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I QUIT – am besten via YouTube?

Gezieltes Employer Branding auf der einen Seite – unberechenbare Social Media auf der anderen. Im besten Fall ist das eine spannende Herausforderung, oft aber einfach nur mühsam. In Seminare, Kongressen, etc hört man, was alles schief gehen kann und dass am besten sofort & kompetent reagiert werden soll, idealer Weise mit einem Notfallsplan zur Hand. Ja, äh, der Notfall ist meist nicht wirklich planbar, zielt in eine Richtung die man so nicht erwartet hätte, …

Ich bin über ein sehr gutes Beispiel gestolpert, das die theoretischen Tipps ganz praktisch umsetzte: kompetent, schnell, mit Witz & fachlicher Information.

Ausgangssituation

Sa/So 28/29sep2013: Marina Shifrin arbeitet für Next Media Animation (produziert kurze witzige virale Videos) in Taiwan. Lange genug, aus ihrer Sicht. Sie kündigt. Via Video auf Youtube: sie zeigt das Office, tanz zu Kanye West, in den Untertiteln begründet sie ihre Kündigung. Einerseits witzig, andererseits lässt sie ihren Arbeitgeber in einem schlechten / ausbeuterischen Licht, emotional steht man sofort auf ihrer Seite.

Ihr Schlußsatz: I quit!

bis dato: über 15 Mio Zugriffe

Reaktion des Unternehmens

Teil 1: schriftlich

Di 1okt2013: 1. Sofortiges schriftliches Eingehen auf die Situation. Im selben Medium (Internet) wenn auch in einer anderen Form (eben schriftlich). Der Inhalt: fachlich, kompetent, sympatisch, persönlich, authentisch.

Lesen Sie selbst @ Gawker

Teil 2: Video

Di 1okt2013: Selbe Musik, selbes Setting, die Akteure sind ehemalige Vorgesetzte und Kollegen von Marina Shifrin, sie tanzen, nur die Untertitel unterscheiden sich, diese sind zwar fachlich wenig informativ, doch spiegeln den Spaß wider, den die Mitarbeiter dor haben. Auf sehr glaubhafte Art. Wer die schriftliche Antwort auf Gawker nicht las, dem fehlt ein Großteil der Information, da das Video nicht auf eine Klarstellung der Sachverhalte eingeht, sondern auf einer witzigen Welle bleibt … was dem viralen Effekt zweifellos entgegen kommt. Dennoch wären mir ein paar Fakten auch hier im Video lieb gewesen.

Mit dem Schlußsatz: We’re hiring!

Personal Branding

Der positive Nebeneffekt für den Einzelnen / Kündigenden ist der umittelbare Erfolg, die Bekanntheit (sofern der Film gut genug ist sich in windeseile verteilt).

Der Pferdefuß ist jedoch auch: würden Sie jemanden einstellen, der seinen letzten / vorletzten Arbeitgeber öffentlich denunzierte? Ich glaube, so witzig könnte ich das Video, die Aufmachung, die Idee dahinter gar nicht finden, um diesen Bewerber im offenen Armen bei HRweb aufzunehmen. Sorry, so konservativ bin ich eben.


Nachtrag

Miss Shifrin wurde international auch in News-Channels diskutiert, und wurde sogar in eine Talk Show eingeladen … Personal Branding … ja, so geht’s auch …

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