Es gibt viele Wege, ein Coaching durchzuführen, und viele Tools, die Coaching unterstützen können. Wir haben bereits über MapsTell berichtet und schauen heute tief in die Praxis.
Zum Hintergrund: MapsTell bietet einen sehr visuellen und eingänglichen Zugang zu eigener Verhaltenspräferenz und Verhalten unter Stress mit viel Potential sehr tief einzutauchen. Mit einer systemisch wertfreien Grundhaltung und geweckter Neugier dienen die Landkarten als Reisebegleiter in Coaching-Sessions und längeren Entwicklungsprozessen.
Gast-Autoren
Dr. Florian Besch und Daniel C. Liebermann sind Gründer und Geschäftsführer von nevo – teams * leaders * culture.
Als Ambassadors und Navigators zertifizieren sie Trainer, Coaches und HR-Professionals im DACH-Raum. Seit über 15 Jahren begleiten sie Organisationen, Leader und Teams für eine bessere Zusammenarbeit.
MapsTell im Coaching-Prozess
Ob Tools im Coaching eingesetzt werden, hängt von Anliegen, Dauer und Zielen ab. Mapstell basiert auf dem bekannten DISG-Modell. Dabei hat sich der Erfinder der kritischen Betrachtungen des Modells angenommen. Menschen in Boxen zu stecken, ist weder sinnstiftend, verbindend noch effizient. Verhalten in Boxen zu stecken, um Menschen besser zu verstehen, klingt nach einem Modell, was Komplexität reduziert, um Lernen zu ermöglichen. Mit Hilfe des Modells kann dann die Einzigartigkeit jedes Menschen leichter erkundet werden und bietet eine gute Grundlage, um verschiedene Anliegen zu begleiten. Gerade in längeren Begleitungen von Menschen zeigen die Landkarten Zugänge zu eigenem Verhalten und dem anderer, als wertvolle Unterstützung der Entwicklungsreise.
Zu gegebener Zeit kann ein Coachee einen digitalen Fragebogen ausfüllen, auf dessen Grundlage eine personalisierte Landkarte angefertigt wird. Diese Landkarte zeigt Flüsse, Berge, Städte, Leuchttürme und Meere, die alle nach Assoziationen von Verhalten benannt sind. Sie ist ein „Wimmelbuch“ der Begrifflichkeiten und lädt zu einer Reise zu sich selbst ein. Im Coaching findet dann eine gemeinsame Erkundung der Karte zwischen Coach und Coachee statt.
Als Coach ist man vor allem Fragen stellend und zuhörend unterwegs. „Erklär mir deine Welt“ ist Grundlagenhaltung. Die Karte gehört dem Coachee und der soll zum Beispiel erzählen, was die Stadt „Sorgsam“ mit dem eigenen Verhalten zu tun hat und warum sie sogar als Hauptstadt ausgezeichnet ist.
PersonalMap
Eine PersonalMap ist ein Teil des Ergebnisses nach dem MapsTell-Fragebogen. Die Landkarte zeigt die Verhaltenspräferenz einer Person. Diese Art der Landkarten nennt der Erfinder Sebastiaan Rompa „assoziative Kartografie“. Die Begriffe auf der Karte laden zum Nachdenken, Austauschen und Weiterdenken an. Die Karten zeigen Gebirge, Flüsse und Städte, die auf Verhalten hinweisen. Manchmal aus der eigenen Perspektive und im Bereich „Wie andere es sehen und erleben…“ mit einem leichten Stupser als Möglichkeit wie es andere wahrnehmen könnten.
Die Karten zeigen also nicht wie man ist, sie sind Angebote, zur Weiterarbeit. Erst die Geschichten der Karteninhaber machen die Karte zur persönlichen Landkarte und zu einem Schatz, der gerne mit anderen geteilt wird. Neben der PersonalMap gibt es noch einen Bericht, der zusätzliche Informationen bereithält. Dieser ist vor allem interessant, wenn Themen wie Stress und Weiterentwicklung bearbeitet werden wollen.
Mit der Bodenkarte Perspektiven wechseln
Ein wirkungsvolles Hilfsmittel ist die über 5qm große begehbare Bodenkarte aus LKW-Plane. Auf dieser lassen sich im Coaching Unterschiede verdeutlichen, Spannungsfelder klären und Perspektiven wechseln. So können Gesprächssituationen mit Mitarbeitenden, Kunden oder Vorgesetzten geübt werden und aus unterschiedlichen Perspektiven und Verhaltenspräferenzen betrachtet werden. Dies gibt Anhaltspunkte für Kommunikationsverbesserungen, Führungsverhalten und Konfliktfähigkeit. Dabei kann sowohl die coachende Person eine Rolle übernehmen als auch der Coachee. Häufig können dabei Lösungsansätze erarbeitet werden, die vorher nicht sichtbar oder denkbar waren.
Assoziationen, die hängen bleiben
Warum wirkt MapsTell anders? Eltern wissen, wie wertvoll Wimmelbücher sind. Sie steigern Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Wahrnehmung und kombinieren eigene Erlebnisse mit Bildern und geben diesen dadurch Bedeutung und neue Perspektiven.
