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Aktuelle globale Mobilität Trends | Die Bedürfnisse künftiger Expatriates

Auslandsentsendungen sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der Internationalisierung von Unternehmen. Aktuelle Trends von Global Mobility Umfragen zeigen, dass die Attraktivität von Auslandsjobs für jüngere Mitarbeitende gesunken ist, sofern Unternehmen keine umfassenden Serviceleistungen anbieten.

Bei einem Angebot für einen Auslandsjob stehen heute für künftige Expatriates häufig weniger die finanziellen Anreize im Vordergrund als vielmehr die Sorge um Sicherheits- und Umweltstandards vor Ort, die Berufstätigkeit mitausreisender Partner und das passende Gesundheits- und Schulumfeld für Kinder. Unternehmen sind daher gut beraten, diese Sorgen ernst zu nehmen und entsprechende Unterstützung anzubieten.

Viele Paare und junge Familien greifen im Inland auf ein doppeltes Einkommen zurück, das durch ein einziges Auslandsgehalt inklusive Begleitumstände außerhalb der Komfortzone oft nicht zu überbieten ist. Daher fällt der finanzielle Anreiz ins Ausland zu gehen häufig weg. Immer wichtiger werden heute die Begleitumstände einer Expatriation eingeschätzt: mitausreisende Partner, die ihre berufliche Karriere weiter verfolgen möchten, schulpflichtige Kinder, für die Peergruppen wichtiger werden und ein Schulwechsel als „uncool“ eingestuft wird. Aber auch Umwelt- und Gesundheitsthemen rücken mehr in den Vordergrund, wenn es um eine Entscheidung für oder gegen einen Auslandsjob in Ländern wie China oder Indien geht. Die komplexen Begleitumstände und Umwelt- und Sicherheitsbelastungen wiegen oft schwerer als der Erwerb neuer Erfahrungen in einer neuen Kultur und ein möglicher Karriereschritt im Unternehmen.

Konkretes Beispiel

Folgendes Beispiel soll zeigen, welche Überlegungen und Erwartungen jüngere Paare bei einem Auslandsjob-Angebot haben:

Margaritha, IT-Expertin in einem großen österreichischen Technologie-Unternehmen, hat klare Vorstellungen von ihrem künftigen Berufs- und Lebensweg. Sie und ihr Partner möchten noch einige Jahre ihre Karriere vorantreiben und dann eine Familie gründen. Wobei beiden klar ist, dass sie sich die Karenzzeiten teilen. Das Angebot für einen sehr attraktiven Job in Peking kommt für Margaritha überraschend. Sie informiert sich im Gespräch mit ihrem Vorgesetzten gleich sehr genau über kulturelle Vorbereitungsangebote, Sprachtraining und welche Karriereschritte sie nach ihrer Rückkehr im Unternehmen erwarten kann. Sie spricht auch sofort die berufliche Karriere ihres Partners an, der in Peking vermutlich nicht arbeiten wird können. Gezielt fragt sie nach Unterstützung und Finanzierung für online-Weiterbildungen, denn sie weiß, dass ihr Partner gern ein MBA machen würde. Das wäre ja die Gelegenheit. Sie erwartet, dass das Unternehmen dafür Unterstützung anbietet. Eine weitere Sorge sind ihre Eltern, die beide über siebzig und gesundheitlich angeschlagen sind. Sie informiert sich gleich, wie oft Heimatflüge bezahlt werden und ob in ihrer Situation diese öfters bewilligt und finanziert werden. Wenn sie an ihre Zukunft denkt, hat sie Familiengründung im Sinn und große Bedenken, in Peking zu leben angesichts der extremen Luftverschmutzung und gesundheitlicher Bedenken. Sie recherchiert sofort im Internet, fragt Kollegen, die in Peking gelebt haben, liest sich durch Online-Foren. Sie ist der Meinung, das Unternehmen muss ihr die besten Möglichkeiten in Bezug auf Wahl des Wohnorts in Peking, gesundheitliche Unterstützung, angemessene Anzahl der Heimatflüge angesichts der Situation ihrer Eltern sowie Unterstützung ihres Partners bei der Weiterbildung bieten.

