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Zahlen Sie Ihren MA doch einfach ihr Wunschgehalt!

Kleiner Fisch und Schindlerhof zeigen wie’s geht!

Der Schindlerhof in Nürnberg zahlt seinen Mitarbeitern bereits seit seiner Gründung 1984 das Wunschgehalt! Wie das genau funktioniert und wie es sich auf das Unternehmen ausgewirkt hat, erzählt Geschäftsführer Klaus Kobjoll im Gespräch mit Kleiner-Fisch.

Das Unternehmen hat in den 29 Jahren seines Unternehmertums ein Umsatzplus von 321% (an einem Standort) erwirtschaftet, das entspricht einer Umsatzsteigerung von 12% im Jahr. Weiters kann der Schindlerhof auf zwischen 200 und 400 ungefragter Bewerbungen pro Jahr zurückgreifen und spart somit die Kosten für Jobanzeigen einfach ein! Der Frauenanteil im Schindlerhof liegt bei 80%, auch in der Führung.

Aus seiner Erfahrung weiß Herr Kobjoll, dass die wirklich guten Leute, sich bei der Bestimmung des Gehalts sehr sensibel festlegen und nicht übertreiben. Durchschnittlich kommt es nur alle 2 Jahre vor, dass „ich jemand ablehnen muss, weil er zu teuer ist“. Bei solchen Fällen ist der Geschäftsführer der Meinung, dass wenn jemand sich bei der Gehaltsfindung überschätzt, er sich auch bei der täglichen Arbeit überschätzen wird. „Was wir aber nicht machen,“ so Kobjoll, „ist, den Bewerber zu drücken. Wir sagen dann nicht, wir nehmen Sie für € 500 weniger, das tun wir nicht!“

Die Praxis

Hinter den Kulissen existieren natürlich sogenannte Lohnkorridore (Fenster von -bis), in denen eine Position bewertet wird. Grundsätzlich füllt jeder Bewerber einen Fragebogen aus, in dem er gebeten wird, sein Wunschgehalt festzulegen. Liegt es im Korridor, so wird es bezahlt.

Bei den jährlichen Preiserhöhungen die durchgeführt werden wird in dem Verhältnis auch ein, meist aufgerundeter Inflationsausgleich an alle Mitarbeiter geleistet.

„Wer wenig verlangt, der kann auch wenig!“

Laut unserem Gesprächspartner kommt es natürlich auch vor, dass Bewerber sich zu niedrig einstufen. Dann wird auch nicht mehr bezahlt. Liegt die Einschätzung des Kandidaten allerdings so niedrig, trotz Qualifikationen, so erkennt Herr Kobjoll dass der Bewerber Mängel in der Qualität seiner Arbeit haben muss.

Mitarbeiterförderung

„Wirklich erfolgreich kann nur werden, wer entweder in einem wachsendem Unternehmen arbeitet oder wer sich selbständig macht. Letzteres empfehle ich allen meinen Mitarbeitern und viele haben es auch erfolgreich getan!“

Die Förderung seiner Mitarbeiter nimmt Herr Kobjoll ernst. In seinem Unternehmen werden 41 verschiedene Seminare angeboten, dazu gehören persönliche Situationsanalysen, Festlegung der Lebensziele und strategische Planung auch fürs Privatleben.

Wunschgehalt auch in der Industrie und Großbetrieben?

In Großbetrieben dauert es der Meinung des Geschäftsführers um einige länger eine solche Strategie umzusetzen und wäre nur unter der Bedingung, dass die Unternehmensführung 100% dahinter steht, erfolgreich. „Der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst, wenn Sie unter den Führungskräften einen haben der nicht überzeugt ist, dann geht das natürlich in die Hose!“

Ein Problem sieht Kobjoll ebenfalls bei den in der Industrie üblichen Arbeitsplätzen mit sehr vergleichbarer Leistung wie typisch z.B. am Fließband. Nur wo Leistung auch unterschiedlich bewertet werden kann, ist es möglich die Wunschgehalt-Politik einzuführen. „Es gibt allerdings einige in der Hotellerie, die dies in meinen Seminaren schon gehört und auch übernommen haben!“