Vera Birkenbihl und andere sprachen viel über assoziatives Lernen und Verknüpfungen im Gehirn. Die Auseinandersetzung mit Begriffen auf der MapsTell-Karte fördert ähnliche Effekte. Die Begriffe regen an, verknüpfen eigene Erlebnisse, Verhaltensweisen, Gefühlslagen und Bedürfnisse mit diesen und bringen neue Erkenntnisse, die es ins Langzeitgedächtnis schaffen und auch nach langer Zeit noch reproduzierbar sind. Doch nicht nur Reproduktion, sondern auch Wahrnehmung für eigenes Verhalten und sofern gewünscht Innehalten und Veränderung im Sinne eines Reiz-Reaktions-Impulses kann gefördert werden.
Zum Teil sind es sogar Verkörperungen oder Verbildlichungen, die über die eigenen Geschichten im Alltag Bewusstheit erfahren und so ermöglichen, neue Türen zu öffnen oder alternative Wege zu gehen.
Rückmeldungen von Coachees
- „MapsTell hat mir die Augen geöffnet. Mir war nicht klar, dass wir so unterschiedlich auf die Welt schauen.“ Ein Satz einer Geschäftsführerin nach einem Coaching, der nachdenklich macht und gleichzeitig aufzeigt, wie weit weg die komplexe Welt menschlicher Wahrnehmung und Verhalten für manche Menschen ist. Die Mitarbeitenden konnten diese Erkenntnis unterschreiben und konnten anschließende Veränderungen im Umgang klar benennen.
- „Meine Karte ist immer hinter mir. Sie hängt an der Wand und ist für jeden sichtbar. In manchen Gesprächen lege ich sie dann auf den Tisch. Sie hilft mir, mich verständlich zu machen und manchmal auch, mich selbst besser zu verstehen, wenn ich im Tunnel bin.“ so ein Schichtleiter in der Biotechnik.
- „Mit den Berichten und dem Tool, mit dem wir vorher gearbeitet haben, war ich nur am Abgleichen, ob das stimmt oder nicht, aber es hat nichts in Bewegung gesetzt. Jetzt sind zwei Jahre vergangen und ich habe viele Situationen erlebt, in denen ich die Karte sehr hilfreich empfunden habe. Man kann mich nachts wecken und ich weiß ziemlich genau, was auf meiner Karte steht.“ So eine Führungskraft aus der Automobilbranche.
Erlebte Erfolgsgeschichten von Coaches
Rückmeldungen gibt es viele. Einige beeindruckende Anekdoten bleiben über die Jahre im Kopf und im Herzen:
Ein Coachee in einem längeren Prozess hatte auf seiner Karte ein Schiff mit dem Titel MS Risikovermeidung, welches einen großen Bogen um Konflikte machte. Im Coaching benannte dieser, dass er von sich meine, Risiken durchaus einzugehen. Auf Nachfrage, ob das auch bei zwischenmenschlichen Unklarheiten gelte, kam er ins Nachdenken und verneinte nach kurzer Zeit. Risiko gehe er eigentlich nur ein, wenn er sich im Recht weiß. Wenn er nicht wisse, wie die andere Person darauf reagiere, dann trage er lieber die Verantwortung des Aushaltens.
Ein paar Wochen später berichtete er, er habe Diesel gerochen. Auf Nachfrage, was das bedeute, kam die Antwort: „Meine MS Konfliktvermeidung (seine Wortschöpfung) ist durch den Raum gefahren. Ich konnte den Diesel förmlich riechen.“ Nun hat sich das Bedürfnis nach Sicherheit in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht komplett aufgelöst, aber die Wahrnehmung hatte sich sichtlich verändert.
Auch nach Jahren ist das in Coaching Follow-Ups noch bewusst und im Alltag ein Thema. Er beschreibt dies für sich als eine wichtige Erkenntnis als Führungskraft, die ihm hilft, den eigentlich unliebsamen Schritt zu gehen, Themen anzusprechen, die andere Menschen betreffen und nicht nur die Aufgabe.
Als Coach MapsTell nutzen
Wer als Coach MapsTell nutzen möchte, kann durch eine zweitägige Zertifizierung in Präsenz die Berechtigung dazu erhalten. Neben einem E-Learning und einem digitalen Training zur Nutzung der Software bereitet die Zertifizierung mit vielen Übungen und Interaktionen auf verschiedene Fälle vor und kann danach voll umfassend genutzt werden. Die Zertifizierungen finden auch in Österreich statt.
Nachhaltigkeit
Wo mit MapsTell gearbeitet wird, gehen häufig neue Türen auf. Es macht neugierig, lädt ein und entwickelt eine systemische Stärke. Es hilft Wahrnehmung für eigenes und anderes Verhalten zu schärfen, besser mit anderen zu kommunizieren und in stressigen Situationen handlungsfähiger zu sein. Dabei erschöpft es sich nicht, sondern bietet immer wieder neue Perspektiven auf sich und andere und macht Lust auf Entwicklung. Der Gedanke, dass man sein Verhalten ändern kann, ohne seine Persönlichkeit oder Identität in Frage zu stellen, schafft eine Leichtigkeit, die oft zurückgespiegelt wird.
Landkarten als Coaching-Helfer (MapsTell)




