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Wie sich die Gehälter in Corona-Zeiten entwickeln | Gehaltserhöhung 2020

Die Gehälter haben sich in den letzten Monaten höchst unterschiedlich entwickelt. Im Schnitt aller Mitarbeiter steigen die Gehälter seit Jahresbeginn um 1,7 % an, allerdings unter völlig verschiedenen Rahmenbedingungen. Die Frage nach konkreten Zahlen der Gehaltserhöhung 2020 ist daher nicht  flächendeckend beantwortbar. Bei weitem nicht.

 

Inhalt: Die Profiteure des Jahres | Gehaltserhöhung 2020

Techniker und IT-Spezialisten sind nach wie vor stark nachgefragt

Die Branchen am Abgrund

Wem die Krise noch bevorsteht

Welche Mitarbeiter gekündigt werden

Region, Größe und Kostenstruktur

Entwicklung von Grundgehalt und Bonus

 

Während manche Branchen von Corona gar nicht betroffen waren oder sogar davon enorm profitierten, stehen andere Branchen ohne Aussicht auf Besserung vor dem Abgrund. Gute Gehaltspolitik kann nur jenes Unternehmen betreiben, das erkennt, auf welcher Seite der Corona-Schere es steht.

Gerade im Jahr 2020 muss die Entwicklung der Gehälter besonders differenziert betrachtet werden. Einige wenige Unternehmen zeigen eine Gehaltserhöhung um bis zu 4 Prozent, der Großteil praktiziert einen „Salary Freeze“.

Die Profiteure des Jahres | Gehaltserhöhung 2020

Zu den Profiteuren der Corona-Krise zählen vor allem die Pharma- und die IT-Branche. Im März und April mussten alle Mitarbeiter schlagartig ins Home Office wechseln. Damals zeigte sich deutlich, wer in den Jahren zuvor seine Hausaufgaben zum Thema Digitalisierung gemacht hatte und wer nicht. Manche IT-Unternehmen konnten den Wechsel aller Beschäftigten zu 100 % Home Office innerhalb einer halben Stunde für die ganze Firma organisieren. Andere Unternehmen strauchelten noch Wochen danach und suchten hektisch nach Lösungen, um die Hardware für die Mitarbeiter zu besorgen oder Passwörter zu versenden.

IT-Unternehmen, wie etwa Microsoft, profitieren vom gewaltigen Schub, den Corona für die Digitalisierung bedeutet. Sei es über die Ausstattung von Home Office Plätzen bis zu Videokonferenzen. Die Anbieter von neuen Softwarelösungen, die nun fast alle brauchen, schießen nur so aus dem Boden und schreiben derzeit hohe Gewinne.

Durch die Gesundheitskrise profitieren Pharmaunternehmen naturgemäß besonders. Nicht nur jene Firmen, die am weltweiten Rennen für einen Impfstoff gegen Corona forschen, sondern auch alle anderen. Zitat eines Pharmamanagers: „Unsere Patienten sind langfristig auf unsere Medikamente eingestellt, die mit Corona nichts zu tun haben. Wir ersparen uns derzeit Reisekosten für Kundenbesuche und Ärztekongresse. Wir schreiben daher dieses Jahr Rekordgewinne“. Auch Labore machen derzeit das Geschäft ihres Lebens.

Techniker und IT-Spezialisten sind nach wie vor stark nachgefragt

IT-Experten sind in Corona-Zeiten mindestens ebenso gefragt wie bisher. Schon in den letzten Jahren war Digitalisierung ein Megatrend. Spätestens seit Corona ist klar, dass dieser Trend bis auf weiteres anhalten und sich weiter verstärken wird. Wer bereit ist, die Schnelllebigkeit der Branche mit einer kurzen Halbwertszeit des Wissens zu akzeptieren und laufend an seiner Qualifikation arbeitet, um an den neuesten Trends aktiv mitzuwirken, hat auch in den nächsten Jahren ausgezeichnete Karrierechancen.

