Als Fan von Escape Rooms war ich begeistert von der Idee, sie in Form von Rätsel-Boxen direkt ins Office zu bringen: Mobile Escape Games. Aber der Reihe nach:
Ich freue mich, Max Fitz heute zu interviewen, er ist einer der beiden Brains hinter Locktown.
Interview-Partner: Mobile Escape Games
Maximilian Fitz ist Mitgründer von Locktown und für Kundenbetreuung und Business Development verantwortlich. Locktown hat seine Wurzeln in klassischen Escape Rooms und bietet heute mobile Escape Games und Teamtrainings für Unternehmen an.
Mobile Escape Games: www.locktown.at
Das Konzept & die Menschen dahinter
Wer steckt hinter Locktown? Wie würdet ihr euch als Personen in drei Sätzen beschreiben?
Hinter Locktown stehen heute Michi und Max.
Michi ist der Game-Mastermind: Er entwickelt die Rätsel, Mechaniken und technischen Lösungen und schafft es, aus einer ersten Idee schnell etwas zu bauen, das blinkt, Geräusche macht und Menschen ins Grübeln bringt.
Ich, Max, kam später dazu und kümmere mich heute vor allem um Kundenbetreuung, Organisation und Business Development – also darum, dass Michis Ideen nicht nur funktionieren, sondern auch ihren Weg zu Unternehmen und Veranstaltungen finden.
Was hat euch ursprünglich dazu inspiriert, Locktown zu gründen?
Die Geschichte von Locktown begann mit Michi – und zwar deutlich kleiner als unsere heutigen Spielsysteme. Er baute den ersten mobilen Escape Room allein in einen Schuhkarton, um auszuprobieren, ob sich die Spannung eines Escape Rooms auch auf kleinstem Raum erzeugen lässt. Der Schuhkarton war optisch noch nicht ganz bereit für die große Bühne, aber die Idee funktionierte.
Später kam ich dazu. Gemeinsam entwickelten wir den Ansatz weiter: Aus dem Schuhkarton wurden robuste mobile Escape Games, die wir direkt zu Unternehmen und Veranstaltungen bringen können.
Heute verbinden wir Michis Spielentwicklung mit meiner Arbeit in Kundenbetreuung, Organisation und Business Development. So entstehen mobile Escape Games und Teambuilding-Formate, bei denen das Rätseln nicht nur unterhält, sondern auch Kommunikation, Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung erlebbar macht – gewissermaßen vom Schuhkarton zum Teamtraining.
Erklärt doch bitte mal euer Konzept der mobilen Escape Games
Im Kern nutzen wir das, was Escape Games besonders gut können: Menschen bekommen eine gemeinsame Aufgabe, verfügen über unterschiedliche Informationen und müssen unter begrenzter Zeit selbst herausfinden, wie sie sich organisieren.
Unsere Spielsysteme kommen direkt zum Unternehmen oder Veranstaltungsort. Beim „Biosphären-Decoder“ hat ein Team beispielsweise 50 Minuten Zeit, das System auf die Extraktion eines wichtigen Objekts vorzubereiten. Dabei entstehen unterschiedliche Aufgabenbereiche. Um das Gesamtziel zu erreichen, müssen Informationen zusammengeführt und die einzelnen Bereiche koordiniert werden.
Dadurch werden Fragen ganz praktisch erlebbar: Wer behält den Überblick? Wie werden Informationen weitergegeben? Wie verteilt das Team Aufgaben? Was passiert unter Zeitdruck?
Bei einem klassischen Escape-Game-Format kann das gemeinsame Erlebnis für sich stehen. Bei unseren Teambuilding- und Escape-Game-Formaten nutzen wir es zusätzlich als Ausgangspunkt für Reflexion und Transfer in den Arbeitsalltag.
Gruppendynamik
Welche zentralen Kompetenzen oder Themen stehen bei euren mobilen Escape Games im Fokus?
