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Teamimpuls

Führung entscheidet | Warum Inklusion am Arbeitsplatz keine Frage des Gesetzes ist

3Aug2026
4 min
Inclusive Leadership

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Ob Inklusion am Arbeitsplatz gelingt, entscheidet sich im täglichen Führungshandeln. Inclusive Leadership kann dabei Barrieren abbauen, Potenziale sichtbar machen und faire Teilhabe im Unternehmen konkret ermöglichen.

Gast-Autor: Niklas Schröfel

Ein Paradoxon: gute Zahlen, zögerliche Praxis

Statistisch ist die Ausgangslage vielversprechend. Über 80 Prozent der Unternehmen, die bereits mit Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten, berichten von positiven Erfahrungen. Mehr als die Hälfte der Menschen mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter ist arbeitsfähig. Durch den Fachkräftemangel als auch den demografischen Wandel wächst zudem der wirtschaftliche Druck, dieses Potenzial endlich systematisch zu nutzen. Dennoch bleibt der Zugang zum Arbeitsmarkt für viele Betroffene schwierig.

Studien zeigen ein hartnäckiges Muster: Ableistische Denkweisen, als auch Unwissenheit sind immer noch weit verbreitet. Beispielsweise schätzt ein erheblicher Teil der Führungskräfte die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung kritischer ein, als sie tatsächlich ist, und rechnet mit organisatorischem wie rechtlichem Mehraufwand. Diese Vorbehalte entstehen oft nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissen, fehlender Erfahrung und der Sorge, etwas falsch zu machen. Sie treffen dabei genau auf jene Position, die über Inklusion im Unternehmen entscheidet: die Führungskraft.

Warum gesetzliche Vorgaben allein nicht ausreichen

Österreich verfügt mit dem Behinderteneinstellungsgesetz, der Beschäftigungspflicht ab 25 Mitarbeitenden und der daraus resultierenden Ausgleichstaxe über einen soliden rechtlichen Rahmen, ergänzt durch die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen und den nationalen Aktionsplan Behinderung. Der gesetzliche Rahmen ist also vorhanden. Was in der Praxis vielerorts fehlt, ist die konsequente Umsetzung im täglichen Führungshandeln.

Gesetzliche Regelungen verpflichten Unternehmen, sie schaffen jedoch keine Willkommenskultur. Wer die Diskussion auf Sanktionen und Förderungen reduziert, übersieht den eigentlichen Hebel: das Verhalten von Führungskräften im Alltag. An diesem Punkt gewinnt vor allem ein Führungsansatz an Bedeutung, der in der aktuellen Forschung zunehmend Beachtung findet: Inclusive Leadership.

Inclusive Leadership als Führungsprinzip

Inclusive Leadership beschreibt einen Führungsstil, der durch Zugänglichkeit, Offenheit und die bewusste Wertschätzung individueller Unterschiede geprägt ist. Führungskräfte, die diesen Ansatz verfolgen, verstehen Führung weniger als hierarchische Kontrolle, sondern als partnerschaftliches Zusammenspiel mit dem Team. Ein zentrales Element ist psychologische Sicherheit: ein Arbeitsklima, in dem Mitarbeitende Bedenken, Fehler und Bedürfnisse offen ansprechen können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Damit unterscheidet sich Inclusive Leadership deutlich von klassischen, primär leistungsorientierten Führungsmodellen. Andere Führungsstile können ebenfalls förderlich sein, aber die Integration auch aufhalten. Die transformationale Führung überzeugt beispielsweise durch Empowerment und individuelle Förderung, was vor allem auf der persönlichen Ebene stattfindet. Die transaktionale Führung beispielsweise durch klare Strukturen und verlässliche Zielvereinbarungen. Laissez faire Führung wiederum eröffnet Freiräume, birgt jedoch ohne begleitende Unterstützung das Risiko, jene Mitarbeitenden zu benachteiligen, die auf Orientierung angewiesen sind.

