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International Hiring | Richtig und sinnvoll eingesetzt

International Hiring, Remote

Wie und wann macht es Sinn, Fachkräfte im Ausland einzustellen? Wie können Unternehmen Top-Talente finden, vor allem angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels? Und wie funktioniert eigentlich das Einstellen und Organisieren eines globalen Teams, das sich auf mehrere Länder verteilt?

Gast-Autor: Alexis Seyfried (remote)

Wir haben uns für Sie mit diesen Fragen auseinandergesetzt und uns verschiedene Möglichkeiten angesehen, wie Sie internationale Teams zusammenstellen können – sei es über internationale Freelancer, einen Employer of Record (EOR), der für Ihr Unternehmen Mitarbeitende im Ausland einstellt, die Anwerbung von ausländischen Fachkräften, die in Ihr Land umziehen – Relocation –, oder die Gründung von eigenen Niederlassungen in neuen Ländern.

Die meisten Unternehmen bewegen sich heutzutage in einem internationalen Umfeld. Sie arbeiten mit globalen Lieferketten, verkaufen ihre Produkte überall auf der Welt und erbringen digitale Dienstleistungen. Das gilt gleichermaßen für internationale Konzerne wie für Startups und KMU. In dieser globalisierten Welt ist es ein logischer Schritt, auch Mitarbeitende im Ausland einzustellen.

Die Vorteile der globalen Einstellung

Es gibt überall auf der Welt hochqualifizierte, motivierte Talente. Darunter befindet sich sehr wahrscheinlich auch genau die Person, deren Profil perfekt zu einer offenen Stelle Ihres Unternehmens passt. Nur leider lebt sie nicht unbedingt in der Stadt oder dem Land, in dem Ihr Unternehmen ansässig ist.

Doch zum Glück ist die Welt heute enger vernetzt als jemals zuvor, sodass Sie diese Arbeitskraft heute recht einfach finden, anwerben, rechtskonform einstellen und langfristig halten können. Genau das ist mit „International Hiring“ gemeint – die Einstellung von Mitarbeitenden im Ausland.

International Hiring bietet zahlreiche Vorteile, von denen wir einige für Sie zusammengestellt haben:

Zugang zu Top-Talenten

Auf dem globalen Arbeitsmarkt gibt es unzählige bestens ausgebildete Talente, die offen für neue Karrierechancen sind oder aktiv nach einem neuen Job suchen. Nur finden Unternehmen in Österreich sie nicht unbedingt, wenn sie nur vor der eigenen Haustür suchen. Vielleicht leben die besten Talente ja in Spanien, Südafrika oder Australien. Wenn sie die Personalsuche auf die ganze Welt ausweiten, wird der verfügbare Talentpool plötzlich nahezu unerschöpflich.

Globale Unternehmen wie Refurbed und Burger King haben International Hiring schon für sich entdeckt, und ihre Teams erfolgreich mit globalen Talenten vergrößert.

Schwer zu besetzende Stellen füllen, insbesondere in der IT

Es ist kein Geheimnis, dass in vielen Ländern – darunter auch Deutschland, Österreich und der Schweiz – IT-Fachkräftemangel herrscht. Laut der Wirtschaftskammer Österreich fehlten allein 2023 28.000 IT-Experten in Österreich.

Wenn Unternehmen über ihre Landesgrenzen hinweg nach IT-Fachkräften suchen, erhalten sie Zugang zum internationalen Talentpool, der ihnen ungleich mehr Möglichkeiten eröffnet. Ein gutes Beispiel sind DevOps-Talente. In Deutschland gibt es nur knapp 1.000 DevOps, die entsprechend schwer zu rekrutieren sind. Wenn ein deutsches Unternehmen sein Recruiting nur auf Europa ausweitet, erhält es direkt Zugang zu einem Talentpool von über 12.000 möglichen Kandidaten. Das zeigt, dass International Hiring besonders für junge Tech-Startups interessant ist, die häufig hochspezialisierte Mitarbeitende suchen.

Neue Märkte testen

Unternehmen, die expandieren und neue Märkte erschließen möchten, benötigen lokale Expertise, um sich erfolgreich zu etablieren. Über International Hiring können sie Mitarbeitende vor Ort einstellen, die sich mit den kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten des neuen Landes auskennen und ihnen helfen, sich an diese Gegebenheiten anzupassen. Solche lokalen Teams dienen gewissermaßen als Wegbereiter für den Eintritt in den lokalen Markt. Unternehmen wie memodo, ein Großhändler für Photovoltaik, haben diese Strategie erfolgreich für ihre internationale Expansion genutzt.

