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Das Rennen um die erste Reihe am Jobbörsen-Markt: Marktanteile

Schon als ich im Herbst 2014 die Interview-Themen für 2015 erstellte, freute ich mich auf einige Interviews ganz besonders. Dieses zählte eindeutig dazu: „Jobbörsen Österreich Ranking“. Die Jobbörsen würden sich gegenseitig mit nackten Zahlen überbieten. Dachte ich. Die Verantwortlichen würden mit Superlativen um sich schlagen und es mit Fakten untermauern. Dachte ich. Sie würden in Scharen herbeiströmen, um ihre Sichtweisen darzulegen und sie würden pokern und sie würden den Mitbewerb gut dastehen lassen aber nicht zu gut, sie würden … . Dachte ich. Leider: ich lag schlichtweg falsch.

Ich kontaktierte careesma, derStandard.at, karriere.at, localJobs.at, monster.at, ngoJobs.at, willhaben & stepstone (die Teilnahme an den Interviews ist selbstverständlich kostenfrei). Doch nur DREI antworteten. Eine derart verhaltene Resonanz erhalte ich nur bei wenigen Interview-Themen.

 

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Weshalb das große Schweigen im Walde? Ich bin davon überzeugt, dass diese Branche wie kaum eine andere ihren Mitbewerb kennt. Ich bin davon überzeugt, dass einige Anbieter mit grandiosen Zahlen glänzen können. Ich bin felsenfest davon überzeugt, das selbst jene Anbieter, die vielleicht zahlenmäßig nicht die meisten Bewerber anziehen, dennoch in anderen Bereichen hervorragend sind, zB da sie Nischen abdecken. Doch siehe da: kaum jemand ist bereit, die Karten auf den Tisch zu legen.

Umso mehr freue ich mich über jene Anbieter, die ihre Zahlen & Erfolge transparent kommunizieren: willhaben, careesma.at und NGOJobs.at:

Wie hoch ist der Marktanteil Ihrer Jobbörse in Österreich? Gemessen an welchen Kriterien?

Markus Zink (willhaben): Der Marktanteil des willhaben.at-Karrierenetzwerks – gemessen an schaltenden Unternehmen im vierten Quartal 2014 in Österreich – beträgt 12%.

Mag. Wolfgang Kowatsch (Careesma): Der Marktanteil kann in verschiedenen Kategorien ermittelt werden. Wir orientieren uns gerne an der Reichweite bzw. an den Zugriffen pro Monat, da diese das eigentliche Kapital einer Jobbörse sind. Hier weisen uns sowohl Similarweb.com als auch Alexa.com Ende 2014 bei den führenden österreichischen Jobplattformen auf dem 2.Platz hinter karriere.at aus.

Mag. Ferdinand Lischka (NGOJobs.at): Als Nischenjobbörse mit einer sehr genau definierten Zielgruppe tun wir uns schwer, uns mit anderen Jobbörsen zu vergleichen, die den gesamten Arbeitsmarkt oder eine größere Nische bedienen. Im Non-Profit-Sektor gehören wir gemessen an der Anzahl der Stellenausschreibungen wahrscheinlich zu den top 3 neben monster und derStandard.at/Karriere. Gemessen am Umsatz sind wir kaum vergleichbar, da es zumindest in Österreich keine andere Jobbörse gibt, die nur diese Zielgruppe bedient.

Wer zählt – gemessen an diesen Kriterien – Ihrer Meinung nach zu den Big Playern? Haben Sie konkrete %werte bzgl. des Marktanteils des Mitbewerbs?

Mag. Wolfgang Kowatsch (Careesma): Wir sehen folgende Plattformen als die Big Player in Österreich: karriere.at, stepstone.at (mit unijobs.at), monster.at, standard.at, willhaben.at und careesma.at (mit lehrling.at und careermoves.at).

Markus Zink (willhaben): Gemessen an diesen Kriterien zählen karriere.at und willhaben.at mit gemeinsam über 41% Marktanteil zu den beiden dominierenden Plattformen am Markt.

Sind weitere Kriterien (bzgl. Marktanteil in Österreich) sind für Sie relevant? Wir sind gespannt – gehen Sie für weitere Kriterien ins Detail (für Sie und den Mitbewerb).

