Die beiden eingefleischten HR-Kongresse PoP und PEp vereinen sich zu den „Human Impact Days“. Nach langer Vorfreude liegen sie nun hinter uns. Lasst uns den Event revue passieren.
Zwei Gastautorinnen stehen mir zur Seite, um die Eindrücke einzufangen. Wie schon vergangenes Jahr teilt sich die Veranstaltung in 1 Tag „Next Generation“ für eher jüngere Teilnehmende und 2 Tage Kongress, auch für Erfahrenere. Dieser Event-Bericht beleutet ausschließlich diese letzten beiden Tage.
Der Event begann wie eine „übliche“ PoP, doch hatte dann doch Formate auf Lager, die auf derartigen Kongressen üblicher Weise nicht ausgepackt werden.
Event-Bericht
Event-Eckdaten: Human Impact Days | Veranstalter: Business Circle | Stegersbach
- Event-Bericht: 22-24apr2026
- Save the date: 14-16apr2027
- www.businesscircle.at/…/human-impact-days
Eindrücke von Johanna Brändle
Mag. Johanna Brändle (Foto rechts) ist Betriebswirtin und Personalentwicklerin an einer Fachhochschule. Zuvor war sie mehrere Jahre in einer Unternehmensberatung tätig mit Fokus Human Resources. Sie begeistert sich vor allem für die Themen Positive Leadership, Achtsamkeit und lebenslanges Lernen.
Voller Vorfreude fuhr ich an einem sonnigen Frühlingstag Richtung Stegersbach. Raus aus dem Alltag, rein in die Human Impact Days. Zwei Tage Zeit für neue Impulse, Reflexion, Netzwerken an einem außergewöhnlich schönen Ort mit HR-Experen, Entscheidungsträgerinnen und Vordenkern.
Im Mittelpunkt der Keynotes, Diskussionen und Use Cases standen zentrale Fragestellungen, die uns aktuell und zukünftig bewegen: makroökonomische und organisationale Herausforderungen, gesellschaftliche Veränderungen, neue Führungsverständnisse, der Rolle von HR bis hin zu konkreten Praxisfällen und Möglichkeiten des Einsatzes von KI.
Wachrüttelnde Keynote & Panel-Diskussion
Den inhaltlichen Rahmen für die beiden Tage setzte Holger Bonin (Institut für höhere Studien) in seiner Opening-Keynote eindrucksvoll. Unter dem Titel „Human Capital als Standortfaktor: Was Unternehmen und Staat jetzt liefern müssen“ zeichnete er ein klares Bild der aktuellen Herausforderungen: sinkende Produktivität, Fachkräftemangel und Verschiebung von Wertigkeiten am Arbeitsmarkt. Besonders hängen geblieben ist mir sein Hinweis auf die Fehlallokation von Qualifikationen: zu viele Menschen mit akademischen Abschlüssen in Bereichen mit geringerer Nachfrage, während gleichzeitig in anderen Feldern dringend Fachkräfte fehlen.
Als zentrale Lösungsansätze betonte Bonin u.a. die Bedeutung von Anreizsystemen, die längeres Arbeiten attraktiver machen, sowie die Notwendigkeit, Erwerbsbiografien über Berufsgrenzen hinaus zu denken. Ebenso entscheidend sei es, konsequent in arbeitssparenden technologischen Fortschritt zu investieren.
Die anschließende, angeregte Panel-Diskussion griff diese Impulse auf und unterstrich die gemeinsame Verantwortung aller Akteure: Der Staat durch Reformen in Bildung, Pensionen sowie den Ausbau von Kinderbetreuung und Pflege. Organisationen durch innovative Arbeitsmodelle und produktivitätsfördernde Rahmenbedingungen. Und nicht zuletzt Individuen durch die Bereitschaft, sich flexibel zu sein, zu lernen und neue berufliche Wege zu gehen.
Stephan Jansen (Karlshochschule) unterstrich in seinem „Wake-up Call“ die „Inside-Out“-Rolle von HR. Diese liegt angesichts massiver Veränderungen der Arbeitswelt – etwa durch De-Industrialisierung – längst nicht mehr nur im Inneren der Organisation. Er machte deutlich, dass viele Herausforderungen nur mehr zusammen bewältigt werden können, und sprach in diesem Zusammenhang auch von kollektiver bzw. „Schwarmintelligenz“.
