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Einkauf & HR: Kooperation für mehr Wertschöpfung

50 bis 70% und mehr der Unternehmensleistung sind „Spend“, je nach Branche. Wir werfen heute einen genauen Blick auf den Einkauf und auf die Rolle von Human Resources:

Autor: Dkfm. Heinz Pechek (BMÖ)

Der Einkauf beeinflusst die Ausgaben (Kosten) für Material, Maschinen, Anlagen, Investitionen, Energie, IT, Miete, Lager, Dienstleistungen, Reisekosten etc. Er regelt das nicht allein über Preise. Es geht darum, in engem Austausch mit internen Business-Partnern, die besten externen Partner zu finden, auf die auch in kritischen Phasen Verlass ist. Der Einkauf gibt, wenn er frühzeitig eingebunden ist (möglichst schon im Produktentstehungsprozess), durch Markt- und Lieferantenkenntnisse wertvolle Impulse zu Kosten, Alternativen, Chancen und Risiken. HR-Verantwortliche sollten sich vor allem den interessantesten Hebel bewusst machen: Der Einkauf kann und muss das Kostengestaltungs- und -senkungspotenzial bereits bei den Herstellkosten kennen und nutzen. Gefragt sind spezielle Prozess- und Technologiekenntnisse, die sich über das eigene Unternehmen hinaus auf Kunden- und Lieferantenseite erstrecken.

Rolle des HR

Der Einkauf muss nicht nur in Produktion, Entwicklung, Qualitätssicherung, Marketing und Vertrieb auf seine erfolgskritischen Beiträge für Wertschöpfung, Kundenzufriedenheit und Innovationsgeschwindigkeit verweisen können. Auch HR sollte ein neues Verständnis entwickeln. Wenn es darum geht, „die Besten“ zu gewinnen und adäquate Qualifizierungsmaßnahmen anzuschieben, ist enge Abstimmung eminent wichtig. Für Einkauf und HR gilt es, ein gemeinsames Denkmuster zu entwickeln. Das beginnt schon bei Stellenanzeigen. Aufmerksamkeit schafft man nur, indem man Floskeln vermeidet und bei Aufgabenprofil und Verantwortungsebene auf den Punkt kommt.

Rolle des Einkaufs

Aufgabe des Einkaufs ist es auch, Weiterbildungsleistungen für verschiedene Unternehmensbereiche zu „beschaffen“. Die eigenen Bedarfe in Sachen Qualifizierung kommen dabei oft zu kurz – angesichts der Bedeutung der Abteilung Einkauf und die neue Rolle in Digitalisierungsprojekten ein kostspieliges Versäumnis. Basis ist das betriebs- und volkswirtschaftliche Verständnis. Hinzu kommt spezielles Verfahrens- und Methodenwissen für anspruchsvolle Bereiche wie Lieferantenmanagement, Compliance, Nachhaltigkeit, Innovationsgenerierung. Digitalisierung bringt neue Geschäftsmodelle und Kollaborationsformen. Die Vernetzung mit internen und externen Partnern sowie mit IT-Systemen rückt in den Fokus des Einkaufs. Weitere Stichworte: Data-Management, Sicherheit, Block-Chain, Predictive Analytics etc. Themenfelder, die der Einkauf auch gemeinsam mit IT, Controlling, Supply Chain Management und anderen Experten stringent nach vorne bringen muss. Gefordert sind darum auch Maßnahmen, die Einkäufer verstärkt hinsichtlich Kommunikation, Verhandlungsführung, Spieltheorie, Rhetorik und Dialektik befähigen. Dass neue Anforderungsprofile in einem disruptivem Umfeld auch ein neues Verständnis von Führung benötigen, liegt auf der Hand. Das gilt für Führungskräfte mit Gesamtverantwortung für Lieferketten und Lieferantenmanagement ebenso wie für Lead Buyer und Commodity Manager.

Weiterbildung für den Einkauf

Der Trend zu Inhouse-Trainings und Procurement Academies (mit oder ohne Unterstützung eines externen Bildungspartners) in größeren Unternehmen unterstreicht die Bedeutung. Es gibt keinen Grund bei Weiterbildung und Qualifizierung zu sparen. Der Anteil der Personalkosten in produzierenden Unternehmen liegt oft bei 10 bis 20%, selten darüber. Aus- und Weiterbildungskosten liegen in der Regel im Schnitt bei etwa 1,7% des Personalaufwandes (ENDBERICHT René Böheim Institut für Volkswirtschaftslehre Johannes Kepler Universität Linz: Die gesamten Kosten, die für betriebliche Weiterbildung in dieser Stichprobe aufgewendet wurden, betrugen 2010 rund € 1,4 Mrd., das waren rund 1,7% des Personalaufwands in den weiterbildungsaktiven Unternehmen ([Statistik Austria, 2013, Tabelle 12]), im günstigsten Fall bei ca. 0,3 bis 0,5% der Herstellkosten. Einsparungen bei betrieblicher Weiterbildung sind kosten- und anteilsmäßig kaum bis gar nicht ergebnisrelevant.

Der BMÖ fungiert seit 20 Jahren als Interessensvertretung für das österreichische Einkaufs- und Supply Chain Management. Die BMÖ-Akademie unterstützt bei Bildungsbedarfserhebung, Weiterbildungsplanung und Durchführung von Maßnahmen. Das laufend angepasste Qualifizierungs- und Bildungsangebot umfasst Lehrgänge, Seminare, Workshops und Inhouse Trainings. Hinzu kommen Round-Tables, Fokus-Veranstaltungen und das Österreichische EinkaufsForum (BMÖ-Jahreskonferenz).


Gast-Autor

Dkfm. Heinz Pechek ist Geschäftsführender Vorstand, Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ)

http://www.bmoe.at/Akademie/

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