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Von Blendern und Schaumschlägern

In letzter Zeit häufen sich Medienmeldungen das psychische Erkrankungen massiv im Vormarsch sind. Allen voran das Burn-out. Wie können Führungskräfte erkennen, ob die Arbeit im Team optimal verteilt ist? Oder dass Blender und Schaumschläger für eine ungünstige Umverteilung sorgen?

Haben Sie sich als Führungskraft schon einmal Gedanken darüber gemacht ob die Workload bei Ihren Mitarbeitern ausgewogen ist? Wenn Sie diese Frage mit „ JA“ beantworten, sollten Sie sich noch folgende Frage stellen: Wissen sie das sicher oder denken Sie das bloß?

Warum ich das so genau hinterfrage? Viele Mitarbeiter tun nur als ob. Sie treten mit hohem Selbstwertgefühl, Arroganz und Scheinwissen auf, wenn man jedoch ihre Leistungen unvoreingekommen und kritisch mit den anderen Kollegen vergleicht, dann weiß man wo sie wirklich einzuordnen sind.
• Da gibt es z.B. die eloquenten, stets freundlichen und verbal exzellenten Mitarbeiter, denen man zu bestimmten Themen stundenlang zuhören könnte, weil er jedes Problem bis ins Kleinste analysieren und beleuchten kann, am Ende des Tages jedoch kein Projekt zum Abschluss bringt oder so viele Formalfehler macht, dass es dem Unternehmen Geld, Zeit und Ressourcen kostet, weil eine Heerschar von Kollegen hinter ihnen nacharbeiten muss. Grund dafür – er ist gar kein Experte auf dem Gebiet!
• Oder auch jene Kollegen die sich stets professionell in Szene setzen, sobald sie aber hören, dass es Arbeit für sie gibt mit Sätzen wie „Ich habe hier noch kein klares Bild“ oder „mir fehlt hier der Konnex zwischen…“ deutlich abgrenzen und nur das tun was ihnen Prestige und Ansehen bringt. Dass die Kollegen die diese Arbeit dann erben, darüber nicht so begeistert sind (meistens wissen sie dass der Kollege sich nur vor der Arbeit drückt) und mit der Zeit deren Motivation sinkt liegt auf der Hand. Nicht zuletzt übernehmen Sie jetzt zusätzliche Arbeit und das Burn-out ist einen Schritt näher gerückt.

Mittel gegen Blender

Normalerweise widmen sich Artikel zum Thema Arbeitslast/Workload meistens der Prävention bzw. dem Umgang damit und zu 90 % ist das auch der richtige Ansatz, wenn es um die zuletzt genannten Mitarbeiter geht. Aber was können Führungskräfte tun um Blendern und Schaumschlägern nicht auf den Leim zu gehen? Genaue Beobachtung und genaue Kenntnis der jeweiligen Workload unterstützen hier. Hinterfragen Sie Projektschritte, lasse Sie sich eine Einschätzung des Zeitaufwands geben und hinterfragen Sie bei sich selbst ob dies auch realistisch ist – oder vielleicht nicht doch zu großzügig (nach oben hin) angesetzt wurde. Wenn Sie der Meinung sind, dass der Zeitrahmen etwas zu generös ist, hinterfragen Sie warum z.B. der Projektplan mehr als 14 Tage benötigt. Bohren Sie nach welche Hindernisse es gibt (und ob diese rational sind) und weisen Sie darauf hin, dass Ihnen der Zeitplan zu lange vorkommt. Lassen Sie sich regelmäßig zu Projekten und Aufgaben einen Statusbericht geben. Gute Projektmanager planen zwar Puffer für Unvorhergesehenes ein, aber das Verfassen einer internen Mitteilung an die Belegschaft braucht keine ganze Woche. Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter mit Vorschlägen zum Thema Effizienz oder Produktivität. Und zu guter Letzt – fordern Sie Leistung ein.

Meistens schreien diejenigen am Lautesten, dass Sie zu viel Arbeit haben, die man am öftesten in der Cafeteria oder bei einem Pläuschchen im Pausenraum antrifft. Sollte Ihnen dies auffallen, sprechen Sie es an!

