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HRweb vor Ort | BGM-Kongress: Gesundheitsmanagement macht Pause

Event-Bericht: Kongress – Betriebliches Gesundheitsmanagement

1+2juni2017, Business Circle

 

Die Pause als multiples Stichwort für die aktuelle Business Circle Konferenz: Macht BGM in Unternehmen gerade Pause? Und was ist der Wert einer Pause aus Sicht von Psychologen, Industrie 4.0, Achtsamkeitstrainern und Bewegungsakteuren? Hier ein pausen(er)füllender Lesestoff dazu…!

Ist die große Gesundheitsbewegung in den Unternehmen vorbei? Auf Eis gelegt? Auf Pause? Der Interessensschwerpunkt in Unternehmen liegt derzeit etwas stärker bei anderen Themen, allem voran Industrie 4.0/Digitalisierung/neue Arbeitswelt, berichten Teilnehmer der aktuellen Konferenz von Business Circle zu BGM, die vom 1+2juni2017 im schönen und erweiterten Schlosspark Mauerbach stattfindet. Dranbleiben und schlau mit bestehenden Systemen verknüpfen, lautet die Devise, die Irene Kloimüller (Moderation) ausruft!

Noch mehr Kranke in der modernen Arbeitswelt?

Welche Bedeutung hat dieses Thema für die Gesundheitsförderung? Johann Beran, Klinischer Psychologe, der BGM in Unternehmen unterstützt, berichtet von seinen Erfahrungen und Bildern z.B. von einer schwedischen Papierfabrik, wo in der Maschinenhalle alles automatisch läuft und nur mehr Überwachungspersonal in einem abgedunkelten Raum stundenlang auf 30-50 Bildschirme starrt um einen eventuellen Notfall zu entdecken.

Die neuen, technischen Möglichkeiten werden unsere Arbeit entweder ersetzen oder uns einen rascheren (Maschinen-)Rhythmus aufdrängen und bleiben auch im privaten Umfeld allgegenwärtig, schildert er, eher skeptisch. Wir schauen auch noch „zur Erholung“ abends auf die blau leuchtenden Bildschirme von iPad & Co. Seiner Meinung nach bedeuten diese Veränderung eine Zunahme an Ängsten, eine Verringerung der Tiefschlafphasen/ Schlafqualität und einen höheren Erholungsbedarf.

Foto: Podiumsdiskussion mit Barbara Kellner (Deloitte), Thomas Nagy (Moderation), Johann Beran (Klinischer Psychologe)

Im Austausch mit der Deloitte-Beraterin Barbara Kellner zu moderner Arbeitsplatzgestaltung und dem Zwiespalt Arbeiten im privaten Umfeld, zeigen sich folgende hilfreiche Maßnahmen:

  • Die Vorbildwirkung der Führungskraft! Die Führungskräfte sollen private Termine in den Kalender schreiben (z.B. Kindergarten, Fitnesscenter), damit die Mitarbeiter sehen, dass sich die Arbeitszeit nicht nur ausdehnt sondern die Arbeitszeit auch durch Freizeit unterbrochen werden darf.
  • Regeln vereinbaren zwischen Mitarbeiter, Führungskraft und Unternehmen: Was sind die tatsächlichen Erwartungen? Muss der Mitarbeiter tatsächlich 24/7 erreichbar sein?  Ein konkretes Ansprechen hilft, denn zu viel Eigenverantwortung stresst auch, weil die Orientierung fehlt.
  • Die Regeln müssen nachvollziehbar und transparent sein. Ausnahmen müssen eindeutig arbeitsbedingt erklärbar sein und keinesfalls persönliche Gefälligkeiten sein.

 

Wie ist das jetzt mit der Pause?

