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Augmented Reality im tagtäglichen Einsatz im Unternehmen – welch Chance?!

Augmented Reality welch Chance im Unternehmen! Welch Chance, Konseqzenz, Auswirkung, Einsatzbereich? Das Potential von Augmented Reality ist riesig, doch bevor dieses Potenzial in all seiner Buntheit ausgeschöpft werden kann, liegen zahlreiche Überlegungen und Vorbereitungen im Weg. Und auch Hürden – für HR, für die Anwender, für etc. Sehen wir mal genauer hin:

Ich bitte MMag. Dr. Sabrina Romina Sorko (Dozentin (FH) an der FH JOANNEUM Institut Industrial Management, Foto rechts) zum Interview und erhalte interessante Einblicke:

Was ist Augmented Reality?

Augemented Reality bedeutet, eine reale Umgebung, wie beispielsweise eine Anlage, mit zusätzlichen Informationen anzureichern. Die Informationen können als Dokumente, Bilder, Videos oder gar 3D-Objekten auf unterschiedlichen smart devices (Smart Phone, Tablet, Datenbrille etc. ) bereit gestellt werden.

Worin liegen die klaren Vorteile von Augmented Reality?

Der Einsatz von Augmented Reality Technologien kann zur Optimierung von Prozessen führen. So können durch die mobile Bereitstellung unnötige Wege zu Computerarbeitsplätzen vermieden werden. Im Instandhaltungsbereich können Wartungs- und Instandhaltungsprozesse rascher und kostengünstiger gestaltet werden, da der Experte nicht mehr zwingend vor Ort sein muss, sondern den Werker durch eine Remote-Video-Schaltung anleiten und unterstützen kann. Im HR-Bereich bietet der Einsatz von Augmented Reality vor allem in der Personalentwicklung viele Vorteile. So wird beispielsweise individuelles „on demand Training am Arbeitsplatz“ möglich.

In welchen Unternehmen / Abteilungen / Aufgabengebieten eignet es sich besonders gut?

Die Anwendungsbereiche erstrecken sich über fast alle Branchen, mit Schwerpunkt Industrie, und beinahe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Je nach Art der Augmentierung eignen sich unterschiedliche AR-Technologien besonders gut:

  • F & E: Entwicklung von (virtuellen) Prototypen
  • Produktion: Zur Verfügung stellen von Vergleichsdaten zur Plausibilitätskontrolle, von Wartungsplänen bis hin zur ortsunabhängigen Remoteunterstützung durch Fachexperten.
  • Marketing & Vertrieb: Realitätsnahe, merkmalsorientierte Produktpräsentation durch Visualisierung des neuen Produktes in der entsprechenden Umgebung (im B2B-Bereich (zB Küchen, Swimmingpool etc.) wie im B2C-Bereich (zB neue Anlagen).
  • Logistik: Blickfelderweiterung für Staplerfahrer, geführte Kommissionierung Stichwort „Pick-by-Vision“
  • Human Resources: Trainieren von Handlungsabläufen am virtuellen Objekt, On-Demand-Training direkt am Arbeitsplatz im individuellen Lerntempo durch unabhängiges Bereitstellen von Informationen.
Worin liegen die Herausforderungen für HR wenn es um Augmented Reality geht?

Die erste Herausforderung betrifft die Akzeptanz gegenüber der Technologie und die Bereitschaft mit Augmented Realityzu arbeiten. Vor allem wenn mit Datenbrillen oder Smart Watches gearbeitet wird muss man davon ausgehen, dass die Mitarbeiter eine natürliche Benutzungshemmschwelle haben. Diese ist umso höher, je weniger intuitiv die Bedienbarkeit der Geräte ist. Gedanken wie „Ich könnte mich blamieren“, „wie sehe ich damit nur aus“ führen unbewusst zu einer reservierten Haltung. Hier gilt es den Mitarbeitern Möglichkeiten zu geben, sich in einem geschützten Umfeld in ihrem individuellen Tempo mit den neuen Technologien betraut zu machen. Hier werden die Mitarbeiter der Personalabteilungen sicher viel begleitende Coachingarbeit leisten müssen.

Die zweite Herausforderung besteht speziell bei den HR-Kernbereichen. Bislang wurde dieser Bereich noch wenig auf mögliche Potentiale für Augmented Realityuntersucht, wobei ich davon überzeugt bin, dass es auch hier weit mehr Anwendungsmöglichkeiten neben der Optimierung der Weiterbildung gibt. Um die Potentiale möglichst umfassend erheben zu können, sind nicht nur gutes Prozesswissen im HR Bereich nötig, sondern bedarf es auch eines breiten Wissens über bestehende Augmented Reality Technologien und deren Möglichkeiten.

