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Selbstorganisiertes Lernen im Team – Förderung einer wichtigen Zukunftskompetenz durch agiles Sprintlernen

Selbstorganisiertes Lernen im Team

Entwicklungen, wie die schnell voranschreitende Digitalisierung, der technologische Wandel im Zusammenhang mit ökologischen Herausforderungen, instabile und schnelllebige Organisationsumwelten, sowie verkürzte Innovationszyklen stellen nie dagewesene Herausforderungen an Organisationen und Individuen.

Autoren: Gloria Warmuth, Stefan Teufl

INHALT

Der Kompetenz-Shift

Während in der Vergangenheit der Fokus auf Wissensaneignung lag, und versucht wurde mittels Tools und Methoden, dieses Wissen in der Praxis anzuwenden, wird es in Zukunft viel wichtiger sein, neues Wissen, Methoden und Tools innovativ und kreativ zu gestalten und neu zu entwickeln. Es wird nicht mehr der Wissenserwerb an sich den Unterschied machen, sondern vielmehr die Handlungs- und Informationskompetenz, die Art wie wir uns informieren und wie wir das Wissen, das durch KI und den rasanten technologischen Fortschritt in diesem Bereich immer leichter verfügbar ist, kreativ nutzen, weiterentwickeln aber auch kritisch reflektieren und analysieren können. Das 4K Modell des Lernens fasst die wesentlichen Kompetenzen, die für Lernende zukünftig zentral sind, wie folgt zusammen: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken.

Quelle: Ehlers 2020, S.51

lernen Scrum Kompetenzdimensionen

Teamlernen als mögliche Antwort auf den Kompetenz-Shift

Teamlernen oder kollaboratives Lernen wird in diesem Szenario immer wichtiger und kann speziell die Gestaltungskompetenz fördern. Kollaboratives Lernen wird als Lernprozess definiert, indem ein Team gemeinsam ein Lernziel anstrebt. Gleichzeitig beschreibt kollaboratives Lernen die Verbindung zwischen individuellem Lernen und kontinuierlichem organisationalem Lernen. Untersuchungen zeigen, dass kollaboratives Lernens höhere Kreativität, Innovation sowie Produktivität im Lernoutput hervorbringen kann als individuelles Lernen. Für die einzelnen Individuen kann es im Gegenzug größere psychologische Sicherheit sowie höheres Selbstbewusstsein und die Entwicklung sozialer Kompetenzen bedeuten. Bestenfalls entwickeln sich im Team unterstützende und fürsorgliche Beziehungen, die eine vertrauensvolle Lernatmosphäre schaffen, indem das Individuum in einem geschützten Umfeld lernen kann.

Selbstorganisiertes Teamlernen als Erweiterung der Teamkompetenz

Selbstorganisation kann das Teamlernen noch um eine weitere Dimension erweitern, indem das Team eigenverantwortlich und weitgehend autonom den Lernprozess steuert und das Lernziel verfolgt. In diesem selbstorganisierten Lernprozess im Team werden wichtige Kompetenzen im Zusammenhang mit Reflexionsfähigkeit, Eigenaktivität und Eigenverantwortung sowie Kooperations-, Konflikt-, und Kommunikationsfähigkeit gefördert. Kompetenzen, die für Organisationen allgemein aber im Speziellen für neue Organisationsformen, die auf flache Hierarchien, agile Strukturen und Prozesse sowie selbstorganisierte Teams setzen, entscheidende Voraussetzungen darstellen, um erfolgreich sein zu können.

Agiles Sprintlernen als Methode des selbstorganisierten Teamlernens

Eine mögliche Methode, um selbstorganisiertes Lernen im Team sichtbar und erlebbar zu machen, ist agiles Sprintlernen, das sich aus der agilen Methode SCRUM ableitet. Im agilen Sprintlernen werden drei Rollen unterschieden:

  1. Lerncoaches: diese Rolle gibt Ziele vor, erstellt den Projektauftrag, beantwortet inhaltliche Fragen des Teams, unterstützt den Scrum Master.
  2. Scrum Master oder Teamsprecherin: diese Rolle ist Teil des Teams, fokussiert sich auf den Prozessfortschritt, moderiert Treffen, achtet auf die Zeit und ist die Schnittstelle zu den Lerncoaches.
  3. Team: planen eigenverantwortlich die Aufgaben, erarbeiten selbstorganisiert Projektfortschritte und geben sich wechselseitig Feedback

Die Lerntreffen im Team

Die Treffen im Team laufen in Form eines iterativen Prozesses in Form von Sprintlernen ab. Dieser Zyklus läuft immer gleich ab, bis das Projektziel der Lerncoaches erreicht wurde. Gestartet wird der Prozess mit einem Kick-Off bzw. in Folge mit Sprint 1, 2, 3,…, täglicher Team-Synchronisation, Feedbackrunde und schlussendlich mit einer Retrospektive, mit Fokus auf Prozessreflexion.

Quelle: FHWien der WKW

Sprintlernen Scrum Team

Agiles Sprintlernen als neue Lehr- und Lernmethode

Im Rahmen einer kürzlich gestarteten Lehrveranstaltung im Sommersemester 2023 wird am Studienbereich Personal & Organisation, der FHWien der WKW, ein praxisbezogenes HR-Forschungsprojekt von ca. 30 Studierenden bearbeitet und umgesetzt: Methodisch über agiles Sprintlernen in insgesamt 6 selbstorganisierten Studierendenteams (jeweils 1 Scrum-Master und 5 Teammitglieder), thematisch zu „Future Skills & Future Learning – Lernwelten und Zukunftskompetenzen aus einer HR-Perspektive“. Unsere Rolle als Lehrveranstaltungsleitung wandelt sich bei dieser neuen Lern- und Lehrmethode hin zu Lerncoaches der Studierenden. Wir berichten in einem Folgeartikel über die Erfahrungen und Lessons Learned unseres „Lernexperiments“….

Literatur

  • Ehlers, Ulf-Daniel (2020). Future Skills: Lernen der Zukunft-Hochschule der Zukunft.
  • Gillies, Robyn M. (2022). Cooperative/Collaborative Learning. MDPI – Multidisciplinary Digital Publishing Institute. Basel.
  • Groth, Thorsten, Krejci P. Gerhard, Stefan Günther (2021): New Organizing. Wie Großorganisationen Agilität, Holacracy & Co. einführen – und was man daraus lernen kann. Heidelberg: Carl Auer Systeme
  • Jungclaus, Joana, & Schaper, Niclas. (2021). Agiles Sprintlernen wirkt–aber warum? Theoriegeleitete Analyse der Wirkprinzipien eines Gestaltungsansatzes für arbeitsbezogene Kompetenzentwicklung. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO), 52(1), 105-120.

Selbstorganisiertes Lernen im Team – Förderung einer wichtigen Zukunftskompetenz durch agiles Sprintlernen

TEAM Human Resources Organisation

Die Forschungsausrichtung des Instituts für Personal & Organisation FHWien der WKW liegt an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis mit folgenden Schwerpunkten: zukunftsorientiertes HRM, strategischer Wissensaufbau und Wissensnutzung, nachhaltiges Veränderungsmanagement, Führung und Leadership.

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