Vor allem Kommunikation, Zusammenarbeit und Problemlösung. Dazu kommen Rollenverteilung, Führung, Entscheidungsfindung und der Umgang mit Zeitdruck.
Wir geben dabei bewusst nicht vor, wie sich die Gruppe organisieren soll. Dadurch entstehen Situationen, die auch aus dem Arbeitsalltag bekannt sind: Informationen bleiben bei einzelnen Personen, Aufgaben werden doppelt erledigt oder jemand übernimmt spontan die Koordination. Genau diese Momente können anschließend gemeinsam betrachtet werden.
Was unterscheidet euer Angebot ganz grundsätzlich von klassischen Teambuilding-Formaten?
Bei unseren Spielen entstehen sehr schnell echte gruppendynamische Prozesse. Unter Zeitdruck müssen sich die Teilnehmenden selbst organisieren, Informationen austauschen, Aufgaben verteilen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Dadurch werden Rollen, Kommunikationsmuster und Dynamiken sichtbar, die im normalen Arbeitsalltag oft verborgen bleiben. Das Spiel schafft also nicht nur ein gemeinsames Erlebnis, sondern bietet auch eine konkrete Grundlage für die anschließende Reflexion.
Zielgruppen & Einsatzmöglichkeiten
Für welche Zielgruppen sind eure Teamtrainings besonders geeignet? Und wie groß können die Teams sein, die an euren Formaten teilnehmen?
Unsere Formate eignen sich für neu zusammengestellte Teams ebenso wie für Gruppen, die bereits lange zusammenarbeiten. Interessant sind sie auch für Führungskräfte und Projektteams oder Bereiche, in denen Abstimmung und Informationsaustausch eine wichtige Rolle spielen.
Ein Spielsystem eignet sich für Gruppen bis etwa 16 Personen. Für größere Gruppen setzen wir mehrere Systeme parallel ein. So können derzeit bis zu 60 Personen gleichzeitig teilnehmen. Für größere Veranstaltungen können wir zusätzliche Systeme und individuelle Abläufe einsetzen.
Können eure Spiele auch in bestehende Formate wie Kick-offs oder Führungskräftetagungen integriert werden?
Ja, gerade dafür eignet sich der mobile Aufbau. Das Spiel kann beispielsweise als gemeinsamer Einstieg in einen Workshop, als Programmpunkt eines Kick-offs oder innerhalb einer Führungskräftetagung eingesetzt werden.
Dabei muss nicht jede Veranstaltung ein umfassendes Teamtraining sein. Manchmal steht das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund, manchmal soll anschließend gezielt über Kommunikation, Führung oder Zusammenarbeit gesprochen werden. Umfang und Begleitung lassen sich entsprechend anpassen.
Ablauf, Dauer & Didaktik
Wie läuft ein typisches Teamtraining mit euch ab – von der Planung bis zur Durchführung?
Am Anfang klären wir, was mit dem Format erreicht werden soll: Geht es hauptsächlich um ein gemeinsames Erlebnis oder gibt es ein konkretes Thema, das stärker in den Mittelpunkt rücken soll?
Am Veranstaltungstag bringen wir die Spielsysteme mit und führen die Gruppe in Ausgangssituation und Ziel ein. Danach liegt die Verantwortung zunächst beim Team. Wir greifen nur dort ein, wo es für den Ablauf notwendig ist. Die Gruppe muss selbst herausfinden, wie sie Aufgaben verteilt, Informationen zusammenführt und Entscheidungen trifft.
Bei Formaten mit Reflexion betrachten wir das Erlebte anschließend gemeinsam. Dabei geht es nicht darum, einzelne Personen zu bewerten, sondern darum, welche Strategien funktioniert haben, wo Schwierigkeiten entstanden sind und welche Parallelen sich zum Arbeitsalltag erkennen lassen.
Wie lange dauern eure Formate üblicherweise? Eher ein kurzer Impuls oder ein ganzer Trainingstag?