Roman Szeliga (Arzt & Humorexperte) schloss mit einer gewohnt humorigen Keynote und erinnerte bei aller technologischer Entwicklung, dass es weiterhin auf die „Herzschlagqualität“ ankommt, denn der Mensch bleibt „unheilbar sozial“.
Blick in die Praxis
Einen konkreten Blick in die Praxis warf Madeleine Bauer-Eder (IBM). Anhand eines eindrucksvollen Beispiels zeigte sie, wie KI die Arbeit neu ordnet und dabei Raum für neue Aufgaben und Wertschöpfung schafft.
Benedikt Böhm (Extremskibergsteiger) brachte es aus der Perspektive des Extremsports auf den Punkt: Führung in der Ungewissheit braucht Klarheit. Diese entsteht durch konsequente Reduktion, gute Vorbereitung und den bewussten Abgleich von Wahrnehmungen. Ganz im Sinne von „Develop the core, then add more“. Und sie beginnt bei uns selbst, denn über nichts haben wir mehr Kontrolle als über uns selbst.
Ein besonderes Highlight dabei war für mich die Executive Decision Clinic: eine abgewandelte Form der kollegialen Fallberatung. Dabei wurde in Kleingruppen ein konkretes Anliegen aus dem konkreten Arbeitskontext einer Fallbringerin eingebracht und reflektiert. Die Perspektiven der anderen Kollegen eröffnete einen breiteren Blick auf das Anliegen und konkrete Lösungsansätze. Die Themen reichten dabei von „Leadership“, „Skills“, „Culture“ bis hin zu „Tech“.
Dieses neue Format, machte einen besonders offenen Austausch unter Peers möglich und für mich wurde spürbar, wie wertvoll offener Austausch jenseits der Grenzen der eigenen Organisation ist.
Fazit
Die zwei Tage waren für mich unglaublich belebend und bereichernd. Ich fuhr mit vielen neuen Ideen und Denkanstößen nach Hause – und vor allem mit Freude über die Menschen, die ich wiedersehen und neu kennenlernen durfte, sowie mit Neugier auf das, was uns in nicht allzu ferner Zukunft erwartet und das wir hoffentlich auch mitgestalten können. Ich komme gerne wieder!
Eindrücke von Karin Hohenthaner
Mag. Karin Hohenthaner (Foto rechts) ist studierte Betriebswirtin und hat als Projektleiterin umfangreiche Transformationsvorhaben verantwortet. Mit systemischem Blick begleitet sie Organisationen in komplexen Veränderungsprozessen. Ihre Herzensthemen: Technologie und Mensch zu verbinden, Communities zu befähigen und innovative Formate zu gestalten.
Die zentrale Frage der beiden Tage: Welche Rolle nimmt HR bei der KI-Revolution ein? Ist sie Passagierin oder im Driving Seat? Und welche Verantwortung trägt sie bei der Begleitung ihrer Mitarbeitenden in dieser gesellschaftlichen Transformation?
Vorträge
Holger Bonin vom Institut für Höhere Studien skizzierte die aktuellen Herausforderungen durch Demografie und KI und appellierte an Staat und Unternehmen, u.a. lebensphasenorientiertes Arbeiten zu unterstützen.
Im anschließenden Panel zum Thema Arbeitsmarkt 2030 war es Nora Tödtling-Musenbichler von der Caritas, die den stärksten Satz des Morgens lieferte: „Viele wollen weniger arbeiten, um länger arbeiten zu können.“ Sie nimmt Bezug zur Lebensrealität von Menschen, die etwa durch unentgeltliche Care Arbeit, Pflege oder belastende Berufe ihre Erwerbsarbeit in Teilzeit ausüben, und spricht damit wichtige strukturelle Probleme an.
„Copilot ist Kinderfasching, jetzt kommen die World Models“: Mit diesem Satz nahm Prof. Stephan Jansen das Publikum mit auf eine rasante Erkundung der KI-bedingt veränderten Arbeitswelt. Seine Appelle waren ebenso direkt wie unbequem:
- Wer heute keine Einsteigerinnen mehr einstellt, weil KI Routineaufgaben übernimmt, stellt sich selbst eine Falle: Denn woher kommen die erfahrenen Fachkräfte von morgen?
- Und wer Stellenabbau mit KI-Potenzialen begründet, die noch gar nicht eingelöst sind, riskiert das Wertvollste, was tiefgreifende Veränderung braucht: Vertrauen.
- Sein Gegenentwurf: HR als Ermöglicher, der Transformationsdesigns schafft, in denen kollaborative Intelligenz wächst, und zwar innerhalb von Organisationen und über ihre Grenzen hinaus.