Studie „Erschöpft vom Bummeln“

Eine interessante Studie zum Thema Workload mit dem Titel: “Erschöpft vom Bummeln“ wurde in „Der Spiegel“ veröffentlicht. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung hat diese in Auftrag gegeben und an deutschen Unis eine Zeit-Budget Analyse bei Studierenden erstellen lassen. Ein Semester lang musste die Teilnehmer ihren Tagesablauf in einem „Online-Tagebuch“ festhalten. Das unerwartete Ergebnis war, dass die Studenten offenbar gar nicht so viel Zeit wie selbst angenommen in ihr Studium investierten. Der mittlere Aufwand pro Studierenden lag bei ca. 26 Wochenstunden! Bemerkenswert war, dass die Studenten gleichzeitig über Stress und hohe Arbeitsbelastung klagten.

Nun könnte man einwenden, dass es sich um Studierende handelt und hier Leistungsgedanke und Disziplin nicht vorranging sind, dennoch lässt sich das Ergebnis auch auf die Berufswelt umlegen. Längst gibt es Studien deren Ergebnis niederschmetternd für Unternehmen sind: Die Zeit die wir am Arbeitsplatz verbringen, ist nicht jene Zeit die wir auch Leistung erbringen.

Credit were credit is due

Oft hilft es schon das Thema Arbeitslast im Team anzusprechen um die Arbeit entsprechend der Neigungen und Ressourcen zu verteilen.  Ermutigen Sie Mitarbeiter die versuchen die Arbeit abzuwälzen, doch einen Weg zu finden das Projekt doch zu übernehmen (vielleicht kann man stattdessen eine andere Tätigkeit niedriger priorisieren). Am Ende sind Sie als Führungskraft gefordert jedem die Anerkennung zukommen zu lassen, die ihm für seinen Einsatz zusteht.

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7 Kommentrare

  1. Ulla Schneider am

    Ein sehr gelungener Beitrag! Gerade die Spiegel-Umfrage mit dem Einsatz des Online-Tagebuchs zeigt, wie deutlich sich die Selbstwahrnehmung von der Realität unterscheiden.
    In unserem Team sind die Mitarbeiter am produktivsten, die täglich eine Aufgabenliste und ein Tagesziel gesetzt haben, während die anderen Mitarbeiter weniger schaffen und weit mehr über Stress klagen.
    Leider kann man diese Listen ja nicht einfordern!

  2. Hans-Peter Korn am

    Diesen Hinweis von Frau Schneider kann ich unterstützen: „In unserem Team sind die Mitarbeiter am produktivsten, die täglich eine Aufgabenliste und ein Tagesziel gesetzt haben“
    Ergänzen möchte ich, dass so eine Aufgabenliste für das ganze Team gelten sollte – nicht nur für einzelne Mitglieder. Und diese Liste sollte für all sichtbar permanent im Temraum sein, etwa so: http://www.korn.ch/archiv-open/scrumboardexamples/00000000003-ausschnitt.jpg
    Und täglich immer zur gleichen Zeit am Morgen treffen sich alle für nur 15 Minuten vor dieser „Liste“ und tauschen untereinander das aus:
    Was….
    1a
    … haben WIR beim seit Gestern erledigt?
    1b
    … haben wir dabei erkannt / gelernt? Was hat uns vor allem dabei geholfen?
    2a
    … wollen WIR bis Morgen erreichen?
    2b
    … vor allem macht uns zuversichlich, dass wir das erreichen können?
    2c
    … brauchen wir gegenüber dem, was wir bereits haben, zusätzlich oder anders um das zu erreichen? Wie „organisieren“ wir UNS das?

    „Blender“ und „Schaumschläger“ haben dabei keine Betärigungschancen…

    In http://geschaeftsmann20.com/2012/07/02/semcosystem/ sind übrigens auch noch diese 4 „Zutaten“ für Burn Out geannt:

    Nummer 1: Der Glaube , dass harte Arbeit und das Ergebnis direkt proportional zueinander sind.

    Nummer 2: die Doktrin, bei der Arbeit sei die Quantität wichtiger als die Qualität.

