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Aktive Arbeitswege von Unternehmen unterstützt | Blick in die Praxis

20Jun2024
6 min
Fahrrad

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Radfahren, Joggen oder einfach zu Fuß. Es gibt viele Wege, gesund und umweltschonend das Büro zu erreichen. Im Interview hörte ich mich um, wie Unternehmen diese aktive Arbeitswege unterstützen (können):

Praxis-Lupe Fahrrad

Links der HR-Branche Corporate Health

Mit dem Fahrrad ins Office

Wie kann der Weg ins Office durch die Nutzung eines Fahrrades gefördert werden?

Michael Omann (Movevo):

Unternehmen können den Fahrradweg ins Büro durch sichere Abstellanlagen, Duschen, finanzielle Anreize wie Fahrradleasing oder Zuschüsse, flexible Arbeitszeiten und fahrradfreundliche Politik fördern. In den Niederlanden gibts es beispielsweise 19 Cent pro zurückgelegten Fahrradkilometer als steuerfreien Zuschuss. Informationsangebote, die Bildung von Fahrrad-Communities, Partnerschaften mit lokalen Initiativen und die Integration des Fahrradfahrens in das betriebliche Gesundheitsmanagement unterstützen zusätzlich. Diese Maßnahmen bauen praktische Hürden ab, schaffen Bewusstsein und motivieren durch Gemeinschaft und gesundheitliche Vorteile zur Nutzung des Fahrrads. Eine weitere Idee wäre es, eine Nachhaltigkeits- Gesundheits- Challenge zu initiieren, um Mitarbeiter zum Radfahren zu animieren.

Mag. Dr. Birgitt Espernberger (ASZ):

Zu einer fahrradfreundlichen Infrastruktur zählen auch sichere und überdachte Fahrradparkplätze, Dusch- und Umkleidemöglichkeiten sowie Fahrradreparaturstationen. Unternehmen können finanzielle Anreize für den Fahrradkauf sowie Rabatte für Reparaturen anbieten.

Radelt es sich gesund durch die Abgas-Großstadt?

Wie gesund ist der Weg in die Arbeit mit dem Fahrrad, wenn der Weg durch die abgas-intensive Großstadt führt?

Michael Omann (Movevo)

Henne oder Ei? Die aktive Mobilität soll natürlich dazu führen, dass auf kurz oder lang die Abgasbelastung in der Stadt sinkt. Das wird dauern, aber irgendwer muss den ersten Schritt setzen. Großstädte in Norddeutschland und Skandinavien haben gezeigt, dass der Wandel möglich ist. In den Niederlanden werden 26 % Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Bei uns sind es gerade mal 4 %. Irgendwer muss den Anfang machen und Technologie kann uns den Umstieg erleichtern.  Navigations-Apps wie Bike Citizens optimieren die Fahrt zu Arbeit und finden die fahrradfreundlichste Strecke. In vielen österreichischen Städten gibt es ausgedehnte Parkanlagen, Radwege entlang von Flüssen sind oft schon vorhanden. In Graz beispielsweise ist ein Stadtbild ohne die Fahrräder der Studierenden nicht mehr denkbar. Genauso in Berlin oder Hannover. Dort gibt es Fahrrad-Highways. Warum soll das bei uns nicht gehen?

Die Luftqualität spielt natürlich eine Rolle für unsere Gesundheit, aber Bewegungsmangel ist doch der weit größere Risikofaktor für unsere Gesundheit und die Entwicklung chronischer Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ II, Krebs, Osteoporose und viele mehr.

Mag. Ina Lukl (IBG) :

Die Attraktivität der Route ist immer wieder ein Thema, erfahrungsgemäß ist für die Fahrradfahrenden aber zumeist eher die Wegführung des Radweges (unübersichtliche Kreuzungen, geteilte Richtungsfahrbahnen, …) und das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmenden (Missachtung des Vorrangs, Abstandhalten, …) problematisch. Den gesundheitlichen Mehrwert durch die gewonnene Bewegung dem Gesundheitsrisiko durch die Abgasbelastung gegenüberzustellen ist schwierig – der persönliche Beitrag durch die Nutzung des Fahrrads die Abgase zu reduzieren, ist aber sicherlich ein wichtiger Schritt in eine „abgasfreie“ Zukunft.

Was wenn der Weg für’s Fahrrad zu weit ist?

Welche ähnlichen Alternativen gibt es für Mitarbeitende, deren Arbeitsweg einfach zu weit ist für das Fahrrad? Welche Alternativen sehen Sie für die Gesundheit einerseits und für den Klimaschutz andererseits?

Mag. Dr. Birgitt Espernberger (ASZ)

Es gibt verschiedene Alternativen. Öffentliche Verkehrsmittel, wie Busse und Bahnen, ermöglichen nicht nur eine umweltfreundliche Mobilität, sondern bieten auch Gelegenheit zur Entspannung oder Arbeit während der Fahrt. Fahrgemeinschaften mit Kollegen reduzieren individuellen CO2-Ausstoß und teilen Kosten. Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Möglichkeiten minimieren die Notwendigkeit täglicher Pendelstrecken und verringern Stress.

