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Der Hintergrund von Burnout-Stufen & Burnout-Phasen.

Burnout wäre viel einfacher zu erkennen wenn … ja, wenn es greifbar wäre. Ich haben von „Burnout-Stufen“ und „Burnout-Phasen“ gehört. Meine Experten-Runde zu Burnout der letzten Wochen steht mir heute nochmal zur Seite – sie erzählen von Burnout-Phasen, Burnout-Stufen, einer Burnout-Uhr, einem Burnout-Rad. Lassen Sie uns mal eintauchen, es wird klarer wenn sich mehr Text um diese Schlagworte rankt!

Interview-Happen

Ein langes Interview zum Thema Burnout erscheint hier in Einzel-Happen ⇒ hier werden alle Burnout-Themen gesammelt.

Branchen-Überblicke

Dieses Thema spielt in zahlreiche unserer HRweb-Branchen hinein, daher liste ich hier gleich mehrere Branchen-Überblicke zur leichteren Auffindbarkeit der einzelnen Anbieter in Österreich:

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Definition Burnout-Stufen & Burnout-Phasen

Bitte um eine kurze Definition der Burnout-Stufen. Welche klassischen Stufen / Burnout-Phasen durchlaufen Betroffene?

Mag. Susanne Hickel (Health Consult): Burnout verläuft in Phasen – man spricht auch von einem Zyklus mit 12 Stufen (Freudenberger) bei dem einzelne Stufen übersprungen werden können. Wesentlich ist die kontinuierliche Verschlechterung bis am Ende die Unterscheidung von einer schweren Depression kaum noch möglich ist. Stationen am Weg dorthin sind zunehmendes Leistungsstreben und der Zwang sich zu beweisen, gefolgt von der Vernachlässigung eigener Bedürfnisse und Verdrängung von Konflikten, eine Veränderung von Werten, der Verleugnung des Geschehens mit anschließendem Rückzug und Verflachung bis hin zur Depression.

Wesentliche Merkmale sind
1.) Die (emotionale) Erschöpfung – sie ist das Resultat aus übermäßiger und dauerhafter Anspannung.  Selbst merkt man den Verlust an Energie, Freude und Genussfähigkeit. Indikatoren für Führungskräften sind oft Müdigkeit und Gereiztheit ihrer Mitarbeiter (z.B. Aggressive Reaktion auf Nichtigkeiten). Körperliche Symptome treten auf, z.B. Gewichtsschwankungen.
2.) Depersonalisation: Betroffene stellen eine Distanz zwischen sich und Anderen (Kollegen, Kunden) her – die Arbeit wird zur unpersönlichen Routine. Es folgt Rückzug – selbst von Nahestehenden. Führungskräfte sollten bei zynischen Bemerkungen über Kunden/Klienten hellhörig werden.
3.) Reduzierte Leistungsfähigkeit: Konzentrationsmängel und Vergesslichkeit machen Betroffenen zu schaffen – von Außen wird Zerstreutheit wahrgenommen und ein Zunehmen der Fehlerhäufigkeit.
Kurz gesagt: Man verliert zunehmend das Gefühl für sich selbst wie auch für andere.

DI Elisabeth Alder (Alder Consulting): Aus meiner Erfahrung heraus ist das Burnout Rad / Burnout Stufen eine gute Richtschnur.
1. Zwang sich selber beweisen zu müssen
2. Verstärkter Einsatz
3. Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse
4. Verdrängung von Konflikten
5. Umdeutung von Werten, 6. Verleugnung von Problemen
7. Rückzug
8. Beobachtbare Verhaltensänderung
9. Gefühl die eigene Identität zu verlieren
10. Innere Leere
11. Depression,
12. Burnout Syndrom
Natürlich ist das Burnout Rad ein theoretisches Modell, dh. es läuft nicht immer 100% so ab aber als Diagnoseinstrument ist es wichtig.  Die letzten drei Stufen sind zweifellos Fälle für Ärzte und Therapeuten.

Burnout-Stufen & Burnout-Phasen: unterschiedliche Modelle

Läuft jedes Burnout notwendiger Weise in diesen Burnout-Phasen ab? Welche Modelle  – abgesehen von den Burnout-Stufen – sind für Sie hilfreich?

