstiles fördert das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Eine gesunde Kommunikation ist der beste Katalysator für eine neue Führungskultur. Sie verbessert das zwischenmenschliche Miteinander im Unternehmen und wirkt sich leistungsfördernd auf Mitarbeiter aus.

Mit Unterstützung der HR-Verantwortlichen und durch regelmäßige Weiterbildung, Reflexion über die Einstellung und die Haltung wird die Transition zu einem gesunden Führen gelingen.

Unternehmen, welche einen gesunden Führungsstil und Resilienz umgesetzt haben, verringern aktiv die Gefahr von Burnout und sind für Herausforderungen in der Zukunft besser gerüstet.

 


Gast-Autorin

Claudine Pirkner, MAS, ist Geschäftsführerin der IMPULSE BERATUNG e.U. Sie begleitet Unternehmen und Einzelpersonen in Themen wie berufliche Entwicklung, Burnout-Prävention, Leadership, Resilienz, strategische Kommunikation und Organisationsentwicklung. Als Unternehmensberaterin, Business Coach und Resilienztrainerin vereint Sie Kompetenz und interdisziplinäre Erfahrung.

www.impulse-beratung.com


 

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