Workation hat sich in der HR‑Szene vom Trendthema zum strategischen Faktor entwickelt. Und zwar schneller, als viele Organisationen ihre Policies anpassen konnten.
Wir sehen uns in diesem Artikel an
- Workation aus Sciht der HR-Verantwortlichen
- konkrete Gedanken für Worktion-Konzepte
- Compliance-Überlegungen
- 22 Tipps
Moderne Mitarbeitende erwarten Flexibilität, Sinn und Inspiration. Sie sehen Workation nicht als Luxus, sondern als legitime Form der Arbeitsorganisation. Für HR‑Verantwortliche ist das eine Herausforderung. Workation attraktiv zu gestalten und gleichzeitig Risiken zu managen bedeutet, zwischen Innovationsgeist, strukturierter Prozessführung und rechtlicher Absicherung eine Balance zu finden, die Mitarbeitende motiviert und das Unternehmen schützt.
Workation: Evolution eines HR‑Konzepts
Workation ist mehr als nur mobiles Arbeiten mit Urlaubsfeeling: Es ist Teil eines Paradigmenwechsels in der Art und Weise, wie Menschen Arbeit und Leben denken. Der Begriff beschreibt das Arbeiten von einem Urlaubsort oder aus dem Ausland, das über klassisches Homeoffice hinausgeht und Mitarbeitenden ein hohes Maß an Ortsunabhängigkeit ermöglicht. Inklusive Elemente von Reise und Erholung.
HR‑Teams stehen dabei vor einer doppelten Aufgabe: einerseits ein attraktives Angebot schaffen, das Mitarbeitende begeistert und die Arbeitgebermarke stärkt. Andererseits müssen sie rechtliche, steuerliche und organisatorische Risiken minimieren, die mit dieser Form der Arbeit verbunden sind.
Die Motivation dahinter
Was macht Workation für Mitarbeitende so attraktiv?
Der Wunsch nach Workation kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Mitarbeitende suchen zunehmend nach Autonomie und persönlicher Entfaltung im Arbeitsalltag. Die Erfahrung, dass remote Arbeit nicht nur produktiv, sondern auch wohltuend für das Wohlbefinden sein kann, ist ein Kernerlebnis der letzten Jahre. Remote Work generell zeigt messbare Vorteile: etwa niedrigere Burnout‑Raten und gesteigerte Lebensqualität, was sich auch positiv auf die Leistung auswirkt.
Das bedeutet für HR: Workation ist kein nettes Add‑on mehr, sondern ein Angebot, das direkt in die Arbeitgeberattraktivität einzahlt, sofern es gut gestaltet und professionell eingebettet ist.
Compliance‑Stress
Weshalb Workation mehr ist als „Laptop & Meer“
Was viele Mitarbeitende als entspannte Freiheit empfinden, ist für HR ein komplexer Compliance‑Dschungel. Die Arbeit im Ausland berührt mehrere rechtliche Ebenen gleichzeitig:
Arbeitsrecht und Sozialversicherung
Mobiles Arbeiten im Ausland ist nicht per se gesetzlich geregelt. Innerhalb der EU gelten teilweise weiterhin die heimischen arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen. Doch sobald Mitarbeitende länger als etwa vier Wochen im Ausland arbeiten, gelten zusätzliche lokale Regeln, z. B. Arbeitszeit‑ und Pausenbestimmungen des jeweiligen Landes. Diese Regelungen müssen für jedes Land geprüft werden.
Das bedeutet: HR muss genau definieren, wie lange, wo und unter welchen Bedingungen Workation stattfinden darf und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, bevor HR sie genehmigt.
Steuerrecht und Betriebsstätte
Sobald Mitarbeitende für längere Zeit im Ausland arbeiten, kann es steuerliche Konsequenzen für beide Seiten bedeuten: für Mitarbeitende wie auch das Unternehmen. In einigen Fällen kann bereits ein längerer, genehmigter Workation‑Aufenthalt die Entstehung einer „Betriebsstätte“ im Ausland begründen, was rechtliche und steuerliche Pflichten nach sich zieht.
Datenschutz‑ und DSGVO‑Compliance
Arbeiten außerhalb der gewohnten Unternehmensinfrastruktur stellt zusätzliche Anforderungen an den Datenschutz. HR und IT müssen gewährleisten, dass Datenverarbeitung und ‑speicherung auch im Ausland den lokalen und europäischen Vorgaben entsprechen.