Mag. Wolfgang Kowatsch (Careesma): Neben der monatlichen Reichweite sind Kriterien wie Umsatz, Anzahl der aktiven Kunden oder der ausgeschriebenen Stellenangebote wichtig. Intern orientieren wir uns auch gerne an der Zahl der Bewerbungen bzw. Klicks auf die Stellenangebote, denn das macht schließlich dem Mehrwert für unsere Kunden aus.

Markus Zink (willhaben): Natürlich könnte man auch über die Gesamtanzahl der ausgeschriebenen Positionen messen. Für unsere User – wie wir aus vielen Feedback-Schleifen wissen – ist allerdings die Anzahl der schaltenden Unternehmen der wichtigste Maßstab.

Planen Sie, den Marktanteil bzgl. … auszubauen? Aus welchen Gründen und mit welcher Strategie?

Mag. Ferdinand Lischka (NGOJobs.at): Wir haben im Jahr 2014 unseren Umsatz bereits mehr als verdoppeln können und wollen das 2015 noch einmal schaffen. Der Traffic ist in den letzten Monaten zwar kaum angestiegen, wir werten dies jedoch nicht als negatives Signal. Es zeigt, dass wir eine kritische Masse regelmäßig wiederkehrender User in Österreich erreichen und dass irgendwann der Zenit erreicht ist. Österreich ist halt doch ein sehr kleines Land im Vergleich zum großen Nachbarn. 2015 soll für uns daher das Jahr der Expansion werden. In Deutschland gibt es sehr viel zu holen und wir freuen uns auf diese Herausforderung. Mit ngojobs.de haben wir vor Kurzem schon die Betaversion gestartet.

Mag. Wolfgang Kowatsch (Careesma): Nachdem wir 2014 weiter zweistellig gewachsen sind, haben für das Jahr 2015 auch ehrgeizige Pläne entwickelt. Wir werden uns noch mehr auf gezielte Kernbereiche des Arbeitsmarkts fokussieren – gemäß „stärke deine Stärken“ und wo wir Potential und Bedarf unserer Kunden sehen. Dies geht Hand in Hand mit dem Ausbau unserer technischen Ressourcen.

Markus Zink (willhaben): Der Gesamtmarkt für Online-Jobplattformen ist von 2013 auf 2014 um ca. 8,5% gewachsen. willhaben.at hat von Q4 2013 auf Q4 2014 seinen Marktanteil um satte 38,6% ausbauen können. Das entspricht einer mehr als doppelt so großen Steigerung im Vergleich zum Marktführer sowie einer gesicherten Position auf Platz 2 unter allen Anbietern. willhaben.at ist das reichweitenstärkste Einzelangebot Österreichs (siehe http://oewa.at/index.php?id=14654), davon profitiert natürlich auch unsere Job-Plattform. Jeder dritte Österreicher nutzt zumindest einmal im Monat willhaben.at, so werden von Monat zu Monat mehr User auf unsere Job-Angebote aufmerksam. Wir sehen für unseren Stellenmarkt in jeder Hinsicht noch viel Wachstumspotenzial. Der größte Vorteil ist, dass unsere Gesamt-Plattform alle zentralen Lebensbereiche (Immobilien, Autos, Marktplatz) abdeckt und wir so ein wesentliches, nicht leicht kopierbares Alleinstellungsmerkmal zu anderen Mitbewerbern haben. 2015 werden wir den Abstand zu karriere.at nochmals deutlich verringern. Dafür werden unser 140 Personen starkes Gesamtteam und unsere beachtlichen Vermarktungsmöglichkeiten sorgen.

Welche Kriterien – völlig unabhängig von Marktanteilen – zählen zu Ihren Stärken?

Markus Zink (willhaben): Reichweite und Beratung! Unsere Reichweite stellt in vielerlei Bereichen ein Alleinstellungsmerkmal am österreichischen Markt dar (siehe oben). Damit liefert willhaben.at die besten Voraussetzungen für bundesweite Employer Branding Aktivitäten nach sämtlichen soziodemografischen Vorgaben. 9 von 10 Kunden bewerten unsere Leistungen und persönliche Kundenbetreuung als gut oder sehr gut.