Mag. Renate Strommer (ASO & WiLAk): Je nach Konzept werden eine unterschiedliche Anzahl von Burnout-Stufen und deren Wirkung betrachtet. Das stufenreichste Konzept ist von Freudenberger mit 12 Stufen. Darüber hinaus gibt es etliche interessante psychologische Konzepte, die andere Denkansätze bieten, z.B. dem Konzept der Vulnerabilität. Die Konzepte stellen Hilfsmittel dar, um die Entwicklung erfassen zu können.
Jedoch gibt es keinen standardisierten Verlauf. Die Entwicklung ist sehr unterschiedlich. Daher gibt es im IDC10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) noch keine Diagnostik „Burnout“.

Mag. Carmel Lee Paul, MSc (ITO): Wir gehen davon aus, dass Führungskräfte und sonstige Hochleister ständig zwischen Stufe 2 und 4 pendeln. Im idealen Fall haben die Leute ein starkes privates Umfeld und/oder schaffen sich durch Alternativen wie Yoga, autogenes Training oder sonstige Hobbies einen Ausgleich, sodass das Tretrad unterbrochen wird (siehe die 12 Phasen nach Freudenberger.).

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Die Stufen oder die „Uhr“ sind ein hilfreiches Modell, aber in der Praxis gibt es natürlich eine individuelle Entwicklung, die nicht genau danach verläuft.

Mag. Brigitta Giselbrecht (bGesundheitsmanagement): Freudenberger hat den Verlauf eines Burnouts in 12 Stadien bzw. Stufen beschrieben. Wichtig ist dabei, dass die Reihenfolge der Stadien von Mensch zu Mensch variieren kann. Der Verlauf ist nicht linear und kann auch Phasen überspringen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass hinter einem Burnout eine schleichende Verschlechterung der eigenen Lebensqualität steckt. Die Betroffenen werden nicht über Nacht krank, sondern befinden sich ungewollt manchmal über Jahre hinweg in einer Stressspirale, aus der sie ohne Hilfestellung nicht entfliehen können.

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Burnout ist keine eindeutig definierte Krankheit. Es ist ein Syndrom, das bedeutet eine charakteristische Konstellation mehrerer verschiedener Symptome und deren Wechselwirkung.
Es finden sich in der Literatur verschiedene Phasenmodelle. Egal, ob sie ein 3, 7 oder 12 Phasen-Modell heranziehen, wichtig ist der Aspekt, dass Burnout in Phasen verläuft. Denn daran erkennt man, dass Burnout nicht von jetzt auf gleich passiert. Es ist ein schleichender Prozess, der über Monate bis hin zu Jahren verläuft. Das Fatale daran ist, dass sich der Betroffene an den jeweiligen Zustand „gewöhnt“. Es ist dann halt so, dass man schlecht schläft, immer wieder im an einem Infekt erkrankt, schlecht gelaunt ist  etc.
Man muss immer wieder betonen, dass viele Symptome der einzelnen Phasen auch jeden betreffen können, ohne gleich ein Burnout zu sein. Phasen von Niedergeschlagenheit, Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit etc. kennt jeder von uns. Deshalb ist es hilfreich, sich mit einem Experten zu beraten und eine eventuelle Burnout-Erkrankung abzuklären.

Gibt es Burnout überhaupt? Oder ist das ein Begriff für „Eh alle Arten von Überlastung?“

Mag. Susanne Hickel (Health Consult): Gesicherte Prävalenzzahlen fehlen, im Standard Diagonse System (ICD11) findet sich keine eigenständige Definition. Burnout wird lediglich als Zusatzdiagnose erfasst, mit den wesentlichen Merkmalen „Asugebranntsein“ und „Zustand totaler Erschöpfung“. Tatsächlich gibt es Überschneidungen mit anderen Erkrankungen wie Depression oder Demenz. Unbestritten ist allerdings der kontinuierliche Anstieg psychischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten: Bei den Frühpensionierungen von Frauen sind psychische Erkrankungen an erster Stelle. 50-60% der Arbeitsunfähigkeitstage in der EU sind nach Angaben der Gesundheitsschutzagentur OSHA durch arbeitsbedingten Stress und psychosoziale Risiken versursacht.