Bei schnellerem Rhythmus und höherer Leistung braucht es als Gegenpol auch mehr Erholung. Gerade das findet oft in der Arbeit noch zu wenig statt, wie auch einige Teilnehmer berichten. Normpausen als „Zwangsmittel“ stellt sich als Frage. Eine Normpause ist besser als keine, meint Johann Beran, nützt aber oft wenig, weil die individuellen Bedürfnisse so unterschiedlich sind. Dem einen ist die Pause noch zu weit weg, der andere ist gerade im Flow und will nicht unterbrochen werden. In der Diskussion geht die Tendenz zur geregelten Pause in Kombination mit individuellen  Micropausen. So reichen zum Beispiel zwei Minuten hüpfen um 1,5 Stunden Stress abzubauen. Bewegung um Stresshormone abzubauen und den Körper vor einseitigen Belastungen zu schützen, das nützt die Siemens in Weiz seit Jahren. Bewegungsakteure (= Mitarbeiter) bieten täglich zwei Mal eine zehnminütige Bewegungspause an, die je nach Abteilung konsequent genutzt wird und auch den Zusammenhalt stärkt. Harald Schober ist so ein Siemens Bewegungsakteur und er holt auch die Konferenzteilnehmer regelmäßig von ihren Stühlen. Es tut einfach gut!

Eva-Maria Schneider zeigt eine alternative Form der Pause vor, nämlich bewusstes Atmen. Diese Achtsamkeitspraxis erhöht das Körperbewusstsein, das Wohlbefinden und schafft neue Handlungsmöglichkeiten durch die kleine Auszeit. Manchmal helfen schon 2-3 Atemzüge, die einen wirksamen „Zwischenraum“  zwischen dem Reiz (was passiert gerade?) und meiner (üblichen) Reaktion herstellen. Und darin – in diesem Zwischenraum – steckt viel Potential für Erholung und persönliche Entwicklung.

Siehe auch Titelbild: Roundtable zum Thema „Erfolgreicher durch achtsames Atmen“ mit Eva-Maria Schneider im Schlosspark Mauerbach

Blitzlichter

Die BGM-Konferenz ist auch heuer wieder methodisch und inhaltlich abwechslungsreich gestaltet. Key Note Speakers wechseln sich mit Teilnehmerfragerunden, Podiumsdiskussion und Bewegungseinheiten ab. Es gibt Vertiefungen und Praxisbeispiele in Parallel-Workshops und mehrere Roundtable-Erfahrungsaustauschrunden – mit Spezialisten und Kollegen aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Der inhaltliche Kanon spannt sich über rechtliche Aspekte (z.B. Wiedereingliederungsteilzeit), neue Arbeitswelt, gesunde Führung hin zu konkreten Maßnahmen und Zielgruppen (z.B. altersgerechtes Arbeiten, Menschen mit Beeinträchtigungen).

 

Und jetzt: der Abspann

„Fürchtet euch nicht!“ ist das häufigste Zitat innerhalb der Bibel, ließ Burkhard Ellegast (ehem. Abt des Stiftes Melk) ausrichten, der durch eine wichtige seelsorgerische Aufgabe verhindert war. Thomas Nagy (Moderator) ergänzt für ihn: Wenn unsere Angst vor der neuen Arbeitswelt zu groß wird, dann tötet sie die Liebe. Und nur mit Liebe kann man die Angst wieder reduzieren. Johann Beran (Klinischer Psychologe) ergänzt mit Augenzwinkern, dass sich unsere Kollegen die Menschenaffen gegenseitig berühren um Spannungen abzubauen, die friedlicheren Bonopos machen sogar noch mehr als das… Andreas Budz (Vivisol, Kundalini-Yogi) ist überzeugt, dass es dem Einzelnen dann gut geht, wenn es der Gemeinschaft gut geht und wenn das gemeinsame Arbeiten Sinn stiftet.

Ich höre heraus, was ich auch in meiner Beratungspraxis als hoch wirksam erlebe: sich gemeinsam ausrichten auf Positives, Sinnvolles, Chancen – vorgelebt durch Führung, die echte Führung ist UND auf die eigenen Bedürfnisse hören – atmen, Pause machen, bewegen, alte Muster unterbrechen.  Das Pendel, das in Richtung Erfolg und Leistung hoch ausschlägt, auch hoch in Richtung Ruhe und Erholung ausschlagen lassen. Ein physikalisches Prinzip für unser Gehirn 1.0. Die Arbeitswelt muss auch Lebenswelt sein, wie Johann Beran fordert.

So, und jetzt mach ich Pause und geh spazieren.


Mehr info

https://businesscircle.at/human-resources/konferenz/betriebliches-gesundheitsmanagement

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