    Nummer 3: “im Büro geht es im Augenblick ein wenig drunter und rüber. Ich muss einfach ein bisschen länger arbeiten, bis sich das wieder gelegt hat”.

    Nummer 4: die Angst vor dem Delegieren – und ihre Cousine: die Angst, ersetzbar zu sein.

    Ricardo Semler (Inhaber der Firma SEMCO) glaubte daran – bis zu seinem Zusammenbruch … und änderte danach radikal seinen Arbeitsstil grundlegend …. und den seiner Firma. Daraus entstand das „SEMCO-System“.

  3. Helge Weinberg am

    Zitat: „…Die Zeit die wir am Arbeitsplatz verbringen, ist nicht jene Zeit die wir auch Leistung erbringen…“ Woran das wohl liegen mag? Da sind Führungskräfte und auch HR gefragt. Die Palette an Gründen ist groß, warum die Produktivität so gering ist.

    Aus best-practice-Beispielen lässt sich ohne weiteres ablesen, wie es anders gemacht werden könnte. Warum passiert das nicht? Vielleicht deshalb, weil wir uns dazu von einigen liebgewordenen Gewohnheiten lösen müssten, die uns Sicherheit geben – und die zum Teil auch dem Machterhalt dienen.

    Ich halte Aufgabenlisten ebenfalls für ein gutes Instrument, um die Arbeitsbelastung transparent zu machen. Transparenz schafft Veränderungen.

    Eine kurze Anmerkung zu der im Spiegel veröffentlichten Umfrage. Eine Schlussfolgerung des Spiegel-Autors lautete wie folgt: „…In Deutschland ist für den Bachelor ein Gesamtpensum von 1800 Stunden im Jahr vorgesehen. Das sind, bei sieben Wochen Urlaub, genau 40 Stunden in der Woche. Erwachsenen Menschen sollte das zumutbar sein…“. Das ist es nicht, wie die Erfahrung zeigt.

    Hans-Peter Korn hatte zwei bekannte und in vielen Unternehmen gelebte Glaubenssätze genannt, die auch in der Grundaussage des Spiegel-Artikels eine Rolle zu spielen scheinen:

    Nummer 1: Der Glaube , dass harte Arbeit und das Ergebnis direkt proportional zueinander sind.

    Nummer 2: die Doktrin, bei der Arbeit sei die Quantität wichtiger als die Qualität.

    Mit besten Grüßen, Helge Weinberg

  4. Claudia Bergner am

    Sehr geehrter Herr Korn,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich bin für jeden Austausch dankbar. Die „Teamliste“ ist eine tolle Idee und das tägliche Meeting fördert das „WIR“-Gefühl.

    Ich freue mich das dieses Thema ernst genommen wird. Es zeigt, dass nicht nur ich diese Wahrnehmung und Beobachtungen kenne und wie so oft hängt alles nur von der richtigen Führung ab.

    Beste Grüße
    Claudia

  5. Gerhard Hahn am

    Wie zumeist fängt der Fisch am Kopf zu stinken an. Bei Führungs“kräften“ – noch schlimmer – bei Führungspositionen – können sich Blender recht problemlos einschleichen. Ganz anders sieht es bei FührungsPERSÖNLICHKEITEN aus. Eine Führungspersönlichkeit „spürt“ den Blender weil er gegen dessen Schmeicheleien ( und das ist eine der wesentlichen Waffen des Blenders ) immun ist, so wie der einzige Mensch, der gegen Charisma immun ist der Charismatiker ist.
    Sehr vorsichtig werde ich persönlich, wenn Menschen viele Anglizismen und Fachausdrücke verwenden, denn sie wollen glänzen – aber nicht verstanden werden. Will ich verstanden werden, dann verwende ich eine möglichst einfache, bildhafte Sprache. Nur sind diese FührungsPERSÖNLICHKEITEN bedauerlicherweise sehr selten anzutreffen und dort liegt der Grund für die steigende Tendenz psychischer Belastungsstörungen. Das Peterprinzip, dass jeder in einer Hierarchie dazu neigt, sich bis zu seiner eigenen Unfähigkeit hinauf zu arbeiten trifft leider viel zu häufig zu.
    Ich habe eine Studie mit einem Hund durchgeführt…der Hund erkennt die Blender sofort, denn er versucht bei Anzeichen von Schwächen sofort die Führung im Rudel zu übernehmen – und er spürt Schwächen über die menschliche Energie – zu einem Zeitpunkt, zu dem wir sie noch lange nicht bemerken…

  6. norbert am

    Well done , well done!

