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Co-Working revolutioniert die Teamarbeit

Teamfähig zu sein, gilt ja allgemein als Muss in der Arbeitswelt. Bereits in der  Schule lernen die Schüler, wie wichtig es für die Bewerbung ist, das Thema Teamfähigkeit herauszustreichen. Tatsächlich hat ja Arbeiten im Team eine Vielzahl an Facetten. Vom Großraumbüro bis Projektteams finden sich vielfältige Formen des Zusammenarbeitens in Unternehmen. Und doch gibt es eine neue Arbeitsform des Zusammenarbeitens: Co-Working – und das erreicht nun auch Österreich.

Was ist Co-Working?

Unter Co-Working versteht man einen Trend, der seit einigen Jahren stark im Zunehmen ist, bei dem sich Freiberufler, Kreative und kleinere Startups, die unabhängig von einander agieren, in größeren Räumen zur Zusammenarbeit treffen und so von einander profitieren. Diese „Räume“ nennen sich allgemein „Co-Working-Spaces“ und es gibt sie bereits in einer Vielzahl von Städten. Ursprünglich nur in den USA vorhanden, schafften die Co-Working Spaces bereits vor einiger Zeit den Sprung über den großen Teich und erobern nun die europäischen Metropolen.


Vorzeige- und Vorreiter-Spaces

Ein Schmelztiegel für Selbständige aller Branchen und Nationen ist seit Jänner 2009 das Beta-Haus in Berlin-Kreuzberg. 120 Arbeitsplätze bietet das Haus. Dazu gibt’s Meetingräume und Austauschecken, gemischt mit Caféhaus-Flair. Aber vor allem gibt es eines im Beta-Haus: Viel Raum für Kreativität. Denn vor allem die ist es, die Unternehmen in ihrer klassischen Organisation oft verloren geht. MitarbeiterInnen vieler Unternehmen wurden nie zu kreativem und produktivem Arbeiten erzogen. Stattdessen arbeiten sie monoton ihre Dinge ab. Genau dieser Umstand war eine der Ursachen für die Gründung der ersten Co-Working Spaces. Vorlage für viele ist die mittlerweile in vielen Städten verbreitete Kette „The Hub“. War der erste Space von „The Hub“ ursprünglich aus der Notlage heraus gegründet worden, dass eine Hand voll Kreative kein geeignetes Umfeld fand, um ihrer Tätigkeit zu fröhnen, so ist das Konzept mittlerweile in 20 Städten vertreten. Ebenso viele sind in Planung. Auch in Wien gibt es seit kurzem einen Kreativraum der Gruppe.

Ein weiterer neuer Space in Wien ist der erst kürzlich entstandene „Sektor5“. Auf 560 Quadratmetern stehen allen Kreativen und Freigeistern bis zu 80 Arbeitsplätze, Besprechungsräume, eine „Café-Zone“ und Entspannungsecken zur Verfügung.

The Hub Wien (c) Matthias Brandstetter


Das Konzept ist ebenso einfach wie genial. Für etwa 10-20 Euro kann sich jeder einen Tag im Co-Working-Space einmieten, eine Monatspauschale kostet je nach Anbieter zwischen 149 und 229,- Euro flat. Dabei ist ein Arbeitsplatz mit Ausstattung, die Nutzung von Meetingräumen nach Verfügbarkeit und die schier unbezahlbare Leistung des interkulturellen und über Branchen hinweggehenden Austausches mit anderen Co-Workern. So entstehen im regen Austausch geniale Ideen, Kooperationen werden gebildet und Marktrevolutionen konzipiert. Zusätzlich bieten viele Spaces die Möglichkeit in Kooperation Veranstaltungen durchzuführen, Lounges zum Entpannen zu nutzen, ja sogar ein kleines Kino ist im Hub Wien mit dabei.

Das Emporschießen von ständig neuen Spaces zeigt das unheimlich hohe Potenzial dieser Idee. Doch warum ist das so?


Ein-Personen-Unternehmen im Vormarsch

Es stellt sich die Frage, wieso plötzlich eine so simple Idee einen derartig großen Zulauf verzeichnet. Nun, die Antwort ist einfach: Seit Jahren steigt die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen kontinuierlich an. In Österreich gab es im März 2010 bereits über 225.000 sogenannte „EPUs“, das sind 54,5% aller bei der Wirtschaftskammer verzeichneten Unternehmen. Und die Tendenz ist im Steigen. Den größten Teil dieser Unternehmen sind der Branche „Information & Consulting“ zugeordnet, gefolgt von Gewerbe- und Handwerksunternehmen sowie dem Handel.
Besonders für diese Zielgruppe der Startups und Einzelkämpfer ist das Konzept wertvoll, zumal es die Fixkosten auf ein Minimum reduziert, 100%ige Flexibilität ermöglicht und im Austausch Aufträge generiert werden und günstig wichtige Dienstleistungen zugekauft werden.
Zudem hat der Boom der Co-Working-Spaces seine Wurzeln auch in einer neuen Auffassung von Arbeit durch die Generation der sogenannten Millenials bzw. Digital Natives. Jene nach 1980 geborenen erleben durch die technischen Errungenschaften, die Ihnen in die Wiege gelegt sind, eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, die sich massiv auf ihr Arbeits- und Konsumverhalten auswirken. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung und das ausschließliche Akzeptieren von Vorbildern statt von Autoritäten charakterisieren diese Generation. Sie verfügt über ein technisches Wissen, das den Generationen davor verborgen ist, und sie sind mündigere Arbeitnehmer wie Konsumenten. So brechen immer mehr aus dem Korsett des Hamsters im Rad, der nur für den fremden Erfolg arbeitet, aus und nehmen das Risiko auf sich, sich nur mit sich selbst – und vielleicht einem Arbeitplatz in einem der Co-Working-Spaces – selbständig zu machen.


