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Wo bleiben die Bewerbungen via Social Media?

Der Hintergrund-Check von Bewerbern auf Social-Media-Plattformen wird immer wieder diskutiert. Wie aber sieht es aus mit aktiven Bewerbungen via Social Media? Finden sie statt? Über welche Kanäle? Welche Zielgruppen? Wie erfolgreich?

 

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Ich lade heute Personal-Berater in die Experten-Runde: wie geht es euch mit diesem Thema? Welche Erfahrunge macht ihr im tagtäglichen Geschäft?

Bekommen Sie Bewerbungen von Social-Media-Plattformen? In welchen Social-Media-Plattformen treten Sie aktiv auf & warum gerade diese?

Florens Eblinger (Eblinger & Partner): Wir versuchen seit mittlerweile über zwei Jahren in unterschiedlicher Intensität die Plattformen Facebook, XING, Twitter, Plaxo und LinkedIn aktiv zu nutzen.
Facebook aufgrund der Reichweite und der guten Messbarkeit der Kontakte. XING, Plaxo und LinkedIn aufgrund der Business-Relevanz und der Kontakte für das Thema Executive Search. Twitter eher noch als Experiment und add on zu Facebook.
Ob wir Bewerbungen über diese Plattformen erhalten? Sicherlich – man wird auf Projekte aufmerksam, die Bewerbung erfolgt dann aber über unsere Homepage und wird statistisch somit „anders“ zugeordnet.

Elisabeth Weghuber (Secretary Search Personalberatung): Vereinzelte Bewerbungen haben wir bisher über Facebook erhalten. Über andere Plattformen, wie bspw. Xing oder LinkedIn versuchen Bewerber regelmäßig zu Networking-Zwecken Kontakte zu knüpfen, jedoch nicht um sich für konkrete Positionen zu bewerben.
Grundsätzlich nutzen wir diese Plattformen aber eher, um mit Bewerbern in konstantem Dialog stehen zu können sowie zur Schaltung von Job-Inseraten. Diese Art der direkten Kommunikation unterscheidet sich von der herkömmlichen, sehr klar abgegrenzten Kommunikation zwischen Bewerber und Unternehmen/Personalberater. Sie kann die klassische Bewerbung – zumindest bis dato – nicht ersetzen, ist aber eine hervorragende Ergänzung, die eine Zusammenarbeit zwischen Bewerbern und Beratern auf einer anderen Ebene ermöglicht.

Judith Novak (ANOVA HR-Consulting): Die Anzahl der Bewerbungen von Social-Media-Plattformen sind sehr beschränkt. Ich denke sie spielen als unterstützende Möglichkeit bei der Suche nach passenden Bewerbern schon eine große Rolle, da sie die Kontaktaufnahme und die Ansprache wesentlich erleichtern, jedoch erlangen wir immer noch auf herkömmlichen Wege, d.h. Print- und Onlineinserate erheblich mehr Output.

Mag. Verena Irrschik (Karrieremanufaktur): Bis jetzt haben wir sehr wenige bis gar keine Bewerbungen über Social-Media-Plattformen erhalten. Wir haben den Fokus allerdings auch nicht darauf gelegt. Wir sehen unsere Social-Media Aktivitäten darin, mit unseren Kunden (Unternehmen und Bewerber gleichermaßen) zu kommunizieren und uns über Fachthemen und Aktuelles rund um das Thema Personal auszutauschen. Außerdem haben wir mit unserem eigenen Blog auch die Möglichkeit, kritisch zu aktuellen Geschehnissen und Entwicklungen Stellung zu beziehen und Diskussionen zu fördern.
Wir sind derzeit in unterschiedlicher Intensität auf Facebook, Xing und Twitter aktiv, wobei wir je nach Zeitbudget unsere Aktivitäten setzen.

Unterscheiden sich diese Bewerbungen via Social-Media von jenen auf klassischen Bewerbungs-Wegen?

Elisabeth Weghuber (Secretary Search Personalberatung): Ja, die Anschreiben sind – wie die Kommunikation via Social Media im Allgemeinen – etwas formloser. Bisher waren den Bewerbungen via Social Media jedoch stets Bewerbungsunterlagen beigefügt, die sich von jenen, die wir per E-Mail oder Online-Plattform erhalten nicht unterschieden haben.

Mag. Verena Irrschik (Karrieremanufaktur): Ja, die Bewerbungen über Facebook & Co sind unserer Erfahrung nach weniger „förmlich“ und leider auch weniger ausformuliert. Meistens werden lediglich Lebensläufe geschickt, ohne Anschreiben oder Motivationsschreiben.

Florens Eblinger (Eblinger & Partner): Nein – wir sprechen die gleiche Zielgruppe an, die auch sonst die Augen für berufliche Veränderung offen halten.

In welche Richtung wird sich diese Entwicklung fortsetzen?

Mag. Verena Irrschik (Karrieremanufaktur): Ich finde dass die Möglichkeiten, die Social Media insgesamt bietet, noch nicht annähernd voll ausgeschöpft werden. Ich könnte mir vorstellen, dass sich in Zukunft „fachliche Interessensgemeinschaften“ stärker herausbilden, was im Rekruitingbereich großes Potential mit sich bringt. Auf diese Weise könnte man Zielgruppen besser ansprechen und Jobangebote platzieren.

