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HR-Tipp | Kulturelle Diversität im Arbeitsalltag: Wie können Vorurteile abgebaut werden?


HR-Tipp: Kulturelle Diversität im Arbeitsalltag:
Wie können Vorurteile abgebaut werden?

Zielgruppe:



Personen, für die kulturelle Diversität zum Arbeitsalltag zählt


Tipp-Geber:


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Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How – Training & Consulting)


 

Wie können Menschen überzeugt werden, dass kulturelle Diversität erstens nicht mehr aufzuhalten ist und zweitens einen Mehrwert bringt? Wissenschaftliche Erklärungen und sogar Fakten- und Datenmaterial zu den Vorteilen gegenüber kultureller Diversität haben für viele Menschen auf der emotionalen Ebene keine Überzeugungskraft.

Die Frage nach den Ressourcen, die genutzt werden können, drängt sich auf. Ressourcen sind Sprachkenntnisse, Wissen über andere kulturelle Kontexte, Netzwerk-Denken in einer anderen Weise, Loyalität, sobald gute Beziehungen aufgebaut wurden, Enthusiasmus aufgrund des Neubeginns in einem neuen kulturellen Kontext usw.

Vorurteile sind verinnerlichte Urteile, die von der eigenen Umgebung oft bestätigt werden. Sie können nur abgebaut werden, indem Vergleiche zwischen der eigenen Gruppe und den anderen vermieden werden. Dies gelingt, wenn die Kriterien, die für die Vergleiche angewandt werden, nicht zur Erhöhung oder Bestätigung der eigenen Überlegenheit herangezogen werden. Ein Beispiel:

Frau Habib ist neu in der IT-Abteilung eines österreichischen Versicherungsunternehmens. Sie wurde eingestellt, weil sie langjährige Erfahrungen in der Branche hat. Ihre Deutschkenntnisse sind gut, aber gerade die Fachsprache macht ihr zu schaffen. Ihre Kollegen müssen mit ihr Englisch sprechen, was bei einigen nicht gut ankommt. Sie beklagen sich bei der Abteilungsleiterin: „Frau Habib ist ja ok und macht ihre Arbeit sehr gut, aber sie spricht nicht gut Deutsch. Das führt zu Verzögerungen, weil wir ihr alles erst auf Englisch erklären müssen. Englisch ist aber auch nicht unsere Muttersprache. Wir tun uns da nicht so leicht.“ Die Abteilungsleiterin macht einen Vorschlag: „Lassen wir einmal die deutsche Sprache beiseite. Frau Habib wird sie mit der Zeit schon lernen. Fragen wir stattdessen: Was kann denn Frau Habib besonders gut? Was kann sie, was ihr nicht könnt? Wie könnt ihr von eurer Kollegin profitieren?“

Mit dieser Zugangsweise kann ein Muster aufgebrochen werden, das zuvor den Umgang mit der Kollegin Habib prägte: der Fokus lag auf ihrem Defizit, der deutschen Sprache. Nun wird das Augenmerk auf ihre Kenntnisse und Fähigkeiten gelegt, die eine Ressource sind. Damit kann sie als gleichwertiges Mitglied der Gruppe gesehen werden. Die Mühe, die sich die Gruppe mit ihr macht, indem sie mit ihr Englisch spricht und die Fachausdrücke auf Deutsch erklärt, wird ausgeglichen, indem sich Frau Habib durch ihre fachliche Erfahrung, ihre Sprachkenntnisse (hervorragendes Englisch, Französisch und Arabisch) und eine andere Sichtweise einbringen kann. Eine Win-Win-Situation, auf der Synergien entwickelt werden können.

Um Stereotypisierungen und Diskriminierung abzubauen, müssen soziale Vergleiche zwischen den betroffenen Gruppen vermieden werden. Wenn beide Gruppen eigenständige oder einander ergänzende Leistungen erbringen und diese unter einem gemeinsamen Ziel betrachtet und gewürdigt werden, begegnet man einander auf Augenhöhe. In diesem Zusammenhang liegt der Nutzen aus kultureller Diversität darin, dass wir in der Zusammenarbeit in Teams lernen, soziale und emotionale Dynamiken zu steuern und unterschiedliche Blickwinkel gelten zu lassen. In diesem Kontext sind interkulturelle Trainings und internationales Teambuilding von großem Nutzen, da sie die Erweiterung des kulturellen Bewusstseins und die Entwicklung interkultureller Kompetenz bei den Mitarbeitern vorantreiben.

Tipps für den Abbau von Vorurteilen:

  • Streichen Sie die Kenntnisse und Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter heraus und betonen Sie nicht deren Defizite, vor allem bei neuen Mitarbeitern und jenen, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben.
  • Reden Sie mit einzelnen Mitarbeiter/innen persönlich, die gegenüber Kollegen oder Kolleginnen aus anderen Ländern Vorurteile haben. Gehen Sie auf ihre Ängste oder Befürchtungen ein, zeigen Sie konkrete Lösungen auf.
  • Schaffen Sie den Rahmen für die Möglichkeit informeller Treffen der Teams – sei es eine geeignete Kaffeeküche mit ausreichend Sitzmöglichkeiten, After-Work Aktivitäten, Betriebsausflüge, Team-Building-Events usw. Gemeinsame Aktionen stärken die Gruppenzusammengehörigkeit.
  • Ermöglichen Sie Ihren internationalen Teams durch Trainings oder Team-Buildings neue Zugangsweisen zueinander zu finden.
  • Bieten Sie in regelmäßigen Abständen Diversity-Trainings für die einzelnen internationalen Teams an.

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