Mitarbeitende halten, die ins Ausland ziehen

Die Mitarbeiterbindung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen. Wenn ein zentrales Teammitglied das Unternehmen verlässt, verlieren sie mit ihm auch sein Wissen, sein Netzwerk und seine Erfahrung. Außerdem gilt es jetzt, die Stelle möglichst schnell nachzubesetzen und ein neues Teammitglied einzuarbeiten. All das kostet viel Zeit und Geld. Laut Deloitte liegen die Kosten zwischen € 13.000 und € 17.000 pro Stelle.

In Zeiten von globaler Mobilität und Workations kann man Relocation auch als Benefit nutzen, indem man seinem Team ermöglicht, überall auf der Welt zu arbeiten. Das Münchner EdTech-Startup simpleclub hat es so zum Beispiel geschafft, Mitarbeitende zu halten, die ins Ausland gezogen sind.

Kosteneinsparung

Gerade Startups und KMU haben oft begrenzte finanzielle Mittel und müssen daher ihre Kosten genau im Auge behalten. Durch International Hiring können sie Kosten sparen, indem sie in Ländern mit geringen Lohnkosten nach Mitarbeitenden suchen oder mit internationalen Freelancern zusammenarbeiten, für die keine Lohnnebenkosten anfallen und die auch nur für tatsächlich erbrachte Leistungen bezahlt werden müssen.

Häufig gibt es in Ländern mit geringeren Lohnnebenkosten ebenso gut qualifizierte Talente wie in Österreich und Deutschland. Unternehmen können ihnen das gleiche Bruttogehalt wie inländischen Kandidaten anbieten und sparen dennoch Kosten. Im konkreten Vergleich von Deutschland und Bulgarien spart man bei einem Bruttogehalt von knapp € 7.000 fast € 10.000 Lohnnebenkosten pro Jahr (ca. € 84.000 vs. € 74.000 Gesamtlohnkosten p.a.). Und weil man ein extrem attraktives Gehalt bieten kann, ist es zudem einfacher, gute Kandidaten zu finden. Für den Anfang können Sie in diesem praktischen Einstellungsplaner sehen, in welchen Ländern Sie Fachkräfte für ein bestimmtes Budget finden können.

Möglichkeiten, internationale Talente einzustellen

Sobald Ihr Unternehmen bereit ist, Mitarbeitende im Ausland einzustellen, sollten Sie zunächst wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Für den Anfang haben wir eine Übersicht mit kurzen Erklärungen der einzelnen Strategien zusammengestellt. Sie können sie gern als Ausgangspunkt für die weitere Recherche nutzen.

Relocation

Diese klassische und weit verbreitete Methode besteht darin, dass internationale Talente aus ihrem Heimatland in das Land ihres Arbeitgebenden umziehen. Das klingt einfach, ist aber häufig mit viel bürokratischen Aufwand verbunden. Je nach Art des erforderlichen Visums kann es zudem bis zu sechs Monate dauern, bis das neue Teammitglied legal in Österreich arbeiten darf (Quelle: BMEIA). Das ist ein echtes Problem, wenn die offene Stelle dringend zu besetzen ist. Außerdem sind nicht alle Talente bereit, für einen Job in ein anderes Land umzuziehen, und das schränkt den verfügbaren internationalen Talentpool direkt wieder unnötig ein. Eine gute Alternative ist es, geeignete Kandidatinnen mithilfe eines Employer of Record oder EOR direkt in ihrem Heimatland einzustellen.

Employer of Record (EOR)

Ein Employer of Record, kurz EOR, übernimmt für andere Unternehmen die Rolle des Arbeitgebenden im Ausland. Als Kundschaft zahlen Sie eine monatliche Gebühr dafür, dass er sich um die gesamte Betreuung Ihrer Mitarbeitenden kümmert – von der Erstellung rechtskonformer Arbeitsverträge über Onboarding, Benefits, Payroll und Steuerangelegenheiten bis zum Offboarding, wenn sich ihre Wege wieder trennen. EORs sind besonders gut für Startups und kleine Unternehmen geeignet, da sie die globale Einstellung schon ab einem Teammitglied ermöglichen und sich dann beliebig skalieren lassen. Beispielsweise nutzen die bekannten österreichischen Scale-Ups Anyline und waterdrop die Services von Remote, um Mitarbeitende im Ausland einzustellen.

