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Diversität und Inklusion in kanadischen Unternehmen: Abspiegelung der modernen kanadischen Gesellschaft

Als der derzeitige kanadische Premierminister Justin Trudeau nach seiner Wahl gefragt wurde, warum sein Kabinett zu 50 % aus Männern und 50 % aus Frauen bestehe, hat er geantwortet: „Weil es 2015 ist“. Diese Antwort, die den Leiter eines großen westlichen Staats zeigte, der aktiv versuchte, das Gender-Ungleichgewicht am Arbeitsplatz zu beenden, löste weltweit Reaktionen aus.

Autorin: Anoine Plenderleith

Der Ansatz, Organisationen in dieser Art umzugestalten, wurde ein Trend in Kanada, im privaten, wie im öffentlichen Sektor. Workplace Diversity und Inklusionsmaßnahmen werden nicht mehr nur als „vorteilhaft“, sondern als „unabdingbar“ eingestuft, wie u. a. aus einem Bericht der Human Resources Professionals Association of Ontario vom 15sep2020 hervorgeht.

Chancengleichheit statt Gleichbehandlung

Dennoch ist das Streben nach einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis am Arbeitsplatz in Kanada auf einigen Widerstand gestoßen, sichtbar z. B. bei Jordan Peterson, einem umstrittenen Psychologieprofessor aus Toronto. Peterson, der in der Alt-Right-Szene beliebt ist, sagt, dass wir als Gesellschaft nach Chancengleichheit streben sollten, nicht nach Gleichbehandlung und dass selbst dann die meisten Frauen nicht in MINT-Berufen arbeiten würden.

Obwohl Peterson in Interviews dank seines Status als Akademiker überzeugend erscheinen mag, kommen seine Argumente oft aus der Tierverhaltensforschung und der Evolutionspsychologie, die aufgrund ihrer mangelnden wissenschaftlichen Überprüfbarkeit angezweifelt werden.

Land Acknowledgments

Obwohl manche anders darüber denken, halten sich kanadische HR-Profis über aktuelle Trends gut auf dem Laufenden. Ein Beispiel: In den letzten zehn Jahren sind Eingeständnisse des Landeigentums (Land Acknowledgments) in ganz Kanada weitverbreitet geworden. Sie werden in der Regel am Beginn von Veranstaltungen mit der Verlesung eines Textes ausgesprochen, der klarstellt, dass sie als Organisation – meist bestehend aus Personen europäischer Abstammung – +auf gestohlenem Land der indigenen Bevölkerung stehen. Sie erfolgen auch in schriftlicher Form, z.B. auf Webseiten von Organisationen, wie der Stadt Toronto.

Geschlechtspronomen

Ein weiterer Ansatzpunkt, der gerade erst seinen Weg nach Europa gefunden hat, ist die Angabe, mit welchen Geschlechtspronomen Menschen angesprochen werden möchten. In den letzten Jahren ist es normal geworden, dass Menschen ihre Geschlechtspronomen in Klammern neben ihrem Namen in Ihrem LinkedIn-Profil angeben. So kann eine Person, die sich weder Mann noch Frau fühlt, als Pronomen z. B. (hen / em) neben ihrem Namen setzen. In ähnlicher Weise stehen auf den Namensschildern, die Menschen bei Veranstaltungen tragen, der Vor- und Nachname sowie die gewünschten Ansprechform (siehe Bild rechts).

Bis vor Kurzem konnte in Führerscheinen der Provinz Ontario, aber auch von anderen kanadischen Provinzen, nur männlich oder weiblich als Geschlecht stehen. Seit einigen Jahren gibt es jedoch in mehreren kanadischen Provinzen eine dritte Möglichkeit für Nicht-binäre-Personen.

Es selbst erleben und … eben in Kanada leben

Wenn Sie selbst erfahren möchten, wie Unterschiedlichkeit und Inklusion in der kanadischen Gesellschaft gelebt wird, müssen Sie zunächst eine eTA oder Visum Kanada beantragen. Wenn Sie nach einigen positiven Erfahrungen in Kanada für ein kanadisches Unternehmen arbeiten möchten, müssen Sie zuerst eine Work permit (Arbeitserlaubnis) beantragen. Für diese gelten einige Voraussetzungen, die jedoch recht einfach zu erfüllen sind.

Fazit

Es zeigt sich, dass die Umsetzung von Diversität und Inklusion an der Spitze beginnt. Nachdem Justin Trudeau den prägenden Satz „Because it’s 2015″ ausgesprochen hatte, war sichtbar, dass diese Botschaft in ganz Kanada widerhallte. Dennoch hat die kanadische Arbeitswelt noch einen weiten Weg vor sich, wie wir an denjenigen sehen, die die Denkmuster von J. Peterson teilen. Gerade deshalb ist es essenziell, dass HR-Profis die Bedürfnisse von rassischen und sexuellen Minderheiten ernst nehmen. Schließlich verdankt Kanada als relativ junges Land seinen Aufstieg nicht nur seiner Toleranz, sondern auch der Akzeptanz von Unterschieden.


Gast-Autorin

Antoine Plenderleith von visumbeantragen.at schrieb seine Diplomarbeit an der Ryerson University in Kanada zum Thema „Diversität und interkulturele Kommunikation in Unternehmen”.

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