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Teambuilding-Spiele: was wurde aus den Seminar-Pferden?

Wohin verschwanden die ich-koche-gemeinsam-mit-meinem-Team-und-arbeite-danach-viel-besser-mit-meinen-Kollegen-zusammen-Seminare? Oder die Feuerlauf-, Floßbau-, Pferde-, Brückenbau-Seminare und andere Teambuilding-Spiele? Hochseilgarten nicht vergessen. Was tritt an ihre Stelle?

Ein Großteil der Arbeitnehmer hat diese Seminare bereits in den vergangenen Jahren / Jahrzehnten besucht und möchte nicht zum x-ten Mal das selbe erleben. Folglich muss hinsichtlich Team-Building etwas anderes aufs Tablett. Doch was ist mit all jenen Mitarbeitern, die jung genug sind, diese Seminare noch nicht erlebt zu haben? Sie haben sie noch immer das Recht, das selbe erfahren zu dürfen? Sind diese Methoden generell bereits überholt?

Sind diese Seminare dazu verdammt, das Zeitliche zu segnen oder ist das eher ein sehr persönlicher Eindruck meinerseits, da ich selbst bereits diese Vielzahl an Seminaren besuchte und sie sukzessive weniger antreffe? Bleiben wir mal objektiv: Vermindert sich generell das Angebot oder liegt es an meiner individuell reduzierten Nachfrage?

 

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Segnete ein Großteil dieser Seminare tatsächlich das Zeitliche und was trat an ihre Stelle?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Zu aller erst ist zu sagen, dass sich dieser Trend in unserem Unternehmen nicht erkennen lässt. Viele Unternehmen haben nach wie vor großes Interesse daran ihre Teams mit Teambuilding-Maßnahmen zu unterstützen bzw. zu verbessern. Feststellen kann man aber, dass ein Wandel von mehreren Seminartagen hin zu Workshops stattfindet, dies liegt hauptsächlich in der Kostenersparnis. Zwei-tägige Teambuilding-Seminare werden weniger, während Workshops in denen ein Teambuilding-Element, wie beispielsweise Floßbau angeboten wird, häufiger werden.

Andreas Driza (Montée Austria): Etliche Übungen dienten oft mehr dem Erlebniswert als den Inhalten, auch wurde Teamtraining mit Persönlichkeitsentwicklung vermischt z.B. mit Pferden oder Überwindung eigener Ängste z.B. beim balancieren auf dem Hochseilparcours. Ein zeitgemäßes Teamtraining basiert auf individuelle Konzeptionen und ist nicht mit einer einzigen bestimmten Aktion wie z.B. Bilder malen zielführend.

Welche dieser Seminare sind heute doch noch relevant und im Einsatz?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Erlebnispädagogische Elemente, wie Floß- oder Brückenbau, haben nach wie vor Relevanz, wobei es Firmen besonders wichtig ist, dass sich diese mit der beruflichen Praxis verbinden lassen. Es geht bei Teambuildings also nicht nur um den Transfer, sondern auch um die Nachhaltigkeit. Die Teambuilding-Maßnahmen müssen demnach an das Unternehmen angepasst werden. Die Seminare sollen zwar Spaß machen, das alleine reicht aber nicht aus, um die Inhalte langfristig bei den Teilnehmern zu verankern. Oftmals werden deshalb während eines Teambuilding-Seminars Maßnahmen- und Aktionspläne ausgearbeitet, damit das erlernte in der Praxis auch effizient angewendet werden kann.

Klemens Gansinger (Trainingsteam Gansinger Hufnagl): Alle diese Methoden können immer noch relevant sein. Voraussetzung für ihren Einsatz ist aber, eine theoriegestützte Erklärung dafür zu haben, eine Hypothese die überprüft oder ein Ziel das verfolgt werden soll. Die Methode kann dann aufwändig oder einfach, drinnen oder draußen, lang oder kurz sein. Wichtig ist ihre “Passung“.

Welche Seminare stehen heute (stattdessen) hoch im Kurs?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Workshops gewinnen immer mehr an Bedeutung. Dabei besprechen die Teams eigenständig relevante Themen. Erst später kommt ein Trainer dazu, hierbei liegt der Fokus vor allem darauf mit den Teilnehmern teamorientierte Übungen durchzuführen und diese dann zu reflektieren. Die berufliche Anwendbarkeit steht hier deutlich im Vordergrund, dadurch soll ein effizienteres und effektiveres Zusammenarbeiten erreicht werden.

Klemens Gansinger (Trainingsteam Gansinger Hufnagl): Seminare mit zählbarem Output und einer erwachsenengerechten sowie wertschätzenden Lernatmosphäre.

