Ein Barcamp lebt von den Teilnehmenden. Von ihren Inputs, Erfahrungen, Gedanken. So auch im Recruiting & Employer Branding BarCamp 2026. Wenn HRperol.events etwas veranstalten, hat es meist mit Lachen, Pepp und … ja, auch Aperol zu tun.
Wir sind über 30 Teilnehmende. Das ist ideal, denn wir sind eine sehr offene Gruppe und in dieser überschaubaren Größe gibt es viel lautes Denken und eine Fülle an Ideen, die einfließen können. Das ist an sich nichts Neues bei Events, doch in dieser Gruppengröße ist das Diskutieren noch viel einfacher und lebendiger.
Gleich zu Beginn einigen wir uns auf „What happens in the BarCamp, stays in the BarCamp.“ Das bringt gleich mehr Offenheit, doch es erleichtert nicht unbedingt, einen inhaltsreichen Event-Bericht zu verfassen. Daher gehe ich nur wenig auf die einzelnen Diskussionen ein und fokussiere mich mehr auf die Vorträge. Aber zuvor noch: Was macht dieses BarCamp zum BarCamp?
Event-Bericht
Event-Eckdaten: Recruiting & Employer Branding BarCamp 2026 | Veranstalter: HRperol.events | Wien
- Event-Bericht: 7mai2026
- www.HRperol.events
Die Idee des Barcamps
3 Vorträge, 6 Workshops, je 2 parallel.
Alle schreiben Diskussions-Ideen auf Kärtchen, die Veranstalter clustern sie nach ThemenBereichen, die Teilnehmenden voten für ihre Favoriten mit Klebepunkten und jene Themen-Cluster mit dem größten Zuspruch bekommen einen eigenen Workshop. 3 Mal finden je 2 parallel statt:
I. Future Skills in Recruiting & Employer Branding
II. AI in Recruiting & Employer Branding
III. Employer Branding für unattraktive Unternehmen
IV. CV Parsing: Pros & Cons
V. Mitarbeiter-Benefits
VI. Performance Recruiting
Mein Favorit war eindeutig Performance Recruiting, da es eine völlig andere Art des Recuritings ist, eine viel direktere, effizientere und spannedere.
Vorträge
Elisa Drescher: „KI & Datenschutz“
Elisa Drescher (Juristin und Datenschutzexpertin) zeigte in ihrem Vortrag, wie sehr KI und Datenschutz inzwischen zum Alltag von HR zählen. Und weshalb gerade Recruiting und Employer Branding besonders betroffen sind. Sie machte deutlich: Deepfakes sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität.
Der Einstieg war bewusst provokant: Drei scheinbar echte Personenbilder entpuppten sich als vollständig KI-generiert. Genau darin liegt die Herausforderung für HR-Abteilungen. Bewerbungsfotos, Employer-Branding-Videos oder Social-Media-Content können heute täuschend echt erzeugt oder manipuliert werden. Oft ohne dass Betroffene oder Betrachtende es erkennen.
Besonders spannend war der Praxisbezug. Ein Beispiel aus der Runde zeigte, wie einfach Canva aus einem harmlosen Teamfoto automatisch Videos generiert. Inklusive problematischer Szenen, die nie stattgefunden haben. Drescher warnte davor, dass solche Inhalte nicht nur peinlich, sondern auch rechtlich riskant werden können. Gerade in Unternehmen entstehen neue Gefahrenfelder: Fake-Stellenanzeigen, manipulierte Bewertungen, CEO-Fraud oder synthetische Bewerbungsunterlagen.
Im Zentrum ihres Vortrags stand die Verbindung zwischen DSGVO und AI Act. Drescher bezeichnete beide Regelwerke als „altes Ehepaar“: KI-Verordnung und Datenschutz greifen ineinander. Besonders relevant wird das bei biometrischen Daten. Sobald Gesichter, Stimmen oder andere identifizierbare Merkmale durch KI verarbeitet werden, braucht es klare Rechtsgrundlagen und oft ausdrückliche Einwilligungen.
