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Gesundes Personal – die Rolle von HR

Das Sparpaket macht es klar: das Pensionsantrittsalter wird stufenweise erhöht. Das bedeutet für jeden Einzelnen, dass er länger im Arbeitsprozess verweilt. Es bedeutet auch dass jeder Erwerbstätige danach streben sollte, sich gesund und fit zu erhalten. Oder ist das auch Aufgabe der Unternehmen?

Der HR Kongress „600Minuten HR“ widmete sich heuer mit Vorträgen und Gruppendiskussionen dem Thema „gesundes Personal – Nutzen und Grenzen“.

  • Sollen sich Unternehmen um gesundheitliche Aspekte ihrer Mitarbeiter kümmern?
  • Wo liegen dabei die Grenzen für das Unternehmen, wo fängt die Eigenverantwortung für den Mitarbeiter an?

Einigkeit herrscht bei vielen Unternehmen, dass man es sich nicht leisten kann, in punkto Gesundheitsförderung nichts zu tun. Gerade im stetigen „War for talents“ kann eine umfangreiche Palette zum Thema Gesundheitsvorsorge dem High Performer die Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen leichter machen. Die Gründe warum Unternehmen sich dem Thema betriebliche Gesundheitsförderung widmen, sind allerdings sehr unterschiedlich. Einige haben wirklich den Mitarbeiter als Nutznießer im Hinterkopf, andere müssen aufgrund internationaler Vorgaben oder auch aus Corporate Responsibility Programme oder Maßnahmen umsetzen. Der demografische Wandel, der noch nicht wirklich in den Köpfen von HR und Vorstand angekommen ist, wird hier nur zweitranging gesehen, obwohl die Notwendigkeit, Personal langfristig an das Unternehmen zu binden, durchaus gegeben ist. Der Angebotsbogen für Mitarbeiter reicht vom eigenen Fitnesscenter, über präventive Trainingsmaßnahmen (Burnout, richtiges Heben und Tragen, Rauchfrei Programme), Firmenlaufgruppen bis hin zu ergonomischen Bürodesign und dem Vitalmenü in der Kantine. All dies ist jedoch nur ein Angebot und kann muss aber nicht genutzt werden. Wo ist die Rolle von HR zu sehen?


Grenzen des Personalmanagements

Einigkeit herrschte unter den über 120 Teilnehmern auch, dass Human Resources Impulsgeber ist, aber nicht mehr. Strategien und Trends erkennen und geeignete Vorschläge einbringen, allenfalls eine Überprüfung der Wirkung auf die Mitarbeiter, werden als Personalabteilungsaufgaben gesehen. Die Durchführung selbst liegt nicht in ihrer Hand. Wer sonst sollte sich mit der Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung beschäftigen?

An oberster Stelle wurde hier die Geschäftsleitung – definitiv auch in einer Vorbildposition – genannt. Steht der Vorstand oder das Senior Management Team nicht hinter den Maßnahmen und unterstützt diese, so ist damit auch der erste Schritt in ein Scheitern gesetzt. An der Umsetzung wesentlichen Anteil haben sicherlich der Betriebsarzt und sein Team, oder die zugekaufte arbeitsmedizinische Betreuung. Sie sollte Unternehmen dabei beraten, wie viel und vor allem, in welche Maßnahmen investiert werden soll.


Wo beginnt betriebliche Gesundheitsförderung, wo endet sie?

Es liegt auf der Hand: Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze ergonomisch gestalten und die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern, können die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft ihrer Belegschaft steigern und Personalkosten reduzieren. Aber Achtung: der Erfolg stellt sich jedoch nicht zwangsläufig ein, wenn Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren – es kommt auf das WIE an.

Vielleicht sei an dieser Stelle auch ein kurzer Blick auf jene Kosten, die durch „ungesunde“ Mitarbeiter entstehen können, erlaubt. Diese sind vielfältig, neben Fehlzeiten der Mitarbeiter kommt ein Phänomen der letzten Jahre ebenso zum Tragen: die Anwesenheit kranker Beschäftigter am Arbeitsplatz. Diese sind nicht nur weniger produktiv als ihre gesunden Kollegen, sie haben auch das Potential, ganze Abteilungen mittels Ansteckung, lahmzulegen. Unternehmensberater haben in Studien ermittelt, dass jeder Euro der in die Gesundheit der Mitarbeiter investierte wurde innerhalb von drei Jahren einen Kostenvorteil von bis zu drei Euro erzielen kann – aber nicht muss.

Ergonomische Büromöbeln, Bewegungsanreize, medizinische Vorsorge und gesunde Verpflegung. Erreichen diese Maßnahmen jene Mitarbeiter, bei denen sie die größte Wirkung erzielen, oder fühlen sich nur jene angesprochen, die ohnedies 4 x wöchentlich im Fitnesscenter oder auf dem Laufparcours anzutreffen sind? Sind manche Ausgaben verlorenes Geld?
Definitiv haben „Zwangsbeglückungen“ nie den gewünschten Effekt. Die Mitarbeiter machen mit, weil sie müssen und nicht weil es aus ihrer Sicht sinnvoll wäre. Wenn nur weniger als ein Drittel der Mitarbeiter die angebotenen Leistungen in Anspruch nehmen wurde hier offensichtlich zu wenig an die Eigenverantwortung der Mitarbeiter appelliert, oder die angebotenen Maßnahmen entsprechen nicht den Wünschen oder Vorstellungen. Gerade hier ist es auch angebracht die Angestellten in die Pflicht zu nehmen, Prävention ist eine Investition auf beiden Seiten, des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers. Einzig im Bereich von Arbeitsschutzmaßnahmen soll und muss effektiv geschult und trainiert werden, dies ist eine Verpflichtung für Arbeitgeber.


Ethische und moralische Grenzen

Was darf einen Arbeitgeber interessieren, was soll er beeinflussen? Wie betrieblich und wie privat ist Gesundheit?

Für viele Unternehmen ist die Förderung der Mitarbeitergesundheit ein strategischer Faktor, der unter anderem auch im Handeln und Tun von Führungskräften verankert ist. Führungskräfte sind bestrebt auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter Einfluss zu nehmen, z.B. Lagerarbeiter werden im „richtigen Heben und Tragen“ geschult und die Führungskraft achtet auf die Einhaltung des Erlernten auch gegen Widerstände. Ob jedoch ein Mitarbeiter jede Pause dazu nutzt eine Zigarette zu rauchen, kann weder vom Vorgesetzten noch vom Unternehmen beeinflusst werden. Das Angebot eines Nichtraucherseminars bedeutet noch lange nicht die Firma zum „Smoke free campus“ zu machen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Appell an die eigene Verantwortung der Mitarbeiter, nur was freiwillig gemacht wird, wird gerne gemacht und führt zur Nachhaltigkeit. Die Integration und Verankerung von Maßnahmen im Betrieb kann dauerhaft dazu beitragen Menschen bis ins hohe Alter aktiv, fit und gesund zu halten und dem Staat dabei helfen seine Sparziele zu erreichen.

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