Inclusive Leadership vereint die stärksten Elemente dieser Ansätze und ergänzt sie um einen entscheidenden Faktor: die aktive Förderung von Zugehörigkeit, ohne dass Einzelne ihre Individualität zurückstellen müssen. Es richtet die gesamte Organisation, also Normen, Prozesse und Ressourcen, konsequent auf Inklusion aus. Außerdem betont Inclusive Leadership „Equity“ statt reiner Gleichbehandlung: Menschen mit Behinderung erhalten nicht dieselben, sondern bedarfsgerechte Bedingungen für faire Teilhabe.

3 Faktoren mit nachweisbarer Wirkung

In der Praxis machen vor allem drei Aspekte den Unterschied:

  • Erstens eine Kommunikation, die von Beginn an in beide Richtungen funktioniert: Wer als Führungskraft frühzeitig anspricht, welche Einschränkung vorliegt und welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, schafft Klarheit und reduziert Unsicherheit auf beiden Seiten.
  • Zweitens individuelle statt standardisierte Lösungen: Flexible Arbeitszeiten, angepasste Aufgabenverteilung oder technische Hilfsmittel entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie auf die jeweilige Person zugeschnitten sind.
  • Drittens eine konstruktive Fehlerkultur: Wo Unsicherheiten offen angesprochen werden können, entsteht Vertrauen, und Vertrauen ist die Grundlage für Leistungsbereitschaft.

Bemerkenswert ist zudem ein Muster, das sich in Gesprächen mit Führungskräften aus unterschiedlichen Branchen wiederholt zeigt: Wer bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung gesammelt hat, denkt seltener in Stereotypen und deutlich häufiger in Potenzialen. Erfahrung erweist sich damit als wirksamer gegen Vorurteile als reine Theorie.

Grenzen des Ansatzes

Ein realistischer Blick auf die Grenzen gehört ebenso zur Betrachtung. Ein Übermaß an Rücksichtnahme kann Führungskräfte überfordern und zu Rollenkonflikten oder Ineffizienzen führen, wenn versucht wird, jeder individuellen Erwartung gleichzeitig gerecht zu werden. Entscheidend bleibt die Balance. Offenheit und Partizipation benötigen eine verlässliche Struktur als Fundament, sonst verliert der Ansatz seine Wirksamkeit.

Fazit: Haltung als entscheidender Erfolgsfaktor

Die Erkenntnisse aus einer Reihe von Interviews mit Expertinnen und Experten aus KMU, Großunternehmen und sozialen Einrichtungen zeichnen ein konsistentes Bild: Inclusive Leadership ist kein ergänzendes Element der Unternehmenskultur, sondern deren tragende Grundlage, wenn es um die erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderung geht. Führungskräfte, die Wertschätzung, Beteiligung und psychologische Sicherheit aktiv vorleben, statt lediglich zu proklamieren, bauen Barrieren ab, die durch gesetzliche Vorgaben allein nicht zu beseitigen sind.

Für Unternehmen bedeutet das konkret: Investitionen in Führungskräftetrainings, die Verankerung inklusiver Werte in Führungsleitbildern sowie strukturierte Feedbackformate wie regelmäßige Feedbackgespräche sind keine optionalen Zusatzmaßnahmen, sondern strategische Notwendigkeit im Wettbewerb um Fachkräfte. Davon profitieren nicht nur jene Menschen, die dadurch die berufliche Chance erhalten, die ihnen zusteht, sondern das gesamte Team, das Betriebsklima und letztlich die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens, das Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern aktiv nutzt.

Führung entscheidet | Warum Inklusion am Arbeitsplatz keine Frage des Gesetzes ist

Gast-Autor

Niklas Schröfel, HR-Manager und berufsbegleitender Student, verfasst quellenbasierte Beiträge zu HR- und Arbeitsweltthemen. In seiner Bachelorarbeit widmete er sich der Eingliederung von Menschen mit Behinderung in Organisationen mit besonderem Fokus auf Inclusive Leadership.

Durch seine Erfahrungen während des Zivildienstes und sein späteres Engagement bei der Caritas bringt er nicht nur fachliche Tiefe, sondern auch persönliche Überzeugung in das Thema Inklusion ein.

Niklas Schröfel

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