Die Entsende-Packages, die Unternehmen heute anbieten, sollten daher komplexer sein und sich auf jeden Fall den individuellen Bedürfnissen der jüngeren Expatriate Generation anpassen. Tatsache ist, dass es heute schwierig geworden ist, für Posten wie Peking oder New Delhi entsprechende Experten zu finden. Für junge Expatriates stehen andere Themen als eine sehr gute finanzielle Entschädigung im Vordergrund. Sie überlegen sich gut, ob sie qualitative Abstriche bei für sie zentralen Lebensbereichen machen wollen.

Tipps für Unternehmen

Tipps für Unternehmen, um attraktive Entsende-Pakete zu schnüren:

  • Integration der Auslandsentsendung in das Karriereziel von Mitarbeitern
  • Offene Gespräche über mögliche Karriereschritte nach der Rückkehr
  • Flexible Angebote bei der Dauer von Entsendungen und Pendelmöglichkeiten
  • Vorbereitungs- und Repatriierungsmaßnahmen für Entsandte und Mitausreisende
  • Finanzielle Unterstützung mitausreisender Partner bei Sprachkursen, Weiterbildung, Karriereberatung, Jobsuche, Umschulung
  • Gesundheitliche Vorsorge für alle Beteiligten
  • Erhöhte Anzahl an Heimatflügen bei Destinationen mit hoher Umwelt- oder Sicherheitsbelastung oder bei besonderen Familiensituationen
  • Training und Coaching von Jugendlichen vor der Entsendung
  • Übernahme der Schulkosten bei mitausreisenden Kindern
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6 Kommentrare

  1. walter Reisenzein am

    Die Entscheidung eine Auslandsentsendung an zu nehmen kann vom „Entsender“ dadurch positiv beeinflusst werden, dass vorher die Jobchancen des Partners evaluiert und die Suche für den Partner von der Firma bezahlt wird. Dies ist als weltweites Expat Partner Placement bekannt.

  2. Karin Schreiner am

    Vielen Dank für Ihren Kommentar! Dann könnte Expat Partner Placement Teil des Entsende-Packages sein, das Unternehmen anbieten könnten, um gut qualifizierte, hoch motivierte Young Professionals und Double Career Couples für Auslandseinsätze gewinnen zu können.

  3. Walter Reisenzein am

    Die Entscheidung eine Auslandsentsendung an zu nehmen, wird daneben auch durch die Chancen auf einen adäquaten Job bei der Rückkehr beeinflusst. Hier wird bei fehlender Garantie von Seiten des „Entsenders“ auch Outplacement im Entsendungsvertrag festgeschrieben.
    Die Kosten für Expat Partner & Repatriation Outplacement sind im Vergleich zu den Gesamtkosten einer mehrjährigen Auslandsentsendung nur gering.

  4. Karin Schreiner am

    Vielen Dank für diese Erläuterung, Herr Reisenzein! Auch wenn die Vorteile auf dem Tisch liegen und Kosten für Expat Partner und Repatriation Outplacement klar abschätzbar sind und in keiner Relation zu den Gesamtkosten einer Expatriation stehen, greifen nur wenige Unternehmen diese Art von Serviceleistung auf. Aus meiner Erfahrung gibt es bei der Repatriierung wenig bis kaum Unterstützung. Wie könnten Unternehmen hier sensibilisiert werden?

  5. Walter Reisenzein am

    Die Rückkehr in die Heimat wird unterschätzt, da nur die eigene Erfahrung hilft es richtig ein zu schätzen. Wie Sie in Ihrem Buch richtig schreiben kommt es zu Verlusten und gleichzeitig neuen Freiheiten. Die Situation ist nicht mit der Rückkehr aus dem Urlaub zu vergleichen, sondern es kann zu Identitätskrisen für Familienmitglieder kommen. In diesem Fall bieten sich auch Rückkehr Coachings an.

  6. Karin Schreiner am

    Ich stimme Ihnen hier ganz zu. Identitätskrisen entstehen auf der Basis von nachhaltigen Erfahrungen in unterschiedlichen kulturellen Wertesystemen. Am Ende weiß man nicht mehr, wo man steht oder was falsch oder richtig ist. In interkulturellen Coachings zugeschnitten auf die Rückkehr werden diese Themen ausführlich behandelt. Daher wären Rückkehr Coachings für Unternehmen äußert sinnvolle Maßnahmen, um Repatriates professionell zu unterstützen.

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