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Arbeitszeitmodelle: Variable Arbeitszeit ohne Kernzeit

Die Gestaltung der Arbeitszeit in einem Unternehmen ist einer der wichtigsten Faktoren für Arbeitnehmer bei der Auswahl eines Jobs. Vor allem eines ist zunehmend gefragt: Flexibilität. Daher widmen wir uns in dieser Serie den unterschiedlichen flexiblen Arbeitszeitmodellen. Den Start macht die variable Arbeitszeit ohne Kernzeit.

Zeitautonomie ist das höchste Gut

Wenn wir von flexiblen Arbeitszeitmodellen sprechen, dann meint dies vor allem eines: die Möglichkeit für die Beschäftigten, selbständig ihre Zeit zu gestalten. Das ermöglicht eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder auch Beruf und Freizeit. Dass Modelle, die größtmögliche Zeitautonomie zulassen, deswegen nicht zu weniger Leistung führen, sondern im Gegenteil zu mehr Motivation und vor allem zu einem selbstverantwortlichen Umgang mit dem Faktor Zeit, das belegen zahlreiche Beispiele.

In den letzten Jahren hat vor allem ein Modell zunehmend ausgedient: das der Kernzeit. Viele Betriebe haben bereits auf Modelle ohne Kernzeit umgestellt und bieten so ihren Mitarbeitern und Führungskräften größtmögliche Flexibilität.

Das Modell der variablen Arbeitszeit

Bei der „variablen Arbeitszeit ohne Kernzeit“ bekommen Mitarbeiter die Möglichkeit, in einem bestimmten Rahmen – und natürlich unter Einhaltung der rechtlichen Möglichkeiten – ihre Arbeitszeit zu wählen. Und zwar die Länge ebenso wie die Lage der Arbeitszeit. Das kommt Frühaufstehern ebenso zugute wie Langschläfern; Mitarbeitern, die ihre Zeit blocken wollen, ebenso wie jenen, die gerne Regelmäßigkeit haben.

An Tagen ohne Anwesenheit, also beispielsweise bei Krankenstand oder Urlaub, wird ein Normalarbeitszeitwert gerechnet. Bei einer 40 Stunden Woche etwa 8 Stunden. An Tagen mit Anwesenheit kann ein Tag einmal 9,5 Stunden haben, ein anderes Mal nur 7 Stunden. So hilft das Modell dem Unternehmen natürlich auch, Geld zu sparen. Überstunden von einem Tag werden mit einem Früher-nach-Hause-gehen eines anderen Tages ausgeglichen.

Best Practice Beispiel: Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien

Die RLB NÖ-Wien hat seit Jahren ein variables Arbeitszeitmodell. Die rund 1.300 Mitarbeiter der RLB haben die Möglichkeit, ihre Zeiten zwischen 6 Uhr Früh und 20 Uhr Abends zu wählen. So ist es möglich an einem Tag länger zu arbeiten, an einem anderen kürzer. Ebenso aber an einem Tag um 7 Uhr zu beginnen und an einem anderen – etwa zu Schulbeginn – erst um 10 Uhr. „Mit diesem Modell haben wir den Vorteil, dass unsere Mitarbeiter eigenverantwortlicher mit dem Faktor Zeit umgehen. Wenn weniger zu tun ist, ist es in Ordnung, wenn Mitarbeiter früher gehen, zu anderen Zeiten bleiben sie dafür länger.“ zeigt sich Personalleiter Norbert Wendelin überzeugt von dem Modell.

Voraussetzung ist natürlich, dass im Team bzw. mit den Vorgesetzten die Zeiten auch abgestimmt sind. Nur so ist gewährleistet, dass ein reibungsloser Ablauf möglich ist. „Wir haben das Modell der variablen Arbeitszeit auch in unseren Filialen. Das bedeutet aber nicht, dass die Führungskraft keinen Einfluss hat, wann wer kommt und geht. Da es Öffnungszeiten gibt, ist klar, dass die Mehrzahl der Mitarbeiter zu diesen Zeiten vor Ort ist. Wenn aber einmal jemand später kommt oder früher geht und das abgestimmt ist, dann ist das in Ordnung.“ so Wendelin. Den Führungskräften kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Sie sind verantwortlich dafür, dass Klarheit herrscht über die Erwartungen hinsichtlich der Anwesenheit.

Vertrauen wirkt besser als Kontrolle

Ein Faktor, der in der RLB dazukommt, ist jener, dass es seit einiger Zeit nur mehr eine Zeitaufzeichnung über den PC gibt. Die Mitarbeiter tragen ihre Zeiten – am selben oder auch an einem anderen Tag – im Mitarbeiterportal ein bzw. haben dort Buttons, mit denen sie buchen können. Früher hatten die Mitarbeiter noch Stechkarten, doch diese hat man zugunsten einer flächendeckenden Vertrauensarbeitszeit abgeschafft. „Wir sind überzeugt davon, dass unsere Mitarbeiter ordentlich und ehrlich damit umgehen. In vielen Unternehmen werden aufwändige Erfassungssysteme installiert, die bei genauerem Hinsehen aber immer nur für jene 1-2% der Mitarbeiter angeschafft werden, die nicht ordentlich mit dem ihnen geschenkten Vertrauen umgehen können. Wir möchten ein System, dass nicht jene bestraft, die ehrlich sind. Wir geben hier lieber den Führungskräften mehr Verantwortung und Steuerungsmöglichkeit“ so der Personalchef.

Variable Arbeitszeit als Weg in die Zukunft

Allerorts wird derzeit über Telearbeit, Home Office oder Auszeiten gesprochen. Die variable Arbeitszeit gepaart mit einem System der Vertrauensarbeitszeit ermöglicht in dieser Hinsicht viel. „Wir sind in einer Zeit, wo nicht mehr jeder täglich am Buchungsterminal vorbei kommt.“ So Wendelin. „Ein System der Selbstverantwortung ist also nur ein Zeichen der Zeit und sicherlich in Zukunft das tauglichere Modell.“

Wenn es einen Faktor gibt, den Mitarbeiter an Arbeitgebern attraktiv finden, dann ist es der Faktor „Flexible Arbeitszeit“. Im Jahr 2011 wurde auf der Arbeitgeberbewertungplattform kununu.com am häufigsten nach diesem Item gesucht. Mit Abstand. Und auch eine aktuelle Untersuchung der AoN zeigt, dass beispielsweise unter Studierenden das Thema Familie und Beruf ein Großes ist. Mitarbeiter suchen Flexibilität. Das Modell der Variablen Arbeitszeit ohne Kernzeit in ein Modell in diese Richtung.

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