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Dance Your Way into Leadership | Was wir vom Tanzen für unsere Führungsarbeit lernen können!

Das erste VGLForum 2020, widmete sich dem Thema Tanzen und Führung. Ich durfte bei diesem Event meine zwei Leidenschaften verknüpfen, als passionierte Forscherin habe ich meine zweite Leidenschaft, nämlich das Tanzen vernüpft und meine Erfahrungen aus dem West Coast Swing (WCS) Tanzen in den Führungskontext gesetzt.

Im Foto oben: Stella Maria Schletterer & Christopher Piffel www.chris-stella.dance/
„West Coast Swing Dancing ist ein KO-KREATIVER Prozess. Und genau so sollten wir die Führung in unseren Organisationen überdenken. “

Die VUCA-Welt

Wenn wir das Schlagwort VUCA in google suchen, bringt es mehr als 3.130.000 Ergebnisse in 0.59 Sekunden. Das Akronym VUCA steht für Volatilität | Unsicherheit | Komplexität | Ambiguität/Mehrdeutigkeit.

Kurz erklärt beschreibt VUCA die Herausforderungen im heutigen Unternehmenskontext, also einer Umgebung, die sich schneller denn je verändert, von Tag zu Tag instabiler wird und die Veränderungen immer unvorhersehbarer werden. Herausforderungen und ihre Auswirkungen sind mehrdeutiger und schwerer zu verstehen. Die Anforderungen an die heutigen Organisationen und das Management sind widersprüchlicher und paradoxer als je zuvor. Studien zeigen, dass die externe Komplexität zwar um das 6-fache, die interne Komplexität jedoch um das 35-fache gestiegen ist (Morieux 2015).

In Zeiten, in denen Mitarbeiter sich freier als je zuvor bewegen, die Möglichkeiten der globalen virtuellen Kommunikation konstant zunehmen, dadurch Hindernisse beseitigen und Menschen und Unternehmen in Echtzeit verbinden (Rosen, 2010), spielen Führungskräfte eine umso wichtigere Rolle (Bennett & Lemoine, 2014a; Johansen, 2009). Traditionelle Führungsmodelle und Managementinstrumente, die sich in einem relativ stabilen Kontext herausgebildet haben, entsprechen jedoch nur teilweise der Realität und den Anforderungen der VUCA-Welt (Mack & Khare, 2016).

Der Tanz ins Glück

Es gibt eine Vielzahl von Forschungsarbeiten, die sich mit den positiven Auswirkungen von Tanzen, Gesundheit und Wohlbefinden befassen. Ein kürzlich von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebener ausführlicher Bericht (hier online) zeigt deutlich, dass Tanzen zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden führt (WHO 2019). Tanzen schützt unser Gehirn mehr als Kreuzworträtsel oder Lesen: Das Risiko, an Demenz zu erkranken, sinkt durch Lesen um 35%, durch das Lösen von Kreuzworträtseln um 47% und bei häufigen Tanzen um 76% (Verghese, J. et. Al. 2003). Studien zeigen außerdem, dass wir uns ins Glück tanzen können (Zajenkowski et al. 2015). Und das ist für mich mitunter das Schönste am Tanzen!

Tanzen als Dialog … ebenso wie Führung

West Coast Swing (WCS) ist ein Partnertanz mit Wurzeln im Lindy Hop. Es zeichnet sich durch elastische Tanzbewegungen aus, welche sich aus seiner Extension-Compression-Technik der Partnerverbindung ergibt. Der Tanz ermöglicht es beiden Partnern (nicht nur dem Leader/oft als der Mann bezeichnet), Schritte, Figuren und auch Geschwindigkeit zu improvisieren, während sie zusammen tanzen. Damit unterscheidet sich WCS von dem Großteil der Tänze, wo zumeist nur der Leader Entscheidungen für die nächste(n) Bewegung(en) trifft. Mach dir ein Bild von WCS hier.

Ein Aspekt, welchen ich durch mein WCS Tanzen mit meiner Forschung zu Führung in Neuen Arbeitswelten, in diesem Beitrag behandeln möchte ist verteilte Führung und Partizipation (Tian et al 2016).

Tanzen kann wie ein Dialog beschrieben werden, ebenso wie Führung. Aber wie können wir ein Umfeld für den Dialog schaffen und nicht weiterhin in einem Monolog sein, in dem nur die Manager/Führungskräfte die Entscheidungen treffen? Wir müssen in Erwägung ziehen und ebenso Strukturen schaffen, welche erlauben Führung zu verteilen und die Teilnahme von JEDEM zu fördern. Dies bedarf mitunter Kulturveränderungen.

Unternehmen mit sehr starken Hierarchien, verzeichnen zumeist eine geringere Beteiligung von Mitarbeitern, im Vergleich zu Organisationen, welche beispielsweise auf Selbstorganisation basieren. Wenn wir uns vorstellen, dass Führung nur auf diejenigen beschränkt ist, die Autoritätspositionen innehaben, ignorieren wir wissentlich das Führungstalent und die Fähigkeiten vieler anderer. Wenn es bei Führung im Wesentlichen um Einfluss geht, gibt es in jeder Organisation viele formelle und informelle Einflussquellen. Tänze, bei denen nur der Leader über den nächsten Schritt oder die nächste Figur entscheidet, nutzen das Potenzial beider Tänzer nicht vollständig aus.