Visum‑ und Aufenthaltsrecht
Workation kann in einigen Ländern einen Unterschied zwischen Urlaub und Erwerbstätigkeit machen und damit unterschiedliche Visums‑ bzw. Aufenthaltsbestimmungen auslösen. HR sollte klare Vorgaben haben, welche Länder ohne zusätzliche Genehmigung möglich sind und wo zusätzliche Schritte notwendig werden.
Kurz gesagt: Workation kann schnell über eine „schöne Idee“ hinaus juristische Risiken schaffen, die ohne klare Policy teuer werden.
Die Gratwanderung für HR
Doch so komplex die rechtliche Seite ist, sie darf HR nicht lähmen. Vielmehr geht es darum, Workation als strukturiertes Angebot zu gestalten, das Mitarbeitende begeistert und gleichzeitig Prozesse und Risiken sauber regelt. Die Lösung liegt in einem professionellen Rahmenwerk aus Policies, Prozessen und Tools, das sowohl operative Flexibilität als auch Compliance gewährleistet.
Kernbausteine einer professionellen Workation‑Strategie
Klare Workation‑Policy entwickeln
Eine Workation‑Policy ist das Herzstück und sie sollte mindestens folgende Aspekte definieren:
- Ziel und Zweck der Workation (z. B. Flexibilisierung, Talentbindung)
- Anwendungsbereich (z. B. innerhalb der EU, bestimmte Länder)
- Regelungen zur Dauer (z. B. maximale Aufenthaltsdauer pro Kalenderjahr)
- Genehmigungsverfahren und Zuständigkeiten
- Versicherungs‑ und Sozialversicherungsanforderungen
- Datenschutz‑ und IT‑Sicherheitsanforderungen
Solch eine Policy schafft Klarheit für alle Beteiligten und ist die Basis für eine rechtssichere Genehmigungspraxis.
Genehmigungs‑ und Dokumentationsprozess etablieren
Workation darf kein mündliches OK sein. Ein standardisierter Prozess sollte beinhalten:
- Antragstellung über ein zentrales Tool
- Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Zielort
- Zustimmung der HR‑Compliance‑Abteilung
- Schriftliche Vereinbarung mit Mitarbeitenden
- Tracking von Aufenthaltsdauer und Arbeitszeiten
Gerade beim Thema Compliance hilft ein digital unterstützt dokumentierter Ablauf enorm dabei, Risiken nachzuweisen und zu steuern.
Zeit‑ und Leistungsnachweis
Auch wenn Mitarbeitende ortsunabhängig arbeiten, bleibt der arbeitsvertragliche Leistungsnachweis bestehen. HR sollte Systeme implementieren, die Zeit‑ und Ergebnisdokumentation mobil unterstützen und valide Abrechnungen ermöglichen.
Steuer‑ und Sozialversicherungs‑Check vor jedem Einsatz
In Zusammenarbeit mit Steuer‑ und Rechtsberatung sollte ein Check vor jedem Workation‑Einsatz erfolgen – je nach Dauer und Zielort. Gerade bei Aufenthalten über mehreren Wochen können sonst unerwartete steuerliche oder sozialversicherungsrechtliche Pflichten entstehen.
Datenschutz und IT‑Sicherheit
Ein sicherer Zugriff auf Firmendaten, DSGVO‑konforme Datenverarbeitung und sichere Kommunikationswege sind Grundvoraussetzungen für jede Workation. Moderne HR‑ und Payroll‑Systeme bieten bereits integrierte Compliance‑Funktionen, um beispielsweise Zeitzonen, Datenzugriff und Sicherheitsrichtlinien zu managen.
Workation als strategischer Benefit
Gut gestaltet, kann Workation ein starkes Element in der Employer Value Proposition (EVP) sein. In Zeiten des Fachkräftemangels wird Flexibilität ein zentraler Wettbewerbsfaktor: Mitarbeitende vergleichen nicht mehr nur Gehalt, sondern auch Arbeitsmodelle, Freiheit und Arbeitsplatzkultur.
Doch HR muss von Anfang an zwei Dinge erfüllen:
- Workation als Benefit klar kommunizieren, strukturieren und operationalisieren.
- Alle rechtlichen Risiken systematisch adressieren und kontrollieren.
Erst dann ist Workation mehr als ein „cooler Bonus“. Es wird zu einem sicheren, attraktiven und produktiven Arbeitsmodell.
