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3 Jahre z.l.ö. – Hinter den Kulissen der größten Lehrlingsinitiative Österreichs

Die Initiative zukunft.lehre.österreich. feierte am 10. Jänner ihr dreijähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung 2018 konnte bereits vieles für Lehrlinge, Ausbildungsbetriebe und die Zukunft der dualen Ausbildung erreicht werden. Wir möchten hinter die Kulissen der privaten Lehrlingsinitiative blicken.

Michaela Stadlmayr erzählt, was z.l.ö. genau bewirken möchte und wieso dies nicht aus bloßem Selbstzweck, sondern für die Gesellschaft als Ganzes von immenser Bedeutung ist:

Fachkräftemangel – unser aller Problem

Der Fachkräftemangel in unserem Land ist nun seit 2015 verstärkt in bereits fast allen Branchen und Betrieben wahrnehmbar. Studien zufolge fehlen rund 162.000 geeignete Kandidaten am österreichischen Arbeitsmarkt. Ein derartiger Mangel an ausreichend qualifiziertem Personal kann und wird sich auf lange Sicht verheerend auf unsere Wirtschaft und somit unseren Wohlstand auswirken. Selbst die präsente Corona-Krise ändert nichts daran, dass jedenfalls ein dringender Bedarf an Fachkräften besteht und bestehen bleibt – zumindest solange wir nicht aktiv etwas daran ändern.

Mit diesem Wissen, einer Portion Lösungsorientiertheit und brennender Intention zugunsten einer Veränderung, wurde die Initiative zukunft.lehre.österreich. von DDr. Werner Steinecker, Generaldirektor der Energie AG OÖ und nunmehriger Präsident von z.l.ö., ins Leben gerufen. Entschlossen setzt sich der Zusammenschluss seit inzwischen drei Jahren dafür ein, der Problematik des Fachkräftemangels auf den Grund zu gehen und ihr dort gegenzusteuern. Doch was macht die Initiative nun genau, um dieser Realität tatsächlich entgegenzuwirken?

Ein Verein für die Zukunft der Lehre

z.l.ö. – zukunft.lehre.österreich. ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und branchenübergreifender Verein, dessen Ziel die Aufwertung des allgemeinen Images der Lehre ist. Gemeinsam mit schon mehr als 80 Mitgliedsunternehmen, sollen die Vorteile, Möglichkeiten und Chancen einer Lehre hervorgehoben und damit das gesellschaftliche Ansehen der Lehre stetig und permanent verbessert werden.

Um den Fachkräftebedarf zukünftig decken zu können, braucht es laut z.l.ö. eine massive Stärkung der Aus- und Weiterbildung – konkret auf dem Gebiet der Lehrlingsausbildung. Die Lehrlingszahlen sinken jedoch seit einigen Jahren, mit starken regionalen Unterschieden zwischen dem Osten und Westen Österreichs, und es gibt insgesamt mehr offene Lehrstellen als Jugendliche, die eine Lehre suchen. Würden Betriebe ausreichend geeignete und interessierte Jugendliche finden, würde gemäß ibw-Unternehmensbefragung 2018 sogar rund die Hälfte der Unternehmen mehr Lehrlinge ausbilden. Zum einen wird das Problem des Fachkräftemangels in der demografischen Entwicklung zu orten sein, da es immer weniger junge Menschen und damit Berufseinsteiger gibt. Zum anderen findet die Lehre trotz hoher Nachfrage auf Unternehmerseite bedauerlicherweise immer weniger Anklang in der Jugend Österreichs.

Die Initiative zukunft.lehre.österreich. sieht in diesen Herausforderungen ein tiefergehendes Imageproblem der Lehre, weswegen es für sie wichtig ist, die Vorteile einer Lehrausbildung deutlich zu kommunizieren. Die duale Ausbildung in Österreich ist, neben Deutschland und der Schweiz, ein weltweit einzigartiges Konzept, um berufliche und schulische Ausbildung zu vereinen. Laut Statistik Austria haben hierzulande mehr als ein Drittel aller Berufstätigen eine Lehre abgeschlossen, was die Lehre zur bedeutendsten Ausbildung in Österreich macht. Darum ist es für z.l.ö. essenziell, die Lehre wieder zur attraktivsten Ausbildung im gesamten Land zu machen.