Nur von einer kurzen Delle im März und April begleitet war die Nachfrage nach Technikern, seien es Akademiker, HTL-Ingenieure oder Mitarbeiter mit Lehrausbildung. Der Technikermarkt ist trotz Corona-Krise in manchen Produktionsbranchen nach wie vor weitgehend ausgetrocknet. Dies gilt über alle Ausbildungsgrade hinweg vom TU-Absolventen bis zum Facharbeiter. Die Einstiegsgehälter von Akademikern liegen zum Teil deutlich über 40.000 Euro. HTL-Ingenieure starten im Bereich von 35.000 Euro, Mitarbeiter mit Lehrausbildung bei rund 30.000 Euro. Damit zählen Techniker auch in Corona-Zeiten zu den bestverdienenden Mitarbeitergruppen.

Einen zusätzlichen Auftrieb haben auch Controller erhalten. Die Unternehmensführung war schon in den letzten Jahren stark zahlengetrieben. Der Kostendruck, den viele Unternehmen und Branchen erleben, steigert auch die Nachfrage nach Controllern. Die Einstiegsgehälter für Masterabsolventen liegen bei vielen Unternehmen im Bereich von 40.000 Euro. Auch andere Branchen und Mitarbeitergruppen haben von der Corona-Zeit profitiert, wie etwa Steuerberater oder Personalverrechner.

Die Branchen am Abgrund

Am anderen Ende der Corona-Schere befinden sich Branchen und Mitarbeiter, die von den Maßnahmen der Regierung massiv getroffen waren und sich zum Teil immer noch nicht davon erholt haben. Besonders stark waren die wirtschaftlichen Einbrüche in der Eventbranche, die angesichts der großen Unsicherheit, ob die von ihnen geplanten Veranstaltungen auch in der nächsten Grippesaison stattfinden dürfen, besonders leiden. Nicht nur die politisch verordnete Unsicherheit, sondern auch die Vorsicht vieler potenzieller Teilnehmer, die aus Angst vor gesundheitlicher Ansteckung keine Events mehr besuchen, reduziert das Geschäft stark. Von den Maßnahmen in dieser Branche besonders betroffen sind nicht nur Veranstalter von Seminaren, Kongressen oder kulturellen Events, sondern auch Speaker, Trainer, Caterer, die Veranstaltungshotellerie und die Logistik. Wenn eine Veranstaltung ausfällt, wie etwa eine Hochzeitsfeier, verliert das Restaurant, die Lebensmittelproduzenten, der Hochzeitsfotograf, die Band und der DJ, das Brautmodengeschäft, und so weiter.

Tourismus

Vom Ausbleiben der (internationalen) Gäste ist auch der Tourismus stark betroffen. Hier zeigt sich besonders die Schärfe der Corona-Schere: Während die Sommersaison in vielen Tourismusregionen, wie etwa in Kärnten, in den Bergen oder an den Seen verhältnismäßig gut verlaufen ist, liegt die Stadthotellerie etwa in Wien am Boden. Da kulturelle Veranstaltungen beschränkt oder ausgefallen sind, der Kongresstourismus fehlt und es Reisewarnungen oder -beschränkungen gab, sind vor allem die Stadthotels finanziell stark betroffen, sei es durch fehlende Übernachtungen internationaler Gäste aus den USA, Asien oder dem arabischen Raum, oder abgesagte Veranstaltungen in den Hotelräumlichkeiten.

Hinzu kommt eine extreme Unsicherheit durch kurzfristige Stornierungen und Buchungen. Wenige Tage vorher weiß ein Hotel nicht, ob es zu 25 % oder zu 80 % ausgelastet sein wird. Gleichzeitig stehen vor allem Beherbergungsbetriebe unter dem dauernden Damoklesschwert, bei positiver Corona-Testung eines einzigen Mitarbeiters für mehrere Wochen komplett geschlossen zu sein. Die mögliche finanzielle Einbuße und der Imageverlust sind enorm. Die nächste Schnupfensaison lässt für die Hotels und ihre Mitarbeiter das Schlimmste befürchten.

