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37% der durch KI gewonnenen Zeit verpuffen. Wohin?

4Feb2026
4 min
Workday Ki Studie

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Der Zeitgewinn von KI (in HR) ist 63 % der Gesamt-Ersparnis. Wohin verschwinden die 37 %?

Wenn KI wirklich so produktiv wäre, wie es in vielen Dashboards aussieht, müssten HR-Abteilungen heute entspannter arbeiten. Tun sie aber nicht. Im Gegenteil: Vieles geht schneller und fühlt sich trotzdem nicht leichter an.

Zwischen erstem Entwurf und finaler Entscheidung liegt plötzlich mehr Prüfarbeit als früher. Der Zeitgewinn ist da. Nur nicht dort, wo man ihn erwartet.

Stellen wir uns für einen Moment eine Produktivitätsrechnung vor: ersparte Zeit minus Zeit fürs Nachschärfen, Korrigieren, Absichern. Was bleibt dann wirklich übrig?

Studie von Workday

Eine aktuelle Studie von Workday gibt darauf sehr klare Antworten für HR-Verantwortliche.

Vorausgeschickt: es ist eine globale Studie, die nicht konkret auf Österreich zugeschnipselt wurde. Gut so, denn KI bewegt sich so schnell, dass wir bitte nicht nur innerhalb des österreichischen Tellerrandes blicken möchten.

Die Stichprobe umfasst 3.200 Teilnehmende, gleichmäßig verteilt auf Führungskräfte und Mitarbeitende. Die regionale Verteilung: Nordamerika, EMEA und APAC.

Die Studie sagt

KI hat im HR-Alltag längst den Status des Selbstverständlichen erreicht. Texte entstehen schneller, Auswertungen ohnehin, vieles wirkt auf den ersten Blick effizienter.

Genau deshalb lohnt es sich, einen Moment innezuhalten. Nicht, um KI grundsätzlich infrage zu stellen, sondern um genauer hinzusehen, wo der versprochene Zeitgewinn tatsächlich landet.

Die Studie von Workday liefert dafür einen nüchternen Befund: Rund 37 % der durch KI eingesparten Zeit gehen durch Nacharbeit wieder verloren. Das ist nicht spektakulär, aber bemerkenswert. Denn dieser Verlust ist selten sichtbar, selten diskutiert und fast nie systematisch erfasst.

Die Frage

Der Zeitfaktor hinsichtlich KI folgt meist einer einfachen Logik: schneller gleich besser. Wie viele Stunden lassen sich einsparen? Wie viele Prozesse beschleunigen?

Was dabei leicht aus dem Blick gerät, ist die zweite Zeile der Rechnung: Wie viel Zeit fließt in Korrekturen, Prüfungen und Abstimmungen, weil die Ergebnisse zwar schnell, aber nicht belastbar sind?

Die Antwort

Die Studie beschreibt dieses Phänomen sehr konkret. Mitarbeitende nutzen KI, kommen rasch zu einem ersten Ergebnis und investieren anschließend erhebliche Zeit, um Kontext herzustellen, Tonalität anzupassen, Quellen zu prüfen oder Inhalte neu zu strukturieren.

Effizienz-Verluste

Am Ende bleibt ein brauchbares Resultat. Aber der Weg dorthin war länger als erwartet. Der Effizienzgewinn ist daher um diese 37 % gebremst.

Die Studie sagt weiter „Tatsächlich erreichen nur 14 Prozent der Beschäftigten mit KI einen dauerhaft positiven Nettoeffekt“. Für alle anderen ist KI kein klarer Gewinn, sondern eine Mischung aus Beschleunigung und zusätzlichem Aufwand.

HR: Dort, wo Nacharbeit besonders sichtbar wird

Ein Detail der Studie dürfte vielen HR-Verantwortlichen bekannt vorkommen. Das Personalwesen trägt einen überdurchschnittlich großen Teil dieser Nacharbeit. 38 % der Mitarbeitenden mit der höchsten KI-bedingten Korrekturlast arbeiten im HR-Bereich.