  7. Klaus Zwingel am

    Zum Glück gibt es Möglichkeiten, Blender und Schaumschläger mit hoher Treffsicherheit zu enttarnen. Doch lassen Sie mich kurz von Angang an berichten:

    Eines der Tätigkeitsfelder, mit denen wir Unternehmen präventiv unterstützen, ist der Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Denn: gesundheitsbedingte Arbeitsausfälle treffen Unternehmen am Geldbeutel. So stellen z.B. die Betriebskrankenkassen in Deutschland ernüchternd fest: Im Jahr 2011 entstanden je 100 beschäftigte BKK Pflichtmitglieder 1.601 Krankheitstage. Die häufigsten Erkrankungen betrafen die Gruppe des Muskel- und Skelettsystems (Frauen 369 Tage, Männer 491 Tage) und die psychischen Störungen (Frauen 285 Tage, Männer 183 Tage). Dabei wissen wir, dass Beeinträchtigungen des Muskel- und Skelettsystems auch eine Folge psychischer Belastungen sein können.

    Allein durch psychische Belastungen am Arbeitsplatz entstand bereits 2008 ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von 6,3 Mrd. Euro, davon 3,3 Mrd Euro durch den Ausfall an Produktion. Der produktionsausfallbedingte Schaden, der dabei im Durchschnitt pro Mitarbeiter verursacht wurde, belief sich auf ca. 49.000 Euro. Heute, 5 Jahre später, hat sich dieser Wert möglicherweise nur geringfügig nach oben verändert, aber die Zahl der Mitarbeiter, die durch arbeitsbedingte Belastungen ausfallen, ist dramatisch angestiegen. Mit allen Folgen in puncto menschliche Schicksale des Einzelnen wie auch finanzielle Konsequenzen für den Arbeitgeber.

    Außerdem bleiben an einem Acht-Stunden-Arbeitstag wegen psychischer Beschwerden ca. 1,5 Stunden produktiv ungenutzt und etwa jeder 22. Erwerbstätige hat eine oder mehrere Arbeitsunfähigkeiten aufgrund einer psychischen Belastung.

    Doch so weit muss es nicht kommen…

    … Unternehmen und Mitarbeiter können gemeinsam an einem Strang ziehen und bereits im Vorfeld belastungsbedingten Ausfällen gegensteuern.

    Mithilfe eines umfassend validierten Verfahrens stellen wir gemeinsam mit unseren Kunden die gesundheitsfördernden und -gefährdenden Auswirkungen von Produktionsbedingungen und Arbeitstätigkeiten auf einzelne Mitarbeiter oder Gruppen fest. Es eignet sich hervorragend für die Früherkennung gesundheitlicher Risiken sowie die Ableitung geeigneter präventiver Maßnahmen. Das Messverfahren wird dabei zu Beginn und am Ende (auf Wunsch auch während) einer Maßnahme durchgeführt. EIN AUF SCHONUNG ORIENTIERTES VERHALTENSMUSTER einzelner Mitarbeiter, das sich in geringem Arbeitsengagement und starker Distanzierung gegenüber den Herausforderungen der Arbeit zeigt, WIRD DURCH DIESES VERFAHREN SCHNELL DEUTLICH. Blender und Schaumschläger können damit lokalisiert werden und geeignete Maßnahmen, diese Mitarbeiter wieder auf den Weg der Arbeitstugend zurück zu führen, können zielgerichtet eingeleitet werden.

    Darüber hinaus wird aber auch deutlich, welche Mitarbeiter tatsächlich am Rande ihrer Belastbarkeit arbeiten und wo eine Intervention im Sinne der Erhaltung der Gesundheit notwendig ist.

    Gesteigerte Motivation, besserer Teamspirit und ein positiveres Gefühl gegenüber der beruflichen Tätigkeit sind weitere Vorteile, die den Erfolg beflügeln.

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