HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Arbeitszeitflexibilisierung | Flexible Arbeitszeit braucht klare Steuerungselemente

Flexible Arbeitszeit: Die neuen Arbeitszeit-Regelungen stellen die Weichen für eine flexiblere und stärker am Bedarf orientierte Arbeitszeitgestaltung. Diese Arbeitszeitflexibilisierung ist für viele Unternehmen eine Herausforderung. Denn: Je flexibler die Arbeitszeiten, desto komplexer ist auch deren Management.

Autor: Michael Kral, MBA (ATOSS Software)

Flexible Arbeitszeit & Gesetzes-Lage

Das neue Gesetz erlaubt laut WKO.at das Arbeiten von zwölf Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche erlaubt. Die „Normalarbeitszeit“ bleibt jedoch bei acht Stunden täglich und bei 40 Stunden pro Woche bzw. in vielen Branchen 38,5 Wochenstunden bestehen. Wird darüber hinaus gearbeitet, fallen Überstunden an. Diese werden (mit 50 Prozent Zuschlag) am Monatsende ausgezahlt oder als Zeitausgleich konsumiert. Pro Woche sind jedoch nur 20 Überstunden zulässig. Und in einem Zeitraum von 17 Wochen darf die durchschnittliche Arbeitszeit 48 Wochenstunden nicht überschreiten.

Flexibilität ist wirtschaftliche Notwendigkeit

Was kontrovers diskutiert wird, ist aus vielen Gründen wirtschaftliche Notwendigkeit. Allein die demographische Entwicklung macht es notwendig, das Potenzial aller auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren Fachkräfte auszuschöpfen. Gerade in der personalintensiven Dienstleistungsbranche oder im Gesundheitswesen wird die Belegschaft immer weiblicher. Sowohl vielfältige Vertragsmodelle, als auch familienfreundliche Arbeitszeiten und die Möglichkeit, kurzfristig Schichten zu tauschen, sind häufig die Grundvoraussetzung, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und vor allem auch zu binden. Aber wie lässt sich gesetzlich konforme Arbeitszeitflexibilisierung im Alltag effizient umsetzen?

Arbeitszeitflexibilisierung: Gemeinsam in die Zukunft

Eines ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden: Unternehmen können nur mit ihren Mitarbeitern gemeinsam erfolgreich sein. Arbeitszeitflexibilisierung darf daher nicht einseitig von der Belegschaft gefordert werden. Die Unternehmen müssen heute „win-win“-Situationen schaffen.  Umfragen von arbeitnehmerfreundlichen Organisationen zeigen, dass die meisten Mitarbeiter offen für fachliche und zeitliche Flexibilität sind – wenn sie davon ebenfalls profitieren. Besonders wichtig ist ihnen dabei eine hohe Verlässlichkeit in der Planung.

Flexible Arbeitszeit in der Praxis umzusetzen, ist jedoch eine enorme Herausforderung: Unternehmen müssen unterschiedlichste Schwerpunkte der Interessensgruppen und gesetzliche Rahmenbedingungen im Planungsprozess berücksichtigen. Gleichzeitig ist die Auftragslage relevant für den Einsatzplan. Und die schwankt heute in vielen Unternehmen stark. Viele Organisationen planen noch zu starr, um Personalkapazitäten lang- und kurzfristig an den tatsächlichen Bedarf anpassen zu können und die Vorteile des flexiblen Arbeitens optimal zu nutzen. Ein professionelles Workforce Management System schafft die nötigen Voraussetzungen.

Flexible Arbeitszeit: Der Personalbedarf im Fokus

Ist der langfristige Personalbedarf aufgrund von Vergangenheitsdaten, Daten aus anderen vorgelagerten Systemen bekannt, kann die Personalabteilung zum Geschäftsmodell passende Flexibilisierungsmaßnahmen entwickeln. Flexible Arbeitszeit schafft ein sinnvollen Mix unterschiedlicher Arbeitszeitmodelle, etwa Vollzeit und Teilzeit, sowie geeigneter Schichtmodelle wie kurze und lange Schichten, ein bis drei Schichten pro Tag, Flexischichten, Bereitschaftsdienste oder Springer-Pools. Fachliche Flexibilität trägt dazu bei, dass Unternehmen Mitarbeiter vielseitiger einsetzen können, auch bereichsübergreifend. Über Recruiting und Querqualifikationen lässt sich die Belegschaft gezielt dem Bedarf anpassen. Das schafft großes Potenzial in der Arbeitszeitflexibilisierung.

Attraktivität als Arbeitgeber stärken durch flexible Arbeitszeit

Ein weiterer Punkt ist, dass flexibles Arbeiten immer mehr zu einem Faktor im Employer Branding wird. Hochqualifizierte Fachkräfte präferieren Arbeitgeber, die Möglichkeiten bieten, die eigenen Bedürfnisse in die Planung einzubringen – die vielzitierte Work-Life-Balance oder Work-Life-Integration.

Zwingende Voraussetzung für eine solche Arbeitszeitflexibilisierung sind digitale Steuerungsinstrumente, um den tatsächlichen Personalbedarf zu ermitteln, entsprechend zu planen und gleichzeitig die Wünsche der Mitarbeiter zu berücksichtigen.


Gast-Autor

Michael Kral, MBA, ist Niederlassungsleiter der ATOSS Software GmbH in Wien. Mit seinen Kollegen berät und begleitet er Unternehmen bei der Einführung von Workforce-Management Software. Als Experte im Bereich Arbeitszeitmanagement und Personaleinsatzplanung hilft er Unternehmen, die Potentiale im Zeitalter der Digitalisierung zu erheben und mit State-of-the-Art Lösungen zu arbeiten.

www.atoss.at


Link

Siehe auch HRweb-Artikel „Flexible Arbeitszeit. Österreich lebt es eher als „Gleitzeit“ & Co. Wie steht es um die kreative, die tatsächlich flexible Flexibilität?

teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.