Andreas Driza (Montée Austria): Impulsvorträge mit praktischen und inhaltlichen Übungen z.B. zum Thema: emotionale Intelligenz – nonverbale Kommunikation

Wie sieht es im actiongeladenen Seminaren aus – in wie fern eigenen sie sich für Teambuilding-Maßnahmen? Ich denke an Paintball und dergleichen.

Andreas Driza (Montée Austria): Wenn das Teamtraining mit einem Betriebsausflug oder Incentive Maßnahme gekoppelt oder kombiniert werden soll, sind actiongeladene Seminare durchaus eine willkommene Abwechslung. Die Firma Montée führt z.B. auch Fahrertrainings mit Rennsnowmobilen durch – why not!

Günther Mathé, MBA (careercenter): Erlebnispädagogische Ansätze sind gerade bei Teambuildingseminaren ein sehr beliebtes Medium. Der Trainer kann viel aus den Maßnahmen ableiten, z.B. Wie verhalten sich gewisse Personen innerhalb des Teams? Welche Auswirkungen hat dies auf die Zusammenarbeit als Team?, etc. Zusätzlich zeigen sich hier oft Konflikte auf, die sonst im Verborgenen geblieben wären. Paintball und dergleichen können den Teilnehmern außerdem Spaß machen und Spaß bringt ja bekanntlich Erfolg 😉

Klemens Gansinger (Trainingsteam Gansinger Hufnagl): Wenn nur die Methode im Vordergrund steht, gibt es dafür einen Namen: Betriebsausflug.
Ein fundierte Team-Building-Maßnahme bzw. ein Teamentwicklungsprozess sind etwas anderes. Dazu braucht es ein klares Briefing, ev. Vorgespräche mit den Beteiligten, eine zielorientierte Planung und Prozessbegleitung, passende Interventionen, die Dokumentation von Ergebnissen, transferunterstützende Methoden und sinnvollerweise Follow up-Maßnahmen.
Und manchmal ist eben eine actiongeladene Aktivität eine passende Intervention. Ob aber das Nachspielen bewaffneter Konflikte und das Abschießen von Kollegen eine passende Intervention zur Förderung von Teamarbeit, Vertrauen und Kooperationsfähigkeit darstellt, bezweifeln wir.

Weshalb arbeiten Sie dann doch auch im Hochseilgarten?

Klemens Gansinger (Trainingsteam Gansinger Hufnagl): Weil es mitunter eine passende Intervention darstellt, sich z.B. auf die Kollegen verlassen zu müssen, Aufgaben nur mit Hilfe der Kollegen zu schaffen oder an dem sehr schnell ausgesprochenen „Das schaffe ich/das schaffen wir nie“ zu arbeiten. Der Hochseilgarten wirkt unmittelbar, holt die Teilnehmer aus der Komfortzone ohne (bei richtiger Anleitung) in die Panikzone zu geraten und eröffnet dadurch einen Lernraum. Die Vorbereitung auf die bevorstehende Übung im Hochseilgarten und die anschließende Reflexion sind von entscheidender Bedeutung für eine Wirksamkeit.

Wäre zB ein gemeinsamer Grill-Nachmittag auf der Donauinsel oder an einem See im Rahmen des Teams nicht ebenso zielführend wie ein Teambuilding-Seminar? Zudem wäre es kostengünstiger und weniger „aufgesetzt“?!

Klemens Gansinger (Trainingsteam Gansinger Hufnagl): Das entscheidende Stichwort ist „zielführend“! Zu welchem Ziel soll der Grillnachmittag führen? Zu vollen Bäuchen, Plaudereien mit den Kollegen oder zu einem Sonnenbrand??? Und können wir den vollen Bauch nicht günstiger in der hauseigenen Kantine erreichen?
Ohne das oben beschriebene Design zur Vorbereitung und Durchführung einer Teamentwicklungsmaßnahme ist jegliches Ergebnis purer Zufall. Wenn das Ziel aber beispielsweise lautet „Entwicklung von Teamzielen für das kommende Arbeitsjahr und Vereinbarung von Regeln zur Zusammenarbeit im Team“ wird der Grill-Abend vielleicht keine passende Methode darstellen.

Andreas Driza (Montée Austria): Zum einen stellt sich die Frage nach dem gemeinsamen, verbindenden Erlebniswert, der auch bei einem Grill-Nachmittag durchaus hoch sein kann. Zum anderen stellt sich die Frage, welche Inhalte und Visionen sollen vermittelt und gelebt werden. Die gemeinsame Gestaltung des Weges ist das Ziel. Wer möchte schon tausende Kilometer auf holprigen Straßen in einer Pferdekutsche unterwegs sein, wie in Mozarts Zeiten?