Die Dritte Herausforderung umfasst den Bereich der Personalentwicklung. Wie bereits erwähnt, wurden die Vorteile von Augmented Realityhier bereits erkannt. Nun gilt es aber die Potentiale auch umsetzen zu können. Dazu ist ein völlig neues didaktisches Verständnis nötig. Traditionelle Weiterbildungs- und PE-Maßnahmen müssen überdacht und mit neuen digitalen Methoden angereichert werden. Der gesamte Weiterbildungsinhalt muss auf die neuen Technologien angepasst werden und es müssen flexible Lernformate auf Basis eines aktuellen Wissensmanagements geschaffen werden. Dazu ist nicht nur didaktisches Know-How nötig. Die zuständigen Personen müssen auch die technischen Gegebenheiten kennen, um darauf aufbauend praxistaugliche Weiterbildungslösungen zu entwickeln. Grundlagenverständnis im Bereich der Softwareentwicklung/Usability ist dafür nötig.

Wie wird es von den Usern akzeptiert?

Die Akzeptanz hängt von der Art der Implementierung ab. Wird den Usern das Augmented Reality Device verpflichtend zugeteilt, ohne dass die Mitarbeiter die Möglichkeit der Mitsprache oder Gestaltung hatten, dann ist die Bereitschaft damit zu arbeiten tendenziell geringer. Erhebungen bestätigen die umgekehrte Wirkung: Werden die Mitarbeiter vor der Implementierung eingebunden, beispielsweise durch freiwillige Systemtests, Unterstützung in der internen Potentialerhebung für das neue Device etc. dann ist die Bereitschaft damit zu arbeiten hoch.

Unterschiede in der Akzeptanz gibt es auch abhängig vom verwendeten smart device. Endgeräte, die den Mitarbeitern vertrauter sind (Smart Phone oder Tablet) werden durchschnittlich positiver wahrgenommen als neuartige Geräte wie Smart Watches oder Smart Glasses. Vor allem bei Letzteren höre ich immer wieder Kommentare wie „Das sieht spacig aus.“, „Die Brille wirkt wie aus einem futuristischen Film.“, „Damit schaut man aus wie ein Außerirdischer“. Insgesamt kann man sagen, dass devices, die wir aus dem privaten Umfeld gewohnt sind eher angenommen werden als neuartige Geräte.

Der dritte Faktor ist die Kontrollierbarkeit, vor allem bei kamerageschützten Augmented Reality Applikationen. Durch die permanente Begleitung mit der Kamera fühlen sich die Mitarbeiter zum Teil unwohl bzw. ein Stück weit in ihrer Arbeit kontrolliert. Hier wird es vor allem an den Vorgesetzten und Personalabteilungen liegen, den Mitarbeitern Sicherheit zu geben.

Wann lohnt sich der Einsatz von Augmented Reality Technologien für ein Unternehmen?

Die Frage kann nicht einheitlich beantwortet werden. Voraussetzung sind aber zwei Punkte: 1. Die Optimierung mittels AR-Technologien muss sinnvoll sein. 2. Die Unternehmen müssen die für die Anwendung geeignete technische Lösung (von Smart Phone bis zur Datenbrille) wählen.

Häufig ist der Zugang der Unternehmen aktuell noch ein anderer: Man lernt ein Augmented Reality Device auf einer Messe oder ähnliches kennen, ist von den technologischen Möglichkeiten begeistert und versucht dann einen Use Case darum zu finden. Eine nachhaltig erfolgreiche Implementierung von Augmented Reality macht aber nur dann Sinn, wenn man sich zunächst intensiv mit den Prozessen und deren Augemntierungspotentialen beschäftigt hat. Denn erst wenn das Ziel der Optimierung und das (örtliche) Einsatzgebiet definiert sind macht es Sinn, ein passendes Hardware device inkl. Software anzuschaffen.


Interview-Partnerin

MMag. Dr. Sabrina Romina Sorko ist als Senior Lecturer am Institut Industrial Management der FH JOANNEUM in Lehre und Forschung tätig. Sie ist für die Forschungsgruppe „Arbeit der Zukunft“ verantwortlich, wo sie sich inhaltlich derzeit mit den Potentialen von AR in der Industrie sowie dem Change Prozess Digitalisierung beschäftigt. Dazu ist sie als Trainerin/Coach im Bereich Human Resources freiberuflich tätig. Anfragen beantwortet Fr. Sorko gerne unter SabrinaRomina.Sorko@fh-joanneum.atwww.fh-joanneum.at/hochschule/person/sabrina-romina-sorko


HR Inside Summit 2018 (Hofburg Wien)

Mehr über dieses Thema erfahren Sie von MMag. Dr. Sabrina Romina Sorko beim HR Inside Summit 2018:

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