Handel

Ähnlich differenziert muss die Lage im Einzelhandel betrachtet werden. Während der Online-Handel, insbesondere Amazon, über alle Maßen blüht und die Supermärkte zu Beginn der Corona-Krise angesichts von Hamsterkäufen unerwartete Rekordumsätze erwirtschafteten, verfällt der stationäre Einzelhandel. Die teuren Mieten der Geschäftslokale in Innenstadtlagen konnten sich schon vorher nur großen Ketten leisten. Für die nächsten Monate ist ein vielfaches Sterben der kleinen Geschäfte mit massiv steigender Arbeitslosigkeit zu befürchten.

Viele Privatkunden angesichts von möglichem Jobverlust und Unsicherheit ihren Konsum reduzieren. Daher sind grundsätzlich eher jene Branchen von der Corona-Krise betroffen, die vorwiegend Privatkunden haben. Wer als Unternehmen hingegen vorwiegend Geschäftskunden hat, kommt meist recht gut durch die Krise.

Wem die Krise noch bevorsteht

Die große Krise steht den Banken noch bevor. Bisher mussten die Banken notleidende Kredite nicht neu bewerten. Angesichts zahlreicher Konkurse, die in den nächsten Monaten zu erwarten sind, werden auch viele Kredite platzen und zu erheblichen Ausfällen bei den Banken führen. Viele Unternehmen werden auf diese Weise und durch die Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen noch am Leben erhalten. Schätzungen sprechen von 50.000 bis 100.000 Konkursen im nächsten halben Jahr.

Versicherungen haben ein großes Prozessrisiko, da viele Unternehmen eine Versicherung bei Betriebsunterbrechung abgeschlossen hatten, deren Schaden aber in Corona-Zeiten nicht geregelt wurde. Sollten in Österreich, wie bereits in Deutschland oder Frankreich, die Versicherungen den Unternehmen den Schaden durch die Schließungen ersetzen müssen, stehen auch den Versicherungen massive Kostenbelastungen bevor.

Ein großes Fragezeichen ist die Autoindustrie, die von starken Rückgängen von über 40 Prozent geprägt ist. Auch die österreichischen Zulieferbetriebe, die häufig in Oberösterreich, Wien und der Steiermark angesiedelt sind, stehen unter unklaren Vorzeichen.

Wenig diskutiert und dennoch dramatisch sind die finanziellen Einbußen im öffentlichen Dienst sowie in den Gesundheitskassen. Auch wenn Beamte von der Corona-Krise noch nicht stark betroffen waren, lassen die finanziellen Löcher erhebliche zukünftige Schnitte im öffentlichen Sektor befürchten. Vor allem die Gemeinden und die Gesundheitskassen haben enorme Steuer- und Einnahmenausfälle, deren Ausmaß noch nicht feststeht, da vielen Unternehmen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gestundet wurden.

Welche Mitarbeiter gekündigt werden

Bei längeren Krisen sparen Unternehmen in erster Linie an schlecht qualifiziertem Personal. Dieses kann leicht wieder vom Markt angeworben werden, wenn die Geschäfte wieder besser laufen. Diese Kündigungswelle mit anschließender Wiederaufnahme war vor allem in der Baubranche bereits erkennbar. Grundsätzlich gilt auch in dieser Krise: Wer besser qualifiziert, hat grundsätzlich eine höhere Jobsicherheit.

In den nächsten Monaten steht wohl in vielen Unternehmen zur Debatte, zentrale Funktionen, wie etwa Personal, Marketing oder Kommunikation weiter zu verschlanken. Finanzen und IT spielen derzeit noch eine große Rolle, um die Krise zu bewältigen, sodass größere Kürzungen derzeit nicht ersichtlich sind. Die höchste Jobsicherheit haben Verkäufer, die auch Krisenzeiten gute Umsätze erzielen.