Mag Ina Lukl (IBG):

Die Verpflichtung, den gesamten Arbeitsweg mit dem Fahrrad zu bestreiten, gibt es ja glücklicherweise nicht – daher ist auch die Aufteilung des Arbeitswegs in unterschiedliche Transportmittel möglich: zum Beispiel mit dem Fahrrad von zuhause zum nächsten öffentlichen Verkehrsmittel fahren oder auch die Möglichkeit des Klapprads nutzen und so die letzte Strecke per Rad zurücklegen. Aber die Gesundheit wird natürlich nicht nur durch das Radfahren gefördert – so ist es auch möglich Teile des Arbeitswegs zu Fuß zurückzulegen: eine U-Bahn-Station früher aussteigen und zu Fuß gehen, die Stiegen statt der Rolltreppe oder dem Aufzug nutzen. Die Aufteilung des Arbeitswegs in unterschiedliche Transportmittel unter Einbeziehung des Fahrrads und der eigenen Füße hat auch einen positiven Aspekt für den Klimaschutz – tendenziell wird speziell der „letzte Kilometer“ mit dem Auto bewältigt und verursacht hier eine große CO2-Belastung.

Alternativen abseits des Fahrrades

Meine Fragen hängen sehr am „Fahrrad“. Welche anderen aktiven Arbeitswege gibt es?

Mag. Ina Lukl (IBG) :

Neben dem Fahrrad ist auch das Zufußgehen und die Nutzung von Scootern eine gute Alternative für einen aktiven Arbeitsweg. Vor allem sind hier „Teilstrecken“ attraktiv – der Weg zum oder zwischen zwei Verkehrsmitteln, der erste oder letzte Kilometer zum Arbeitsplatz oder nachhause. Eine gesunde Bewegung und ein attraktiver Wechsel hin zu einem bewegten Arbeitstag kann auch durch einfache Verhaltensänderungen vollzogen werden: bewusst den Gehweg zum Abschalten oder für ein Telefonat nutzen, eine U-Bahn-Station früher aussteigen, die Treppen statt des Aufzugs nutzen usw.

Michael Omann (Movevo) :

Neben dem Fahrradfahren gibt es diverse aktive Arbeitswege:

  • Zu Fuß gehen fördert die Gesundheit und reduziert Stress.
  • Laufen oder Joggen steigert die Ausdauer und unterstützt die mentale Gesundheit.
  • Inlineskaten ist dynamisch und verbessert Koordination sowie Cardio-Fitness. M
  • it Kick-Scootern, nicht E-Scooter, lässt sich die Beinmuskulatur stärken und schnell vorankommen.
  • Ich kenne einen Arzt in Klagenfurt, der fährt von Reifnitz über der Wörthersee und über den Lendkanal mit dem Kanu zur Arbeit.
  • Und unser Eisschwimm-Weltrekordhalter Josef Köberl schwimmt regelmäßig über den Donaukanal ins Ministerium. Der Anzug ist im Drybag.

Das passt vielleicht nicht für jede oder jeden, und auch nicht für jeden Tag. Wenn man möchte, kann man jedoch schon Lösungen finden!

Hinfort mit den Hürden!

Worin liegen die größten Hürden & wie können diese aus dem Weg geräumt werden?

Mag. Dr. Birgitt Espernberger (ASZ) :

Die Nutzung von Fahrrad, Fußweg oder Bahn kann durch diverse Hürden erklärt werden. Neben infrastrukturellen Gegebenheiten, unsicheren Radwegen und fehlenden Duschmöglichkeiten am Arbeitsplatz spielt auch die mangelnde Motivation und der „innere Schweinehund“ eine Rolle. Um diese Hindernisse zu überwinden, sind Maßnahmen wie die Verbesserung der Infrastruktur, Schaffung sicherer Radwege, Bereitstellung von Duschmöglichkeiten sowie die Förderung flexibler Arbeitszeiten und finanzielle Anreize entscheidend. Zudem ist es wichtig, die Mitarbeitenden über die gesundheitlichen und ökologischen Vorteile aufzuklären und eine positive Unternehmenskultur zu schaffen, die die Bedeutung nachhaltiger Fortbewegung betont.

Mag. Ina Lukl (IBG)

 Die größte Hürde ist vermutlich sich selbst zu überwinden mal einen anderen Arbeitsweg bzw. andere Transportmittel auszuprobieren und so ein wenig die persönliche Komfortzone zu verlassen. Zweifelsohne werden infrastrukturelle oder vielleicht auch konstitutionelle Probleme auftauchen – diese sollten aber eine Einladung sein sich als Unternehmen und als Person mit diesem Thema zu beschäftigen und nachhaltig zu lösen. Je nach Hürde wird es unterschiedliche Ansprechpersonen geben (müssen), vielleicht haben aber auch schon andere Mitarbeitende im Unternehmen eine Lösung für genau dasselbe oder ein ähnliches Problem gefunden. Das miteinander reden, ausprobieren und umsetzen wird einen Großteil der Hürden sehr schnell und unkompliziert auf kurzem Weg aus der Welt schaffen.

Interviewte Personen

Aktive Arbeitswege von Unternehmen unterstützt | Blick in die Praxis

Mag. Dr. Birgitt Espernberger

Brigitt-Espernberger, ASZ, Artificial Intelligence

Michael Omann

Michael Omann, movevo

Mag. Ina Lukl

Ina Lukl, IBG