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Mindset Fallen in Krisenzeiten | Stolz und Vorurteil

Die Kunst erfolgreich ein Unternehmen zu führen, ist das Eine – die Kunst erfolgreich Menschen zu führen, ist das Andere! Um in Führungsfunktionen erfolgreich sein zu können, braucht es Fähigkeiten und ein Mindset, die beiden Anforderungen gerecht werden: logisch-analytisches Denken, Entscheidungsfreude, Mut zum Risiko, Sachorientierung genauso wie Wertschätzung, Zuversicht, Empathie, Beziehungsorientierung, um jeweils nur ein paar der persönlichen Kompetenzen zu benennen.

Vielfach starten wir aus nur einer dieser beiden Mindset-Ecken

Wir sind eher sachorientiert oder eher menschenorientiert. Durch Selbstreflexion entwickeln wir unsere facettenreiche Persönlichkeit und bringen uns in Balance, sodass wir situations- und personenbezogen sowohl sachorientiert als auch menschenorientiert in der Führungsrolle agieren können.

Was aber, wenn wir unreflektiert durchs Leben gehen? Unsere Erfahrungen und unser Mindset stark auf die Sachorientierung fokussieren und uns über erreichte Ziele und Erfolge identifizieren? Dann könnten wir den Eindruck bekommen, dass es nur auf uns alleine ankommt, dass die Ratio zu überwiegen hat und andere maximal als Mittel zum Zweck unseren Angelegenheiten dienlich sind. Die derzeitige Krisensituation lädt natürlich sehr stark dazu ein – den althergebrachten, autoritären Kurs einzuschlagen. Top-down Ansagen mit Verhaltensregeln und Formvorschriften. In der Gesellschaft wie auch im Alltag. Das könnte jenen on top das Gefühl geben, allmächtig zu sein. Es einzig und alleine zu wissen und alle anderen nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen.

Oh, wie trügerisch!

Dadurch laufen sie Gefahr, in ihrem eigenen Stolz gefangen zu werden. Der Realität zu entrücken und sich ihre eigene Wirklichkeit zu bauen. Diese selbstgestaltete Realität wird beherrscht von ihrem Ego, dass ihnen vorgaukelt, dass Fehler nur die Anderen machen, dass das Lernen nicht mehr notwendig ist, weil sie eh schon alles wissen, und dass sie der Nabel der Welt sind und sich alles um sie dreht.

Mindset | Stolz ist die Quelle aller persönlichen Ego-shooting Muster

Wir legen sie uns im Laufe der Zeit wirkungsvoll als Verteidigungsstrategie zurecht. Sie treiben uns an, nachfolgende Überzeugungen an den Tag zu legen:

  • Lass nicht zu, dass auch andere gute Ideen haben, vor allem, wenn Sie Deinen nicht ähnlich sind!
  • „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“: Lass keine Ausnahmen zu und schränke freies und kritisches Hinterfragen ein!
  • Werte andere ab, um Dich aufwerten zu können!
  • Angriff ist die beste Verteidigung, falls Du Gefahr läufst, aufgedeckt zu werden!
  • Finde Schuldige im Außen, wenn Fehler passieren, auch für Deine eigenen!
  • Sei arrogant – das bringt Dir Bewunderer ein (und täuscht über Deinen stellenweise geringen Selbstwert hinweg)

Entlarve Vorurteile bei Dir selbst

Vorurteile nähren unsere eingefahrenen Bewertungsmuster, unser Mindset, das unser Weltbild ausmacht.

Es ist einfach, seinen eigenen Weiterentwicklungspotenzialen auf die Spur zu kommen. Alles was man dafür braucht ist eine gesunde Portion Selbstwahrnehmung und Bereitschaft, die eigenen Vorurteile über Bord zu werfen: Alles, worüber wir uns den lieben langen Tag aufregen, worüber wir uns beschweren, was unser Missfallen erregt, ist ein Hinweis auf eigene Inbalancen. Wir werten ab, was wir uns selbst noch nicht ausreichend gut erarbeitet haben.

Ein paar Beispiel: wir regen uns über die Verschwendung anderer auf? Dann könnte Großzügigkeit noch nicht ausreichend genug in unserem Leben integriert ist. Wir schimpfen über die Verantwortungslosigkeit der anderen? Dann sollten wir unseren Mut und unsere Entschlossenheit in den Fokus unserer Entwicklung stellen. Wir sind über das andere Verhalten jüngerer Generationen irritiert? Dann sind unsere Neugierde und Lernbereitschaft zu forcieren. Wir fürchten uns vor Veränderung? Dann entziehen wir uns dem Fluß des Lebens, denn dieser birgt permanente Veränderung!

Stolz, ist die Hürde, die wir dabei erfolgreich nehmen müssen.

Denn er sagt uns, dass wir gut genug sind! Er hält uns in unserer Komfortzone und gaukelt uns vor, dass es nur an den Anderen liegt.

Überwinden wir den persönlichen Stolz und sind wir bereit uns zu blamieren, um unsere Weiterentwicklung zu forcieren. Stellen wir Fragen anstatt vorschnell zu beurteilen und reißen wir die Mauern unserer selbstgefälligen Weltansicht nieder. Denn die Geschwindigkeit und Komplexität mit der unsere gegenwärtige Welt sich verändert ist hoch und nimmt noch weiter zu. Nur in der Vielfalt der Meinungen und Lösungen sind wir imstande, Neues zu (erfinden) und bestehendes adäquat weiter zu entwickeln.

Die Sonnenkönige und Ihre Gefolgschaften sollte in Unternehmen und in der Gesellschaft keine Anhänger mehr finden. Diskussionen, die transparent mit vielen Menschen unterschiedlicher Expertise geführt werden, bringen eindeutig die qualitativ besseren Ergebnisse. Scheuen wir uns nicht, von Anderen zu lernen und erlauben wir uns, in Demut zuzuhören und andere Meinungen gelten zu lassen.

Um das Leben in vollen Zügen genießen zu können, braucht es Bescheidenheit, Wissendurst, Neugierde und Lernfreude – damit sind wir auf alle Eventualität vorbereitet und hervorragend in der Lage, unser Berufsleben erfolgreich dauerhaft zu meistern.

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