Wie legen Sie Teambuildings grundsätzlich an, um den Anforderungen der Unternehmen gerecht zu werden?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Es gibt auf dem Markt eine Vielzahl an Angeboten zur Teamentwicklung, wichtig ist uns, dass die verwendete Methodik des Teambuildings zur Branche und auch zum Team passt. Careercenter steht hier für nachhaltige Teamentwicklung durch gemeinsames Tun und Erleben. Der Spaß darf dabei auch nicht zu kurz kommen, denn durch positive Emotionen werden die Erkenntnisse aus den Seminaren langfristig bei den Teammitgliedern verankert und erfolgreich in die berufliche Praxis transferiert.

Welche Haupt-Themen sehen Sie in Ihren Teambuilding-Seminaren und Teambuilding-Spielen?

Andreas Driza (Montée Austria): Die Themen sind Wertschätzung und Einfühlungsvermögen, daraus ergibt sich automatisch eine wesentlich bessere Teamperformance. Ein Arbeitsklima in dem sich jeder wohlfühlt und täglich mit Freude und Motivation seine Arbeit macht.

Inwiefern spielen Interkulturelle Kompetenzen bei Teambuildingmaßnahmen eine Rolle?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Da in der heutigen Zeit Teams oftmals mit Teams aus anderen Kulturen zusammenarbeiten, spielen interkulturelle Kompetenzen in Teambuidings eine immer größere Rolle. Bei Team-Building-Maßnahmen für interkulturelle Teams muss deshalb auch die interkulturelle Kompetenz der einzelnen Teilnehmer gestärkt werden.

Was wurde aus all den Seminar-Pferden, die Teams und Führungskräfte zu Hauf den Weg zur eigenen Kompetenz wiesen?

Klemens Gansinger (Trainingsteam Gansinger Hufnagl): Denen geht es hoffentlich gut.


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Die Gesprächspartner


mathe_günther_careercenter100Günther Mathè, MBA
Geschäftsführer

careercenter e.U.

www.careercenter.at

Unternehmens-Profil


driza_andreas_montee.jpgAndreas Driza
Kommunikationstrainer + Geschäftsführer

Montée Austria GmbH

www.teambuilding-dinner.com

Unternehmens-Profil


Klemens Gansingergansinger-clemens-trainingsteam
Geschäftsführender Gesellschafter

Trainingsteam Gansinger Hufnagl OG

www.trainingsteam.at


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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Ein Kommentar

  1. Reinhard Krechler am

    Wertschätzende Antworten auf eine (berechtigt) provokante Fragestellung!

    Ich schließe mich der Meinung an, dass eine Methode allein nicht das Grundgerüst eines Seminars oder Workshops sein kann. Passt sie jedoch, weil sie hypothesenbasiert und ihr Bezug zur Zielerreichung reflektiert eingesetzt wird spielt es keine Rolle, ob es sich um Actionrennen, Brückenbau, Pferdeführen, Bilder malen… handelt. Jede/r Trainer/in und Berater/in muss darauf achten, dass das gewählte Vorhaben an das zu beratende Team anschlussfähig ist und was bereits in vorangehenden Trainings/Workshops durchgeführt wurde.

    Gerade erlebnispädagogische Elemente bieten die wunderbare Möglichkeit, bei den „weichen“ (sozialen) Themen der Teamarbeit mehr“ in die Tiefe“ (auf Basis der Emotion) zu kommen als bloße Kopfarbeit und Diskussionen. Beispielsweise zu den Themen Kommunikation und Kooperation lassen sich durch spielerische Übungsinterventionen, die im Anschluß entsprechend gut mit der Gruppe reflektiert werden, mehr erreichen als einfache Absichtserklärungen (nach dem Motto: „Wie hätten wir es denn gern in unserem Team?“). Zusammenhalt, Kreativität, Offenheit etc. lassen sich für kein Team der Welt verordnen, man muss sie erlebbar machen – und das ist unsere Aufgabe als Berater/in oder Trainer/in im Rahmen von Teambuildings.

    Die Psychologie spricht hier vom „regulatorischen Fokus“, der seine Wirksamkeit – meist unbewußt – entfaltet und sich gut für unmittelbar darauffolgende Tätigkeiten (z.B. Bearbeitung „harter“ Faktoren wie z.B. inhaltliche Lösungswege, geeignete Strukturen und Prozesse zur Teamzielerreichung) einsetzten lässt.

    Bei Beraterkreis (http://www.beraterkreis.at) versuchen wir nach Möglichkeit, beide Elemente (Erleben UND Fakten bearbeiten) so zu kombinieren, dass die im Vorfeld definierten Ziele eines Teambuildings erreicht werden können.

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