22 HR‑TIPPS
Die professionelle Umsetzung von Workation
1. Policy zuerst:
Entwickle eine eindeutige Workation‑Policy, bevor Mitarbeitende nachfragen.
2. Checklisten nutzen:
Nutze vorbereitete Checklisten für Mitarbeitende und Führungskräfte.
3. digitale Dokumentation:
Nutze ein Tool für Antrag, Genehmigung und Tracking.
4. Rechts-Check vor jedem Einsatz:
Jedes Land hat eigene Regeln. Prüfe sie im Vorfeld.
5. Lokale Risiken minimieren:
Begrenze Workation auf Länder mit ähnlichen rechtlichen Rahmenbedingungen.
6. Zielort-Evaluierung:
Führe eine Shortlist geeigneter Destinationen, die rechtlich und technisch unproblematisch sind.
7. Risikobewertung bei Naturkatastrophen und politischer Lage:
Vermeide Länder mit instabiler Sicherheitslage oder extremen Wetterrisiken.
8. Visums- & Einreiseprüfung:
Kläre, ob für bestimmte Länder ein Arbeitsvisum oder eine spezielle Genehmigung notwendig ist.
9. Sozialversicherungs‑Check:
Kläre die A1‑Bescheinigung und andere EU‑Sonderregeln.
10. Steuerrecht:
Hol steuerliche Einschätzungen ein, wenn Aufenthalte länger werden.
11. Versicherungspflichten:
Kläre Kranken‑ und Unfallversicherung für Auslandseinsätze.
12. Datenschutz klar regeln:
Integriere DSGVO‑konforme Prozesse in die Policy.
13. IT‑Sicherheit:
Stelle VPN‑Zugänge, Endpoint‑Security und Tools für mobiles Arbeiten zur Verfügung.
14. Maximale Dauer definieren:
Begrenze die Workation‑Dauer klar und transparent.
15. Arbeitszeitnachweis:
Verlange digitale Zeiterfassung auch im Ausland.
16. Genehmigungspflicht:
Stelle sicher, dass Workation nur nach schriftlicher Genehmigung stattfindet.
17. Kommunikationsstandards definieren:
Lege Erreichbarkeitszeiten und Meeting‑Protokolle fest.
18. Teamintegration sichern:
Plane regelmäßige Sync‑Momente mit dem Team.
19. Training für Führungskräfte:
Schärfe Awareness für Remote‑ und Workation‑Führung.
20. Mitarbeitenden-Sensibilisierung:
Biete kurze Onboarding-Sessions an, in denen alle Workation‑Spielregeln erklärt werden.
21. Workation als Teil des Employer Branding kommunizieren:
Präsentiere erfolgreiche Beispiele intern und extern – zur Positionierung als moderner Arbeitgeber.
22. Feedback‑Loops:
Sammle “Lessons Learned” nach jeder Workation.
Fazit
Workation ist ein hochattraktives Benefit, das Mitarbeitende inspiriert, motiviert und bindet. Gleichzeitig ist es ein Compliance‑Projekt, das HR vor strategische, organisatorische und rechtliche Herausforderungen stellt.
Die Gratwanderung zwischen Gestaltungsfreude und Compliance‑Stress gelingt nur, wenn HR proaktiv, strukturiert und vernetzt denkt. Mit klaren Policies, definierten Prozessen und einer konsequenten Umsetzung kann Workation zu einem festen, sicheren Bestandteil der modernen Arbeitswelt werden. Ein Benefit, das Mitarbeitende begeistert und langfristigen organisatorischen Erfolg ermöglicht.
22 Tipps & grundlegende Überlegungen | Workation-Konzepte aus Sicht der HR-Abteilung
Quellen
Links gesichtet am 1jan2026
- www.omr.com/de/reviews/contenthub/workation-rechtlich
- www.en.wikipedia.org/wiki/Remote_work
- www.teamazing.at/workation-recht-ausland-europa-sozialversicherung-lohnsteuer
- www.infoniqa.com/post/workation-fuer-unternehmen-und-mitarbeitende-chancen-herausforderungen-und-praxistipps
- www.kpmg.com/de/de/home/themen/2020/07/work-from-anywhere.html
- www.getworkflex.com/de/post/compliance-rund-um-mobiles-arbeiten-im-ausland
Gast-Autor
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