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Business goes Social Media again! … Kongress Tag 1

Veranstaltungs-Bericht
12+13märz2013: Business goes Social Media, Volume IV

Dass Social Media kein Thema einiger Freaks ist, das hat sich im Business schon herumgesprochen. Und dass das Thema schon lange die Unternehmen beschäftigt, das zeigt die Tatsache, dass die Fachkonferenz „Business goes Social Media“ des Business Circle heuer zum vierten Mal stattfand. Peter Rieder war am ersten Tag für Sie vor Ort.

Don’t be afraid – it’s just social media

Ist es ein Hype oder nicht? Schon lange ist klar, Social Media kann bei weitem nicht als Hype bezeichnet werden. Und trotzdem sind soziale Netzwerke keine unkontrollierbaren Selbstläufer. Von zwei Milliarden Internetnutzern weltweit nutzt eine Milliarde soziale Netzwerke, so Oliver Nitz vom Web Innovation Lab. Aber User interagieren beispielsweise nur mit fünf Marken aktiv im Social Web. Und auch Amazon ist nach der ARD Dokumentation über deren Leiharbeiter zwar von einem Shitstorm überrollt worden, hat diesen aber überraschend gut überstanden.

Die Vorteile und Möglichkeiten des Social Web überwiegen einfach und immer neue Trends und Tools machen des dem User schmackhaft, noch mehr Zeit im Web zu verbringen. Sein eigenes Facebook Lifebook, ein Buch mit einer chronologischen Reihenfolge aller Postings, die man gemacht hat, oder neue Community Netzwerke, etwa für LKW Fahrer, die über lange Strecken alleine auf der Straße unterwegs sind, sind zwei Beispiele.

Tatsächlich aber sprechen die Zahlen für sich. 17% mehr Umsatz wird bei jenen Konsumenten erreicht, die über Social Media und PR erreicht wurden. Eine doppelt so hohe Kaufwahrscheinlichkeit bei Konsumenten, die über Social Media und TV erreicht wurden, so Nitz.

Was Social Media erst möglich macht, das zeigt das Beispiel von Quirky. Auf quirky.com können User Ideen für Produkte einreichen. Die Community diskutiert diese dann und wenn sie als gut befunden werden, dann hilft quirky diese Idee in die Realität umzusetzen und unterstützt mit Produktdesign, Produktionsmöglichkeiten und Vermarktung. So profitiert auch jener User, der eine gute Idee hat, aber nicht die Möglichkeiten, diese umzusetzen, berichtet Paul Blazek von cyLEDGE Media.

Oder aber LEGO, auf deren Seite man virtuelle LEGO Gebilde bauen kann, diese der Community zum Weiterbau überlassen kann und die virtuell verwendeten Steine dann auch direkt bestellen kann. Die Liste der Optionen lässt sich beliebig fortsetzen.

Auf den Content kommt es an

Social Media hat ein neues Marketing Zeitalter eingeläutet, erklärt Judith Denkmayr von Digital Affairs. Das letzte Debakel, das McDonalds in Österreich mit seiner Wurstsemmel versus Ranchburger Kampagne erlitten hat, zeigt das deutlich. Die User sind Teil des Systems und bewerten Werbung sehr klar. User machen ihrem Unmut Luft und zwingen so Unternehmen dazu, neue Wege zu gehen. So wie auch McDonalds, die die umstrittene Wurstsemmel-Kampagne nun eingestampft haben.

Die neue Währung im Marketing heißt Content. Gute Inhalte ohne offensichtliche Werbung zählen im Web wie Gold. Wer gefunden werden will, der muss spannende, tiefgehende Inhalte bringen statt auf plumpe Werbebotschaften zu setzen. Das honorieren natürlich auch die großen Suchmaschinen, wie etwa google.