Vorteile und Chancen der dualen Ausbildung

Die Vorteile einer Lehre sind vielfältig. Im Gegenteil dazu, was in vielen Köpfen noch verankert ist, ist die Lehre keine Sackgasse, sondern ein Türöffner für unzählige Möglichkeiten, Karrierewege und Aufstiegschancen – wie z.l.ö. durch erfolgreiche Lehrlingsvorbilder aufzeigen möchte. Die qualitativ hochwertigen Praxiserfahrungen aus erster Hand, die im System der Lehre als duale Ausbildung neben der Berufsschule erlangt werden, machen die Lehre zu einem bedeutenden Erfolgsmodell. Lehrabsolventen und -absolventinnen zählen durch ihr starkes fachliches Know-how, das nur durch die mannigfaltigen Praxiserfahrungen aufgebaut werden kann, zu den meistgesuchten Fachgruppen am Arbeitsmarkt. Analysen zeigen sogar, dass die Lebenseinkommen von Lehrabsolventen im Vergleich zu Absolventen einiger akademischer Berufe gleich hoch oder sogar höher ausfallen.

Laut z.l.ö.-Präsident DDr. Steinecker brennt die österreichweite Initiative für die Lehre. Dieses Feuer lodert gemeinsam mit z.l.ö. auch in zahlreichen Ausbildungsbetrieben. Der unabhängige Verein verzeichnet ein beeindruckendes Wachstum. Von Klein- bis hin zu Großunternehmen spüren immer mehr Betriebe den wachsenden Druck bei der Suche von passenden Lehrlingen. Bereits knapp zwei Drittel der österreichischen Unternehmen vernimmt den Fachkräftemangel stark bis sehr stark. Das muss geändert werden.

Imagekorrektur als ein Teil der Lösung

Das Ziel der Imageverbesserung der Lehre möchte zukunft.lehre.österreich. durch Öffentlichkeitsarbeit und Meinungsbildung sowie das gezielte Setzen von Maßnahmen, die die Beliebtheit der Lehre steigern sollen, erreichen. Gemeinsam mit z.l.ö. sind auch etliche österreichische Unternehmen und Führungskräfte fest davon überzeugt, dass die Absolvierung einer Lehre der Startschuss für eine erfolgreiche berufliche Zukunft ist. Es wird versucht zu zeigen, dass man heute mit einer Lehre alles erreichen kann.

Um diese Ideen zu bestärken und in die Bevölkerung hinauszutragen, wurde beispielsweise die Kampagne „1.000 Gesichter für die Lehre“ gestartet. Dadurch soll einerseits eine der größten Personengruppen Österreichs, nämlich die der ehemaligen Lehrlinge, miteinander vernetzt werden. Andererseits geht es darum, möglichst viele positive, anerkennende und inspirierende Testimonials von Vorbildern für die Lehre zu schaffen. Dadurch will die Initiative außerdem der oft besorgten Zielgruppe der Eltern aufzeigen, dass ein Kind, das sich für eine Lehre entscheidet, nicht am Fließband stehen muss – wie leider fälschlicherweise häufig noch geglaubt –, sondern heute damit alles erreichen kann. Das Ziel der „1.000 Gesichter für die Lehre“ wurde bereits letztes Jahr deutlich überschritten, was für einen unübersehbaren Zuspruch für die Lehrausbildung spricht.

z.l.ö. als Vernetzer

Weiter unterstützt z.l.ö. seine Mitgliedsbetriebe durch Ausbildervernetzungen, Events für Lehrlinge und Ausbildende und fachbezogene Seminare – zu Corona-Zeiten vorwiegend in der Form von Webinaren – für Personalverantwortliche. Insbesondere will sich der Verein für Forderungen von Betrieben und Lehrlingen einsetzen und steht in ständigem Austausch mit Branchenvertretern, Interessenvertretungen, sowie zuständigen Ministerien. Der Lehrlingsbonus wurde im vergangenen Corona-Krisenjahr auf Grundlage der Initiative von zukunft.lehre.österreich. eingeführt. Den Bonus können Unternehmen für jeden neuen Lehrling in Corona-Zeiten beantragen. Verhandlungen und Gespräche mit Verantwortungsträgern zählen jedenfalls weiterhin zum Arbeitsalltag des Vereins.