Wenn wir die Rollen auf der Tanzfläche wechseln (Leader und Follower), können wir besser verstehen und („wortwörtlich“) fühlen, was es bedeutet, ein guter Leader zu sein. Wir lernen besser zu verstehen was es bedeutet, allen (nonverbalen) Signalen eines Leaders zu folgen und aufmerksam zu sein, wie ein Follower unsere Signale interpretiert oder was er/sie daraus macht. Ein Rollenwechsel in Organisationen hilft uns ebenso, unsere Perspektive zu ändern, um eine flexible Denkweise zu bewahren und damit in weiterer Folge unser Einfühlungsvermögen, aber auch unsere Beweglichkeit/Agilität zu trainieren!

„Die besten Leader sind auch gute Follower.“

Dieser Aspekt ist für mich einer der wichtigsten, welchen ich auf der Tanzfläche reflektieren und mit meinen Studien vergleichen durfte. In Organisationen ist es oft so, dass in dem Moment in dem wir unsere Führungskarriere beginnen, wir nicht wirklich wieder eine „Follower-Rolle“ übernehmen. Oft sind die Gründe wirtschaftlicher Natur, da Führungskarrieren immer noch besser vergütet werden, aber oft hat dies auch mit Statuswahrnehmungen zu tun. In Anbetracht einer sich schnell verändernden Umwelt können zu viele Hierarchieebenen zu einer Verlangsamung führen. Daher ist die Partizipation von ALLEN Mitarbeitern/Followern wichtiger denn je. Viele Organisationen haben damit begonnen selbstorganisierende Teams einzuführen. Selbstorganisation bedarf klarer Regeln, die aber gleichzeitig Spielraum zulassen.

Die Aufgabe eines agilen oder Scrum-Teams besteht darin, sich selbst um die Herausforderungen herum zu organisieren. Je weniger Einschränkungen oder Kontrollen einem Team auferlegt werden, desto besser. Wenn Führungskräfte übermäßig Druck erzeugen, bzw. Lösungswege vorgeben, also wie ein agiles (oder sich selbst organisierendes) Team ein Problem lösen soll, wird keine Selbstorganisation stattfinden. Das Team wird passiv und auf weitere Anweisungen warten.

Auf der Tanzfläche kann man wunderbar sehen, dass die besten Follower auch die verrücktesten Figuren tanzen können, wenn ihnen aber kein Freiraum gegeben wird, um sich einzubringen, findet kaum/keine Entwicklung und Wachstum statt.

Abschließend kann gesagt werden, dass Führungskräfte wesentlich sind, aber ihre Rolle sich in unseren Organisationen verändert. Durch WCS Tanzen können wir Kompetenzen und Feingefühl entwickeln, welches uns dabei hilft unser Führungsverhalten zu verbessern, aber auch auch gesünder und glücklicher zu sein ????

 

Mach einen Schritt aus der Komfortzone: man muss nicht tanzen können, um vom Tanzen für unsere Führungsarbeit zu lernen!


Workshop

Upcoming VGL Workshop Dance Your Way into Leadership: What Can We Learn From Dancing for Leadership in a Complex World?


Recommended Readings

  • Bernardis, A.; Hochreiter, G.; Lang, M. & Mitterer, G. (2016) #Nextland: Auf zu neuen Ufern. Harvard Business Manager, online here.
  • Yves Doz (2018) Why Successful Companies Usually Fail, INSEAD Knowledge, online here.

Studies cited in this article

  • Rosen, R. H. (2010). Leading the Emotional Side of Change: The New 21st-Century Lead-ership Capability. In: Goldsmith, M., Baldoni, J., & McArthur, S. (Ed.). AMA Hand-book of Leadership. New York: AMACOM, 167–178.
  • Bennett, N., & Lemoine, G. J. (2014). What a Difference a Word Makes: Understanding Threats to Performance in a VUCA World. Business Horizons, 57 (3), 311–317. DOI: 10.1016/j.bushor.2014.01.001.
  • Johansen, B. (2009). Leaders Make the Future: Ten New Leadership Skills for an Uncer-tain World. San Francisco, CA: Berrett-Koehler.
  • Mack, O., & Khare, A. (2016). Perspectives on a VUCA World. In: Mack, O., Khare, A., Krämer, A., & Burgartz, T. (Ed.). Managing in a VUCA World. Springer-Verlag. WHO 2019
  • Verghese, J. et. Al. (2003) Leisure Activities and the Risk of Dementia in the Elderly. N Engl J Med; 348(25): 2508-2516.
  • Marcin Zajenkowski, Konrad S. Jankowski & Daria Kołata (2015) Let’s dance – feel better! Mood changes following dancing in different situations, European Journal of Sport Science, 15:7, 640-646,
  • Meng Tian, Mika Risku and Kaija Collin (2016): A meta-analysis of distributed leadership from 2002 to 2013: Theory development, empirical evidence and future research focus, Educational Management Administration & Leadership, Vol. 44(1) 146–164
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2 Kommentrare

  1. Rainer Peraus am

    Spannende Sache! Gratulation. Ich habe mich ja auf das „Tabutanzen“ verlegt, durchaus auch körperlich gemeint. Ich denke diese Wege helfen die Angst-Starre(!) und Verkrampfung, zwei zu tiefst körperliche Zustände… aufzulösen, so wie wir es in unserem Denken zum Thema Wandel usw. brauchen.

  2. Barbara Covarrubias Venegas am

    Lieber Rainer,

    danke für deinen Kommentar! Ich kenne Tabutanzen nicht, aber wie auch in dem Vortrag angesprochen bringt jede Art des Tanzens etwas für unsere Wahrnehmung, non-verbale Kommunikation, Empathie und Selbst-, sowie aber auch Körperbewusstsein! Falls dich mehr dazu interessiert, vllt gleich am 5. Juni ein Halbtagesworkshop ???????? ????: www. viennagloballeaders.com/workshop-dance-your-way-into-leadership/

    lg Barbara
    www. barbaracv.com/dancing/

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