Für HR besonders wichtig: Die neuen Kennzeichnungspflichten für Deepfakes treten bereits im August in Kraft. KI-generierte Inhalte müssen künftig transparent gekennzeichnet werden: etwa auf Social Media oder in Recruiting-Kampagnen. Ihre zentrale Botschaft: Der Gesetzgeber verbietet KI-generierte Inhalte nicht. Entscheidend ist ein verantwortungsvoller und transparenter Umgang damit. Denn Vertrauen wird im Employer Branding künftig nicht nur über gute Botschaften entstehen, sondern auch über glaubwürdige digitale Authentizität.
Markus Korn: “Weckruf an HR: Lernt, AI-Agents zu bauen“
Markus Korn wollte keinen klassischen KI-Vortrag halten. Sein Appell an die HR-Community war deutlich direkter: „Lernt, AI-Agents zu bauen.“ Und noch wichtiger: Wartet nicht darauf, dass andere den Wandel gestalten.
Der Österreich-Chef von Talents Connect spannte dabei einen großen Bogen vom ersten Mobiltelefon bis zu ChatGPT. Seine Kernbotschaft: Technologische Veränderungen passieren heute exponentiell schneller als früher. Während das Radio 16 Jahre brauchte, um 100 Millionen Menschen zu erreichen, schaffte ChatGPT dieselbe Marke in acht Wochen. Genau diese Geschwindigkeit überfordere aktuell viele Organisationen. Auch HR.
Interessant wurde es dort, wo aus der Keynote eine offene Debatte entstand. Denn Korn provozierte bewusst mit der Aussage, dass Recruiting in Zukunft massiv automatisiert wird. CV-Screening, Matching und Vorauswahl könnten KI-Systeme längst schneller und datenbasierter erledigen als Menschen. Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr, ob KI kommt, sondern wie HR damit umgeht.
Gerade an diesem Punkt widersprechen Rekrutierende deutlich. Recruiting ist eben mehr als Skill-Matching und Keyword-Parsing. Unternehmenskultur, Potenzial, Persönlichkeit und menschliche Intuition lassen sich nicht vollständig in Daten übersetzen. Würde das ausschließlich der KI überlassen werden, würden wir wertvolles Erfahrungswissen verlieren, da KI zu stark standardisiert.
Korn argumentierte weniger für „KI statt Menschen“, sondern für „KI als Verstärker“. HR kann durch AI-Agents entlastet werden. Etwa bei repetitiven Aufgaben oder administrativen Prozessen. Die gewonnene Zeit kann besser in qualitative Aufgaben wie Gespräche, Beratung und Candidate Experience fließen.
Ein weiterer zentraler Punkt: Viele Unternehmen diskutieren bereits über KI-Tools, ohne ihre Datenbasis im Griff zu haben. Laut Korn scheitern zahlreiche AI-Projekte nicht an der Technologie, sondern an unstrukturierten Prozessen und fehlenden Kennzahlen. HR muss lernen, stärker in Business-Cases und ROI zu denken, um im Unternehmen als strategischer Treiber wahrgenommen zu werden.
Am Ende blieb weniger ein Technologie-Vortrag als ein Weckruf: KI verändert HR nicht irgendwann, sondern gerade jetzt. Die offene Frage ist nur, ob HR diese Entwicklung aktiv mitgestaltet oder von ihr getrieben wird.
Abschluss
Als Schlusswort möchte ich Claudia zitieren: Dieses BarCamp war voll geil 😊
Mit diesem Gedanken und einem Aperol in der Hand, lassen wir das BarCamp auf der Dachterrasse mit Blick auf die Karlskirche ausklingen.
Fotos: © HRperol.events & Eva Selan
Recruiting & Employer Branding zwischen KI und Performance | Das war das HRperol BarCamp 2026
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für die nächsten Events von HRperol:
- 8juli2026: Recruiting am Fluss, Wien
- 3sep2026: Recruiting am See, Linz
- 1okt2026: HR & KI-Lab, Wien
- 26nov2026: Recruiting am Berg, Innsbruck