Mag. Ferdinand Lischka (NGOJobs.at): Wir bedienen eine ganz konkrete Zielgruppe: kritisch denkende, sozial und politisch engagierte Menschen, für welche die inhaltliche Arbeit und weniger die Höhe des Gehalts im Vordergrund steht. Die Arbeit mit benachteiligten Bevölkerungsgruppen oder Öffentlichkeitsarbeit zu Themen wie Armut und Menschenrechte – das interessiert immer mehr Leute.
Aufgrund der Budgetknappheit von NPOs sind wir preislich meilenweit von jenen der Big Player entfernt. Das ist aber wichtig, um diesen Sektor insgesamt zu fördern. Dass wir Preisdumping betreiben, wie uns einmal in einem Gespräch vorgeworfen wurde, möchten wir deshalb nicht gelten lassen. Der NPO-Bereich ist nun mal sehr speziell.

Mag. Wolfgang Kowatsch (Careesma): Neben dem Kerngeschäft sind unsere Partnerseiten lehrling.at und Career Moves (Thema Menschen mit Behinderung) ein echtes Unterscheidungskriterium. Außerdem ist die Partnerschaft mit dem riesigen Mediennetzwerk oe24 ein echtes Asset, vor allem in Richtung Ansprache von passiven Kandidaten. Schließlich sehen wir im Bereich Customer Service eine unserer Stärken, da wir unseren Kunden je nach Bedürfnis maßgeschneiderte Recruiting Lösungen anbieten können und somit eine hohe Flexibilität ermöglichen.

Jobbörsen Österreich: Ranking

Eine Kennzahl möchte ich noch beisteuern: welche Jobbörse wird am häufigsten besucht:

Alexa.com rankt alle Webpages. Hier sehen Sie, welchen Platz die jeweilige Jobbörse einnimmt: international gesehen. D.h. beispielsweise karriere.at nimmt weltweit den 18.494. Platz ein (Platz 21 in Österreich). Das ist enorm! Wohlgemerkt: Platzierung und tatsächliche Zugriffszahlen sind keine linear gekoppelten Größen, sondern diese Zahlen sagen ausschließlich etwas über das Ranking der Seiten. Und: Alexa.com liefert Näherungswerte (ein Teil der Zugriffszahlen ist eine Schätzung, eine Hochrechnung) und das Ranking ändert sich rasend schnell – das weiß ich aus eigener Erfahrung, da ich für die HRweb-Transparenz ebenfalls auf Alexa.com zurückgreife.

Für mich liegt die Relevanz von Alexa.com nicht so sehr in den konkreten Einzelzahlen, sondern in den Tendenzen und dem  Verhältnis unterschiedlicher Anbieter zueinander.

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Folgende Jobbörsen habe ich angesehen für diese Grafik:

  • Karriere.at (+ jobs.at)
  • Stepstone.at (+unijobs.at)
  • Careesma.at (+ lehrling.at + careermoves.at)
  • Monster.at (+ jobpilot.at)
  • Willhaben.at/jobs – keine Alexa-Zahlen für die Jobbörse verfügbar, nur für Gesamt-willhaben.
  • derStandard.at/karriere – keine Alexa-Zahlen für die Jobbörse verfügbar, nur für Gesamt-derStandard.at
  • NGOjobs.at
  • LocalJobs.at

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Die Gesprächspartner

 


kowatsch_wolfgang_careesmaMag. Wolfgang Kowatsch
Geschäftsführer

Careesma GmbH

www.careesma.at

Unternehmens-Profil


zink_markus_willhabenMarkus Zink
Leitung Jobs & Karriere

willhaben internet service GmbH & Co KG

www.willhaben.at/jobs


lischka_ferdinand_ngojobsMag. Ferdinand Lischka
Geschäftsführer

NGOJobs.at

www.ngojobs.at


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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Ein Kommentar

  1. Franz Bernthaler am

    Die Bedeutung von Nischenjobbörsen sollte künftig neben den großen Jobbörsen nicht unterschätzt werden. Diese können sowohl branchenspezifisch wie auch regional stärker auf die Bedürfnisse von Arbeitgeber und Jobsuchende eingehen.

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