Eigene Niederlassung

Einige Unternehmen beschließen, direkt eine eigene Niederlassung in einem anderen Land zu eröffnen, über die sie lokale Mitarbeitende einstellen. Dadurch behalten Sie zwar die gesamte HR-Arbeit im Haus, diese Vorgehensweise ist aber auch äußerst aufwändig und kann mit hohen Kosten und extremem bürokratischen Aufwand einhergehen. Die Gründung einer eigenen Niederlassung kann je nach Land zwischen 23.000 € und mehr als 100.000 € kosten.

Diese Investition an Zeit und Ressourcen lohnt sich im Grunde nur, wenn Sie vorhaben, ein großes Team im Land aufzubauen. Wenn Sie nur wenige Mitarbeitende in einem Land einstellen möchten oder Talente in mehreren Ländern gefunden haben, ist ein EOR die bessere Lösung für das International Hiring.

Freelancer

Die Zusammenarbeit mit Freelancern ist sehr attraktiv. Man muss sich keine Gedanken um rechtskonforme Arbeitsverträge machen, bezahlt sie nur für Leistungen, die sie tatsächlich erbracht haben, und kann sie ohne langfristige Bindung für Auftragsspitzen engagieren. Dennoch gibt es ein ernstzunehmendes Risiko: Scheinselbstständigkeit! Unternehmen wie Uber mussten in der Vergangenheit schon empfindliche Strafen zahlen – zusätzlich zur Nachzahlung von Lohnnebenkosten. Sie sollten sich unbedingt genau über die Gesetzeslage in den einzelnen Ländern informieren, da die Regelungen überall anders sind. Es gibt hilfreiche Tools zur Einschätzung des Klassifizierungsrisikos.

International-Hiring-Lösungen

Was ist die beste International-Hiring-Lösung für mein Unternehmen?

Durch International Hiring können Unternehmen auf einen globalen Talentpool zugreifen und ihre Expansion vorantreiben. In unserer globalen Welt ist ein internationales Team ein erheblicher Wettbewerbsvorteil, der über Ihren Geschäftserfolg entscheiden kann.

Die beste Lösung für Ihr Unternehmen hängt von Ihren individuellen Umständen und Bedürfnissen ab. Wenn Sie Niederlassungen in einem attraktiven Land haben, wird es Ihnen einfacher fallen, ausländische Fachkräfte zu gewinnen und umzusiedeln. Wenn Sie ohnehin den massiven Markteintritt in ein konkretes Land planen, lohnt es sich, darüber nachzudenken, langfristig eine eigene Niederlassung zu gründen. Und wenn Sie nur gelegentlich Unterstützung bei großen Projekten benötigen, sind Freelancer eine gute Wahl. Natürlich existieren diese Lösungen nicht in getrennten Welten. Die meisten Unternehmen nutzen eine Kombination dieser Ansätze, um ihre jeweiligen Anforderungen zu erfüllen.

Am einfachsten ist der erste Schritt ins Ausland mit einem zuverlässigen und erfahrenen Partner an der Seite. Ein Employer of Record oder EOR wie Remote kümmert sich um alle administrativen und rechtlichen Aspekte, während Sie sich nur auf Ihr Wachstum konzentrieren müssen. Gute EORs bieten zudem Relocation Services, Contractor Management und Payroll Services für ausländische Niederlassungen an, sodass Sie auch von diesen International-Hiring-Strategien profitieren können, mit dem zusätzlichen Vorteil eines erfahrenen Partners an Ihrer Seite.

Gast-Autor

Alexis Seyfried, Head of Marketing DACH bei Remote, ist für die Marketingstrategien, Markteinführungen und das nachhaltige Wachstum im deutschsprachigen Raum verantwortlich.

Zu seinen mehr als 15 Jahren Erfahrung im SaaS-Bereich zählen leitende Positionen bei den Tech-Unternehmen SendCloud, Tapkey und Fundraisingbox. Als Remote Work Enthusiast ist er davon überzeugt, dass Karriere-Chancen nicht vom Wohn- oder Standort abhängen sollten – weder für Bewerbende noch für Unternehmen. 

www.remote.com

International Hiring | Wie und wann macht es Sinn?

Alexis Seyfried, Remote
Gastautor | Beiträge von Personen außerhalb des fixen Autoren-Teams

Alle Schreiberlinge, die nicht zur Stamm-Autoren-Runde zählen, subsumieren wir unter "Gastautorin". Sie treten manchmal einmalig auf, häufig auch wiederholt.

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