„Ich glaube nach wie vor an das Prinzip vom Tellerwäscher zum Millionär!“

In jenen Bereichen, wo die Leistung zu gleichwertig ist, zahlt auch Herr Kobjoll keine Wunschgehälter.  „Sehen Sie, es gibt z.B. auch Zimmermädchen, die Analphabeten sind bzw. kein Wort Deutsch oder Englisch sprechen und da stoße ich auch an meine Grenzen!“

Dass es das Prinzip „vom Tellerwäscher zum Millionär“ gibt, daran glaubt Herr Kobjoll unter der Voraussetzung, dass sich jemand dementsprechend anstrengt. „Wenn unsere Vorgesetzten sehen, dass in jemandem mehr steckt, dann fördere ich denjenigen auch. Ich hatte einen Asylanten aus Sri Lanka ein Jahr in der Spülküche beschäftigt, der kein Wort Deutsch oder Englisch sprach. Er zeigte Wissbegierde und Einsatz, also habe ich ihm den Führerschein finanziert und zum Assistenten des Hausmeisters befördert!“

Vertrauensarbeitszeit

Das bedeutet, dass der Kunde die Arbeitszeit bestimmt. Da ein Unternehmer niemals das Gehalt bezahlt, sondern letztendlich der Kunde, sieht Herr Kobjoll sich nur als Vermittler zwischen seinen Kunden und seinen Arbeitnehmern. „Solange die Mitarbeiter unsere vereinbarten Standards erfüllen, hab ich kein Problem wie lange die Leute da sind.“

Unser Interviewpartner engagiert seine Mitarbeiter „mit Haut und Haaren“. Schätzungsweise geht niemand unter 45 Wochenstunden nach Hause. Herr Kobjoll legt ganz klar fest: „Wunschgehalt: Ja gerne, 40h-Woche, nein danke!“

In der Touristikbranche ist es oft schwer, die 40h einzuhalten, aber es findet immer eine offene Kommunikation statt, schon im Bewerbungsgespräch. Jeder weiß was auf ihn zukommt und kann dementsprechend seine Gehaltswünsche festsetzen.

Funktioniert eine Offenlegung der Gehälter oder gibt es Sticheleien?

Nicht jeder weiß vom anderen was er verdient, aber es gibt keine Verbote im Schindlerhof. Jeder kann über sein Gehalt sprechen und ca. 70% tun das auch.

„Neid gibt es bei uns keinen!“ erklärt Klaus Kobjoll. Er wählt seine Mitarbeiter mit Bedacht aus und achtet darauf, dass sie nicht zum Neid neigen. Der Schindlerhof bietet freie Dienstwagenwahl für Führungskräfte. Als der Küchenchef mit seinem neuen Mercedes 300 SL Cabriolet vorfuhr, „sah ich keinen Neid in den umstehenden Lehrlingen und Mitarbeitern. Im Gegenteil, die freuten sich ihn!“ Im Schindlerhof denkt man eher „Ich muss mich wahrscheinlich noch ein paar Jahre anstrengen, aber dann kann ich das auch erreichen.“

Das Kleiner-Fisch Team dankt Herrn Kobjoll für das tolle Interview!

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Interviewpartner: Klaus Kobjoll (Foto), Schindlerhof, Nürnberg, Tel 0048 / 91 93020, www.schindlerhof.de

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Gastautorinnen: Regina Gregory & Yvonne Hacker, www.kleiner-Fisch.at – Revolution der Arbeitnehmer. Das Mutmacher-Portal, Tel:  0676 733 20 47, www.kleiner-fisch.at

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2 Kommentrare

  1. Anna Weingärtner am

    Sehr spannende Ansätze sind da dabei. Eines zieht sich hier aber durch: Der Mitarbeiter bestimmt selbst, wie weit er kommt. Er hat reelle Chancen, mehr Verantwortung zu erlangen, mehr zu verdienen, Benefits zu bekommen wenn er mehr leistet, sich fortbildet und das alles unter der „Obhut“ des Unternehmens selbst.

    Der Mensch braucht Perspektiven um wirklich gerne Leistung zu erbringen. Er muss wissen, was er davon hat.
    Diesen Ansatz unterstützen auch wir von SIZE Prozess voll und ganz!

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