Das überrascht kaum. HR-Arbeit bewegt sich selten in Graubereichen. Kommunikation, Personalentscheidungen, Compliance, Fairness, etc: hier ist Präzision kein Nice-to-have. KI liefert Entwürfe, doch die Verantwortung bleibt beim Menschen. Und damit auch der Aufwand, Ergebnisse wirklich tragfähig zu machen.

Während andere Funktionen KI häufiger für explorative Zwecke nutzen, bei denen Unschärfen akzeptabel sind, gelten im HR andere Maßstäbe. Der Text mag gut klingen, doch er muss auch juristisch, kulturell und menschlich passen. Diese Differenz erklärt einen großen Teil der unsichtbaren KI-Steuer.

Moderne Tools treffen auf alte Rollen

Ein weiterer Befund der Studie wirkt unscheinbar, hat es aber in sich: In fast neun von zehn Unternehmen wurden unter 50 % der Rollenprofile an KI-bezogene Fähigkeiten angepasst. KI ist da. Die Arbeit ist schneller, die Rollenlogik ist es nicht.

Für HR ist das ein vertrautes Muster: neue Tools werden eingeführt, Erwartungen bleiben gleich. Genauigkeit, Verantwortung, Entscheidungsspielräume: alles unverändert. Das führt nicht zu Entlastung, sondern zu Reibung. Denn Geschwindigkeit trifft auf Anforderungen, die für eine andere Arbeitsrealität formuliert wurden.

Die Studie zeigt den Zusammenhang deutlich: Dort, wo Rollen nicht angepasst wurden, bleiben Netto-Produktivitätsgewinne aus.

Die Engagierten im Dauer-Prüf-Modus

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf jene, die KI am intensivsten nutzen. Tägliche Anwender sind keineswegs sorglos. Im Gegenteil: 77 % prüfen KI-Ergebnisse mit derselben oder sogar höheren Sorgfalt als menschliche Arbeit. Das kostet Zeit. Und Konzentration.

Gleichzeitig berichten ausgerechnet diese Gruppen von besonders geringem Zugang zu Weiterbildung. Die Verantwortung für Qualität liegt bei ihnen, doch die Unterstützung bleibt begrenzt. Die Studie beschreibt hier ein leises Paradox: hohe Nutzung, hohe Zuversicht in KI, aber auch eine spürbare Zusatzbelastung.

Fragen für HR

Die Studie lädt nicht zu Aktionismus ein, sondern zu präziseren Fragen. Für HR könnten es diese sein:

  • Wie messen wir Produktivität wirklich? Nicht nur über eingesparte Stunden, sondern über das Verhältnis von Zeitgewinn und Nacharbeit.
  • Wo entstehen die meisten Korrekturschleifen und weshalb gerade dort? Nach Funktionen, Rollen, Erfahrungsstufen zu differenzieren, ist aufschlussreicher als pauschale KI-Programme.
  • Welche Rollenbeschreibungen stammen noch aus einer Arbeitswelt ohne KI? Und was passiert, wenn man sie ernsthaft aktualisiert? Nicht nur sprachlich, sondern in ihren Erwartungen?
  • Wofür wird die gewonnene Zeit tatsächlich genutzt? Mehr Output? Oder auch Lernen, Abstimmung, Denken?

Organisationen, die laut Studie nachhaltig profitieren, investieren KI-Gewinne auffällig oft in Weiterbildung, Zusammenarbeit und Rollenklärung.

Der leise Perspektivwechsel

Vielleicht liegt der Denkfehler weniger in der KI als in unserer Erwartung an sie. Schneller ist nicht automatisch wirksamer. Vor allem dort nicht, wo Qualität, Fairness und Verantwortung zählen. Die eigentliche Produktivitätsfrage lautet daher nicht: Wie viel Zeit sparen wir? Sondern: Wofür verwenden wir sie – und was kostet uns die Absicherung dieser Ergebnisse?

Das ist keine technologische Frage, sondern eine der Arbeitsgestaltung. Und genau dort sitzt HR.

37% der durch KI gewonnenen Zeit verpuffen. Wohin?

Quelle

Workday (2026): Jenseits von Produktivität: Was KI wirklich wert ist – Eine neue Blaupause für die nächste Phase KI-getriebenen Wachstum, www.workday.com

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