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Hybride Arbeit | Ist der Trend zum mobil Arbeiten wirklich nachhaltig?

hybride Arbeit, mobil arbeiten

Mitarbeitende von Unternehmen haben es in den vergangenen zwei Jahren bewiesen: hybride Arbeit ermöglicht, einen guten Job zu machen UND ein ausgeglichenes Leben zu haben. Daher erwarten Mitarbeitende von Unternehmen, dass sie mobil arbeiten und so ihre Ansprüche an die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben realisieren können.

INHALT

Ein Blick zurück – hybride Arbeit als neues Konzept

Es ist unmöglich, dort anzuknüpfen, wo wir im März 2020 aufgehört haben. An einem neuen Verständnis von Arbeit kommen wir heute, über zwei Jahre nach der Covid Pandemie, nicht vorbei. Das Bedürfnis nach Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben steht heute an erster Stelle bei sämtlichen Umfragen (Microsoft, Forbes, HBR, McKinsey, Sozialministerium), die den Stellenwert von Arbeit nach der Pandemie untersuchten.

Das mobile Arbeiten aus dem Home Office hat seine Spuren hinterlassen. Vor allem die flexiblere Zeiteinteilung bei der Arbeit und mehr Zeit durch das Wegfallen der Wegzeiten führten zu einem neuen Lebensgefühl.

Studien zu mobiler Arbeit

Laut der neuesten Studie von Microsoft über die Arbeitstrends 2022 ist für über 50% der Befragten Wohlbefinden und ein gesundes Leben vorrangig, etwas unter 50% meinen, Familie und Privatleben seien wichtiger geworden. Diese Zahlen werden von den anderen Studien (Forbes, HBR, McKinsey, Sozialministerium) bestätigt. Also hoher Arbeitseinsatz ja, aber nicht mehr völlig auf Kosten von Privat- und Familienleben.

Allerdings scheint bei Unternehmen der Trend auch in die andere Richtung zu gehen, denn nicht alle sind von Home Office und mobilem Arbeiten überzeugt. Laut der Studie des Sozialministeriums zu Home Office (2021) möchte ein Drittel der Arbeitgebenden in Zukunft auf Home Office völlig verzichten, aber nur ein Sechstel der Arbeitnehmenden.

Dieser Diskrepanz sollte mit offenen Augen begegnet werden. Denn das neue Selbstbewusstsein von Arbeitnehmenden, vor allem von hochqualifizierten Fachkräften und von der jüngeren Generation Y und Z, die auf ihren Ansprüchen auf ein gutes Leben besteht, muss ernst genommen werden. Zahlreiche Unternehmen kämpfen bereits mit Kündigungen, weil sie auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden – auch hinsichtlich hybride Arbeit –  nicht reagieren. Laut der zitierten Microsoft Studie von 2022 kündigten über 20% der Befragten wegen Mangel an flexibler Arbeitszeit und -ort.

Wie entkommen wir diesem Dilemma?

Die Pandemie hat nur beschleunigt, was ohnehin schon ein Trend war: Employee centric company cultures: Mitarbeiter fokussierte Unternehmenskultur (vgl. Forbes: The Five C’s of Employee centric company cultures, 2018): Um gute Arbeitskräfte zu halten, müssen deren Bedürfnisse erfüllt und eine Unternehmenskultur geschaffen werden, die den einzelnen wahrnimmt, sein Potenzial wertschätzt und gleichzeitig das Gemeinschaftsdenken stärkt. Unternehmen sollten sich daher die Frage stellen: Was möchten unsere Mitarbeitenden? Welche Bedürfnisse haben sie? Wie können wir sie im Unternehmen halten? Was können wir tun, damit unsere besten Fachkräfte gern und überzeugt bei uns arbeiten?

Hybrides Arbeiten liefert eine Antwort auf diese Fragen.

Hybride Arbeit veränderte die Arbeitswelt

Mobile Arbeiten ist eine neue Form von Arbeit, die Home Office institutionalisiert. Je nach Vereinbarung arbeiten Mitarbeitende ein bis drei Tage die Woche von zu Hause aus.

Dadurch verschwimmen bis jetzt bestehende Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Denn falls nicht anders vereinbart können sich auch Arbeitszeiten je nach Situation zu Hause vom klassischen Zeitrahmen 9 – 5 bis hin zu sehr früh morgens und sehr spät abends verändern.

Auch die Rolle des Office erhält neue Bedeutung. Denn wer gut zu Hause arbeitet, braucht einen guten Grund ins Büro zu fahren, wenn damit einerseits die üblichen Anfahrtszeiten auf Kosten von Familien- oder Privatzeit gehen und andererseits auch im Office Meetings nur online stattfinden.