Praxis
Einen Praxiseinblick boten Elfriede Schallert-Arslantas und Franz Dinhobl. Die Raiffeisenbank Bodensee-Leiblachtal hat über einen partizipativen, offenen Prozess einen Kulturwandel angestoßen. Nicht ohne Gegenwind, aber doch mitgetragen von einem Großteil des Teams. Das Ergebnis: Die interne Zusammenarbeit konnte binnen zwei Jahren deutlich und messbar verbessert werden, etwa durch das konsequente Hinterfragen von Routinen und die Förderung einer Speak Up Culture.
Angelika Steiner von der SVS teilte ihre Learnings aus der SAP SuccessFactors-Einführung: Digitalisierung verändert nicht nur Abläufe. Sie legt offen, wie Entscheidungsprozesse in einer Organisation wirklich funktionieren. Und manchmal braucht es keinen Change-Workshop, sondern ein neues System, um Kultur voranzubringen.
In der von Martin Stein moderierten Executive Decision Clinic wurde es interaktiv: Reale Herausforderungen von Teilnehmenden wurden von zufällig zusammengewürfelten Teams besprochen. Die Fallgebernden konnten so von diversen Perspektiven profitieren. Als Barcamp Aficionado kann ich nur sagen: Gerne mehr davon!
Die Deep-Dives von Jonas Höhndorf zu KI-gestützter Personalentwicklung, Sonja Strohmer zu 5 Erfolgsfaktoren bei der KI-Transformation und Michael Häuslschmid zu Vernetzung, Skills und Kultur im internationalen Kontext konnte ich zwar wegen des Überangebots an interessanten parallelen Angeboten nicht besuchen; umso schöner, dass ich mit diesen klugen Menschen abseits des Programms spannende Gespräche führen konnte.
Fazit
HR als Passagierin oder im Driving Seat? Wer die zwei Tage in Stegersbach dabei war, hat die Antwort in der Praxis gesehen: KI-bedingte Transformation braucht HR nicht als Begleiterin, sondern als Ermöglicherin: mit dem Mut, voranzugehen.
Ergänzungen von Eva Selan
Business Circle schaffte es tatsächlich, ein bisschen mehr zu machen, als einfach nur PoP & PEp zusammenzulegen und mit einem neuen Namen zu behübschen.
Meine Lieblings-Formate
Für mich lag der Unterschied in 2 Formaten, die ich so bei HR-Konferenzen viel zu selten antreffe:
- Walk & Talk: zu einem vorgegebenen Thema wandern wir durch den Garten des Hotels, tauschen uns in Paaren oder zu dritt aus und alle 10 min halten wir an einem kleinen Teich oder einem schattigen Platz und reflektieren in der größeren Gruppe, bevor es wieder weiter geht, eben mit Walken und Talken.
- Kollegiale Fallberatung, hier peppig „Decision Clinik“ genannt: wieder ist es die Kleingruppen-Diskussion, die für mich heraussticht. Zu sechst diskutieren wir ein Thema, das wir am Schluss in großer Runde vorstellen und sowohl in der Klein- als auch in der Groß-Gruppe Feedback zu einem konkreten Fall holen.
Spannende Inhalte
Inhaltlich haben mich folgende besonders gepackt:
Der Einstieg von Holger Bonin ist ein ungeschminkter Blick auf die Realität des österreichischen (Arbeits-)Markts. In mancher Hinsicht sind wir das Schlusslicht in der EU (hohe Inflation, stark steigende Gehälter, geringe Produktivität).
Hätte der Einstieg nicht bitte locker-leichter sein können? Nein, hätte es nicht.
Stephan Jansen schlägt in eine ähnliche Kerbe. Er hinterfragt die Wettbewerbsfähigkeit der EU und Österreich. Er verpackt es witzig, doch die Botschaft ist knallhart. Er dreht den Globus weg von der Europa-Zentrierung und stellt Japan oder den Nordpol in die Mitte, das verändert einiges. Oder auch die Welt aus Sicht von Trump (siehe vorletzte Foto-Seite).
Einer meiner Highlights war auch Benedikt Böhm. Er ist Extremskibergsteiger und schon bei den einleitenden Bildern dachte ich mir „bin ich froh, dass ich nicht von diesem extremen Adrenalinrausch getriggert werde!“ Seine Gedankengänge allerdings waren für mich sehr wertvoll.
Fotos: © Thomas Magyar, Business Circle & Eva Selan
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