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Kulturschock | Interkulturelle Kompetenz: Workshops für Studierende vor Auslandsaufenthalten

Forschungen bestätigen, dass Auslandsaufenthalte von Studierenden  wesentlich verbessert werden können durch Vorbereitungstrainings bzgl. interkulturelle Kompetenz.

„Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom“

Albert Einstein

In Beiträgen der HRWeb.at Serie zu „Cultural Intelligence. Die kritische Kompetenz des 21. Jahrhunderts“ haben wir bereits die einzelnen Komponenten zur Entwicklung der Cultural Intelligence (CQ), also kulturellen Intelligenz, bzw. interkultureller Kompetenz vorgestellt. Folgender Beitrag beschäftigt sich nun mit dem interkulturellen Lernprozess von Studierenden.

Interkulturelle Kompetenz: Workshops für Studierende vor Auslands-Semestern

Vermehrt setzen Hochschulen interkulturelle Trainings oder Workshops auch ein, um die Kompetenzentwicklung der Studierenden zu unterstützen. Wichtig ist hierbei aber insbesondere, dass im Rahmen dieser Vorbereitungskurse die Glaubenssätze und Erwartungen der Studierenden an die interkulturelle Erfahrung kritisch hinterfragt werden. Sehr oft beeinflussen Anpassungsschwierigkeiten in einer neuen Kultur, welche oft in der Anfangsphase auftreten, die sozialen Kontakte und den universitären Erfolg im Gastland negativ. Diese anfänglichen Schwierigkeiten werden oft unter dem Terminus des Kulturschocks beschrieben, also „den anfänglichen Anpassungsprozess an ein unbekanntes Umfeld“, welcher emotionale, psychologische, physiologische Effekte haben kann.

In dieser Phase (und natürlich auch danach), so zeigen mehrere Studien, sind u.a. folgende Aspekte wesentlich für eine positive Erfahrung:

Grafik: Selbstreflexion im Zentrum für interkulturelle Kompetenz

Adaptionsschwierigkeiten können von internen (z.B. schlechtes Stressmanagement, Identitätsverlust und Vorurteile) sowie externen (z.B. Sprachbarrieren, Kommunikation und Umgebung) Faktoren abhängen. Insbesondere wichtig ist jedoch die Auseinandersetzung, die Selbstreflexion mit der eigenen Denkweise, denn wie in der obigen Abbildung aufgezeigt, kann eben genau diese sehr stark die Auslandserfahrung beeinflussen.

Studien

Eine von Goldstein & Keller (2015) durchgeführte Studie zeigt auf, dass Studierende dazu tendieren, interkulturelle Anpassungsschwierigkeiten eher auf extern hervortretende (klar erkennbare) Unterschiede im kulturellen Umfeld und seltener auf interne, weniger sichtbare intrapersonale Phänomene zurückzuführen. Eine Annahme könnte sein, dass die Einschätzung der Studierenden mit der eigenen Reflexionsfähigkeit zu tun hat, welche wiederum eine grundlegende Kompetenz ist, um nicht in einer ethnozentrischen Weltsicht zu verharren und letztendlich sich selber besser kennen- und einschätzen zu lernen. Die Bewusstseinsschaffung in Vorbereitungsworkshops ist demnach unerlässlich und bietet auch eine sehr gute Grundlage für die Rückkehr nach dem Auslandsaufenthalt.

Kolb beschreibt in seiner Erfahrungsbasierten Lerntheorie einen idealisierten Lernzirkel welche Lernen in vier aufeinander folgenden Phasen beschreibt: konkretes Erfahren, Reflektieren und Beobachten, Abstraktion und Konzeptualisierung des Reflektierten und schließlich durch das Überprüfen der Maßnahmen in der Realität. Es scheint somit von hoher Wichtigkeit, die Studierenden vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt in regelmäßigen Abständen zu Reflexionsaktivitäten zu motivieren. Dies führt in weiterer Folge wieder zu einem verstärkten interkulturellen Lernprozess und trägt positiv zur Cultural intelligence (CQ) bei. CQ ist definiert als die Fähigkeit eines Menschen, sich in kulturell divers aufgestellten Situationen und Umfeldern agil, effektiv und damit intelligent zu verhalten. Voraussetzung dafür ist es, kulturelle Unterschiede bewusst wahrzunehmen, sie wertfrei zu entschlüsseln und in die eigene Strategie, die eigene Vorgehensweise zu integrieren (Ang et al. 2007, Livermore 2011).

Wiedereingliederung

Ein Aspekt, welcher von Hochschulen, aber auch Organisationen, welche Auslandsentsendungen durchführen, oft vernachlässigt wird ist der sogenannte Wiedereingliederungsprozess, also wenn Studierende bzw. Mitarbeiter von ihrem Auslandssemester/-einsatz zurückkehren. Allzu oft wird diese Rückkehr von negativen Gefühlen begleitet wie: traurig, verloren, frustriert, durcheinander, gelangweilt, deprimiert oder sich verwirrt fühlen. Diese negativen Gefühle überlagern oft die vielen positiven Momente, welche mit der Rückkehr natürlich verbunden sind. Wie bspw. das Wiedertreffen mit Familie, Freunden und Kollegen begleitet wird. Trotz alledem stellen Rückkehrer auch oft fest, dass sie ihre Erfahrungen nicht wirklich mit ihrem direkten Umfeld teilen können. Hier bedarf es eines strukturierten Prozesses an Hochschulen, sowie in Unternehmen.

Wie können die Studierenden auch nach ihrem Auslandsaufenthalt unterstützt werden?

Studierende, welche von ihren Auslandssemestern retour kommen, könnten im Rahmen von Wiedereinstiegsworkshops ermutigt werden, sowohl über herausfordernde als auch spannende Aspekte ihres Auslandsaufenthaltes zu reflektieren. Dies könnte den Studierenden wiederum helfen, ihre Erfahrungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. So sehen sie, was sie bei der Rückkehr in ihre Heimatkultur gewinnen und wie sie ihre neuen interkulturellen Fähigkeiten einsetzen. Oftmals sehen die Studierenden ihre Heimatkultur in einem neuen Licht. Und sie konnten eine sowohl kritische als auch wertschätzende Perspektive auf die Heimatkultur entwickeln. Dies mit anderen Studierenden zu teilen, welche bspw. nicht ins Ausland gegangen sind, oder planen ins Ausland zu gehen, ist ein sehr wertvoller Schritt.


Literatur (interkulturelle Kompetenz)

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