Immer wieder werden zudem Führungspersönlichkeiten, die ihre Karriere mit der Lehre gestartet haben, als Vorbilder vor den Vorhang geholt. Als erster Absolventenverband für Österreichs Lehrlinge wurde der Alumni-Klub „zukunft.lehre.alumni.“ geschaffen. Neben der österreichweiten Vernetzung ehemaliger Lehrlinge erhalten Absolventen in der branchenübergreifenden Plattform vergünstigte Weiterbildungen und exklusive Coachings. Zusätzlich möchte z.l.ö. auch für aktuelle Lehrlinge vermehrt ansprechende Programme, eigens zugeschnittene Lehrlingstage und weitere Angebote – wie zum Beispiel eine Lehrabschlussreise – umsetzen.

Bereits bei der Gründung von zukunft.lehre.österreich. vor drei Jahren war es eine der größten Bestrebungen, das Thema duale Berufsausbildung aus einer forschenden und wissenschaftlichen Perspektive zu betrachten. Seit vergangenem Jahr wird der Verein nun unter dem Dach des Kompetenzzentrums Arbeitswelt 4.0 mit dem Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA) der Johannes Kepler Universität Linz gemeinsam tätig.

Wie es weitergeht…

Der Verein begrüßt zur Förderung der Lehre die umgesetzte Gleichstellung eines Meisterabschlusses mit dem Bachelor und die mögliche Titeleintragung eines Meisters, da dies aufwertende Faktoren darstellen. Es muss aber jedenfalls noch viel mehr getan werden.

Derzeitige Problemkreise, die die Lehrlingsinitiative beschäftigen, sind zum Beispiel die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Lehrlingsausbildung und mögliche Vorgehensweisen, um noch direkter an die jugendliche Zielgruppe mit der Aufklärungsarbeit über die Lehrausbildung heranzutreten. Eines der Ziele für das neue Jahr ist, „Lehrlingsbotschafter“ aus den eigenen Reihen als Vorbilder und Erfolgsbeispiele in Schulen zu schicken. Der Verein möchte ein nachhaltiges Umdenken zugunsten der Lehrausbildung in der österreichischen Gesellschaft erreichen.

Nach nun drei Jahren voll bestärkender Arbeit für die duale Berufsausbildung, zieht z.l.ö. Bilanz und blickt reflektierend auf eine ereignisreiche Zeit zurück. Vieles hat sich getan, vieles wurde geschaffen und ist gewachsen, um in der Zukunft noch stärker zu werden. Dies deutet auf eine umfassend positive Perspektive für die duale Ausbildung hin, was für betroffene Unternehmen, junge Menschen in der Startrampe ihres Berufslebens, sowie für Gesamtösterreich von zentraler Bedeutung sein wird. Auch weiterhin wird z.l.ö. aktiv an der (Image-)Verbesserung der Lehre arbeiten. Denn wie wir nicht vergessen dürfen, sind Lehrlinge die dringend gebrauchten Fachkräfte von morgen.


Gastautorin

Michaela Stadlmayr ist als Referentin bei zukunft.lehre.österreich. insbesondere für Recherchetätigkeiten, Korrespondenz und Social-Media-Aktivitäten zuständig. Als administrative Assistenz unterstützt sie außerdem die Planung, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen. Darüber hinaus studiert Michaela derzeit Rechtswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz und konnte in ihrer Studienzeit bereits vielseitige Praxiserfahrungen rund um den Globus sammeln.
www.zukunft-lehre.at


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