Region, Größe und Kostenstruktur

Region: Je nach den konkreten Umständen kann eine Region von Corona profitieren oder stark verlieren. Grundsätzlich sind die Städte gesundheitlich stärker betroffen, und dieses Risiko wird von der Politik etwa auf Eventveranstalter oder Hotels überwälzt. Ländlichen Regionen geht es grundsätzlich besser. Doch der Konkurs eines größeren Arbeitgebers, wie zuletzt etwa ATB in Spielberg, führt zu möglicherweise dauerhaftem Verlust von hunderten Arbeitsplätzen in der Region.

Unternehmensgröße: Grundsätzlich kommen größeren Unternehmen besser durch die Wirtschaftskrise als kleine und mittlere Unternehmen. Konzerne haben die letzten guten Wirtschaftsjahre genutzt, um ausreichende Reserven anzulegen. Gleichzeitig fließen die meisten Fördertöpfe der Regierung in die großen Unternehmen, während KMU mit Almosen abgespeist werden. Auf der anderen Seite sind kleine Unternehmen schlanker aufgestellt und können flexibler arbeiten.

Wer hingegen schon bis jetzt als kleiner Selbständiger sein Home Office eingerichtet hatte, ausreichend finanzielle Reserven angelegt hat und eine schlanke Kostenstruktur hat, kommt auch bei größeren Umsatzeinbußen gut durch diese schwierigen Zeiten. Andere Kleinunternehmer, insbesondere mit geringen Rücklagen und gleichzeitig hohen Ausgaben für Personal und Miete der Geschäftsräume leiden selbst geringem Rückgang der Geschäfte, etwa kleine Unternehmen in Einzelhandel und Hotels.

Entwicklung von Grundgehalt und Bonus

Ein häufiges Missverständnis lautet, dass angesichts der dramatisch höheren Arbeitslosenzahlen die Gehälter sinken sollten. Dies ist jedoch weitgehend nicht der Fall. Wer einen Job hat, verdient wie zuvor. Wer keinen Job hat, verdient gar nichts. Durch die stark ungleiche Verteilung der Belastung durch Corona gibt es daher gleichzeitig eine massiv höhere Arbeitslosigkeit. Und dennoch in manchen Gebieten einen Mitarbeitermangel. Auf die anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen kann gespannt geblickt, weil es enorme Unterschiede zwischen den Branchen gibt.

Der Bonus, der vor allem für Führungskräfte und Verkäufer wichtig ist, spielt derzeit eine besonders heikle Rolle. Ähnlich wie 2009, als nach einem herausragend guten Jahr der Absturz der Wirtschaft erfolgte, wurden die Bonuszahlungen von den Finanzabteilungen zurückgestellt und können an die berechtigten Mitarbeiter ausbezahlt werden. Gerade wenn es sich jedoch um hochrangige Manager handelt, denen angesichts guter Geschäftsverläufe im Vorjahr ein hoher Bonus zusteht, die aber derzeit um staatliche Hilfen ansuchen und Kündigungswellen durchführen, kommt dem Bonus auch eine besondere Außenwirkung zu. Ein hoher Bonus an den Manager, der gleichzeitig zu Hunderten die Mitarbeiter kündigt, bietet eine fatale Optik. Meine Empfehlung lautet, den Bonus zurückzustellen und erst im Folgejahr oder bei Gewinnen auszuzahlen.

Gleichzeitig tut sich ein neues Spannungsfeld auf. In vielen Branchen war es schon im März offensichtlich, dass die ambitionierten Jahresziele weit verfehlt werden. Viele Zielvereinbarungen wurden nachgeschärft, um die Motivation der Verkäufer für das weitere Jahr aufrechtzuerhalten. Schließlich wäre ansonsten zu befürchten gewesen, dass ein Verkäufer, der bereits im März weiß, dass er keinen Bonus erhalten wird, den Rest des Jahres die Hände in den Schoß legen könnte.

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