Microsoft-Studie: mobile Arbeit

Laut der Microsoft Studie von 2022 stehen 38% der Befragten vor der Frage, wann und weshalb sie ins Office gehen sollen. Es braucht somit neue Vereinbarungen, welche Rolle das Office spielt: Wann sollen alle da sein? Welche Meetings finden in Präsenz statt? Welche Teams sind wann anwesend? Wie soll das Office ausgestattet sein, damit sich alle wohlfühlen? Wie können Präsenz-Meetings in einem neuen Setting stattfinden?

Die Zeit im Home Office (hybride Arbeit) hat wieder einmal bestätigt: Persönliche Beziehungen am Arbeitsplatz waren und sind ein wichtiger Bestandteil von Produktivität und Zufriedenheit. Die Microsoft Studie von 2022 liefert dazu eindeutige Zahlen. 50% der Befragten gaben an, auf Basis von guten Beziehungen am Arbeitsplatz bessere Leistung zu erbringen. Sie fühlen sich zufriedener und damit stärker ans Unternehmen gebunden.

Daher wäre es eine Aufgabe von Managern dafür zu sorgen, dass Mitarbeitende auch im hybriden Arbeitskontext genügend Zeit für die Pflege ihrer Arbeitsbeziehungen haben – auch online. Dies müsste von der Führungskraft gegenüber den Mitarbeitenden auch vorgelebt werden: Kommunikationsmöglichkeiten, Zuwendung, Bereitschaft zuzuhören, Transparenz bei Entscheidungen, eigene online Formate für informelle Kommunikationssituationen.

Mobile Arbeit ist … örtlich ungebunden

In einer Situation von mobiler Arbeit, in der Mitarbeitende zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten ihren Job machen, ist es auf Organisationsebene wichtig zu definieren, welche Tätigkeiten asynchron und welche synchron gemacht werden. Führungskräfte und Mitarbeitende müssten sich darüber austauschen, welche Vereinbarungen für sie am sinnvollsten sind. Die gemeinsame Zeit im Office sollte einen Benefit für alle haben. Eine neue Meeting-Etikette könnte etabliert werden und für alle transparent sein. Bei hybriden Arbeiten wäre es daher wichtig, gemeinsam klare Vereinbarungen für Präsenz und Absenz im Office zu treffen.

Fazit: hybride Arbeit

Zusammenfassend kann man sagen: Damit hybrides Arbeiten für alle sinnvoll und erfolgreich ist, braucht es folgendes:

  • Die aktuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden sollen Unternehmen anerkennen und weitgehend berücksichtigen
  • Remote als das neue Normal: Die betroffenen Mitarbeitenden soll man alle als remote bzw. nicht anwesende Mitarbeitende behanden, um klare Strukturen für alle zu schaffen
  • Klare Richtlinien für asynchrones und synchrones Arbeiten
  • Eine neue Meeting Etikette: Verhalten und individuelle Verantwortung bei online-Meetings; Klarheit über die Wichtigkeit und Ziele von Präsenz-Meetings
  • Raum (virtuell und physisch) für Begegnungen und Beziehungspflege zwischen den Mitarbeitenden und zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften etablieren
  • Klarheit über die bestehenden Kommunikationskanäle und deren Grenzen
  • Geeignete digitale Kommunikations-Technologien und IT Systeme gewährleisten
  • Transparenz beim Informationsaustausch
  • Transparenz bei Dokumentation und Aufgabenerfüllung

Es braucht somit viel Transparenz und klare Strukturen, um hybrides Arbeiten in einem Unternehmen erfolgreich durchzuführen. Hybrides Arbeiten erweist sich als grundlegende Veränderung der Arbeitskultur in einem Unternehmen. Mitarbeitende werden sowohl in ihren Bedürfnissen respektiert, als auch wird ihnen viel Freiheit gegeben und Vertrauen entgegengebracht. Gleichzeitig benötigt dieses hybride Arbeitsmodell klare Strukturen auf der Basis von einer gelebten Unternehmenskultur und klar vermittelten strategischen Unternehmenszielen, die von den Mitarbeitenden mitgetragen werden.

Dr. Karin Schreiner, MA | Teil unseres fixen Autoren-Teams

Dr. Karin Schreiner ist interkulturelle Trainerin und Coach für interkulturelles Management. Sie ist Ihre Ansprechpartnerin für kulturspezifische Trainings zu Indien, China, Japan, Süd-Korea.

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