Gutes Contentmanagement ist aber kein Zufall, so Denkmayr. Viel mehr geht es darum, klar zu planen, welcher Inhalt für die Community interessant sein kann, wann dieser gepostet werden soll und wo. Whitepapers, relevante Produktinformationen, Informationen aus dem Umfeld, Mitarbeitergeschichten. Guter Content ist vielseitig.

Alles rechtens

Wer haftet eigentlich für den eingestellten Content? Diese Frage stellen sich viele User, die fleißig Content einstellen. Aber noch viel wichtiger: Wie kann ich mich schützen? Georg Beer von Kraft & Winternitz Rechtsanwälte erläutert die rechtlichen Risiken, die bei einem Auftritt in Sozialen Netzwerken wie im Internet allgemein auftreten können.

Unzulässiger Content, Verstosse gegen die ABGs der Seite oder unzulässige Werbung sind drei der wesentlichsten rechtlichen Risiken. Gut beraten ist, wer sich die Nutzungsbedingungen wirklich durchliest. So sieht beispielsweise Facebook in seinen Bedingungen als Austragungsort für rechtliche Streitigkeiten  ein Gericht in Kalifornien vor. Kaum vorstellbar im Fall eines Streits mit Facebook in Kalifornien zu Gericht ziehen zu müssen. Aber auch bei Bildern ist Vorsicht geboten. Urheberrechtsverletzungen können schwere Folgen haben und auch nicht alles, was User fotografieren, gehört diesen dann auch. So ist etwa der Eiffelturm geschützt, aber auch Menschen, die gezeigt werden bzw. erkannt werden können, stellen ein Risiko dar. Unterlassungsansprüche, aber auch Nutzungsentgelte, die fällig werden, sind einige der möglichen Folgen. Rechtwissen also eine der Kernkompetenzen für Social Media Manager.

Social Media messbar machen

You get what you measure, so ein alter Spruch. Auch Social Media Aktivitäten können und sollen gemessen werden. Das hilft, Kunden und Mitbewerber besser zu verstehen, maßgeschneiderter zu kommunizieren und verbessert damit Ihren Auftritt, so Reinhard Köpf von WebMedian.

Wie oft wurden meine Inhalte dupliziert, gepostet, retweeted, geshared? Wie lange wirkt meine Kampagne bzw. mein Inhalt nach? Welche Themen werden mit meinen Inhalten assoziiert? Einige einfache Tools aus dem Netz machen das Leben im Social Media Monitoring erheblich leichter.
Aber auch professionelle Anbieter können beim Monitoring helfen. Vorsicht aber, denn oft droht ein großer Zahlenfriedhof, der nur wenig nützt.

Rundum schauen hilft gegen Krisen

Renate Gruber, Gründerin von CupCakes Wien führt die Teilnehmer in die Welt des Krisenmanagements ein. Die Fooddesignerin hat mit ihrer eigenen Facebookseite die CupCakes in Wien bekannt gemacht und zählt mittlerweile über 25.000 Fans. Ein sogenannter „Shitstorm“ kann jederzeit und aus unterschiedlichen Gründen auftreten. Was etwa, wenn jemand auf der Seite postet, er habe von den CupCakes eine Lebensmittelvergiftung erlitten? Plötzlich sind alle gegen einen. Umsicht ist daher geboten. Wer seine Community gut im Griff hat, diese positiv eingestellt ist, dem kommt in einem solchen Fall die Community zur Hilfe. Mit Lügengerüsten zu versuchen, die Situation zu recht zu rücken, nehmen einem alle User übel, nicht nur die Person, die den Shitstorm losgetreten hat.

Rasches Reagieren ist Pflicht! Aber die Angst vor dem Shitstorm meistensunbegründet. Authentische Unternehmen, die ehrlich und involvierend mit ihren Usern umgehen, können auch die großen Krisen erfolgreich abwehren. Trotzdem schadet eine Strategie für den Shitstorm-Fall jedenfalls. Und sie gibt Sicherheit.

