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Betriebliche Prävention | Lösung oder Problem

Wie kommunizieren Sie Ihre Angebote & Dienstleistungen in der betrieblichen Prävention? Arbeitsunfälle senken oder Arbeitssicherheit erhöhen? Krankheiten vorbeugen oder Gesundheit stärken?

Problemfokus oder Lösungsfokus – das sind zwei ganz unterschiedliche Ansätze, Denkweisen und Herangehensweisen!

Zwei verschiedene Konzepte

Manche Präventionsexperten schauen nur auf Unfälle, Krankheiten und Stress. Sie denken an das, was schief läuft.

Auch die vorgeschriebenen Evaluierungen fokussieren sich auf Gefahren, Gefährdungen und Risiken. Es geht darum aufzudecken, was möglicherweise zu einem Unfall oder einer Erkrankungen führen könnte. Selbst wenn die Gefahr gering ist, wird versucht potentielle Risiken zu minimieren. Wir schauen uns Situationen an, die eigentlich fast nie vorkommen. Aber man will ja auf das Schlimmste vorbereitet sein…

Die andere Perspektive beleuchtet stark, was alles gut klappt und richtig läuft. Denn in der Regel funktionieren ja die Arbeitsbedingungen zu 95%! Es gibt keine Arbeitsunfälle und es wird niemand krank am Arbeitsplatz. In der Regel werden ja Vorschriften eingehalten, Beinahe-Unfälle durch Mitdenken vermieden und die Beschäftigten gehen gesund wieder nach Hause.

Sie suchen nach den Stärken.

Dies wird in der Arbeitssicherheit „Safety II“-Ansatz genannt. Auch die aktuell sehr beliebte „Positive Psychologie“ schlägt in die gleiche Kerbe.

Die eigene Denkweise und Sprache reflektieren

Versuchen Sie das Gute zu verstärken oder das die schlechten Sachen auszurotten? Natürlich gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern auch Grautöne. Wir reagieren und reden auch in verschiedenen Situationen unterschiedlich. Aber grundsätzlich hat jeder von uns eine Tendenz!

Wo würden Sie sich einordnen? Wie kommunizieren Sie Ihre Angebote und Dienstleistungen an die Zielgruppe?

Ein netter Vergleich: Kann man glückliche Ehen verstehen, wenn man immer nur Scheidungen analysiert? Warum soll man dann Arbeitssicherheit verstehen durch die Analyse von Unfällen?

Wenn wir also Sicherheit und Gesundheit verbessern wollen, sollten wir uns auch genau darum kümmern und nicht immer nur die negativen „Auswüchse“ anschauen.

Denn dieser Fokus hat natürlich auch Konsequenzen für Ihre Gespräche mit Beschäftigten und Führungskräften!

Kommunikation mit Führungskräften

Wie motivieren Sie Führungskräfte zu mehr Arbeitssicherheit oder zu mehr Mitarbeiterbeteiligung?

Loben Sie für den Fortschritt und die positiven Anzeichen, die Sie sehen oder sagen Sie denen klar, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher?

Ein Problemfokus führt bei vielen Gesprächspartnern oft zu Frustration, weil sich alles nur um „das Negative“ dreht. Wir erzählen, was alles nicht gut funktioniert, wie hoch die Krankenstände sind und wo Führungskräfte Stress auslösen.

Das kann jedoch bei unserem Gegenüber Reaktanz auslösen!

Reaktionen

Teamleiter und Geschäftsführer zucken oft zusammen, wenn es um betriebliche Gesundheit und Sicherheit geht. Sie wollen nicht die ganze Liste an Probleme hören. Sie wollen sich auch nicht anhören, was sie bis jetzt alles falsch gemacht haben oder worum sie sich nicht gekümmert haben.

Das ist auch irgendwo verständlich. Oft machen wir in der Prävention den Führungskräften ja wirklich ein schlechtes Gewissen.

Wenn wir jedoch lösungsorientiert beraten, zeigen wir auch auf, was in der Vergangenheit schon gut geklappt hat und welche Ressourcen die Führungskräfte nutzen können um Maßnahmen umzusetzen.

Dadurch, dass wir nicht das Problem, sondern die Lösung ins Zentrum unserer Gespräche rücken, werden diese „automatisch“ positiver. Das ist nicht nur für unsere GesprächspartnerInnen angenehmer, sondern auch für uns als BeraterInnen.

Forschung

Auch aus der psychologischen Forschung von der Universität Wien (Forschungsprojekt: „Die Wirksamkeit von Sicherheitsfachkräften verstehen“) wissen wir, dass Drohungen mit schlimmen Konsequenzen („Dann wird sicher jemand erkranken!“) oder Autoritäten („Das ist aber gesetzeswidrig und das muss ich an die Geschäftsleitung melden!“) keine erfolgreichen Kommunikationsstrategien sind. Vor allem, wenn Sie selbst als Fachkraft und Experte wahrgenommen werden und langfristig erfolgreich sein wollen!

Mit sachlichen Argumentationen und einem klaren Lösungsfokus können wir Veränderungen sanft und weniger „mit der Brechstange“ angehen. Das führt zu weniger Gegendruck, Ablehnung und zu mehr Akzeptanz.

Fazit

Ich persönlich glaube nicht, dass es darum geht, welche Sichtweise „Recht“ hat. Für mich sind es ergänzende Ansichten, welche beide für eine erfolgreiche Prävention notwendig sind und in unterschiedlichen Situationen jeweils besser passen.

Was meinen Sie? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!


Tipp

Melden Sie sich an zum kostenlosen Online-Kongress „Pioniere der Prävention“ und hören Sie dort mein Interview mit Elfie Czerny zum Thema „Lösungsfokus in der Prävention“.

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