Judith Novak (ANOVA HR-Consulting): Das Recruiting via Social Media steckt noch in den Kinderschuhen und lässt durchaus noch einigen Raum nach oben offen. Als erste positive Entwicklung ist für mich zu erkennen, dass man endlich weg von der Panikmache in Bezug auf Facebook und Co kommt. Social-Media wird vermehrt als kostenfreies und wirksames Selbstmarketingtool gesehen, vor dem sich niemand mehr fürchten muss. Während Social-Media früher danach durchforstet wurde, ob potentielle Kandidaten sich persönlich eh brav und ordentlich präsentieren, sucht man heute eher nach Gleichgesinnten, die von ihren Werten und Einstellungen gut in das Unternehmen passen könnten.

Florens Eblinger (Eblinger & Partner): Die Reichweite steigt im Social-Bereich ständig. Vermutlich werden wir die einzelnen Medien immer intensiver, professioneller und erfolgreicher bespielen. Dadurch steigen dann auch die Rückmeldungen, Empfehlungen und Bewerbungen.

Elisabeth Weghuber (Secretary Search Personalberatung): Social Media werden auch für die geschäftliche Kommunikation immer relevanter, der Recruitingbereich ist da keine Ausnahme. Die Bewerbung selbst wird vorerst allerdings weiterhin eher auf anderen Kanälen erfolgen, die sich dafür besser eignen. Social Media sind allerdings bereits jetzt zu einem unverzichtbaren Tool in der Kommunikation zwischen Bewerber und Unternehmen geworden – zum Vorteil beider Seiten. Die Wichtigkeit dieser Funktion von Social Media als Drehscheibe zwischen (potentiell) Arbeitssuchenden und Arbeitgebern wird in Zukunft noch zunehmen.

Werden mit den Social-Media-Plattformen nicht größtenteils junge Menschen angesprochen? Welche Zielgruppen haben hierbei noch Nachholbedarf?

Elisabeth Weghuber (Secretary Search Personalberatung): Die Zielgruppen, die über Social Media erreicht werden können, sind freilich eingeschränkt. Das gilt allerdings für jeden Kommunikationskanal; es gibt kein Medium, mit dem sämtliche Zielgruppen erreicht werden können. In puncto Altersgruppen, die Social Media nutzen, relativiert sich der Gap zwischen „alt“ und „jung“ bereits. Zum einen werden immer mehr „Ältere“ IT-/Internet-/Social-Media-affin, zum anderen werden jene, die Social Media als „Junge“ von Anfang an genutzt haben, auch einfach älter. Besonders im Bereich jener Plattformen, die sich im Segment Business positionieren, ist die Nutzergruppe auch in Österreich gar nicht mehr so jugendlich.

Mag. Verena Irrschik (Karrieremanufaktur): Der Großteil der Nutzer unserer Facebook Fanseite ist zwischen 25 und 40, was zeigt dass es eine breite Angebotspalette für jede Altersgruppe gibt und sich User das für sie passende Angebot suchen. Insgesamt werden allerdings nach wie vor hauptsächlich junge Menschen von Social-Media-Plattformen angesprochen. Nachholbedarf sehe ich bei der Generation 45+ die vielleicht zu viel „Respekt“ vor diesen „modernen“ Medien hat und die damit verbundenen Chancen und Möglichkeiten noch nicht erkannt hat. Wir bestärken gerade diese Zielgruppe in unseren Bewerbungs- und Karrierecoachings zur Nutzung von Social-Media-Plattformen. Mit einer gut durchdachten Strategie (z. B. über einen eigenen „Fachblog“) hat man die Möglichkeit ganz gezielt auf sich und seine Kompetenzen aufmerksam zu machen und sich von anderen Bewerbern abzuheben.

Judith Novak (ANOVA HR-Consulting): Das muss ganz deutlich verneint werden. Das Social-Media-Angebot ist sehr vielfältig. Da gibt es einerseits Plattformen, die eher für private Zwecke genutzt werden, wie Facebook oder Twitter, bei denen das Publikum noch immer sehr jung ist, jedoch mit Tendenz zur Nutzung des älteren Publikums. Wichtigere Portale für Unternehmen wie ANOVA HR-Consulting sind dagegen beispielsweise Xing oder LinkedIn, auf denen qualifizierte Fachkräfte gut erreichbar sind und das Publikum durchaus bunt gemischt ist.

Florens Eblinger (Eblinger & Partner): Wir erwarten, dass wir in der Zukunft unsere Zielgruppe der top-ausgebildeten Spezialisten und Manager sehr gut über die Social-Media-Plattformen erreichen – teilweise gelingt uns das heute schon erstaunlich gut.

Fazit

Social Media als Bewerbungs-Kanal wird genutzt – wenn auch noch in erdenklich geringem Maße. Was völlig in Ordnung ist, da es von Recruting-Seite (noch?) nicht gefordert wird. Personalberater jedenfalls sind vorbereitet, derzeit sind für sie Social Media v.a. Kommunikations-Medium, Bewerbungen an sich erhalten sie nach wie vor meist per Email.


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Die Gesprächspartner

Elisabeth Weghuber
Geschäftsführende Gesellschafterin

Secretary Search Personalberatung

www.secretarysearch.at
Unternehmens-Profil


Florens Eblinger
Geschäftsführer

Eblinger & Partner

www.eblinger.at
Unternehmens-Profil


Mag. Verena Irrschik
Geschäftsführerin

Karrieremanufaktur

www.karrieremanufaktur.at
Unternehmens-Profil


Judith Novak
Geschäftsführende Gesellschafterin

ANOVA HR-Consutling GmbH

www.anova.net
Unternehmens-Profil


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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