Es gibt gute Vorbilder

Best Practices motivieren immer zum Nachmachen. So haben auch die Best Practices auf der Konferenz die Teilnehmer angehalten, selbst tätig zu werden. Die gesammelten Links gibt’s am Ende des Beitrags!

Johannes Steiner, Raiffeisen Ware Austria, erzählt aus den Erfahrungen die man bei der Lagerhaus Gruppe mit Social Media gemacht hat. So gibt es eine eigene Facebook Seite, die nach einer umfangreichen Analyse gelauncht wurde. Besonders auf die Schulung der Mitarbeiter wurde dabei Wert gelegt. Und die amüsanten Geschichten zeigen, dass es auch viele lustige Social Media Momente gibt.

Auch die Erste Bank ist in Sozialen Netzwerken aktiv, wie Gerhard Harrauer berichtet. Seine Botschaft ist klar: Wer nicht aktiv mitmacht in Sozialen Netzwerken, der kann sich trotzdem nicht entziehen. Auch wenn wir als Unternehmen meinen, dass wir nichts tun wollen, wird über uns gesprochen, getwittert, gepostet, usw. Also auf – man kann nur gewinnen! Allerdings ist in einer Bank natürlich auch das Thema der Datensicherheit und Compliance ein Wichtiges und zu Beachtendes.

Davon warum ein Teigerzeuger Social Media verwendet, davon berichtet Sonja Gindl von Tante Fanny Frischteig. Mit einer Kochwerkstatt, Rezepten und Anleitungen auf Video oder einer Keksteiganalyse ist es Tante Fanny gelungen, sich in die Herzen von 50.000 Teigliebhabern einzukochen.

Social (Media) Recruiiting

Dass Social Media auch im HR Bereich eine immer wesentlichere Rolle spielt, das zeigt Michael Gattereder von DigitalWerk auf. So nutzen 86% der Benutzer eines Smartphones dieses auch zur Jobsuche. Das Mobile Recuiting ist weiter im Aufwind und für Unternehmen gibt es einiges zu tun. So gilt es, seine Karriereseiten auch „mobiltauglich“ zu machen oder aber mit eigenen Apps potenzielle Kandidaten anzusprechen. Neben Jobvideos, die weiter stark zunehmen, ist aber auch die Simplifizierung, die Vereinfachung von Jobsuchseiten im Trend.

Aus der Praxis kann dazu Lisa-Marie Kanz von T-Mobile einiges berichten. T-Mobile hat sich mit seinen Social Media Aktivitäten zum Ziel gesetzt, seinen Recruiting Mix auszubauen und damit noch attraktiver zu sein für potenzielle Kandidaten. Allerdings, so die Praktikerin, sind auch die organisatorischen Voraussetzungen dafür wesentlich. Ein Social Media Beauftragter, ständige Abstimmung mit dem HR Bereich und eine 24/7 Aktualität sind für ein so großes Unternehmen Pflicht. Recruitainment-Elemente, eine Einbindung der kununu Bewertungsergebnisse  und das eigene Job App machen die Facebook-Seite zur Erlebniswelt. Der Mix der Themen ist bei T-Mobile genau ausgetüftelt und wird streng eingehalten.

Auch T-Mobile hat bereits Mitarbeiter auf whatchado.net gezeigt und bindet diese Videos ein. Auf watchado werden Mitarbeiter gezeigt und interviewt, die real und authentisch von ihrem Job erzählen. Gerade für junge Zielgruppen ist dieses „Peer-Wissen“ attraktiv, so Ali Mahlodji von whatchadoo. Über 700 solcher Lebengeschichten hat man bereits veröffentlicht und sie alle zeigen, dass Storytelling im Social Web eine wunderbare Option darstellt.

Ein interessanter, aber auch inhaltlich intensiver Kongresstag geht beim Networking und Cocktails zu Ende. Und es bleiben viele Ideen und Anregungen zum sofort umsetzen.

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