Das eigentliche Spiel dauert rund 50 Minuten. Mit Einführung und Abschluss lässt sich das Format gut als kompakte Einheit von etwa 60 bis 75 Minuten einsetzen.
Wenn eine ausführlichere Reflexion und der Transfer in den Arbeitsalltag Teil des Formats sind, planen wir insgesamt ungefähr zweieinhalb Stunden. Dadurch kann das Spiel sowohl ein einzelner Programmpunkt als auch Teil eines längeren Workshop- oder Veranstaltungstages sein.
Wie werden die Trainings moderiert und begleitet?
Während des Spiels beobachten wir vor allem den Prozess und greifen möglichst wenig in die Selbstorganisation ein.
In der anschließenden Reflexion können konkrete Situationen aufgegriffen werden: Wie wurden Informationen verteilt? Wie kamen Entscheidungen zustande? Wie wurden Aufgaben verteilt? Wer übernahm wann Verantwortung?
Uns geht es dabei nicht darum, von außen zu erklären, wie ein Team „richtig“ funktionieren sollte. Interessanter ist, was die Gruppe selbst beobachtet und welche Erkenntnisse davon für ihren Arbeitsalltag relevant sind.
Wirkung, Feedback & Nachhaltigkeit
Wie unterstützt ihr Unternehmen dabei, die Erkenntnisse aus den mobilen Escape Games in den Arbeitsalltag zu übertragen?
Der Vorteil des spielerischen Ansatzes ist, dass anschließend alle Beteiligten auf dieselbe konkrete Erfahrung zurückgreifen können. Statt abstrakt über Zusammenarbeit zu sprechen, kann man Situationen betrachten, die wenige Minuten zuvor tatsächlich passiert sind.
Wenn beispielsweise Informationen zwischen Teilgruppen verloren gehen, stellt sich die Frage, ob vergleichbare Schnittstellen auch im Unternehmen existieren. Wenn jemand spontan die Koordination übernimmt, kann darüber gesprochen werden, wie Führung im Team entsteht.
Das Spiel ist dabei kein diagnostisches Instrument, mit dem wir nach 50 Minuten allgemeingültige Aussagen über ein Team treffen wollen. Es schafft vielmehr einen gemeinsamen Ausgangspunkt, um bestimmte Verhaltensweisen sichtbar zu machen und darüber ins Gespräch zu kommen.
Blick nach vorne
Welche Weiterentwicklungen oder neuen Formate dürfen eure Kundinnen und Kunden in Zukunft erwarten?
Wir möchten weitere Spiele für unterschiedlichste Anwendungsbereiche entwickeln. Besonders spannend finden wir individuelle Spiele, bei denen Unternehmen konkrete Themen einbringen – beispielsweise Kommunikation, Entscheidungsprozesse, interne Abläufe oder Lerninhalte.
Dabei wird zunächst definiert, was vermittelt oder erlebbar gemacht werden soll. Anschließend überlegen wir, wie daraus eine Aufgabe entstehen kann, die nicht einfach erklärt, sondern tatsächlich gespielt wird.
Uns interessiert besonders, wie Themen, die normalerweise über Präsentationen oder klassische Workshops vermittelt werden, durch eigenes Handeln erfahrbar werden können.
Wenn ein HR-Team jetzt überlegt, mit euch zu arbeiten: Was wäre euer erster empfohlener Schritt?
Zuerst sollte geklärt werden, was mit dem Format erreicht werden soll. Geht es hauptsächlich darum, gemeinsam etwas zu erleben, oder gibt es ein konkretes Thema wie Kommunikation, Zusammenarbeit oder Führung?
Davon hängt ab, ob ein kompaktes Escape-Game-Format ausreicht oder eine begleitete Reflexion sinnvoll ist oder gar ein neues Spiel konzipiert werden soll. Ein kurzes Gespräch über Anlass, Gruppengröße und Zielsetzung reicht meistens aus, um herauszufinden, welche Variante passend ist.
Mobile Escape Games | Teamdynamik spielerisch sichtbar machen
Bilder © Locktown