In unserer täglichen Arbeit begegnen wir Menschen in unterschiedlichen Burnout-Stadien jedenfalls sehr häufig – also Menschen, die neben allen anderen Symptomen  deutlich den Bezug zu ihrer Arbeit verloren haben und am Rande der Erschöpfung sind. Hintergrund ist meist nicht primär die Arbeitsmenge selbst, sondern das Fehlen der Erholungsspielräume. Auf die Dosis kommt es an: Stress per se macht noch nicht krank – es ist der Dauerstress, der unserem Gehirn und letztlich dem Gesamtorganismus Schaden zufügt.

Ist ein Coaching für Personen mit beginnenden oder fortgeschrittenen Burnout immer erfolgreich?

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Leider nein – auch wenn jemand ins Coaching kommt kann es sein, dass er/sie die begonnene Dynamik nicht stoppen möchte und erst eine körperliche Reaktion wie z.B. eine Erschöpfungsdepression oder sogar ein Herzinfarkt diese Dynamik stoppt.

Abseits von Burnout-Stufen & Burnout-Phasen

Und abseits von jeglichen Modellen und Burnout-Phasen?

Mag. Ulrike Kriener (AUMAIER COACHING | CONSULTING): Ich finde es wichtig, sehr individuell zu agieren. Zur Abklärung nutze ich ein tiefenpsychologisches Interview und computerisierte Analyse Verfahren. Auf Grund der Ergebnisse empfehle ich  dann die weitere Vorgehensweise in Abstimmung mit dem Betroffenen.

Mag. Regina Nicham (IBG): Aufblühen statt Ausbrennen! Burnout ist nach wie vor ein brennendes Thema, wird viel diskutiert, oft fälschlich oder inflationär gebraucht und schürt dadurch Ärger und Unverständnis. Doch was wird unter Burnout verstanden?
Burnout entsteht nicht von heute auf morgen und entwickelt sich schleichend und manchmal oft lange unbemerkt. Zur Burnout Symptomatik gehört auch die Verleugnung der eigenen Burnout-Gefährdung bzw. der ersten Symptome.
Unter dem Begriff Burnout versteht man einen physischen, geistigen und emotionalen Erschöpfungszustand, welcher mit unterschiedlichsten Symptomen einhergeht und ein sich langsam entwickelnder Zustand ist. Der Mensch fühlt sich ausgebrannt, schwach, lustlos und ist nicht mehr fähig, sich in irgendeiner Weise zu erholen.
Das „Vollbild“ der Burnout-Symptomatik umfasst eine Erschöpfung auf allen Ebenen: körperlich, psychisch, geistig und sozial.

Volker Sotzko, MSc (KICK OFF): Belastungen sind individuell sehr verschieden. Modelle sind lediglich für Laien hilfreich, um sich zu orientieren. Erst im geschützten Rahmen können die Belastungskreisläufe (die lebensbedingt stark variieren) erforscht und therapiert werden.

 

Danke, das möchte ich als Schlusswort stehen lassen, denn nach diesem Interview bin ich – eben als Laie – tatsächlich schlauer als zuvor! Ein großer Dank an meine Interview-Runde, die über x Interview-Happen gemeinsam mit mir durchhielt und mich – und hoffentlich einen Großteil der HRweb-Leser – eben ein Stückchen schlauer machte.

Quelle Grafik Burnout-Stufen: www.sonderglocke.de

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Die Gesprächspartner

 

BGM, BGF, betriebliches Gesundheitsmanagement, ÖsterreichMag. Brigitta Giselbrecht
Inhaberin

bGesundheitsmanagement

www.betriebsgesundheitsmanagement.com

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Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

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DI Elisabeth Alder
Eigentümerin

Alder Consulting

www.alder.at

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Mag. Carmel Lee Paul, MSc
Coach, Consultant

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

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Volker Sotzko, MSc
Geschäftsführer

KICK OFF Management Consulting GmbH

www.kick-off.at

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Dr. Josef Krobath
Inhaltlicher Leiter der Ausbildung zum Diplomierten Coach

bfi – Berufsförderungsinstitut

www.bfi-stmk.at

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BGM, BGF, betriebliches Gesundheitsmanagement, ÖsterreichMag. Susanne Hickel
Prokuristin, (Kollegiale) Leitung Arbeitspsychologisches Zentrum

Health Consult Gesellschaft für Vorsorgemedizin Ges.m.b.H.

www.health-consult.at


Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at


Mag. Renate Strommer
Geschäftsführerin

ASO & WiLAk GmbH

www.wilak.at


Interview durchgeführt von

selan_eva_150Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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