Was Unternehmen daraus lernen können und bald auch müssen

Das Modell der Co-Working-Spaces ist nicht nur ein revolutionärer Ansatz für die neue Arbeitsweise von Selbständigen und Kreativen, sondern bietet auch für Unternehmen eine Viezahl an Denkanstössen. Kreativität gepaart mit einem attraktiven Image am Arbeitsmarkt sind die zwei Faktoren, die zukünftig über Leben und Sterben von Unternehmen entscheiden werden. Die Realität sieht jedoch in vielen Häusern noch anders aus. Kreativität ist ein Nebenprodukt, das Nachrang vor am Abarbeiten von lästigen Kleinarbeiten hat und weder räumlich noch organisatorisch den Platz hat, den sie braucht, um zu gedeihen. Dabei sind die erfolgreichsten Unternehmen der Welt, jene, die die Kreativität ihrer MitarbeiterInnen aktiv fördern. Man sehe sich hier beispielhaft das Unternehmen Google an, das es vom No-Name mit spätem Markteintritt zur Weltmarke geschafft hat.

Austausch in „The Hub“ (c) Matthias Brandstetter


Das Auflösen starrer Hierarchien, das Arbeiten über die Grenzen der eigenen Abteilungen hinweg, flexible Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung und eine optimale Nutzung der räumlichen Ressourcen sind einige jener Themen, bei denen man am Co-Working-Ansatz Anleihe nehmen kann. Das Internet mit seinen Neuentwicklungen eröffnet ein schier unendliches Feld neuer Absatz-, Kommunikations- und Umsatzchancen, die nur schleichend auch von Unternehmen gehoben werden. Zu langsam sind die Prozesse, zu groß die Angst die Kontrolle über seine Angestellten zu verlieren.

Zusammenfassend heißt das, dass diese neue Form der Zusammenarbeit Unternehmen die Chance bietet, mit Kreativität und Innovation erfolgreich zu sein und gleichzeitig auch Kosten – etwa durch eine effizientere Nutzung der Räumlichkeiten – sparen hilft.  Bleibt abzuwarten, wer sich trauen wird, von altem Abstand zu nehmen und in eine neue Arbeitswelt einzutreten. Die Kreativlinge unter der Generation Y tun es jedenfalls schon und mischen somit am Arbeitsmarkt kräftig – und erfolgreich – auf.

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2 Kommentrare

  1. Gerd Beidernikl am

    In diesem Fall betrifft mich der Artikel da ich beides bin: Unternehmensgründer im Jahr 2010 und Co-Working-Space Nutzer.

    Ich habe mich im April entschieden 5 Arbeitsplätze bei http://www.mingo.at zu mieten. Eine Co-Working-Space der gezielt für Jungunternehmer gefödert wird. Meine Lerneffekte nach 8 Monaten:

    – Wir fühlen uns im Büro prinzipiell sehr wohl und konnten auch einige interessante Kontakte zu anderen Unternehmern gründen.
    – Es hat VIECONSULT eine sehr gute Startumgebung geboten. Man bringt seinen Laptop mit und findet alles andere möbliert und installiert vor.
    – Man muss allerdings der „WG-Typ“ sein. Alles was man aus seiner Studenten-WG kennt, angefangen vom dreckigen Geschirr bis hin zu kleineren Reibereien im Alltag, wird man auch in Co-Working Umgebungen vorfinden.
    -Eine große Notwendigkeit nach Toleranz ist sicher nötig und Rückzugsmöglichkeiten für Arbeiten die Ruhe erfordern.

    Wir sind dennoch sicher ein Sonderfall, da wir mit einem 6-Personen Team in einem Co-Working-Büro arbeiten und nicht ins EPU-Schema passen. Vielleicht konnte ich mir daher auch noch nicht die Frage komplett beantworten, warum so viele Einzelunternehmer ein Bedürfnis nach einer Büroumgebung und sozialem Anschluss entwickeln. Ich glaube wäre ich Einzelunternehmer – ich würde von zuhause aus arbeiten…..

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