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Der „Inhouse-Selbstständige“ – ist das möglich?

Ich möchte diesen Beitrag referenzieren auf ein Kommentar von Peter Rieder zum vergangenen Artikel „Der   Lebenslauf und das Wort „selbstständig““, den ich am 18jän2011 auf HRweb veröffentlichte. Peter Rieder kommentierte:

In diesem Zusammenhang finde ich aber das Motiv sehr interessant, warum Mensche selbständig werden. Eines ist sicherlich, der Gedanke, seine eigenen Ideen zu verwirklichen und das Gefühl der Freiheit. Daher meine Frage, die mich in meiner Arbeit viel beschäftigt: Wie bekommen wir angestellte Mitarbeiter dazu, “Inhouse-Selbständige” zu werden? Wie steigern wir – ohne verworrene Provisionsmodelle – den Anreiz und das Gefühl seine Ideen in einem Angestelltenverhältnis zu verwirklichen und frei zu sein.

Geben und Nehmen

Arbeitgeber verlangen immer mehr von ihren Arbeitnehmern. Als Personalberater beobachte ich sehr stark, dass früher (und ich spreche nicht von vor 20 Jahren, sondern von vor 7 bis 9 Jahren) die Anforderungen an die Mitarbeiter geringer waren als heute. Vor allem für ältere Mitarbeiter ist es schwierig, hier den Anschluss nicht zu verlieren. Arbeitgeber wollen, dass ihre Mitarbeiter unternehmerisch denken, eigenständig agieren und manchmal habe ich das Gefühl würden sie auch am Liebsten ihre Unternehmerverantwortung auch noch an die Mitarbeiter übergeben wollen. Das funktioniert so leider nicht. Es ist zu beobachten, dass es hier einen Unterschied zwischen den Arbeitgebern gibt, die bemerkt haben, dass sich die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter (jüngere und ältere) geändert haben und denen, die ihre Mitarbeiter lediglich als unpersönliche Arbeitskräfte sehen. Der Drang nach Selbstständigkeit, nicht nur im Umgang miteinander, sondern auch im Beschäftigungsverhältnis wird größer.


Wandel

Wir befinden uns in einem Wandel, der sich nicht nur auf Werte, sondern auch auf die Selbstständigkeit bezieht. Aktuell sieht es so aus, dass die persönlichen Werte, Respekt, Wertschätzung und das Hören aufeinander in unserer Welt wichtiger werden. Dazu hinkommen immer mehr Möglichkeiten der Selbstständigkeit – ein klares Beispiel: Wenn ich eine Website brauche, dann könnte ich diese heutzutage anfänglich weitest gehend alleine erstellen. Was zu beachten ist, hole ich mir aus Wikipedia, Websiteanbieter gibt es genug und welche die aktullen Trends hinsichtlich Gestaltung sind, werde ich Googlen. Schwup, so schnell ist der eigene Onlineauftritt erstellt. Ich hoffe, Sie verstehen meinen Vergleich. Dasselbe gilt für die Arbeitswelt.


Arbeitnehmer werden reifer und mündiger

So, wie in der Personalberatung, die Kunden immer mündiger und reifer geworden sind, so werden die Mitarbeiter immer reifer und mündiger in ihren Fertigkeiten und Fähigkeiten. Dadurch wird ihnen bewusster, welche Potenziale in ihnen stecken und was sie zu leisten im Stande sind. Wenn hier ein Mitarbeiter schlecht geführt und motiviert wird, kann es leicht passieren, dass das Mitarbeiterpotenzial verkannt wird. Die Leistung fällt, der Mitarbeiter wird unzufriedener und manche ziehen dann eine Schlussstrich.


Ansätze für die Zusammenarbeit mit „Inhouse-Selbstständigen“

Was wäre, wenn Sie es schaffen, dass Ihr Mitarbeiter sein Potenzial gezielt anzapfen und fokussiert für Sie einsetzen kann? Was wäre, wenn ein anderer Weg eingeschlagen wird und Sie die Selbst- bzw. Eigenständigkeit in ihrem Mitarbeiter wecken könnten? Wenn Ihnen das gelingt, wird sich nachhaltig Erfolg einstellen, die Mitarbeiterbindung wird steigen und Sie werden Ihre Ziele noch besser erreichen. Wer seine Mitarbeiter wie Selbstständige behandelt, wird Selbständigkeit bekommen. Dazu müssen auch die Rahmenbedingungen angepasst werden. Eine Arbeitskultur zu schaffen, ist die Basis jeder erfolgreichen Unternehmung. Nur wer weiß, wo es hin geht, der kann wissen, wie es dorthin gehen soll. Allerdings braucht es eine professionelle Führung, keine Ängste vor Machtverlusten und respektvollen Umgang miteinander, um mit „Inhouse-Selbstständigen“ erfolgreich zu werden.

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Ein Kommentar

  1. Peter Rieder am

    Hallo Hermann,

    ich fühle mich geehrt, dass meine Anregung einen Artikel von Dir hat entstehen lassen 🙂
    Es ist in der Tat eine spannende Frage. Ich bin ebenso der Meinung, dass es gelingen muss, ein Team voller „Inhouse-Selbständigen“ zu haben. Selbst lebe ich das Konzept seit einiger Zeit (ich bin ja Teilzeitbeschäftigt und parallel wirklich selbständig) und sehe darin schon sehr viele Vorteile. Was jedenfalls zu beachten ist, ist aber der auch genannte Aspekt, dass es ein neues Verständnis von „Macht“ braucht. MA sind nicht mehr immer verfügbar und mündiger in ihren Entscheidungen. Generell bin ich der Meinung, dass das Modell der klassischen hierarchischen Organisation ohnehin ausgedient hat. Menschen arbeiten heute in vielen verschiedenen Konstellationen zusammen und viele davon liefern wesentlich kreativere und bessere Ergebnisse. Also mal sehen, wohin die Reise geht.

    Liebe Grüße,
    Peter
    ___________________
    Peter Rieder
    http://www.arbeitswelten.at

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